accessBlog

News mit dem Tag »W3C«

Wer schon mal Web-Applikationen mit einem Screenreader getestet hat, der kennt das Problem: bei asynchronen Änderungen (vulgo: AJAX) ist noch lange nicht garantiert, dass die Änderungen tatsächlich an den Screenreader weitergereicht und von diesem entsprechend vorgelesen werden. Viel öfter passiert es, dass ein veralteter Zustand der Seite aus dem Lautsprecher kommt, der nicht mehr dem aktuellen Inhalt entspricht, so wie er auf dem Bildschirm zu sehen wäre.

Kommt die Änderung hingegen durch ein synchrones Update des DOM zu Stande (z.B. indem der Screenreader-Nutzer ein Formular per Button absendet), so wird der Speicher des Screenreaders korrekt aktualisiert. Nur dann wird der richtige Inhalte vorgelesen. In Zeiten von AJAX und den kurz vor fertigen WCAG 2 hilft das aber auch nichts: Web-Applikationen müssen ganz old-school-mäßig ohne, aber eben auch mit JavaScript funktionieren und zugänglich sein. Zumal sich jede einzelne Nutzeraktion auf diese Weise mit einen Eintrag im Browser-Verlauf verewigt – was je nach Applikation auch nicht unbedingt erwünscht ist.

Und wie so oft liegt das Problem mal wieder am Browser. Genauer gesagt (Sie konnten es sich bestimmt schon denken) am Internet Explorer inklusive der aktuellen Version 7, der solche asynchonen Änderungen nicht über die entsprechende Schnittstelle nach aussen kommuniziert. Auch wenn verbreitete Screenreader wie JAWS ab Version 7.1 mittlerweile eigene Methoden haben, um Änderungen im DOM einer Seite zu beobachten und wiederzugeben, so ist die Freude darüber verfrüht: es betrifft nur einen Screenreader mit einem speziellen Browser; das Verhalten ist (wie vieles in Hilfsmitteln) undokumentiert und entspricht keinem formellen Standard – also sollte man sich besser nicht darauf verlassen.

Auftritt ARIA:

Jetzt wo selbst der kommende IE 8 den zukünftigen WAI-ARIA-Standard unterstützen wird, zeichnet sich ein wenig Entspannung ab (Firefox ab 1.5, Opera ab 9.5 und zuletzt auch Safari hatten bekanntlich hier schon vorgelegt). Also könnte man sich als Anbieter von Web-basierten Applikationen ruhig schon mal mit ARIA beschäftigen.

Mama, der Hixie hat mir das X weggenommen!

Wenn, ja wenn da nicht eine ziemliche Spaßbremse wäre – denn ob der Standard, der ja ursprünglich mal nur als temporäre Zwischenlösung gedacht war, in absehbarer Zeit fertig werden wird steht auf einem anderen Blatt Papier. Mal ganz im Vertrauen und unter uns: die HTML-Arbeitsgruppe des W3C macht im Augenblick nicht den Eindruck, als könne man sich auf den korrekten Belag einer Wurschtsemmel einigen.

Aber was soll's, eigentlich wollten wir nur eine Linkschleuder zum Thema ARIA loswerden, jetzt ist die Einleitung halt was länger geworden. In diesem Sinne:

Die HTML Working Group des W3C hat drei neue Dokumente zu HTML 5 veröffentlicht:

Jack Pickard mit einer hervorragenden Bewertung der aktuellen WCAG 2.0 Candidate Recommendation vom 30. April 2008:

Lachlan Hunt (Opera) und Steve Faulkner (Paciello Group) unterhalten sich über die fast fertige WCAG 2. Besonders lehrreich fanden wir, dass es neben der britischen und der amerikanischen Aussprache von Wickäg und Wuckäg auch noch eine australisch-englische Version gibt: »Steve Faulkner on WCAG 2.0« (YouTube-Video).

