Workshop 14: Web-Anwendungen - die Software im Browser ¶

Wie können Menschen mit Behinderungen von den neuen Internettechniken profitieren?

Aus technischen Gründen steht der Video-Mitschnitt aus diesem Workshop leider nicht zur Verfügung.

Ob Weblogs, Widgets, Wikis oder komplette Bürosoftwarepakete. Dank Internet-Anschlüssen mit hoher Bandbreite sind Softwareanwendungen, die vor kurzem noch mühsam auf dem heimischen PC installiert werden mussten, mittlerweile über einen Standard-Browser jederzeit und überall verfügbar. Treiber dieser Entwicklung sind neue, dynamische Internet-Firmen, allen voran Google und Yahoo!. Aber auch die traditionellen Softwarekonzerne haben diesen Trend erkannt und beginnen, ihre Programme fit für das World Wide Web zu machen.

Rein technisch betrachtet ist eine Webanwendung laut Wikipedia ein Computer-Programm, das auf einem Webserver ausgeführt wird, wobei eine Interaktion mit dem Benutzer ausschließlich über einen Webbrowser erfolgt. Aus Perspektive der Nutzer bedeutet dies, dass extrem leistungsfähige Software heutzutage nur noch einen Mausklick entfernt ist – und das quasi kostenlos, lässt man die Kosten für die Hardware und den Internetzugang einmal außer Acht. Für Menschen mit Behinderungen, die signifikant häufiger auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, könnten Web-Anwendungen einen kostengünstigen Zugang zu umfassenden Softwarepaketen bieten. Wie bei allen anderen Internet-Angeboten gilt aber auch hier: Wenn die Anwendung nicht barrierefrei ist, können Menschen mit Behinderung sie nicht nutzen.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Welche Web-Anwendungen gibt es und welche sind speziell auf die Anforderungen von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten?
  • Wie barrierefrei sind Web-Applikationen bereits heute?
  • Welche technischen Voraussetzungen müssten geschaffen werden, damit Web-Anwendungen barrierefrei sind?
  • Mit welchen Anwendungen sind Menschen mit Behinderungen zufrieden? Mit welchen nicht?
  • Welche Anwendungen wünschen sich Menschen mit Behinderungen noch?
  • Warum bieten einige Unternehmen etwas umsonst an, für das andere Geld verlangen?
  • Sind Web-Anwendungen tatsächlich kostengünstiger als herkömmliche Software oder bezahlt nur jemand anderes dafür?
  • Welche Techniken/Standards/Entwicklungsumgebungen liegen Web-Anwendungen zu Grunde und sind diese überhaupt auf Barrierefreiheit angelegt?

Moderation:

Experten & Ihre Thesen:

  • Anna Courtpozanis, WEB for ALL:
    1. Die neuen Technologien bieten Chancen für behinderte Menschen, schließen sie aber auch an anderen Stellen wieder aus.
    2. Programmentwickler (Screenreader, Browser) sollten stärker zusammenarbeiten.
    3. Es wird 10 Jahre dauern, bis ein barrierefreies Internet selbstverständlich ist.
  • Martin Kliehm, namics (deutschland), Webentwickler:
    1. Teilen ist der Motor des Fortschritts.
    2. Fortschritt ist ein gruppendynamischer Prozess.
    3. Das World Wide Web Consortium (W3C) bildet den Rahmen dieser Prozesse.
  • Dr. Carlos Velasco, Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, Leiter des BIKA Web Compliance Center:
    1. ARIA ist der zukünftige Standard für Barrierefreiheit in Web 2.0-Anwendungen und adressiert z.B. fehlende Semantik in HTML.
    2. Toolgestütztes Testen von Web 2.0-Anwendungen setzt zuverlässige DOM-Manipulation und Erkennung von ARIA-Komponenten voraus.
    3. ARIA wird von führenden Herstellern Assistiver Technologien, Browsern und Web-Anwendungen unterstützt.
  • Marco Zehe, Qualitätsbeauftragter für Barrierefreiheit, Mozilla Corporation:
    1. Die vorhandenen Techniken und Tools ermöglichen es Entwicklern bereits heute, ihre Web-2.0-Anwendungen barrierefreier zu gestalten.
    2. Die großen Anbieter, die ARIA-Komponenten verwenden, sind auf das Feedback von Experten und Menschen mit Behinderung angewiesen.
    3. Ein wichtiger Schritt ist es, auch Web-2.0-Anwendungen in Intranets für Mitarbeiter mit Behinderung nutzbar zu machen.

Ergebnisse des Workshops 14 – Web-Anwendungen – die Software im Browser:

Status

Viele Web-Anwendungen sind noch nicht barrierefrei, z.B. Google Calendar oder Tag Clouds. Es gibt aber auch schon positive Beispiele, etwa Google Mail.

Aufgabe/Chance

Man sollte schon jetzt anwenden, was es an technischen Möglichkeiten gibt, z.B.:

  • WAI ARIA
  • Open Source Screenreader: Linux Orca, Windows NVDA
  • Toolkits: Dojo, YUI, jQuery
  • Firefox-Extensions: DOM-Inspector, Firevox, Firebug

Vision

Web-Applikationen sind grundsätzlich für alle zugänglich; Applikationen und Frameworks sind automatisch barrierefrei (via Dojo, Symphony etc.)