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News mit dem Tag »BITV«

Jack Pickard mit einer hervorragenden Bewertung der aktuellen WCAG 2.0 Candidate Recommendation vom 30. April 2008:

Lachlan Hunt (Opera) und Steve Faulkner (Paciello Group) unterhalten sich über die fast fertige WCAG 2. Besonders lehrreich fanden wir, dass es neben der britischen und der amerikanischen Aussprache von Wickäg und Wuckäg auch noch eine australisch-englische Version gibt: »Steve Faulkner on WCAG 2.0« (YouTube-Video).

Ein weiterer Australier, Roger Hudson, hat einen ausgezeichneten Migrations-Leitfaden für Angebote erstellt, die bereits die Version 1 der WCAG erfüllen: »Migrating from WCAG 1.0 to WCAG 2.0«

»This document has been prepared to help HTML developers and others who are familiar with the Web Content Accessibility Guidelines Version 1.0 (WCAG 1.0) to map their current knowledge and practices with the WCAG 2.0 W3C Candidate Recommendation of 30 April 2008.«

(Gilt natürlich auch für die BITV)

Das Hamburger Projekt BIK hat den aktuellen Stand der WCAG 2.0 (wir berichteten) unter die Lupe genommen und heraus kam eine umfassende (wenn auch noch nicht ganz vollständige) Bewertung der kommenden Richtlinien zur Barrierefreiheit:

Liebe Moderatoren, Experten und Teilnehmer der ›Einfach für Alle‹-Tagung, liebe Zuschauer draussen an den Empfangsgeräten,

wir möchten uns ganz herzlich für Ihre Unterstützung in Gelsenkirchen bedanken. Ihrem Interesse und Engagement verdanken wir, dass die Teilnehmer vor Ort und im Netz viele Impulse mit nach Hause nehmen konnten, um die Zukunft des Internets und damit der Barrierefreiheit mitzugestalten. Denn das ist ein wesentliches Fazit, dass wir anlässlich der Tagung gezogen haben: Barrierefreiheit ist ein Meilenstein für die zukünftige Entwicklung des Internets.

In den kommenden Tagen veröffentlichen wir die Thesen & Ergebnisse aus den 16 Workshops und auch die Video-Mitschnitte auf der Tagungs-Website.

Ein Ergebnis, das insbesondere für die Teilnehmenden aus Behörden und Verwaltung interessant sein dürfte, wollen wir Ihnen schon heute verraten: Mit Blick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen forderten die Experten im Workshop »Verordnete (Barriere-) Freiheit« die BITV mit den Empfehlungen der kommenden Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) zu harmonisieren.

Wir sind gespannt, wie die Diskussionsteilnehmer, zu denen neben vielen Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen auch Shadi Abou-Zahra vom W3C, Andreas Schlüter aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie Franz-Josef Hanke von Arbeitskreis Barrierefreies Internet gehörten, diese Forderung in der Praxis umsetzen.

Am 30. April hat die WCAG-Arbeitsgruppe der Web Accessibility Initiative des W3C (WAI) einen neuen Entwurf der »Web Content Accessibility Guidelines« (WCAG) veröffentlicht, der nun erstmalig den Status einer sog. »Candidate Recommendation« hat. Dies ist der vorletzte Schritt, bevor die überarbeiteten Richtlinien zur Barrierefreiheit von Web-Inhalten zur fertigen W3C-Empfehlung werden und damit die WCAG 1.0 von 1999 ersetzen.

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Für den weiteren Ablauf bedeutet dies:

  1. Alle in den vorhergegangenen Phasen eingegangenen Kommentare und Verbesserungsvorschläge sind abgearbeitet und, wo sinnvoll, in den aktuellen Entwurf eingeflossen.
  2. Die Richtlinien sind nun nach Ansicht der Arbeitsgruppe so stabil, dass sie in real existierenden Web-Projekten eingesetzt werden können, die unabhängig von der WCAG-Arbeitsgruppe sind.

