Untertitel (aufgezeichnet):
Erfolgskriterium 1.2.2 verstehen

1.2.2 Untertitel (aufgezeichnet): Untertitel werden für alle aufgezeichneten Audioinhalte in synchronisierten Medien bereitgestellt, außer die Medien sind eine Medienalternative für Text und als solche deutlich gekennzeichnet. (Stufe A)

Absicht dieses Erfolgskriteriums

Die Absicht dieses Erfolgskriteriums ist es, Menschen, die taub oder schwerhörig sind, in die Lage zu versetzen, synchronisierte Medienpräsentationen anzusehen. Untertitel stellen den Teil des Inhalts bereit, der über die Tonspur verfügbar ist. Untertitel beinhalten nicht nur den Dialog, sondern weisen auch darauf hin, wer gerade spricht und beinhalten nicht-sprachliche Informationen, die durch Ton, einschließlich bedeutungstragender Toneffekte, vermittelt werden.

Es ist bekannt, dass es derzeit Schwierigkeiten bei der Erstellung von Untertiteln für zeitkritische Materialien geben kann und dies kann dazu führen, dass Autoren vor der Wahl stehen, entweder Informationen so lange zurückzuhalten, bis Untertitel zur Verfügung stehen oder aber zeitkritische Inhalte zu veröffentlichen, die für taube Menschen nicht barrierefrei sind, zumindest in dem Zeitraum bis Untertitel zur Verfügung stehen. Im Laufe der Zeit können die Werkzeuge für sowohl die Untertitelung als auch den Einbau der Untertitel in den Lieferprozess solche Verzögerungen verkürzen.

Untertitel werden nicht benötigt, wenn es sich bei den synchronisierten Medien selbst um eine alternative Präsentation von Informationen, die auch per Text auf der Webseite dargestellt werden, handelt. Wenn zum Beispiel Informationen auf einer Seite von einer synchronisierten Medienpräsentation begleitet werden, die nicht mehr Informationen präsentiert als bereits in Textform präsentiert werden, die aber leichter zu verstehen ist für Menschen mit kognitiven Sprach- oder Lernbehinderungen, dann muss diese nicht untertitelt werden, da die Informationen bereits in Textform oder als Textalternativen (z.B. bei Bildern) auf der Seite präsentiert werden.

Siehe dazu auch Erfolgskriterium 1.2.4 verstehen - Untertitel (Live).

Konkreter Nutzen von Erfolgskriterium 1.2.2

  • Menschen, die taub sind oder einen Hörschwund haben, können durch Untertitel auf die auditiven Informationen in den synchronisierten Medieninhalten zugreifen.

Beispiele für Erfolgskriterium 1.2.2

  • Ein untertiteltes Tutorial

    Ein Videoclip zeigt, wie man einen Knoten knüpft. Die Untertitel lauten:

    „(Musik)

    Die Benutzung von Seilen zum Knüpfen von Knoten war eine wichtige Fertigkeit

    für Leute wie Seefahrer, Soldaten und Waldarbeiter.“

    Aus „Sample Transcript Formatting“ von Whit Anderson.

  • Ein komplexes juristisches Dokument enthält für unterschiedliche Absätze synchronisierte Medienclips, die eine Person zeigen, die den Inhalt des Absatzes spricht. Jeder Clip ist mit seinem entsprechenden Absatz verknüpft. Für die synchronisierten Medien gibt es keine Untertitel.

  • Ein Handbuch, das die Beschreibung eines Teils und dessen notwendige Ausrichtung enthält, wird von einem synchronisierten Medienclip begleitet, der das Teil in seiner korrekten Ausrichtung zeigt. Es gibt für den synchronisierten Medienclip keine Untertitel.

Techniken und Fehler für Erfolgskriterium 1.2.2 - Untertitel (aufgezeichnet)

Jeder nummerierte Punkt in diesem Abschnitt repräsentiert eine Technik oder eine Kombination von Techniken, welche die WCAG-Arbeitsgruppe für ausreichend zur Erfüllung dieses Erfolgskriterium hält. Die aufgelisteten Techniken erfüllen das Erfolgskriterium nur dann, wenn alle WCAG 2.0 Konformitätsbedingungen erfüllt wurden.

