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News mit dem Tag »Barrieren«

22 Aug 2011

Barrierefreiheit allein reicht heute nicht mehr. Auch die Ansprüche von Menschen mit Behinderung an Webseiten und Anwendungen steigt. Obwohl es einige Berührungspunkte zwischen Barrierefreiheit (Accessibility) und Benutzerfreundlichkeit (Usability) gibt, handelt es sich doch um zwei Arbeitsgebiete mit unterschiedlichen Methoden und Anforderungen. Dennoch lässt sich die Usability speziell für Menschen mit Behinderung verbessern, so dass am Ende auch die Bedienbarkeit – und damit die Barrierefreiheit – verbessert wird. In diesem Artikel wollen wir zeigen, wie die Usability von Webseiten mit Menschen mit Behinderung getestet werden kann.

Man kann zwischen den drei Bereichen Barrierefreiheit, Benutzbarkeit und Benutzerfreundlichkeit unterscheiden. Eine Seite kann im unstrukturierten HTML daher kommen und dennoch für Menschen mit Behinderung benutzbar sein, das ist aber weder barrierefrei noch benutzerfreundlich. Eine andere Seite kann alle Kriterien der Barrierefreiheit erfüllen, aber dennoch so kompliziert in der Bedienung sein, dass kein Nutzer mit Behinderung sie freiwillig besuchen würde.

Die Barrierefreiheit legt den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Benutzbarkeit und weniger auf die Benutzerfreundlichkeit. Alle Testverfahren, ob automatisch oder durch menschliche Tester durchgeführt, prüfen in erster Linie nach formalen Kriterien. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man den Grad der Barrierefreiheit bewerten. Aspekte der Benutzerfreundlichkeit ließen sich auch in diese Tests aufnehmen, sie spielen aber bisher eine untergeordnete Rolle.

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Typische Usability-Probleme

Schauen wir uns zunächst mal einige Usability-Probleme an, die speziell für Menschen mit Behinderung entstehen können.

  • Ein Formular kann zum Beispiel neben dem Label auch eine Vorbelegung haben. Es kann dem Screenreader-Nutzer passieren, dass er drei Mal vorgelesen bekommt, was in das Formular einzutragen ist, einmal der Text vor dem Feld, einmal das Label und einmal die Vorbelegung. Das ist keine Barriere, aber vor allem bei längeren Formularen anstrengend.
  • Sprunganker sollen wichtige Bereiche der Website leichter erreichbar machen. Mancher Anbieter übertreibt es aber mit der Zahl dieser Sprunganker, so dass die Sprunganker selbst übersprungen werden müssen.
  • Ähnlich sieht es aus, wenn wichtige Bereiche der Webseite durch Überschriften leichter ansteuerbar gemacht werden sollen. Mancher meint es zu gut und vergibt so viele Überschriften, dass der Blinde Probleme hat, den eigentlichen Inhalt der Website aufzuspüren, insbesondere wenn die Seite schlecht strukturiert ist.
  • Menschen mit motorischer Behinderung verwenden oft besondere Eingabegeräte wie die Augensteuerung. Sie ziehen es vor, möglichst wenige Schritte auf einer Webseite zu machen und möglichst wenig Text einzugeben. Auch mit einiger Übung ist es anstrengend, längere Texte über eine Bildschirmtastatur einzugeben. Diese Nutzergruppe wird durch unnötig lange oder aufwendige Prozesse abgeschreckt.
  • Ein sehr häufiges Problem sind aufklappende Navigationsmenüs oder Layer: Sehbehinderte achten oft nicht genau darauf, wo sie den Mauscursor positionieren. Deshalb passiert es recht häufig, dass die Menüs unbeabsichtigt aufgeklappt werden und sich über den Inhalt legen.

