Workshop 08: Hübsch oder häßlich ¶

Welche Anforderungen muss barrierefreies Webdesign erfüllen?

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Wir leben in einer Zeit permanenter Reizüberflutung. In der Informationsgesellschaft sind wir permanent äußerlichen Reizen ausgesetzt – visuell, akustisch, taktil. Einige Unternehmen beginnen sogar damit, gezielt Gerüche einzusetzen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Je mehr Informationen auf uns einströmen, umso mehr suchen wir nach Orientierung – auch im Internet. Zahlreiche Studien haben mittlerweile belegt, dass gutes Design und Usability wesentliche Erfolgsfaktoren für Internetangebote sind. Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Barrierefreiheit und gute Gestaltung nur schwer miteinander zu vereinbaren sind.

Seit einigen Jahren zeigt unter anderem der BIENE-Wettbewerb, dass Barrierefreiheit nicht im Widerspruch zu umfassenden Gestaltungskonzepten von Unternehmen und Organisationen. Im Gegenteil: wegen ihrer hohen Konformität mit Webstandards und ihrer stringenten Informationsarchitektur fördern barrierefrei gestaltete Webseiten nachhaltig die einheitliche Darstellung von Unternehmen und Organisationen im Sinne eines Corporate Designs. Dabei stellen sich auf der praktischen Ebene eine Vielzahl von Fragen. So wissen viele Anbieter nicht, wie sie beispielsweise mit Fragen der Typographie oder der Farbgestaltung umgehen sollen oder wie multimediale Inhalte für Menschen mit Behinderung zu gestalten sind. Eine mit Blick auf die Zukunft des Internets besonders interessante Frage ist, wie Unternehmen und Organisationen ihre Designstrategien durchsetzen können – oder wollen – wenn die Internetnutzer sich mit Hilfe der neuen Techniken, die Darstellung der Inhalte selbst konfigurieren.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Haben Designer einen eigenen Zugang zu Barrierefreiheit?
  • Wie ist das Verhältnis von »form follows function« beim barrierefreien Design?
  • Was sind besonders gelungene Vorschläge für Barrierefreiheit und guten Look?
  • Welche Anforderungen stellen unterschiedliche Behinderungsarten an die Gestaltung?
  • Welche Rolle spielt die Typographie für gutes Webdesign und welcher Zusammenhang besteht hier zur Barrierefreiheit?
  • Schränkt Barrierefreiheit die Gestaltung ein?
  • Wie kann man Designausrutscher vermeiden?
  • Wie lassen sich multimediale Anwendungen (Rich Internet Applications) barrierefrei gestalten?

Moderation:

Experten & Ihre Thesen:

  • Gerrit van Aaken, Freier Webdesigner:
    1. Barrierefreiheit beschneidet die gestalterischen Möglichkeiten.
    2. Fixe Rahmenbedingungen sind für gute Designer Ansporn und Inspiration.
    3. Barrierefreie Websites müssten nicht so hässlich sein, wie sie es derzeit meistens sind.
  • Markus Angermeier, Freier Kreativdirektor und Berater:
    1. Design muss funktionieren.
    2. Schönheit ist relativ.
    3. Barrierefreiheit kann man nicht sehen.
  • Jo Spelbrink, Multimedia Designer:
    1. Barrierefreies Design ist mehr als nur Barrieren beseitigen. Statt Kriterienerfüllung brauchen wir ein kreatives Spiel innerhalb von verschiedenen Wahrnehmungswelten mit dem Fokus auf deren Stärken.
    2. Das Internet wächst immer mehr zu einem vielseitigen multimedialen Raum mit einer stärkeren Verschmelzung von Design, Technologien und crossmedialer Vielfalt. Ein kreatives Verständnis von barrierefreiem Design kann die scheinbar aufkommende Komplexität in eine sinnvolle Balance bringen. Das gilt auch für die Entwicklertools!
    3. Die Herausforderung der nächsten 5 Jahre sollte sein, mit inklusivem Design zu einer echten Auseinandersetzung als kreatives Spiel der Wahrnehmungswelten zu kommen und Accessibility zum State-of-the-Art zu machen.

Ergebnisse des Workshops 08 – Hübsch oder hässlich: Welche Anforderungen muss barrierefreies Design erfüllen?

Status:

  • Frage nach Gestaltungsmöglichkeiten, die z. T. nicht angenommen werden
  • Barrierefreies Internet als Last? Negative Konnotierung des Begriffs?!
  • Separierung einzelner Zielgruppen als Problemj
  • fehlende Technikkenntnisse der Graphiker
  • Barrierefreiheit als Kostenfaktor
  • Accessibility nur als »Add-on« → zu spät im Prozess
  • hoher Schulungsbedarf sowohl intern als auch beim Kunden
  • noch zu viele Webdesigner sind »nur« Grafiker
  • Applikationen und Nutzungskontext werden vernachlässigt
  • rein methodisches Vorgehen ist nicht zielfördernd → jeder Kunde/Nutzer/Kontext/Anwendung ist anders

Handlungsbedarf bei:

  1. Ausbildung der Designer (nicht nur)
  2. Kommunikation aller Beteiligten
  3. Prozessketten bei Projekten überdenken

Vision:

  • Usability/Accessibility werden von Beginn eines Projektes an mitgedacht
  • neue/bessere Prozesse und Workflows
  • alle Beteiligten an einem Tisch (Kunde/Marketing/Design/Konzept/User…)
  • Holistischer Ansatz
  • Multidisziplinarität → Koordination
  • Interdisziplinarität → Kommunikation
  • Mehr Pragmatismus → »Form follows function follows user demands«