In der nun laufenden Phase soll die Umsetzbarkeit der Richtlinien überprüft werden – eine wichtiger Nachweis, der zu führen ist, bevor ein Entwurf überhaupt den finalen Status einer W3C-Empfehlung erhalten kann. Wenn alles glatt läuft (und davon ist angesichts der Qualität des aktuellen Entwurfs auszugehen), dann können wir also noch in diesem Jahr mit der tatsächlichen Verabschiedung der WCAG 2.0 rechnen:

»We're optimistic that it will indeed be completed in 2008. If implementation goes well and there are no significant new issues, the ›Proposed Recommendation‹ of WCAG 2.0 should be published in the third quarter of 2008, with the final Web standard W3C Recommendation published about two months after that.«

Die Arbeitsgruppe benötigt nun beispielhafte Implementierungen der WCAG 2.0, bevor der aktuelle Entwurf den nächsten Status einer »Proposed Recommendation« erhalten kann. Gesucht werden mindestens zwei beispielhafte Implementierungen für jedes Erfolgskriterium aus den Richtlinien. Ebenso werden mindestens vier Websites benötigt, die Level A der Richtlinien erfüllen, weitere vier, die Level AA erfüllen und zusätzlich zwei, die konform zu Level AAA sind. Was dies genau bedeutet wird in Understanding WCAG 2.0 erklärt.

Falls Sie Interesse an einer derartigen Selbstüberprüfung anhand Ihres eigenen Web-Angebots haben, bittet die Arbeitsgruppe um eine kurze Nachricht bis zum 23. Mai 2008; tatsächliche Beispiel-Implementierungen der WCAG 2.0 sollten dann bis zum 30. Juni 2008 vorliegen. Dabei müssen nicht sämtliche Richtlinien berücksichtigt sein, es reichen auch Teilbereiche mit einzelnen Kriterien. Die Beispiele sollten von Organisationen kommen, die bisher nicht an der Entwicklung der Richtlinien beteiligt waren, und sie sollten ein breites Spektrum an möglichen Anwendungen repräsentieren.

Rückmeldungen sollten über die bereitgestellte Implementation Information Form erfolgen, um der Arbeitsgruppe zu ermöglichen, eine erste Vorauswahl von Beispiel-Implementierungen zu treffen, mit denen die Richtlinien weitestgehend erfüllt sind. Weitere Informationen zum Prozedere findet man in den Instructions for Implementers und den Instructions for Commenting on WCAG 2.0 Documents. Falls dann noch Fragen offen sind hat die WAI die E-Mail-Adresse team-wcag2-implementations@w3.org als erste Anlaufstelle eingerichtet.

Eine Reihe von Kriterien sind noch Wackelkandidaten, d.h. wenn für diese Kriterien bis zum 31. August 2008 nicht der Nachweis der Machbarkeit gefunden wird, dann werden sie entweder zurückgestuft, zu einer älteren Fassung zurückgerollt oder im Extremfall auch zu nicht-normativen Techniken bzw. Ratschlägen degradiert.

Zum besseren Verständnis der Richtlinien gibt es eine ganze Reihe weiterer Dokumente, von denen ebenfalls neue Fassungen vorliegen:

Dass wir das noch erleben dürfen: per Anfang März hat die WCAG-Arbeitsgruppe die meisten der über 200 inhaltlichen und technischen Kommentare abgearbeitet, die in der aktuell laufenden zweiten ›Last Call Working Draft‹-Phase der WCAG 2.0 aufgelaufen sind.

Zurzeit ist die Arbeitsgruppe dabei, die Anregungen einzuarbeiten und die Antworten an die Komentatoren zu formulieren, um damit den Schritt auf die nächste Stufe innerhalb des W3C-Prozesses vorzubereiten: den Status einer sog. ›Candidate Recommendation‹.

Die Arbeitsgruppe nimmt an, dass dieser nächste Schritt im April oder Mai 2008 erfolgen wird. Dann wird der Fokus auf der Umsetzbarkeit der Richtlinien liegen, d.h. im nächsten Schritt werden Erfahrungen von Webdesignern und -entwicklern gesammelt, die WCAG 2.0 in konkreten Projekten umzusetzen versuchen. Die Arbeitsgruppe wird diesen Prozeß weiter begleiten und Informationen veröffentlichen, wie die Implementierung getestet werden kann und wie Rückmeldungen erfolgen sollten.

Jenachdem wie das dann läuft, könnte es noch im dritten Quartal 2008 den allerletzten Entwurf in Form einer ›Proposed Recommendation‹ geben, bevor die endgültige Verabschiedung zur W3C Recommendation‹ ansteht.

Und dann ist als nächstes die BITV 2.0 an der Reihe.

Die WCAG Samurai haben die finale Version ihrer Korrekturen an den bekanntlich etwas in die Jahre gekommenen W3C-Richtlinien zur Barrierefreiheit veröffentlicht:

WCAG Samurai errata for Web Content Accessibility Guidelines 1.0.

Die Samurai sind eine Gruppe von unabhängigen Accessibility-Experten unter der Leitung des Kanadiers Joe Clark, die in einem geschlossenen Prozeß die veralteten oder fehlerhaften Punkte der WCAG 1.0 überarbeitet haben. Den besten Überblick erhält man in der Einführung, danach sollte man in den eigentlichen Errata weiterlesen. Zusätzlich gibt es noch weitere Dokumente, die sich mit PDF und mit Farbfehlsichtigkeiten beschäftigen. Um die Errata zu verstehen muss man natürlich vorher die Richtlinien im Original oder deren deutsche Adaption gelesen haben.

Die Erkenntnisse, insbesondere die Lockerungen und Verschärfungen decken sich weitestgehend mit anderen anerkannten Prüfverfahren und Anleitungen; die Streichliste enthält viele Dinge, die auch im BIENE-Prüfverfahren schon seit Jahren keine Rolle mehr spielen und somit in der Entwicklung eines barrierefreien Web-Angebots ohne schlechtes Gewissen vernachlässigt werden dürfen.

Die Bundesregierung will durch die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie die Teilhabe und Selbstbestimmung behinderter Menschen verbessern. Deshalb arbeitet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales augenblicklich an zwei Projekten in diesem Bereich: 1) Der Überarbeitung der »Barrierefreie Informationstechnik Verordnung« (BITV) und 2) dem Aufbau einer Internetplattform im Sinne eines ›one-stop-shop‹ für Belange von Menschen mit Behinderungen. Dort sollen vorhandene und relevante Internetangebote gebündelt oder vernetzt werden.

Ein Interview mit Erika Huxhold, Leiterin der Abteilung V ›Belange behinderter Menschen, Rehabilitation, Sozialhilfe‹.

