Workshop 12: Auf Heller und Pfennig ¶

Warum ist Barrierefreiheit wirtschaftlich?

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Die digitale Wirtschaft wächst. Allein das Volumen des Online-Handels wird nach Berechnungen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) im Jahr 2008 die Grenze von 20 Milliarden Euro überschreiten. Mittlerweile gibt es kaum eine Branche, die nicht zumindest teilweise ihre Geschäftsprozesse ins Internet verlagert oder das Web als Vertriebskanal nutzt. Auch die schnell wachsenden Communities und sozialen Netzwerke sollen sich gemäß den Erwartungen der Betreiber möglichst schnell auch ökonomisch lohnen – und das in doppelter Hinsicht. Zum einen sollen Einnahmen aus Nutzungsgebühren und Werbung die ökonomische Basis der Community selbst sichern. Darüber hinaus stellt die Kommunikation innerhalb dieser Netzwerke einen Wert dar, denn schließlich treffen laut einer Untersuchung zum Beispiel rund 50 Prozent der MySpace-Nutzer ihre Kaufentscheidungen auf Basis von Empfehlungen anderer Nutzer.

Als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für kommerziell erfolgreiche Angebote haben Unternehmensberater die Orientierung an den Erwartungen und Anforderungen der Nutzer identifiziert. Auf deren Prioritätenliste steht die mobile Nutzung der unterschiedlichsten Angebote per Laptop oder anderen mobilen Endgeräten ganz oben, was aus technischer Sicht eine weitgehende Barrierefreiheit dieser Angebote voraussetzt. Darüber hinaus müssten die rund 10 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland eine ebenso interessante Zielgruppe darstellen wie der zunehmende Anteil älterer Menschen, die ähnliche Anforderungen mit Blick auf Zugänglichkeit und Bedienbarkeit haben. Glaubt man den Beteuerungen der Anbieter, dann tun diese auch alles, um möglichst viele Kunden zu gewinnen.

Aus Perspektive von Menschen mit Behinderungen fällt das Urteil über diese angeblichen Bemühungen jedoch kritisch aus. Immer noch ist die überwiegende Anzahl der deutschsprachigen Webseiten nicht barrierefrei. Und das obwohl Barrierefreiheit nicht nur mit Blick auf Kunden und Nutzer wirtschaftlich interessant ist. So bieten barrierefreie Webseiten auch aus Betreibersicht vielfältige Vorteile, wie beispielsweise reduzierte Wartungs- und Betriebskosten.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Warum zahlen sich Investitionen in Barrierefreiheit wirtschaftlich aus?
  • Welche Faktoren sprechen dagegen?
  • Welche Grundlagen legen Unternehmen ihren Berechnungen mit Blick auf Barrierefreiheit wirklich zu Grunde? Wie laufen die Entscheidungsprozesse?
  • Können sich Unternehmen durch barrierefreie Angebote einen Innovations- und Technologievorsprung erarbeiten?
  • Werden Kunden und Märkte auf lange Sicht barrierefreie Angebote bevorzugen?
  • Gibt es nicht auch beim Thema Barrierefreiheit einen Grenznutzen (der dem Anspruch einer umfassenden Barrierefreiheit im Kern zuwiderläuft)?
  • Ist Barrierefreiheit ein reines Imagethema?
  • Was können Menschen mit Behinderungen tun, um Anbieter von den Vorteilen der Barrierefreiheit zu überzeugen (beispielsweise verstärkt mit anderen Käufern kooperieren, um ihre Nachfragemacht zu stärken)?
  • Warum findet das Thema Barrierefreiheit in vielen Unternehmen noch keinen Fürsprecher?
  • Wird das Web 2.0 zu einem Treiber für Barrierefreiheit oder baut die Technik neue Barrieren auf?
  • Welchen Einfluss haben politische und gesellschaftliche Akteure?
  • Muss die Politik im Sinne einer Regulierung eingreifen?

Moderation:

Experten & Ihre Thesen:

  • Dr. Juris Ezernieks, Pfizer:
    1. Barrierefreiheit ist eine Investition in Qualität und Effizienz und damit in den Werterhalt.
    2. Barrierefreiheit gibt Impulse…
    3. … und macht Engagement selbstverständlich.
  • Michael Heinen, Abteilungsdirektor e-finance der Postbank:
    1. Muss Barrierefreiheit wirtschaftlich sein?
    2. Barrierefreiheit nutzt allen.
    3. Barrieren kosten Kunden.
  • Dipl.-Kfm. Steffen Puhl, Projektmitarbeiter an der Professur für BWL und Wirtschaftsinformatik, Justus-Liebig Universität Gießen
    1. Für Unternehmen ist es möglich, eine ertragsstarke und barrierefreie Web Site zu betreiben, von der positiver betriebswirtschaftlicher Nutzen generiert wird, der die gegenüberstehenden Kosten überkompensieren kann.
    2. Im Rahmen eines ganzheitlichen, wertorientierten Managements, das quantitative ebenso wie qualitative Aspekte umfasst, besteht für Unternehmen die Notwendigkeit, Barrierefreiheit als Mehrwert-Strategie zu verstehen und umzusetzen.
    3. Unternehmen müssen die Barrierefreiheit der Web Site anhand einer ökonomischen Entwicklungssystematik umsetzen.

Ergebnisse des Workshops 12 – Auf Heller und Pfennig:

Status:

Barrierefreiheit ist nicht selbstverständlich, obwohl es sich lohnt sie durchzusetzen. Das »Selbstmarketing« der Barrierefreiheit muss besser werden.

Vision:

Die Prinzipien Einfachheit und intuitive Bedienbarkeit werden als Leitgedanken etabliert.

Chancen/Aktivitäten

Die »Message« muss vereinfacht werden, Barrierefreiheit muss einfach erklärt werden können. Evtl. fällt dem der Begriff »Barrierefreiheit« zum Opfer!