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News mit dem Tag »Barrieren«

In den letzten Folgen hatten wir viel über die theoretischen Grundlagen und die Verteilung der Zuständigkeiten gesprochen und wie man die Ideen der Barrierefreiheit in die Abläufe von Projektteams integriert. Heute schauen wir uns an, wie man die Qualität in solchen Projekten sicherstellt und geben ein paar Tipps zum Testen von Websites

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Podcast vom 12. Okt.
(.mp3, 21′16″, 19,6 MB)

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Wir hätten da eine Idee für die Accessibility Blog Parade: John Allsopp schlägt vor, mal einen Tag lang das Web ohne Tastatur zu benutzen – wir würden gerne den umgedrehten Vorschlag machen:
Klemmen Sie die Maus ab.
Einen ganzen Tag lang. Versuchen Sie nun, alle anfallenden Arbeiten nur mit der Tastatur zu erledigen. Berichten Sie über Ihre Erfahrungen in Ihrem Blog (oder hier in den Kommentaren). Und nein, Trackpad benutzen gilt nicht und Arbeiten auf Morgen verschieben auch nicht.

Nachtrag: »Maus raus« – ernüchternde Testergebnisse von Maria Putzhuber im MAIN_web-Blog.

Im Februar des vergangenen Jahres hatte der amerikanische Blindenverband (NFB) Klage gegen den Einzelhändler Target wegen diskriminierender Praktiken auf deren Website eingereicht. Nachdem diese Klage auf Basis des Americans with Disabilities Act (ADA) für einiges Aufsehen gesorgt hatte (wir berichteten) war es in letzter Zeit sehr ruhig um das Thema geworden. Nun hat eine Richterin in Kalifornien die Sammelklage zugelassen, der sich alle blinden Amerikaner anschließen können.

Target hatte nun über ein Jahr Zeit, um das eigene Web-Angebot zu verbessern – dem Vernehmen nach aber nichts weiter in Richtung Accessibility unternommen. Die Vorwürfe sind wie so oft die typischen Barrieren für blinde Nutzer: keine alt-Attribute bei Bildern (inklusive Sonderangeboten), der Bestellprozeß funktioniert nicht bei reiner Tastaturbedienung, Überschriften und ähnliche Strukturelemente zur Orientierung sind nicht vorhanden etc. pp. (via)

Ausfüllen, abschicken, fertig: Diskussionen in Foren und Weblogs, Jobangebote und –gesuche in Stellen­börsen, Fahrplan­auskünfte bei der Bahn oder Bestellungen und Bezahlung in Online-Shops funktionieren mit Formularen. Redaktions­systeme und Weblogs arbeiten in der Regel formular­basiert. Formulare sind oft der Kern interaktiver Angebote und Grundlage der Kommu­nikation zwischen Anbietern und Nutzern einer Webseite.

Die Grundfunktionen eines Formulars – ausfüllen und abschicken – müssen mit allen möglichen Mitteln der Bedienung und der Ausgabe gelingen. Der Anbieter einer Webseite sollte ein Interesse daran haben allen Nutzern, auch wenn sie assistive Werkzeuge wie z. B. Screenreader, Sprach­erkennung oder Spezial­tastaturen einsetzen, das vollständige Ausfüllen und Abschicken seiner Formulare zu ermöglichen.

Gerade bei Formularen gilt das POUR-Prinzip der WCAG 2.0 in Reinform: Formulare müssen wahrnehmbar (perceivable), bedienbar (operable), verständlich (understandable) und robust (robust) sein. In den Richtlinien finden sich zwar nur wenige direkte Vorgaben zu Formularen, jedoch sind fast alle Punkte der WCAG bzw. BITV anwendbar – von HTML über CSS und Bilder bis zu JavaScript. Nur der vollständige Einsatz aller Möglichkeiten stellt sicher, dass Ihre Formulare mit allen denkbaren Zugangs­formen verstanden und bedient werden können. Aber obwohl HTML seit Jahren viele Elemente für barrierefreie und damit bediener­freundliche Formulare enthält, werden diese nur sehr sparsam eingesetzt.

Für öffentliche Anbieter, die den Vorgaben der BITV unterliegen, ist der Einsatz dieser Mittel klar geregelt: die Verordnung verlangt den Einsatz der korrekten HTML-Elemente und CSS für die Gestaltung; weitergehende Vorgaben zur Orientierung und geräte­unabhängigen Bedienung treffen selbst­redend auch auf Formulare zu.