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Frage: Frau Huxhold, welche konkreten Projekte wurden 2007 angegangen?
Antwort: Die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie kann die Teilhabe und Selbstbestimmung behinderter Menschen verbessern. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat deshalb in diesem Jahr zwei Projekte in diesem Bereich aufgegriffen.
Zum einen geht es um die »Barrierefreie Informationstechnik Verordnung« (BITV). Drei Jahre nach dem Inkrafttreten der Verordnung war eine Evaluierung vorgesehen, die einen Überarbeitungsbedarf ergab. Dazu haben wir unter Federführung des BMAS eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
Außerdem beabsichtigt das BMAS im Rahmen des eGovernment-Programms der Bundesregierung ein Projekt zum Thema »eGovernment-Strategie für Teilhabeleistungen und Belange behinderter Menschen« zu entwickeln. Hierzu wurde im Juni 2007 im Arbeitsministerium eine Projektgruppe gebildet. Als ersten Schritt ist an den Aufbau einer Internetplattform im Sinne eines »one-stop-shop« für Belange von Menschen mit Behinderungen gedacht. Vorhandene und relevante Internetangebote sollen gebündelt oder vernetzt werden. Diese zentrale Plattform kann dann Ausgangspunkt für weitere eGovernment-Vorhaben sein, mit dem Ziel, Dienstleistungen durch eGovernment für die Bürgerinnen und Bürger einfacher und schneller zugänglich zu machen sowie verwaltungstechnische Abläufe effizienter zu gestalten.
Frage: Wo liegt der Vorteil für die Nutzer, speziell für Nutzer mit Behinderungen?
Antwort: Für Menschen mit Behinderungen ist außerordentlich wichtig, mittels barrierefreier IKT an Informationen zu gelangen und aktiv an der Kommunikation über das Internet teilzunehmen. Deshalb muss sichergestellt sein, dass die behinderten Menschen in Deutschland das Recht auf Gleichbehandlung und Teilhabe auch auf diesem Weg durchsetzen können.
Bei der eGovernment-Strategie geht es darüber hinaus um die verbesserte Nutzung der Serviceleistungen von Instrumenten der Teilhabe behinderter Menschen über das Internet. So ist vorstellbar, mit Hilfe von elektronischen Informations- bzw. Kommunikationstechnologien auch die verschiedenen Verfahrensschritte der Leistungsträger so zu vernetzen, dass z. B. beim Persönlichen Budget auch eine elektronische Antragstellung und Bescheiderteilung entwickelt wird.
Frage: Was erwartet uns in der kommenden Zeit bei den gesetzlichen Rahmenbestimmungen?
Antwort: Neben der Überarbeitung der BITV bereitet das BMAS die Ratifikation der UN-Behindertenkonvention vor. Die Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten, Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, auch Menschen mit Behinderungen angemessen und ohne Zusatzkosten zur Verfügung zu stellen. Im Laufe der Ratifizierung wird sich zeigen, ob an der ein oder anderen Stelle eine Anpassung geltender Regelungen erforderlich sein wird.
Frage: Wie wird sich die BITV den technischen und inhaltlichen Entwicklungen des Internets anpassen?
Antwort: Die mit der BITV zusammenhängenden praktischen und technischen Problemstellungen sind sehr unterschiedlich. Die Überlegungen zielen darauf, allen Behinderungsarten gerecht zu werden. Hierbei stellt sich beispielsweise die Frage inwieweit Web-Inhalte mittels Videounterstützung für gehörlose Menschen in Gebärdensprache aufbereitet werden können. Eine andere Frage betrifft die Forderung nach Informationen in einfacher Sprache für lernbehinderte Menschen und Menschen mit geistiger Behinderung. Und natürlich soll die BITV im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Internationalen Standards - Stichwort WCAG 2.0 - und im Hinblick auf die technischen Neuerungen, z. B. Web 2.0 Angebote, angepasst werden.
Frage: Sind Menschen mit Behinderungen an der Weiterentwicklung beteiligt?
Antwort: Für eine Überarbeitung der BITV sind die Erfahrungen der Verbände behinderter Menschen von großer Bedeutung. Die Projektgruppe führt daher regelmäßige Erfahrungsaustausche mit den behinderten Menschen sowie den entsprechenden Verbänden durch. Zuletzt fanden am 17. September 2007 Gespräche mit den Verbänden der gehörlosen und schwerhörigen Menschen sowie der lern- und geistig behinderten Menschen statt. Die Projektarbeitsgruppe ist so konzipiert, dass zuerst in kleinen Gruppen mit den jeweiligen Verbänden und Experten Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden, um diese dann mit allen Behindertenverbänden zu diskutieren und auf den Weg zu bringen.
Frage: Wann ist mit der überarbeiteten BITV zu rechen?
Antwort: Auch die überarbeitete Version der BITV soll sich an den vom World Wide Web Consortium herausgegebenen Standard »Web Content Accessibility Guidelines (WCAG orientieren. Anfang 2008 soll die Version WCAG 2.0 erscheinen, die als Grundlage für eine Fortschreibung der BITV dient. Dann kann voraussichtlich im Frühjahr 2008 die Projektarbeitsgruppe einen ersten Entwurf vorlegen. Denkt man optimistisch – und das tue ich – dann können wir schon 2008 eine überarbeitete BITV in Kraft setzen.
Frage: Welche Schritte plant die Bundesregierung, auch privatwirtschaftliche Anbieter im Netz von den Vorteilen des barrierefreien Internets zu überzeugen?
Antwort: Zur Umsetzung der Barrierefreiheit wurde im BGG das Instrument der Zielvereinbarung geschaffen, mit dem anerkannte Behindertenverbände zusammen mit der Wirtschaft die Ziele zur Herstellung von Barrierefreiheit selbst bestimmen und vereinbaren können. Die Zielvereinbarung überlässt es den Beteiligten, konkrete Regelungen zur Herstellung von Barrierefreiheit zu treffen, die den jeweiligen Verhältnissen und Bedürfnissen angepasst sind und so flexible und verhältnismäßige Lösungen ermöglichen. Beispielhaft ist hier die Zielvereinbarung der Verbände mit der Firma Pfizer Deutschland GmbH, die ihre Internetseiten barrierefrei gestalten werden.
Eine stärkere Nutzung des Instruments der Zielvereinbarungen durch die Verbände behinderter Menschen und Unternehmen ist aus Sicht des BMAS wünschenswert. Das BMAS prüft die Möglichkeit einer Förderung bestehender Kompetenzzentren für verschiedene Bereiche der Barrierefreiheit (Mobilität, barrierefreies Bauen, Kommunikation), um damit auch die Verbände und Unternehmen beim Abschluss weiterer Zielvereinbarungen unterstützen zu können.