Ein weiterer Australier, Roger Hudson, hat einen ausgezeichneten Migrations-Leitfaden für Angebote erstellt, die bereits die Version 1 der WCAG erfüllen: »Migrating from WCAG 1.0 to WCAG 2.0«

»This document has been prepared to help HTML developers and others who are familiar with the Web Content Accessibility Guidelines Version 1.0 (WCAG 1.0) to map their current knowledge and practices with the WCAG 2.0 W3C Candidate Recommendation of 30 April 2008.«

(Gilt natürlich auch für die BITV)

Liebe Moderatoren, Experten und Teilnehmer der ›Einfach für Alle‹-Tagung, liebe Zuschauer draussen an den Empfangsgeräten,

wir möchten uns ganz herzlich für Ihre Unterstützung in Gelsenkirchen bedanken. Ihrem Interesse und Engagement verdanken wir, dass die Teilnehmer vor Ort und im Netz viele Impulse mit nach Hause nehmen konnten, um die Zukunft des Internets und damit der Barrierefreiheit mitzugestalten. Denn das ist ein wesentliches Fazit, dass wir anlässlich der Tagung gezogen haben: Barrierefreiheit ist ein Meilenstein für die zukünftige Entwicklung des Internets.

In den kommenden Tagen veröffentlichen wir die Thesen & Ergebnisse aus den 16 Workshops und auch die Video-Mitschnitte auf der Tagungs-Website.

Ein Ergebnis, das insbesondere für die Teilnehmenden aus Behörden und Verwaltung interessant sein dürfte, wollen wir Ihnen schon heute verraten: Mit Blick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen forderten die Experten im Workshop »Verordnete (Barriere-) Freiheit« die BITV mit den Empfehlungen der kommenden Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) zu harmonisieren.

Wir sind gespannt, wie die Diskussionsteilnehmer, zu denen neben vielen Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen auch Shadi Abou-Zahra vom W3C, Andreas Schlüter aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie Franz-Josef Hanke von Arbeitskreis Barrierefreies Internet gehörten, diese Forderung in der Praxis umsetzen.

Erstmal die gute Nachricht: <font> is gone.

Dann die schlechte Nachricht: das alt-Attribut ist nach wie vor nur optional in HTML5. Mehr dazu und zu dem Endlosstreit in der Arbeitsgruppe:

Wenn Sie dann immer noch keine schlechte Laune haben, dann können Sie die Diskussion in den Mailinglisten-Archiven der HTML-Arbeitsgruppe weiterverfolgen. Aber sagen Sie hinter nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt …

Am 30. April hat die WCAG-Arbeitsgruppe der Web Accessibility Initiative des W3C (WAI) einen neuen Entwurf der »Web Content Accessibility Guidelines« (WCAG) veröffentlicht, der nun erstmalig den Status einer sog. »Candidate Recommendation« hat. Dies ist der vorletzte Schritt, bevor die überarbeiteten Richtlinien zur Barrierefreiheit von Web-Inhalten zur fertigen W3C-Empfehlung werden und damit die WCAG 1.0 von 1999 ersetzen.

Weiterlesen …

Für den weiteren Ablauf bedeutet dies:

  1. Alle in den vorhergegangenen Phasen eingegangenen Kommentare und Verbesserungsvorschläge sind abgearbeitet und, wo sinnvoll, in den aktuellen Entwurf eingeflossen.
  2. Die Richtlinien sind nun nach Ansicht der Arbeitsgruppe so stabil, dass sie in real existierenden Web-Projekten eingesetzt werden können, die unabhängig von der WCAG-Arbeitsgruppe sind.

In der nun laufenden Phase soll die Umsetzbarkeit der Richtlinien überprüft werden – eine wichtiger Nachweis, der zu führen ist, bevor ein Entwurf überhaupt den finalen Status einer W3C-Empfehlung erhalten kann. Wenn alles glatt läuft (und davon ist angesichts der Qualität des aktuellen Entwurfs auszugehen), dann können wir also noch in diesem Jahr mit der tatsächlichen Verabschiedung der WCAG 2.0 rechnen:

»We're optimistic that it will indeed be completed in 2008. If implementation goes well and there are no significant new issues, the ›Proposed Recommendation‹ of WCAG 2.0 should be published in the third quarter of 2008, with the final Web standard W3C Recommendation published about two months after that.«