Um die Markup-Grundlage von Formularen geht es in Teil 1 unserer Serie: »HTML-Elemente für Formulare«. In Teil 2 – »Formulardesign« – dreht sich alles um die Gestaltung und Usability und im dritten Teil der Serie geht es um Fehler und wie man mit ihnen umgeht: »Toleranz und Rücksicht«.

In Zeiten des Mitmach-Webs werden Formulare noch wichtiger, sie sind sozusagen das Bindeglied zwischen Web 1.0 und 2.0. Neben den für die Struktur benötigten HTML-Elementen und CSS für die Gestaltung kommt hier in der Regel noch JavaScript für das Verhalten der Formulare zum Einsatz. In der fest in der statischen Web 1.0-Welt verhafteten BITV ist Dynamik via JavaScript effektiv verboten, besonders wenn keine Alternativen ohne clientseitiges Scripting bereit­gestellt werden. Viele Web-basierte Anwendungen sind jedoch ohne JavaScript kaum oder gar nicht nutzbar. Daher geht es in Teil 4 der Serie um »Dynamik in Formularen«.

In Teil 5 der Serie zeigen wir, wie Sie mit einigen einfachen Tests schon während der Entwicklung eine erste Qualitäts­sicherung vornehmen können und geben Tipps für Tests mit echten Nutzern: »Testen von Formularen und Web-basierten Anwendungen«. Zum Abschluss geht es um Dinge, die sie besser nicht oder nur nach reiflicher Überlegung in ihre Formulare einbauen sollten: »Strittige Punkte«.

Neben den in der letzten Zeit wieder in den Fokus gerückten kognitiven Behinderungen gibt es noch weitere, die in der Diskussion um ein barrierefreies Web nicht unbedingt dominieren. Dabei sind diese Barrieren so einfach zu testen, dass sie bei der BIENE sogar zu den ganz hart angewendeten Vortest-Kriterien gehören. Deswegen geht der heutige Lesebefehl zu zwei Artikeln, in denen diese Barrieren ganz eingängig beschrieben und Strategien zu ihrer Vermeidung vorgestellt werden:

Am 5. Juli findet in Kassel eine Veranstaltung statt, die sich an Menschen mit Behinderungen richtet. Der Workshop wird von gemeinsam von der Stiftung Digitale Chancen und Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e. V. durchgeführt. Die Veranstaltung widmet sich den Fragen nach der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Informationsgesellschaft: Wie können Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben? Welche Hindernisse stehen einer Beteiligung entgegen? Wie müssen Online-Angebote gestaltet sein, damit sie von Menschen mit Behinderungen genutzt werden können?

Als Teilnehmende angesprochen sind Menschen mit Behinderungen selbst sowie Multiplikatoren, die mit der Zielgruppe arbeiten. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung und eine Version der Einladung in leichter Sprache via digitale-chancen.de.

Heute mit einer Brückentags-kompatiblen Kurzausgabe. Ein Link, für den uneingeschränkter Lesebefehl erteilt wird: »hAccessibility«. James Craig und Bruce Lawson von der WaSP Accessibility Task Force über ungewünschte Nebeneffekte bestimmter Mikroformate, die sich aus einer zu liberalen Auslegung bzw. semantisch fragwürdigen Anwendung von HTML-Elementen wie ABBR für manche Computer-Hilfsmittel ergeben. Wie es sich gehört mit Testcases und Verbesserungsvorschlägen.

Endlich mal eine Browser-Erweiterung, die sich den inhaltlichen Barrieren widmet: definero bietet ein allgemeines Abkürzungsverzeichnis, ein Wörterbuch zur Übersetzung von deutsch nach englisch und andersrum sowie den Zugriff auf verschiedene Nachschlagewerke wie das Wikipedia-Lexikon und das Wörterbuch der deutschen Sprache der Uni Leipzig. Das ganze ist kostenlos als Toolbar oder Bookmarklet für Internet Explorer und Firefox erhältlich; Installation und Bedienung werden in einer Hilfe ausführlich beschrieben.

WebCards ist eine neue Firefox-Erweiterung zur Verarbeitung von mikroformatierten Inhalten. Vom Ergebnis her ähnlich wie die bereits bekannten Erweiterungen Tails und Operator, allerdings passiert die Interaktion hier nicht über eine Toolbar, sondern unmittelbar mit der Seite selbst.

Es nervt: »WordPress.com, Please Stop Using Snap Preview« und »Snap it off please!«.