Wie schon Enden letzten Monats vorhergesagt nimmt die Debatte um den Begriff ›Barrierefreiheit‹ kein Ende. Wir haben nicht nachgemessen ob nun die Stimmen überwiegen, die den Begriff auf Alles und Jeden ausdehnen wollen, oder diejenigen, die den Begriff auf seinen Ursprung und seine Kernaussage eingrenzen. Es scheint aber fast so, als könne es keine gemeinsame Basis geben und jeder legt den Begriff so aus, wie es gerade passt.

Um einer weitergehenden Begriffs­piraterie vorzubeugen haben wir noch­mal nachgelesen und sind zu folgendem Ergebnis gekommen (Anm.: Hervorhebungen hinzugefügt):

  • WCAG 1.0, Einleitung, erster Satz: These guidelines explain how to make Web content accessible to people with disabilities.
  • Deutsche Übersetzung der WCAG 1.0 (Zugänglich­keits­richtlinien für Web-Inhalte 1.0): Diese Richt­linien erläutern, wie Web-Inhalte für Behinderte zugänglich gemacht werden können.
  • WCAG Impact Matrix – durch die WCAG berücksichtigte Behinderungsformen (»Summary of Disabilities Considered«): Visual Disabilities, Hearing disabilities, Cognitive, learning, and language disabilities, Physical disabilities, Photo sensitive epilepsy.
  • Begründung zur BITV), Satz 1: Die Verordnung wird aufgrund des § 11 des Gesetzes zur Gleich­stellung behinderter Menschen und zur Änderung anderer Gesetze (Behin­derten­gleich­stellungs­gesetz) erlassen.
  • Ibid., IV. 4.: Die Vorschrift übernimmt zur Fest­legung des persönlichen Geltungs­bereiches die Vorgaben des § 3 Behin­derten­gleich­stellungs­gesetz. (zum Nachlesen: §3 BGG)
  • WCAG 2.0, Einleitung, erster Satz: Web Content Accessibility Guidelines 2.0 (WCAG 2.0) covers a wide range of recommendations for making Web content more accessible. Following these guidelines will make content accessible to a wider range of people with disabilities, including blindness and low vision, deafness and hearing loss, learning disabilities, cognitive limitations, limited movement, speech difficulties, photosensitivity and combinations of these.
  • WCAG Working Group Charter, Punkt 1. Mission, erster Satz: The mission of the Web Content Accessibility Guidelines Working Group (WCAG WG) is to develop guidelines to make Web content accessible for people with disabilities.
  • HTML-Arbeitsgruppe des W3C, HTML Design Principles, Punkt 5.3. Accessibility: Design features to be accessible to users with disabilities.
  • HTML 4.01 Specification, Abstract, Satz 2: In addition […], HTML 4 supports […] documents that are more accessible to users with disabilities.
  • HTML 4.01-Spezifikation (Deutsche Übersetzung): Zusätzlich […] unterstützt HTML 4 […] zugänglichere Dokumente für behinderte Benutzer.

Fazit:

Wir konnten beim besten Willen keine Text­stelle finden, in der Barriere­freiheit als irgend­etwas anderes definiert wird als die Zugäng­lichkeit für Menschen mit Behin­derung. Anders­lautende Meinungen dürfen gerne in den Kommentaren abgegeben werden.

Neuer Accessibility-Standard für die Schweiz

Von der schweizerischen eCH-Fachgruppe Accessibility wurde 2006/07 der Accessibility-Standard eCH-0059 ausgearbeitet. Dieser Standard befindet sich zurzeit in der öffentlichen Vernehm­lassung (was ist das?). Das Ziel des Standards besteht darin, die Vorgaben des eidge­nössischen Behin­derten­gleich­stellungs­gesetzes auch auf Ebene der Kantone und Gemeinden umzusetzen und diesen Prozess zu unterstützen. Der Standard eCH-0059 regelt unter anderem die einzuhaltenden Kon­formitäts­stufen, Formate und schlägt Fristen vor.

