Workshop 15: Zukunft des Barrierefreien Internets ¶

Was erwarten und erwartet Nutzer mit Behinderung im Web?

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Seit die Firma Google 2005 ihr Geo-Web-Angebot Google Earth ins Netz stellte, wurde die freie Version weltweit über 250 Millionen Mal heruntergeladen. Privat- wie Geschäftsleute nutzen das Programm gleichermaßen. Letztere zunehmend in Mashups, die verschiedene Informationen zu neuen Ansichten der Erde zusammenführen: zum Beispiel mit den aktuellen Grundstückspreise in Hollywood oder den billigsten Tankstellen in New York oder vielleicht bald auch mit den barrierefreien Arztpraxen und Geldautomaten in Berlin – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Oder nehmen wir ein Videoportal wie YouTube. Ursprünglich als Sammlung mehr oder weniger amüsanter Filme gestartet, hat es sich mittlerweile als Alternative zum klassischen Fernsehen ebenso etabliert wie als kostengünstige Plattform für das Hosting von Videodaten. Auch für Menschen mit Behinderung, denn gehörlose Menschen nutzen es als eine Mischung aus Videochat und asynchroner Videokonferenz, in dem sie Gebärdensprachvideos austauschen.

Die Beispiele machen die Bandbreite dessen deutlich, was Menschen mit Behinderungen im Internet erwarten und erwartet. Assistive Techniken sichern den Zugang, barrierefrei gestaltete Angebote erlauben ihre komplette Nutzung und auf neuen Techniken beruhende Angebote werden für die Zielgruppe behinderter Nutzer erschlossen.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Was sind die Trends in der Entwicklung barrierefreier Internetangebote?
  • Was erwartet uns konkret im Hard- und Softwarebereich - zum Beispiel bei alternativen Ein- und Ausgabetechniken, bspw. der Sprachsteuerung oder visuellen Systemen?
  • Welche Branchen/Unternehmen haben Nachholbedarf?
  • Welche Angebote müssten dringend barrierefrei werden?
  • Welche weiteren Angebote wünschen sich Menschen mit Behinderungen?
  • Von welchen Entwicklungen im Internet könnten Menschen mit Behinderungen unerwartet profitieren?
  • Sind im Jahr 2020 nicht sowieso alle Angebote barrierefrei, weil sich die Endgeräte individuell konfigurieren lassen?
  • Setzt Barrierefreiheit zwingend voraus, ein für alle zugängliches Angebot zu entwickeln oder können auch inhaltlich und sinngemäß identische, aber auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene Angebote aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer nicht sogar viel besser sein?

Moderation:

  • Prof. Dr. Herbert Kubicek, Geschäftsführer des Instituts für Informationsmanagement Bremen (ifib) an der Universität Bremen

Experten & Ihre Thesen:

  • Christian Heilmann, Yahoo!
    1. Nutzer mit Behinderungen erwarten das Gleiche im Web was andere Nutzer erwarten – eine Nutzeroberfläche die funktioniert und zugänglich ist. Leider beginnen viele Entwickler von der falschen Seite und erstellen etwas, das nicht funktioniert, oder nur so aussieht als wäre es das Richtige.
    2. Nutzer erwarten das bestehende Interaktionsmuster auch in modernen Applikationen unterstützt werden. Allerdings reichen die Technologien und Methoden, die wir verwenden, um Weboberflächen zu erstellen, dafür nicht aus.
    3. Die derzeit erfolgreichsten Web2.0 Angebote zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, das sie verschiedenste Eingabequellen erlauben (web, mobil, email, chat client). Diese »data portability«, gepaart mit intelligenten APIs (Application Programming Interface) wird es uns erlauben, Daten fuer behinderte Benutzer zugänglich zu machen. Im Umkehrschluss wird es auch einfacher, sinnvolle Text-Alternativen für Medieninhalte zu erstellen. Einfach und intuitiv ist das neue Aufwendig. Das Apple iPhone und die Wii Spielekonsole beweisen das.
  • Christian Pantzke, Microsoft
    1. Barrierefreie Webentwicklung ist heute technisch möglich. Das Ziel muss »Accessibility by default«, also eine »eingebaute Barrierefreiheit« sein.
    2. Barrierefreiheit muss bei den Entwicklungstools beginnen. Sie müssen den Webentwickler von Anfang an unterstützen.
    3. Ein Schlüssel für die Umsetzung von zukünftigen Anforderungen an die Barrierefreiheit des Web 2.0 ist die Interoperabilität der Tools und Anwendungen. Davon werden alle Anwender profitieren.
  • Karsten Warnke, Deutscher Blinden und Sehbehindertenverband:
    1. Die aktuelle Debatte ist geprägt von Erwartungen an die WCAG 2, die BITV 2 und der Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Teilhabe an Web 2.0-Anwendungen durch behinderte Menschen.
    2. Web 2.0-Anwendungen eröffnen behinderten Menschen bisher nicht gekannte Kommunikations- und soziale Teilhabeformen, gleichzeitig sind sie für viele behinderte Menschen noch mit unüberwindbaren Barrieren verbunden.
    3. Das Internet der Zukunft muss grundsätzlich nutzerfreundlich, nützlich, barrierefrei, plattform- und geräteunabhängig und standardkonform sein.
  • Dr. Gottfried Zimmermann, Access Technologies Group:
    1. Das Web 2.0 ist der Übergang des World Wide Web von einem statischen Informationssystem hin zu einer personalisierten Interaktionsplattform, über die Menschen miteinander und mit Geräten und Dienstleistungen kommunizieren. Das Web und unsere physikalische Umgebung werden dabei miteinander verschmelzen.
    2. Unser Ziel muss es sein, dass Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen das volle Potential des zukünftigen Web nutzen können – in einer für sie individuell zugeschnittenen Weise.
    3. Dazu ist eine ganzheitliche Design-for-All-Strategie notwendig, die Barrierefreiheit in allen Mainstream-Prozessen von Anfang an einbaut – bei der Entwicklung von Standards, Technologien und Produkten.

Ergebnisse des Workshops 15 – Zukunft des barrierefreien Internets:

  • Das Internet ist noch lange nicht barrierefrei. Die BITV gilt nur für Texte der Verwaltung, vielen Unternehmen fehlen finanzielle Anreize. Vor allem aber entspricht sie immer weniger dem Standard der Technik, weil sie ganz auf HTML … ist, auf dieser Technik aber ein immer kleiner werdenden Teil der Anwendungen basiert.
  • Die Anforderungen der Leichten Sprache wird am wenigsten eingelöst.
  • Web 2.0 schafft neue Möglichkeiten für Barrierefreiheit, in der Umsetzung aber auch neue Probleme.

Ziel/Vision

Das barrierefreie Internet der Zukunft soll

  • geräteunabhängig
  • sinnesunabhängig
  • einfach und verständlich sein.

Dazu sollen Funktion und Inhalt einer Applikation von Präsentations… durch exakt definierte Schnittstellen getrennt werden.

Die Vereinfachung der Sprache ist schwieriger als die technische Standardisierung. Wir wünschen verstärkte Anstrengungen.

Aufgabe/Chancen

Standards für die erforderlichen Schnittstellen gibt es. Sie werden nur … teilweise umgesetzt. Der Gesetzgeber muss Wege finden, einerseits die Verbindlichkeit dieser Standards zu gewährleisten, andererseits flexible und bedarfsgerechte Umsetzung von … zu ermöglichen.

In den Standardisierungs-Gremien sollen die Mitarbeit von Vertretern der Kommunen und ….. gefördert werden.