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News mit dem Tag »Usability«

»Beyond ALT Text: Making the Web Easy to Use for Users with Disabilities« ist eine bisher heftig kosten­pflichtige Studie von Kara Pernice, Jakob Nielsen et al. vom Oktober 2001, die nun zum kosten­losen Herunter­laden als PDF angeboten wird. Das PDF-Dokument selbst ist nicht wirklich zugäng­lich, was wohl dem Alter der Studie geschuldet sein dürfte. Der Untertitel Design Guidelines for Websites and Intranets Based on Usability Studies with People Using Assistive Technology weist bereits auf ein großes Manko der Studie hin: untersucht wurden lediglich Barrieren für Nutzer von assistiven Techniken wie Screenreader oder Lupen­programen und eine kleine Gruppe von motorisch behinderten Nutzern mit ihren Hilfsmitteln.

Ehrlicher wäre es also gewesen, von »Making the Web Easy to Use for Users with certain Disabilities« zu sprechen, denn die Internet-Nutzung von Menschen mit kognitiven Behin­derungen oder von Gehör­losen wurde nicht untersucht. Daher sollten die Erkennt­nisse mit der entsprechenden Vor­sicht ange­wendet werden, wie auch schon die Autoren selbst bemerken: In this research, we did not include people who are hard of hearing, deaf, or color- blind, nor did any participants have cognitive disabilities. Of course, there is much evidence that such disabilities do impact the way people work with a computer, but this was beyond the scope of our study. Please consider this before attempting to apply our conclusions to all Web users with disabilities.

Trotzdem lassen sich einige lehrreiche Erkenntnisse aus der Studie ziehen: so war die Erfolgs­quote bei der Nutzung nicht barriere­freier Ange­bote durch die Kontroll­gruppe nicht-behin­derter Nutzer ohne Hilfs­mittel 6× höher als bei Screenreader-Nutzern und immer noch 3× höher als bei Nutzern von Lupen­pro­grammen. Die Schluß­folgerungen für das Design barriere­freier Websites sind allerdings auch im histo­rischen Kontext zu betrachten und somit teilweise veraltet.

Heute mal was zur Planungs- & Entwurfsphase von Websites:

Unter dem Motto »Adents-Quickies« gibt es ab dem 1. Dezember bei den Webkrauts auch in diesem Jahr wieder einen Adventskalender. Jeden Tag ein neues Türchen, jeden Tag ein neuer kurzer Text, und damit jeden Tag etwas Wissenswertes und Spannendes zu Themen wie Web-Standards, Barrierefreiheit und Usability.

Damit die während der Jahresend-Rallye ohnehin schon knapp bemessene Zeit nicht noch weniger wird sind es diesesmal nur kurze, schnell verdauliche Häppchen, diese aber wie gewohnt mit geballtem Fachwissen und den neuesten Tipps und Tricks. Wer die Adventskalender der letzten Jahre verpasst hat oder sich als Neuling gerade ins Thema Web-Standards einarbeitet, findet auf webkrauts.de noch die Kalender der Jahre 2006, 2005 und 2004.

1. bis 24. Dezember 2007: Adventskalender der Webkrauts - Advents-Quickies

Wegen des Verpeilungsfaktors ausnahmsweise mal erst kurz nach dem Ablauf des Wochenendes. Heute zum Thema Design:

Weil wir uns hier gerade auch mit dem Thema Umfragen beschäftigen fanden wir den folgenden Link noch interessant: Studenten des Art Institute of Atlanta führen eine Studie zu Erwartungen und Vorlieben von Nutzern bezüglich der Gestaltung von Webseiten durch: Interface Research – die Ergebnisse sind teilweise doch erstaunlich (gefunden bei Björn Seibert).

Heute mal was zu Accessibility und Usability im Allgemeinen und zu deren Schnittmengen und Unterschieden im Speziellen:

Heute nochmal was für Gestalter:

Wir hätten da eine Idee für die Accessibility Blog Parade: John Allsopp schlägt vor, mal einen Tag lang das Web ohne Tastatur zu benutzen – wir würden gerne den umgedrehten Vorschlag machen:
Klemmen Sie die Maus ab.
Einen ganzen Tag lang. Versuchen Sie nun, alle anfallenden Arbeiten nur mit der Tastatur zu erledigen. Berichten Sie über Ihre Erfahrungen in Ihrem Blog (oder hier in den Kommentaren). Und nein, Trackpad benutzen gilt nicht und Arbeiten auf Morgen verschieben auch nicht.

Nachtrag: »Maus raus« – ernüchternde Testergebnisse von Maria Putzhuber im MAIN_web-Blog.