Der Standard eCH-0059 lehnt sich inhaltlich stark an die Richtlinien des Bundes für die Gestaltung von barriere­freien Inter­net­ange­boten (P028) an. Dadurch wird die rasche Umsetzung der Barriere­freiheit auf allen Ebenen gefördert, da alle öffentlichen Institu­tionen an dieselben Anforderungen gebunden sind. Anders als die Richt­linie P028 des Bundes empfiehlt der Standard eCH-0059 aufgrund der am 11. Juni 2006 an der europäischen Minister­konferenz unterzeichneten Deklaration in Riga eine Umsetzungsfrist bis spätestens Ende 2010. Bis dahin sollen alle öffent­lichen Inter­net­angebote des Gemein­wesens an die Kon­formitäts­stufe AA der WCAG 1.0 angepasst sein. (via)

Neue Fristen in Großbritannien

Auch die britische Regierung verpflichtet sich nun selbst, die genannten Rigaer Beschlüsse einzuhalten. Bis Ende Dezember 2008 müssen alle Regierungsseiten mindestens dem WCAG 1.0 Level AA entsprechen, ansonsten droht der Entzug der .gov.uk-Domain.

Damit das auch klappt hat das Cabinet Office eine Anleitung veröffentlicht, die weit über den genannten Standard hinausgeht. Themen sind neben Argumenten pro Barrierefreiheit auch die Analyse von Bedürfnissen der Nutzer und Tipps zur Beschaffung von zugänglichen Autorenwerkzeugen und Redaktionssystemen. Zum Herunterladen:

Ähnlich wie in der Schweiz könnte es somit in England aufgrund der langen Fristen passieren, dass die WCAG 2.0 vorher fertig ist und man sich trotzdem an einen gemein­hin als veraltet bekannten Standard halten muss.

Und hierzulande?

Im Flurfunk macht zurzeit das Gerücht die Runde, dass es in Berlin wohl schon erste Anhörungen zum Thema BITV 2.0 gegeben hätte (man beachte den Konjunktiv). Eventuell kann jemand aus unserer Leser­schaft näheres dazu sagen – auf regierungs­amtlichen Seiten lässt sich nichts dazu finden.

Beim 508-Portal (§508 ist sowas wie die amerikanische BITV) fanden wir eine interessante Übersicht von fertigen, in der Arbeit befindlichen oder vorgeschlagenen Standards zu barrierefreien Informations- und Kommunikationstechniken. Autor ist Dr. John Gill vom britischen Royal National Institute for the Blind (RNIB), die Infos sollen vierteljährlich aktualisiert werden:

In der letzten Anforderung unserer BITV-Serie geht es nochmal um Barrierefreiheit auf inhaltlicher Ebene. Selbst wenn eine Website alle technischen Tests besteht, der Code validiert und die gängigen Prüfprogramme auf keine groben Schnitzer hinweisen: die Website ist damit noch nicht für alle Besucher tatsächlich auch benutzbar.

Während die übrigen Anforderungen der BITV größtenteils technische Vorgaben oder Mischformen von technischen, gestalterischen und konzeptionellen Bedingungen enthalten, handelt es sich hier um die einzige Anforderung, die ausschließlich Inhalte und deren Gestaltung regelt. Dabei ist die Bedingung 14.1 im Original, den WCAG 1.0, sogar unter Priorität 1 abgelegt; im Gegensatz zur Verpflichtung zu validem Code, die lediglich bei Priorität 2 angesiedelt ist. Dies verdeutlicht, dass den Fähigkeiten der Nutzer entsprechende Inhalte wesentlich wichtiger für die barrierefreie Nutzung eines Angebots sind als das eine oder andere uncodierte Ampersand.

Alles weitere in Anforderung 14: »Förderung des allgemeinen Verständnisses«

Eine Frage an das werte Publikum: wie kann es eigentlich sein, dass Google.de bei der Suche nach "WCAG 14.3" folgende Fehlermeldung zurückgibt: »Es gab keine Ergebnisse für die ausgewählte(n) Sprache(n). Zeige die weltweiten Web-Ergebnisse für "WCAG 14.3" an.«? Gibt es wirklich keine deutschsprachige Literatur zum diesem abschließenden Punkt der Richtlinien? Oder suchen wir einfach nur falsch? Grenzt man die Suche auf »Seiten aus Deutschland« ein bekommt man übrigens noch magerere Ergebnisse.

