Workshop 05: Der Beitrag der Nutzer zur Barrierefreiheit ¶

Wer macht kollaborative Webseiten barrierefrei?

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Mit dem Begriff »Wikinomics« hat der kanadische Management-Professor und Berater Don Tapscott einen einprägsamen Begriff für einen Trend gefunden, in dessen Mittelpunkt neue Formen der Zusammenarbeit von Menschen stehen. Als Beispiele nennt Tapscott unter anderem die Open Source-Bewegung und virtuelle Communities, die quasi auf freiwilliger Basis Marketing für bestimmte Produkte oder Unternehmen betreiben. Zu den acht wichtigsten Technologietrends, die die Unternehmensberatung McKinsey in einer internationalen Studie identifiziert hat, gehört auch die verstärkte Wertschöpfung durch Interaktion. Dabei werden Anwendungen wie Wikis, virtuelle Gemeinschaften und Videokonferenzen zu einem entscheidenden Teil des Arbeitsalltags. Unternehmen, denen es gelingt diese Entwicklungen zu nutzen können sich dadurch nachhaltige Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Dass bei diesen Anwendungen nicht primär die wirtschaftlichen Interessen dominieren, zeigt das bekannteste und vermutlich erfolgreichste Kollaborationsprojekt im Internet – die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Angeregt durch den BIENE-Wettbewerb haben deutschsprachige Wikipedianer ein Projekt ins Leben gerufen, um die Wikipedia selbst barrierefrei zu machen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob und wie Barrierefreiheit bei kollaborativen Webseiten umgesetzt werden kann. Das beginnt bei der zu Grunde liegenden Technik der Seite und geht bis zu verbindlichen Regeln für die Produktions- und Publikationsprozesse.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Wo liegen die hauptsächlichen Barrieren bei gemeinschaftlich erstellten Webseiten?
  • Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um kollaborative Webseiten barrierefrei zu machen?
  • Welche Vorteile hat es, wenn gemeinschaftlich erstellte Webseiten barrierefrei werden? Wie groß ist der Aufwand? Was kostet es?
  • Worauf müssen Nutzer und Betreiber kollaborativer Seiten bei der Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung achten?
  • Wie können sich Menschen mit Behinderungen in diesen Prozess einbringen?
  • Wer überwacht in einer gleichberechtigten Gemeinschaft die Einhaltung der vereinbarten Regeln?
  • Welche Frameworks, Tools und Libraries gibt es für die Entwicklung barrierefreier Anwendungen?
  • Was können/dürfen/sollen und müssen gewinnorientierte Unternehmen und große Organisationen vom Prinzip barrierefreier kollaborativer Anwendungen lernen?

Moderation:

  • Elke Wetzig, Wikimedia – Gesellschaft für Freies Wissen e.V.

Experten & Ihre Thesen:

  • Michael Jendryschik, Bereichsleiter Webentwicklung bei der itemis AG:
    1. Barrierefreiheit ist ein ganzheitliches Konzept und fängt »oben« an.
    2. Nur kompetente Nutzer garantieren Barrierefreiheit.
    3. In einer kompetenten Community kann jeder seinen Beitrag zur Barrierefreiheit leisten.
  • Maria Krüger, Wikipedia Projektgruppe Barrierefreiheit und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informatik an der Universität Potsdam:
    1. Die entscheidenden Barrieren der Wikipedia sind weniger ein Problem der Barrierefreiheit als der Nutzerfreundlichkeit.
    2. Die Koordination der Interessierten und Sensibilisierung der Autoren ist eine überwältigende Aufgabe, daher sind nur kleine überschaubare Schritte realisierbar.
    3. Für Menschen mit Behinderung ist vor allem die Rolle des Autors mit Barrieren verknüpft.
  • Nicole Weißkopf, Chip Deafhood Blog:
    1. Es gibt es kein wirklich vollständig barrierefreies Internet.
    2. Anbieter von kollaborativer Plattformen schöpfen die Möglichkeiten der Technik noch lange nicht aus. So können bspw. Untertitel oder Übersetzungen in Gebärdensprache bei Internet-Videos und Live-Streams helfen, Barrieren für Hörgeschädigte und Gehörlose abzubauen.
    3. Barrierefreiheit selbst ist ein kollaborativer Prozess. Nutzerinnen und Nutzer sollten verstärkt eine umfassende technische Unterstützung einfordern und bei der Entwicklung der Techniken und Verfahren ihr Know-how einbringen.

Ergebnisse des Workshops 05 – Der Beitrag der Nutzer zur Barrierefreiheit: Wer macht Mitmach-Webseiten barrierefrei?

  • kürzere Feedbackweg
  • Barrierefreiheit muss Spaß machen
  • Barrierefreiheit muss ein Qualitätsmerkmal sein (»sexy sein«)
  • großes Thema: einfache Sprache
  • Autoren und Redakteure müssen sensibilisiert und geschult werden
  • Ziel: MITEINANDER!