Hintergrund des ganzen: Snap ist ein Dienst, den man in seine Seiten einbetten kann und der beim drübermausen eine kleine Vorschau von verlinkten Sites in einem Pop-Up anzeigt. Bei Bildergalerien mag der Effekt ja noch ganz nützlich sein, aber bei reinen Textlinks, die auf andere Textstellen verweisen ist das ganze nicht mehr witzig, sondern nur noch nervend und auch vollkommen unnütz. Den Text in den Thumbnails kann man eh nicht lesen, und kein Nutzer wird sich aufgrund einer daumennagelgroßen Vorschau der grafischen Gestaltung einer verlinkten Seite dafür entscheiden, einen Link zu verfolgen.

Zur Feier des Tages jede Menge Links von A wie Accessibility bis Z wie Zugänglichkeit:

Teilnehmer die BIENE-Preisverleihung kennen ihn schon, hier ist er nun für alle zum Herunterladen – der ›Einfach für Alle‹-Wandkalender für das Jahr 2007: EfA-Kalender2007.pdf (8,2 MB, DIN A3, CMYK, Voransicht als .png, 350 KB). Wir wünschen viel Spaß damit. Für eventuell auftretende Fehlfunktionen des Kalenders übernehmen wir keinerlei Haftung und auch keinen Support.

Der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass der Kalender im Original von den norwegischen Usability-Beratern der Firma Netlife Research ersonnen wurde – wir haben aber noch ein paar weitere Barrieren eingebaut.

Heute geht's um Dinge im Web, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich haben, die aber scheinbar nicht auszurotten sind. Der Text ist als Artikel im Adventskalender der Webkrauts erschienen, wo bis zum 24. Dezember jeden Tag ein neues Türchen zu Themen wie Webstandards, Content Management, Barrierefreiheit, Web 2.0 usw. aufgemacht wird. Einige Artikel werden wir hier in loser Folge auch als Podcast veröffentlichen. Den Anfang macht heute Nicolai Schwarz, Webdesigner aus Dortmund mit dem Thema: »Veraltete Praktiken im Webdesign«

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Podcast vom 7. Dez.
(.mp3, 11′34″, 10,7 MB)

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Für Menschen, die das Internet zu unseriösen missbrauchen, bieten Webseiten ein lohnendes Angriffsziel: Mit Hilfe von Robots lässt sich unerwünschte Massenwerbung verbreiten. Immer mehr Angebote werden deshalb gegen derartigen Missbrauch durch sogenannte CAPTCHAs geschützt, die zwischen Mensch und Maschine unterscheiden sollen.

Ganz abgesehen davon, dass am Bildschirm gezeigte CAPTCHAs mit Hilfe der optischen Zeichenerkennung auch von Schad-Software entziffert und überwunden werden können, verwehren grafische Zugangscodes auch blinden und hochgradig sehbehinderten sowie lesebehinderten Personen den Zugang zu einer Webseite.

Mehr dazu in einem Artikel von Oliver Nadig: »Grafische Zugangscodes sperren blinde Internetnutzer aus«.

Mehr zum Thema dieses Artikels auch bei:

Die Web-Abteilungen amerikanischer Einzelhändler werden in den nächsten Wochen wohl ein paar Sonderschichten eingelegt müssen: in der Klage NFB gegen target.com hat das Gericht festgestellt, daß die einschlägigen Gesetze im Gegensatz zur bisherigen Rechtsprechung auch für Geschäfte im Internet gelten. Die Verteidigung hatte, wie in solchen Verfahren üblich, einen Antrag eingebracht, dass der Klage jede Rechtsgrundlage fehle. Neben den bereits bekannten Gutachten und Gegengutachten (wir berichteten) wurde auch weitere Expertisen von blinden Nutzern vorgelegt, die keinerlei Probleme mit der strittigen Website hatten.

Weitere Brichterstattung zum Thema bei:

Nicht nur aus purer Neugier schauen wir uns beinahe täglich jede Menge Webseiten an. Dabei fallen uns immer wieder Angebote auf, die alle möglichen Verrenkungen in Richtung Barrierefreiheit unternehmen und dabei weit über das Ziel hinausschießen. In der Hoffnung allen Nutzungsszenarien gerecht zu werden stopfen die Anbieter alles in ihre Website, was das HTML-Vokabular hergibt. Heraus kommen Seiten, bei denen man vor lauter »Hilfen« den eigentlichen Inhalt kaum noch wahrnehmen und erst recht nicht bedienen kann…

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Podcast vom 31. August
(.mp3, 12′02″, 11 MB)

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Gefunden von Sven Lennartz: da möchte jemand das Webdesign revolutionieren und pimpt seine neueste Erfindung: »PDF Websites«. Wir hätten hier noch ein Buch von David Siegel aus dem vergangenen Jahrtausend, der schon damals für die Idee verlacht wurde.

Ok, wir können es uns nicht verkneifen – hier ein paar Links rund um das Thema Fußball-WM: