Linkzweck (im Kontext):
Erfolgskriterium 2.4.4 verstehen

2.4.4 Linkzweck (im Kontext): Der Zweck jedes Links kann durch den Linktext allein oder durch den Linktext zusammen mit seinem durch Software bestimmten Link-Kontext bestimmt werden außer in Fällen, in denen der Zweck des Links mehrdeutig für Benutzer im Allgemeinen wäre. (Stufe A)

Die Absicht dieses Erfolgskriteriums ist es, Benutzer zu helfen, den Zweck jedes Links zu verstehen, so dass sie entscheiden können, ob sie dem Link folgen wollen. Stellen Sie, wann immer möglich, Linktexte bereit, die den Zweck des Links bezeichnen, ohne dass zusätzlicher Kontext benötigt wird. Assistierende Techniken haben die Fähigkeit, Benutzern eine Liste mit Links, die auf der Webseite sind, bereitzustellen. Linktext, der so aussagekräftig wie möglich ist, hilft Benutzern, die aus dieser Liste mit Links auswählen möchten. Aussagekräftige Linktexte helfen auch denjenigen, die per Tab-Taste von Link zu Link gehen wollen. Aussagekräftige Links helfen Benutzern dabei auszuwählen, welchen Links sie folgen wollen, ohne dass komplizierte Strategien erforderlich sind, um die Seite zu versehen.

In manchen Situationen empfiehlt es sich, dass Autoren einen Teil der Beschreibung des Links in einem in logischem Zusammenhang stehenden Text, der den Kontext für den Link gibt, bereitstellen. In diesem Fall sollte der Benutzer in der Lage sein, den Zweck des Links zu erkennen, ohne dass er den Fokus von dem Link weg bewegen muss. In anderen Worten, sie können bei einem Link ankommen und mehr darüber herausfinden, ohne dass sie ihre Position verlieren. Dies kann man erreichen, indem die Beschreibung des Links in den gleichen Satz, Absatz Listenelement, in die Überschrift, die dem Link unmittelbar vorausgeht, in die als Link fungierende Tabellenzelle oder in die Überschriftenzelle einer Tabelle für einen Link in einer Datentabelle schreibt, da diese unmittelbar mit dem Link selber verbunden sind.

Dieser Kontext ist am brauchbarsten, wenn er dem Link vorangeht. (Wenn Sie zum Beispiel missverständlichen Linktext benutzen müssen, dann ist es besser, ihn an das Ende des Satzes, der dessen Ziel beschreibt, zu stellen, statt die missverständliche Phrase an den Beginn des Satzes zu stellen.) Wenn die Beschreibung auf den Link folgt, dann kann dies bei Benutzern von Screenreadern, welche die Seite der Reihe nach lesen (von oben nach unten), zu Verwirrung führen.

Links mit dem gleichen Ziel sollten die gleichen Beschreibungen haben (gemäß Erfolgskriterium 3.2.4), aber Links mit unterschiedlichen Zwecken und Zielen sollten unterschiedliche Beschreibungen haben.

Das Erfolgskriterium enthält eine Ausnahme für Links, bei denen sich der Zweck des Links nicht aus den Informationen auf der Webseite erschließt. In dieser Situation ist die Person mit der Behinderung nicht im Nachteil; es gibt keinen zusätzlichen Kontext, um den Zweck des Links zu verstehen. Allerdings muss alles, was auf der Webseite an Kontext zur Verfügung steht und das benutzt werden kann, um den Zweck des Links zu interpretieren, im Linktext bereitgestellt werden oder es muss durch Software mit dem Link verknüpft werden, um das Erfolgskriterium zu erfüllen.

Anmerkung: Es kann unter Umständen Situationen geben, in denen der Zweck des Links unbekannt oder nicht zu erkennen sein soll. Zum Beispiel kann ein Spiel möglicherweise Links haben, die nur als Tür #1, Tür #2 und Tür #3 gekennzeichnet sind. Dieser Linktext wäre ausreichend, denn der Zweck des Links ist es, Spannung für alle Benutzer zu schaffen.

Siehe auch Erfolgskriterium 2.4.9 verstehen - Linkzweck (reiner Link).

  • Dieses Erfolgskriterium hilft Menschen mit Bewegungseinschränkungen, indem man sie Links überspringen lässt, an denen sie nicht interessiert sind und damit Tastenanschläge vermeidet, die notwendig wären, um den referenzierten Inhalt zu besuchen und dann zum aktuellen Inhalt zurück zu kehren.

  • Menschen mit kognitiven Einschränkungen verlieren nicht die Orientierung durch mehrfache Navigation zu und von Inhalten, an denen sie nicht interessiert sind.

  • Menschen mit visuellen Behinderungen sind in der Lage, den Zweck eines Links zu bestimmen, indem die den Kontext des Links erkunden.

  • Ein Link enthält Text, der eine Beschreibung der Informationen an dem URI gibt

    Eine Seite enthält den Satz „There was much bloodshed during the Medieval period of history.“, wobei „Medieval period of history“ ein Link ist.

  • Einem Link geht eine Textbeschreibung der Informationen an dem URI voraus

    Eine Seite enthält den Satz „Learn more about the Government of Ireland's Commission on Electronic Voting at Go Vote!“, wobei „Go Vote!“ ein Link ist.