Die Arbeitsgruppe benötigt nun beispielhafte Implementierungen der WCAG 2.0, bevor der aktuelle Entwurf den nächsten Status einer »Proposed Recommendation« erhalten kann. Gesucht werden mindestens zwei beispielhafte Implementierungen für jedes Erfolgskriterium aus den Richtlinien. Ebenso werden mindestens vier Websites benötigt, die Level A der Richtlinien erfüllen, weitere vier, die Level AA erfüllen und zusätzlich zwei, die konform zu Level AAA sind. Was dies genau bedeutet wird in Understanding WCAG 2.0 erklärt.

Falls Sie Interesse an einer derartigen Selbstüberprüfung anhand Ihres eigenen Web-Angebots haben, bittet die Arbeitsgruppe um eine kurze Nachricht bis zum 23. Mai 2008; tatsächliche Beispiel-Implementierungen der WCAG 2.0 sollten dann bis zum 30. Juni 2008 vorliegen. Dabei müssen nicht sämtliche Richtlinien berücksichtigt sein, es reichen auch Teilbereiche mit einzelnen Kriterien. Die Beispiele sollten von Organisationen kommen, die bisher nicht an der Entwicklung der Richtlinien beteiligt waren, und sie sollten ein breites Spektrum an möglichen Anwendungen repräsentieren.

Rückmeldungen sollten über die bereitgestellte Implementation Information Form erfolgen, um der Arbeitsgruppe zu ermöglichen, eine erste Vorauswahl von Beispiel-Implementierungen zu treffen, mit denen die Richtlinien weitestgehend erfüllt sind. Weitere Informationen zum Prozedere findet man in den Instructions for Implementers und den Instructions for Commenting on WCAG 2.0 Documents. Falls dann noch Fragen offen sind hat die WAI die E-Mail-Adresse team-wcag2-implementations@w3.org als erste Anlaufstelle eingerichtet.

Eine Reihe von Kriterien sind noch Wackelkandidaten, d.h. wenn für diese Kriterien bis zum 31. August 2008 nicht der Nachweis der Machbarkeit gefunden wird, dann werden sie entweder zurückgestuft, zu einer älteren Fassung zurückgerollt oder im Extremfall auch zu nicht-normativen Techniken bzw. Ratschlägen degradiert.

Zum besseren Verständnis der Richtlinien gibt es eine ganze Reihe weiterer Dokumente, von denen ebenfalls neue Fassungen vorliegen:

Hart auf den Fersen der fast fertigen WCAG 2.0 kommen ein paar artverwandte Entwürfe von Standards, die das Bild erst komplett machen:

Dass wir das noch erleben dürfen: per Anfang März hat die WCAG-Arbeitsgruppe die meisten der über 200 inhaltlichen und technischen Kommentare abgearbeitet, die in der aktuell laufenden zweiten ›Last Call Working Draft‹-Phase der WCAG 2.0 aufgelaufen sind.

Zurzeit ist die Arbeitsgruppe dabei, die Anregungen einzuarbeiten und die Antworten an die Komentatoren zu formulieren, um damit den Schritt auf die nächste Stufe innerhalb des W3C-Prozesses vorzubereiten: den Status einer sog. ›Candidate Recommendation‹.

Die Arbeitsgruppe nimmt an, dass dieser nächste Schritt im April oder Mai 2008 erfolgen wird. Dann wird der Fokus auf der Umsetzbarkeit der Richtlinien liegen, d.h. im nächsten Schritt werden Erfahrungen von Webdesignern und -entwicklern gesammelt, die WCAG 2.0 in konkreten Projekten umzusetzen versuchen. Die Arbeitsgruppe wird diesen Prozeß weiter begleiten und Informationen veröffentlichen, wie die Implementierung getestet werden kann und wie Rückmeldungen erfolgen sollten.