Ausreichende Techniken

  1. G93: Bereitstellung offener (immer sichtbarer) Untertitel

  2. G87: Bereitstellung geschlossener Untertitel , indem irgendein jederzeit verfügbares Medienformat benutzt wird, das einen Video-Player hat, der geschlossene Untertitel unterstützt

  3. G87: Bereitstellung geschlossener Untertitel, indem eine der unten genannten technik-spezifischen Techniken benutzt werden

Zusätzliche Techniken (empfohlen) für 1.2.2

Obwohl sie für die Konformität nicht erforderlich sind, so sollten die folgenden zusätzlichen Techniken dennoch in Betracht gezogen werden, um den Inhalt barrierefreier zu machen. Nicht alle Techniken können in allen Situationen benutzt werden oder wären in allen Situationen effektiv.

  • Bereitstellung einer Anmerkung die bei reinen Video-Clips folgendes besagt: „In diesem Clip wurde kein Ton benutzt“ (zukünftiger Link)

  • Nutzung von SMIL 1.0, um Untertitel für alle Sprachen, für die Audiospuren vorhanden sind, zur Verfügung zu stellen (zukünftiger Link)

  • Nutzung von SMIL 2.0, um Untertitel für alle Sprachen, für die Audiospuren vorhanden sind, zur Verfügung zu stellen (zukünftiger Link)

Schlüsselbegriffe

Audio (audio)

Die Technik der Tonreproduktion

Anmerkung: Audio kann künstlich erstellt werden (einschließlich Sprachsynthese), durch die Aufzeichnung von Geräuschen aus der realen Welt entstehen oder eine Mischung aus beidem sein.

Untertitel (captions)

Synchronisierte visuelle Alternative und/oder Textalternative für sowohl sprachliche als auch nicht-sprachliche Audio-Informationen, die notwendig sind, um Medieninhalte zu verstehen.

Anmerkung 1: Untertitel (Captions) sind reinen Dialog-Untertiteln ähnlich mit der Ausnahme, dass sie nicht nur den Inhalt von gesprochenem Dialog wiedergeben, sondern auch Äquivalente für über den Dialog hinausgehende Audio-Informationen, die zum Verständnis des Programminhalts notwendig sind. Dies schließt Geräuscheffekte, Musik, Lachen, Identifizierung und Position des Sprechers ein.

Anmerkung 2: Geschlossene Untertitel (Closed Captions) sind Äquivalente, die in manchen Wiedergabeprogrammen an- und ausgeschaltet werden können.

Anmerkung 3: Offene Untertitel sind all jene, die nicht abgeschaltet werden können. Zum Beispiel, wenn es sich um visuell äquivalente Bilder eines Textes handelt, die in ein Video eingebettet sind.

Anmerkung 4: Untertitel (Captions) sollten relevante Informationen im Video nicht undeutlich machen oder verdecken.

Anmerkung 5: In einigen Ländern werden die hier gemeinten „Captions“ als Untertitel (Subtitles) bezeichnet.

Anmerkung 6: Audiodeskriptionen können, müssen aber nicht untertitelt sein, da es sich hier um Beschreibungen von Informationen handelt, die bereits visuell dargestellt werden.

Medienalternative für Text (media alternative for text)

Medien, die nicht mehr Informationen präsentieren als bereits im Text präsentiert werden (direkt oder über eine Textalternative)

Anmerkung: Eine Medienalternative für Text wird für diejenigen bereitgestellt, die von alternativen Darstellungen des Textes profitieren. Medienalternativen für Text können sein: reiner Audioinhalt, reiner Videoinhalt (einschließlich Gebärdensprachvideo) oder Audio-Video-Inhalt.

Aufgezeichnet (prerecorded)

Informationen, die nicht live sind.

Synchronisierte Medien (synchronized media)

Audio oder Video, synchronisiert mit einem anderen Format für die Präsentation von Informationen und/oder mit zeitbasierten interaktiven Komponenten, es sei denn, das Medium ist eine Medienalternative für Text, die als solche deutlich gekennzeichnet ist.