  • Sowohl ein Symbol als auch Text sind im gleichen Link enthalten

    Ein Symbol einer Wahlmaschine und der Text „Government of Ireland's Commission of Electronic Voting“ werden kombiniert, um einen einzigen Link zu ergeben. Der alt-Text für das Symbol ist leer, da der Zweck des Links schon durch den Text des Links neben dem Symbol beschrieben wird.

  • Eine Liste mit Buchtiteln

    Eine Liste an Büchern steht in drei Formaten zur Verfügung: HTML, PDF und mp3 (eine Aufnahme einer Person, die das Buch liest). Um zu vermeiden, dass man den Titel jedes Buches dreimal hört (einmal für jedes Format), ist der erste Link für jedes Buch der Titel des Buches, der zweite Link lautet „PDF“ und der dritte lautet „mp3“.

  • Zusammenfassung von Nachrichtenartikeln

    Eine Webseite enthält eine Sammlung an Nachrichtenartikeln. Auf der Hauptseite stehen die ersten paar Sätze jedes Artikels, gefolgt von einem „Weiterlesen“-Link. Ein Screenreader-Befehl zum Lesen des aktuellen Absatzes stellt den Kontext zur Verfügung, um den Zweck des Links zu interpretieren.

Ressourcen sind nur zu Informationszwecken und keine offizielle Empfehlung.

Jeder nummerierte Punkt in diesem Abschnitt repräsentiert eine Technik oder eine Kombination von Techniken, welche die WCAG-Arbeitsgruppe für ausreichend zur Erfüllung dieses Erfolgskriterium hält. Die aufgelisteten Techniken erfüllen das Erfolgskriterium nur dann, wenn alle WCAG 2.0 Konformitätsbedingungen erfüllt wurden.

  1. G91: Bereitstellung eines Linktextes, der den Zweck eines Links beschreibt

  2. H30: Bereitstellung eines Linktextes, der den Zweck eines Links bei anchor-Elementen beschreibt (HTML)

  3. H24: Bereitstellung von Textalternativen für die area-Elemente bei Image Maps (HTML)

  4. FLASH27: Bereitstellung von Beschriftungen (Labels) für Schaltflächen, die den Zweck einer Schaltfläche beschreiben (Flash)

  5. Es dem Benutzer erlauben, zwischen kurzen und langen Linktexten zu wählen, indem eine der unten genannten Techniken benutzt wird:

  6. G53: Kennzeichnung des Linkzwecks, indem der Linktext zusammen mit dem Text des einschließenden Satzes benutzt wird

  7. Bereitstellung einer ergänzenden Beschreibung des Linkzwecks, indem eine der folgenden Techniken benutzt wird:

  8. Kennzeichnung des Linkzwecks, indem der Linktext zusammen mit seinem durch Software bestimmten Link-Kontext benutzt wird. Dies macht man durch die Benutzung einer der folgenden Techniken:

Obwohl sie für die Konformität nicht erforderlich sind, so sollten die folgenden zusätzlichen Techniken dennoch in Betracht gezogen werden, um den Inhalt barrierefreier zu machen. Nicht alle Techniken können in allen Situationen benutzt werden oder wären in allen Situationen effektiv.

Mehrdeutig für Benutzer im Allgemeinen (ambiguous to users in general)

Der Zweck kann nicht durch den Link und die gesamten Informationen auf der Webseite, die dem Benutzer gleichzeitig mit dem Link gezeigt werden, bestimmt werden (d.h. Leser ohne Behinderungen würden erst bei Aktivierung eines Links wissen, was dieser macht und nicht schon vorher).

Beispiel: Das Wort Guave im folgenden Satz „Eines der bedeutendsten Exportgüter ist die Guave“ ist ein Link. Der Link könnte zu einer Definition von Guave führen, zu einem Diagramm, in dem die Menge an exportierten Guaven aufgelistet ist oder zu einer Fotografie von Menschen bei der Guavenernte. Bevor der Link nicht aktiviert wird, sind sich alle Benutzer darüber im Unklaren und die Person mit einer Behinderung hat keinerlei Nachteil.

Linkzweck (link purpose)

Art des Ergebnisses, das man erhält, wenn man einen Hyperlink aktiviert.

Durch Software bestimmter Link-Kontext (programmatically determined link context)

Zusätzliche Informationen, die durch Beziehungen mit einem Link durch Software bestimmt werden können. Diese Informationen werden mit dem Link-Text kombiniert und dem Benutzer in verschiedenen Modalitäten präsentiert.

Beispiel: In HTML beinhalten Informationen, die von einem Link in Englisch durch Software bestimmbar sind, Text, der in dem gleichen Absatz, der gleichen Liste oder Tabellenzelle ist wie der Link oder in einer Zelle mit Tabellenüberschrift, die mit der Tabellenzelle verknüpft ist, die den Link enthält.

Anmerkung: Da Screenreader die Zeichensetzung interpretieren können, können sie auch den Zusammenhang aus dem aktuellen Satz verfügbar machen, wenn der Fokus auf einem Link in diesem Satz liegt.