Was mit Usability:

Die Liste aller Listen zum Thema CSS-Bastelkästen wie üblich beim Zertrümmern-Magazin: »CSS Frameworks + CSS Reset: Design From Scratch«.

Falls Sie dann immer noch nicht überzeugt sind, dass Gestaltungsraster eine gute Idee sind, dann hilft vielleicht dieser Artikel von Anthony Froshaug aus dem Jahre 1967: »Typography is a grid«.

Und falls dann der Kunde von Ihnen verlangt, dass das Design der neuen Hohmpäitsch irgendwie Webzweinulliger aussehen soll, dann empfiehlt sich folgende Anleitung bei ajaxflakes.com: »web 2.0 design, how-to«.

Jens Meiert bloggt über das scheinbar weitestgehend unbekannte Konzept, dass Browser auch ohne CSS gewisse eigene Formatierungen anwenden (die einem ganz schön Kopfzerbrechen bereiten können, da jeder Browser natürlich so seine Eigenheiten hat): »User Agent Style Sheets: Basics and Samples« – der Schlußfolgerung, dass man ausser * { margin: 0; padding: 0; } keinerlei Reset-Styles anwenden sollte können wir allerdings nicht ganz folgen und behaupten das Gegenteil.

Über das allseits bekannte Spannungsfeld von Zeit, Qualität und Budget schreibt Veerle Pieters: »Deadlines kill inspiration«

Auch unbedingt kucken: John Maedas Vortrag zum Thema Einfachheit und Komplexität: »Simplicity patterns«.

Auch unbedingt lesen: ein Konferenzbeitrag von Paula Alexandra Silva & Alan Dix über das Paradoxon, warum scheinbar unbrauchbare oder geradezu häßliche Seiten oftmals die erfolgreicheren sind: »Usability – Not as we know it!« (PDF-Version (289 kb).

Ausfüllen, abschicken, fertig: Diskussionen in Foren und Weblogs, Jobangebote und –gesuche in Stellen­börsen, Fahrplan­auskünfte bei der Bahn oder Bestellungen und Bezahlung in Online-Shops funktionieren mit Formularen. Redaktions­systeme und Weblogs arbeiten in der Regel formular­basiert. Formulare sind oft der Kern interaktiver Angebote und Grundlage der Kommu­nikation zwischen Anbietern und Nutzern einer Webseite.

Die Grundfunktionen eines Formulars – ausfüllen und abschicken – müssen mit allen möglichen Mitteln der Bedienung und der Ausgabe gelingen. Der Anbieter einer Webseite sollte ein Interesse daran haben allen Nutzern, auch wenn sie assistive Werkzeuge wie z. B. Screenreader, Sprach­erkennung oder Spezial­tastaturen einsetzen, das vollständige Ausfüllen und Abschicken seiner Formulare zu ermöglichen.

Gerade bei Formularen gilt das POUR-Prinzip der WCAG 2.0 in Reinform: Formulare müssen wahrnehmbar (perceivable), bedienbar (operable), verständlich (understandable) und robust (robust) sein. In den Richtlinien finden sich zwar nur wenige direkte Vorgaben zu Formularen, jedoch sind fast alle Punkte der WCAG bzw. BITV anwendbar – von HTML über CSS und Bilder bis zu JavaScript. Nur der vollständige Einsatz aller Möglichkeiten stellt sicher, dass Ihre Formulare mit allen denkbaren Zugangs­formen verstanden und bedient werden können. Aber obwohl HTML seit Jahren viele Elemente für barrierefreie und damit bediener­freundliche Formulare enthält, werden diese nur sehr sparsam eingesetzt.

Für öffentliche Anbieter, die den Vorgaben der BITV unterliegen, ist der Einsatz dieser Mittel klar geregelt: die Verordnung verlangt den Einsatz der korrekten HTML-Elemente und CSS für die Gestaltung; weitergehende Vorgaben zur Orientierung und geräte­unabhängigen Bedienung treffen selbst­redend auch auf Formulare zu.

Um die Markup-Grundlage von Formularen geht es in Teil 1 unserer Serie: »HTML-Elemente für Formulare«. In Teil 2 – »Formulardesign« – dreht sich alles um die Gestaltung und Usability und im dritten Teil der Serie geht es um Fehler und wie man mit ihnen umgeht: »Toleranz und Rücksicht«.

In Zeiten des Mitmach-Webs werden Formulare noch wichtiger, sie sind sozusagen das Bindeglied zwischen Web 1.0 und 2.0. Neben den für die Struktur benötigten HTML-Elementen und CSS für die Gestaltung kommt hier in der Regel noch JavaScript für das Verhalten der Formulare zum Einsatz. In der fest in der statischen Web 1.0-Welt verhafteten BITV ist Dynamik via JavaScript effektiv verboten, besonders wenn keine Alternativen ohne clientseitiges Scripting bereit­gestellt werden. Viele Web-basierte Anwendungen sind jedoch ohne JavaScript kaum oder gar nicht nutzbar. Daher geht es in Teil 4 der Serie um »Dynamik in Formularen«.