Jenachdem wie das dann läuft, könnte es noch im dritten Quartal 2008 den allerletzten Entwurf in Form einer ›Proposed Recommendation‹ geben, bevor die endgültige Verabschiedung zur W3C Recommendation‹ ansteht.

Und dann ist als nächstes die BITV 2.0 an der Reihe.

Im Dezember 2007 hat die Web Accessibility Initiative (W3C WAI) einen Aufruf für Kommentare zum zweiten Last Call Working Draft der WCAG 2.0 veröffentlicht.

Die Experten der österreichischen Initiative accessible media und vom Accessibility Stammtisch haben nun ihre Kommentare und Rückmeldungen zu diesem Entwurf der Arbeitsgruppe diskutiert und veröffentlicht: Kommentare zum aktuellen Entwurf der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0).

Bis zum heutigen Montag läuft noch die Frist, in der Web-Entwickler ihre Wünsche und Vor­stellungen über die zukünftige Ent­wicklung von CSS3 äussern können. Danach wird der Input gesammelt und Ende März beim nächsten Treffen der CSS-Arbeits­gruppe des W3C diskutiert. Weitere Infos und Kommentar­möglich­keit beim Web Standards Project: Tell the CSS WG what you want from CSS3.

Seit ungefähr zwei Jahren entwickelt die Web Accessibility Initiative des W3C an der WAI-ARIA-Reihe, von der nun ein neuer Entwurf vorgelegt wurde. ARIA steht für »Accessible Rich Internet Applications« und soll als Interims-Lösung dafür sorgen, dass Web-basierte Applikationen für die Hilfsmittel behinderter Nutzer zugänglicher werden.

  1. WAI-ARIA Primer ist ein neues Dokument, in dem die Hintergründe und Lösungsansätze der Spezifikation erklärt werden;
  2. Accessible Rich Internet Applications (WAI-ARIA) Version 1.0, der aktuelle W3C Working Draft vom 4 Februar 2008, in dem die bisher getrennten Entwürfe für ›Roles‹ und ›States and Properties‹ kombiniert werden;
  3. WAI-ARIA Best Practices beschreibt, wie Entwickler heute schon zugängliche Web-Anwendungen schreiben können.

Die Arbeitsgruppe bittet um Kommentare bis zum 3. März 2008, spezifische Fragen finden sich in den o.g. Dokumenten jeweils im Abschnitt »Status of This Document«.

Den besten Einstieg in das gesamte Thema bekommt man beim W3C: »WAI-ARIA Overview« oder in diesem Artikel von Martin Kliehm: »Accessible Web 2.0 Applications with WAI-ARIA« bzw. in der deutschen Übersetzung: »Barrierefreie Web 2.0 Anwendungen mit WAI ARIA«. Woran es zurzeit noch (insbesondere von Seiten der Hilfsmittel her) hapert beschreibt ein Artikel von Steve Faulkner: »AJAX and Screen Readers - Content Access Issues«.

Wie Michael Smith vom W3C ganz richtig bemerkt sind es entweder nur 10 Monate seit der Etablierung der gegenwärtigen HTML-Arbeitsgruppe, oder es sind schon 10 Jahre, seitdem HTML 4 veröffentlicht wurde. Was soll's, Hauptsache die werden irgendwann mal überhaupt damit fertig: HTML 5 – A vocabulary and associated APIs for HTML and XHTML, W3C First Public Working Draft vom 22. Januar 2008.

Für den kleinen Unterschied: »HTML 5 differences from HTML 4«

Aktuelle Regel №1 beim Thema Web-Standards: ›Optimismus basiert auf einem Mangel an Erfahrung‹. In diesem Sinne:

Daneben gab es natürlich auch noch unterhaltsames und lehrreiches, so wie dieses von Karl Dubost: »HTML 5, one vocabulary, two serializations«; nicht ganz so brauchbares wie dieses von Frank M. Palinkas: »Creating Accessible Data Tables« (Tipp: das meiste davon interessiert den durchschnittlichen Screenreader ü ber haupt nicht); und diese interessante Auflistung von gängigen Praktiken beim HTML-generieren -schreiben von Philip Taylor: »HTML statistics«.