Die übliche Wochenendbeilage macht heute Platz für eine Eilmeldung: die WCAG Samurai haben einen ersten Entwurf ihrer Korrekturen an den WCAG 1.0 veröffentlicht. Ja, Sie haben richtig gelesen, 1.0, nicht 2.0, und damit relevant für die BITV und deren Umsetzung oder Aktualisierung.

Der kanadische Accessibility-Experte Joe Clark hatte die Bildung der Gruppe vor circa einem Jahr in seinem Artikel »To Hell with WCAG« (deutsche Übersetzung) angekündigt. Seit dem hat die Gruppe, von der bisher nur wenige Namen durchgesickert sind, in einem nicht-öffentlichen Prozeß an den Korrekturen der mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen W3C-Empfehlung gearbeitet.

Auf der zurzeit in London stattfindenden @media-Konferenz wurde der Entwurf nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Dokumentation besteht aus einer Einführung mit Informationen über Hintergründe und Ziele und den eigentlichen »WCAG Samurai Errata for WCAG 1.0«. Die Errata durchlaufen zurzeit die Phase des sog. Peer Review, in der sie von weiteren Experten gegengelesen und kommentiert werden.

Mehr Berichterstattung zum Thema:

Nach einer kurzen Winterpause widmet sich unser Podcast heute erneut einem Thema, das uns schon seit Jahren unter den Nägeln brennt: der Aktualisierung der seit Jahren demnächst fertiggestellten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) auf die Versionsnummer 2.0.

Zum Mithören:

Podcast vom 04. Juni
(.mp3, 11′22″, 10,5 MB)

Zum Mitlesen:

Die Mitschrift des Podcasts

Zum Abonnieren:

Der Podcast im iTunes Music Store

Das Regionale Rechenzentrum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (RRZE) hat eine aktualisierte Version der Checkliste zur Gestaltung barrierefreier Webanwendungen und Webauftritte veröffentlicht. Die Dokumente wurde didaktisch überarbeitet und neu strukturiert. Die neue Struktur in Einzeldokumenten soll dabei helfen, die Liste übersichtlicher zu machen. Zudem erlaubt es die Struktur nun, daß die Liste leichter in anderen Organisationen des Öffentlichen Dienstes übernommen werden kann.

Aus der Einleitung:

»Die Vorteile barrierefreier Webauftritte haben sich zwischenzeitlich herumgesprochen und sind weitgehend anerkannt. Die vorliegende Checkliste dient der Einhaltung von Standards und gesetzlichen Regeln in Bezug auf Benutzbarkeit und Barrierefreiheit, aber auch zur Förderung der Nachhaltigkeit von Webanwendungen und -auftritten. Sie ist bei allen Beschaffungen auszufüllen, bei denen Webanwendungen oder Webauftritte (unabhängig von etwaigen Zugangsbeschränkungen in Form eines ›Intranets‹" erstellt werden.

»Im Falle einer Ausschreibung, ist die Checkliste vom Anbieter auszufüllen. Der Anbieter erhält hierzu die folgende Checkliste in unveränderter Form (mit Angabe der ›k.o.-Kriterien‹).

»Werden Fragen mit ›Nein‹ beantwortet, die als ›k.o.-Kriterium‹ ausgezeichnet sind, ist von einer Auftragsvergabe abzusehen. Ebenso ist von einer Auftragsvergabe abzusehen, wenn die Checkliste nicht ausgefüllt wurde oder wenn der Anbieter für die Erfüllung der Checkliste eine Preissteigerung von mehr als 10% auf den Auftragswert ansetzt.

»Sollte dennoch die Beschaffung einer Lösung notwendig sein, die die Anforderungen der Checkliste nicht erfüllen kann, ist eine schriftliche Begründung erforderlich.«

Als Dateiformate stehen wahlweise Microsoft Word, OpenOffice.org oder Adobe PDF zur Verfügung. Auf Nachfrage der Redaktion erklärten die Verantwortlichen, dass die Dokumente unter einer CreativeCommons-Lizenz stehen. Entsprechende Hinweise werden zurzeit nachgerüstet, somit steht einer allgemeinen Verwendung auch für andere Webprojekte nichts mehr im Wege. (via)