In Teil 5 der Serie zeigen wir, wie Sie mit einigen einfachen Tests schon während der Entwicklung eine erste Qualitäts­sicherung vornehmen können und geben Tipps für Tests mit echten Nutzern: »Testen von Formularen und Web-basierten Anwendungen«. Zum Abschluss geht es um Dinge, die sie besser nicht oder nur nach reiflicher Überlegung in ihre Formulare einbauen sollten: »Strittige Punkte«.

Das Design Tagebuch (nur echt mit Leerschritt) sammelt Begriffe, die im Zusammenhang mit Internetauftritten im Einsatz sind. Oft sind dies englische Begriffe, die sich im Laufe der Zeit durchgesetzt haben und als ›gelernte‹ Wörter gelten dürfen. Manchmal finden sich aber auch üble denglische Begriffe darunter, also scheinbar englische Wörter, die von Denkfaulen in die Welt gesetzt wurden: »Die Sprache im Webauftritt«.

Heute zur Abwechslung wieder mal was mit Gebrauchstauglichkeit (neudeutsch für Usability):

Der freundliche EfA-Surfberater empfiehlt heute 1a-Qualitätslinks zum Thema CSS & Design:

Am 23. Mai 2007 findet die Konferenz »E-Learning without barriers« im Berufsförderungswerk Düren statt. Vorgestellt werden eine ganze Reihe Projekte aus dem Bereich des Computer-basierten Lernens (engl.: e-Learning) für sehbehinderte und blinde Menschen. Die Konferenzsprache ist englisch, weitere Informationen und Anmeldung unter bfw-dueren.de.

Die diesjährige Konferenz »Mensch und Computer« findet vom 2. bis 5. September an der Bauhaus-Universität Weimar unter dem Motto »Interaktion im Plural« statt. Im Zentrum steht dabei der Mensch, der beim Arbeiten, Lernen und in seiner Freizeit durch Computer und andere Technologie unterstützt wird.

Passend zur letzten Wochenendbeilage hier noch etwas zu frei verfügbaren Hilfsmitteln, denn von dieser Entwicklung werden auch OpenSource-Anwendungen und -Hilfsmittel profitieren. Ein Problem bei der Anwendung assistiver Computer-Hilfsmittel liegt bekanntlich bereits vor der Anwendung: die teilweise immensen Kosten, die im Regelfall am Nutzer hängenbleiben, wenn der Rechner nicht im beruflichen Einsatz genutzt wird. Für viele Menschen mit Behinderung könnten da die freien Hilfsmittel zu einer echten Alternative werden, die in letzter Zeit bemerkenswerte Fortschritte gemacht haben.

So unterstützt der Linux Screen Reader (LSR) dem Vernehmen nach in der neuesten Version die Ausgabe in Braille und arbeitet mit wichtigen Applikationen wie Firefox, OpenOffice, dem Editor Eclipse und der GNOME-eigenen Lupensoftware zusammen. Mehr zu LSR in einem Screencast von Peter Parente (IBM) LSR - GNOME Summit 2006 (Flash-Video mit, wie es sich gehört, Transkript).

Auch zur - nach dem Wegfall von Gnopernicus - verbliebenen zweiten Alternative Orca gibt es etwas zu berichten: wie bei Ellen Reitmayr zu lesen war, wurde der Screenreader mit einer ganzen Reihe Nutzer Usability-getestet. Die gar nicht mal so schlechten Ergebnisse wurden als PDF zum Download (719 KB) veröffentlicht.

Erstmal die Erklärung: unter einer ›Heatmap‹ versteht man die zweidimensionale grafische Darstellung von Daten, bei denen gleichartige Werte durch gleiche Farben dargstellt werden. In der Usability-Forschung benutzt man sowas zum Beispiel zur Auswertung, wo ein Benutzer auf einer Webseite hingesehen oder hingeklickt hat.

Bei Feng-GUI gibt's nun ein Werkzeug, dass eine solche Heatmap erstellt, ohne dass dafür ein Benutzer beobachtet werden muss. Ein bißchen, aber nicht wirklich viel wird in den FAQ erklärt: die meisten Algorithmen kommen offensichtlich aus Anwendungen zur automatischen Bildanalyse und Gesichtserkennung – ob das allerdings so ohne weiteres auf das Web übertragbar ist kann man zumindest bezweifeln. Dann doch lieber ein Tool wie Clickmaps, dass echte Klicks misst und auswertet.