Workshop 03: Arbeit 2.0 ¶

Wie kann das Internet den Ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen öffnen?

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Menschen mit Behinderungen gehören noch immer zu den am schwersten zu vermittelnden Gruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit betrug die Zahl aller Arbeitslosen im Februar 2008 3.617.443. Darunter waren 160.017 schwerbehinderte Arbeitslose. Gegenüber Februar 2007 gab es insgesamt 630.003 oder 14,8 Prozent Arbeitslose weniger, bei schwerbehinderten Menschen sank die Zahl nur um 24.200 oder 13,1 Prozent. Dabei hatten Politik, Arbeitsvermittlung und die arbeitssuchenden Menschen mit Behinderungen selbst große Hoffnungen auf das Internet als Jobmotor für Schwerbehinderte gesetzt. Ein Teil dieser Hoffnungen erfüllte sich, ein anderer scheiterte an technischen Barrieren, aber auch mangelnden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Folgende Fragen konnten im Rahmen des Workshops diskutiert werden:

  • Welches Potenzial bergen Online-Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen?
  • Auf welche technischen Barrieren treffen Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz?
  • Was müssen Arbeitgeber beachten, wenn sie Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren wollen?
  • Wie müssen die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sein, die den Zugang von Menschen mit Behinderungen zum ersten Arbeitsmarkt fördern?
  • Welche Berufszweige können Online-Arbeitsplätze anbieten?
  • Welche Arbeitsbereiche und -prozesse lassen sich künftig ins Internet verlagern?
  • Wie konkurrieren arbeitslose Menschen mit Behinderungen mit nichtbehinderten Arbeitslosen?
  • Sind virtuelle Arbeitsplätze ein generelles Zukunftsmodell oder nur eine andere Form der Ausgrenzung?
  • Gehen durch Telearbeit die sozialen Aspekte einer beruflichen Tätigkeit verloren?
  • Müssen angesichts des demografischen Wandels nicht zukünftig alle Arbeitsplätze barrierefrei sein?

Moderation:

Experten & Ihre Thesen:

  • Prof. Dr. Christian Bühler, Universität Dortmund und Forschungsinstitut Technologie und Behinderung:
    1. Digitale Information und Kommunikation haben ein gutes Potential für Menschen mit Behinderungen. Sie können Behinderungen kompensieren, sie integrieren Menschen mit Behinderung in das jeweilige Arbeitsumfeld und lassen sich auf die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten anpassen.
    2. Ohne Zugang zu den modernen Medien sind die Chancen von Menschen mit Behinderung für eine Einstellung deutlich beschränkt
    3. Bei barrierefreien Produkten in der Informations- und Kommunikationstechnologie regelt die Nachfrage das Angebot. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Standards können helfen, diese Nachfrage anzuregen. Dabei haben öffentliche Auftraggeber eine Vorbildfunktion.
  • Günther Germies, Agentur für Arbeit Gelsenkirchen:
    1. Bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt durch Internet gestützte Maßnahmen stehen wir noch am Anfang, und zwar in allen Bereichen – von der Schule bis zum Beruf.
    2. Wir müssen die Arbeitgeberberatung intensivieren, um Potentiale zu verdeutlichen, Schwellenängste abzubauen und Ausgrenzungen zu verhindern.
    3. Einen kontinuierlichen Auf-/Ausbau der Möglichkeiten können wir nur gemeinsam erreichen. Dabei geht Qualität vor Quantität.
  • Simon Janatzek, Büro für Barrierefreie Bildung:
    1. Mit heutiger assistiver Technik können Menschen mit Handicap im Beruf auf derselben Ebene wie Kollegen ohne Behinderung zusammenarbeiten.
    2. Das Internet dient behinderten Menschen als Plattform zur Darstellung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten und verbessert so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
    3. Für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung im Umgang mit Hilfsmitteln und dem Internet stehen zu wenig Mittel zur Verfügung – besonders für geringer qualifizierte Arbeitnehmer/Innen, die von den ständig wachsenden technischen Anforderungen abgehängt werden.

Ergebnisse des Workshops 03 – Arbeit 2.0:

Status:

Die Möglichkeiten des Internets zur Öffnung des ersten Arbeitsmarktes für Menschen mit Behinderung sind noch unbefriedigend genutzt. Das gilt sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Seite der Arbeitssuchenden. Das von der Agentur für Arbeit 2002 eingerichtete internetgestützte Angebot für Menschen mit Behinderung musste mangels Interesse 2004 eingestellt werden.

Chancen:

Das Internet bietet vielfältige Chancen auch auf dem Arbeitsmarkt. Sei es die Einrichtung interaktiver Bewerbungsplatformen durch die Agentur für Arbeit, der eGouvernment-Site zur Beratung von Arbeitssuchenden Menschen mit Behinderung auf der einen und Arbeitegebern, das das BMAS gerade vorbereitet oder auch die Bewerbung per Videofilm.

Visionen:

Ob und wieweit das Internet den ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung öffnet, hängt entscheidend von der "Nachfrage" einerseits und den gesetzlichen Rahmenbedingungen andererseits ab. Erfahrungen US-amerikanischer Firmen haben gezeigt, wie schnell sich auch große Software-Anbieter dem Druck nach barrierefreien Internet-Angeboten beugen, wenn die weitere Auftragsvergabe von dieser Bedingung abhängig gemacht wird.