Auswahl der Testpersonen

Im Prinzip spricht nichts dagegen, mit Menschen mit Behinderungen Usability-Tests durchzuführen. Testpersonen werden nach unterschiedlichen Kriterien wie den technischen Fähigkeiten ausgewählt. Dazu kommt bei Menschen mit Behinderungen die sehr unterschiedliche Kenntnis der Hilfsmittel und deren Möglichkeiten. Es müssen also zwei Dimensionen von Problembereichen bei der Auswahl von Testpersonen bedacht werden:

  1. Die Fähigkeiten im Umgang mit Programmen wie dem Browser und
  2. die Kenntnisse über die eingesetzte Hilfstechnik.

Wir empfehlen Personen mit geringer oder mittlerer technischer Kompetenz für einen Test zu gewinnen. Wenn diese Personen zurecht kommen bzw. ihre Anforderungen umgesetzt werden, dann werden sehr wahrscheinlich auch Menschen mit mehr technischer Erfahrung zurecht kommen.

Die gesamte Spannbreite verschiedener Behinderungen, Hilfstechniken und technischen Fähigkeiten wird man wohl nicht in einer Testgruppe abbilden können. Allein die Zahl der unterschiedlichen Sehbehinderungen lässt sich kaum mit annehmbaren Aufwand abbilden. Sie sollten dennoch versuchen, die unterschiedlichen Behinderungen Sehbehinderung, Lernbehinderung, motorische Behinderung und Hörbehinderung abzubilden.

Im Rahmen eines Usability-Tests sollen typischerweise bestimmte Aufgaben wie der Kauf eines Artikels bewältigt werden. Diese Aufgaben müssen nicht speziell für Menschen mit Behinderung angepasst werden.

Der Testleiter ist gefordert

Allerdings sind vom Testleiter erweiterte Fähigkeiten gefordert. Er muss zum einen natürlich mit den Leuten kommunizieren können, also auch mit Gehörlosen oder Menschen mit Lernbehinderung. Zum anderen muss er aber auch ihre speziellen Arbeitsweisen mit dem Computer kennen, damit er Probleme erkennen kann, ohne nachzufragen oder einzugreifen. Schwierig ist es zum Beispiel einem Sehbehinderten mit starker Vergrößerung bei seiner Arbeit am Computer zu folgen. Vor allem Blinden und Sehbehinderten muss genügend Zeit zur Orientierung auf der Seite gelassen werden. Natürlich kann auch hier die Methode des lauten Denkens angewendet werden, das heißt die Testperson berichtet, was sie gerade tut und was sie damit erreichen möchte.

Methoden des Usability-Tests wie Eyetracking oder Maustracking müssen auf die Nutzungsstrategien von Menschen mit Behinderung angepasst werden. Ein Sehbehinderter verwendet die Maus auch zum Verschieben des sichtbaren Bildschirmausschnitts, so dass seine Mausbewegungen im Vergleich zum Normalsehenden ungewöhnlich aussehen. Er wird auch ein wenig mehr Zeit benötigen, um ein Objekt zu identifizieren als ein Sehender.

Fazit

Praxistests von Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit sind noch nicht so verbreitet, wie es wünschenswert wäre. Allerdings sollte die steigende Komplexität von Webseiten nicht mit dazu führen, dass ihre Bedienung immer komplizierter wird. Anspruchsvolle Angebote wie im eGoverment-Bereich werden sich mittelfristig nur durchsetzen können, wenn sie den Nutzern insgesamt ein positives Nutzererlebnis anbieten.

15 Aug 2011

Fast alle aktuellen Browser verfügen über die Möglichkeit, JavaScript, Flash oder Werbung zu blockieren. Menschen mit Behinderung haben manchmal keine andere Wahl, als solche Funktionen einzusetzen, um eine Website überhaupt nutzen zu können.

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Das große Chaos

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Weblog von Domingos de Oliveira und wurde für Einfach für Alle überarbeitet.

Weiterführendes

Hinweise zum barrierefreien Einsatz von Werbung finden Sie in den

Werbung wird überwiegend in den folgenden Formaten eingesetzt:

  • als Textanzeigen
  • als Banner
  • als Layer
  • als Popup

Textanzeigen sind die am wenigsten störenden Elemente. Sie bereiten vor allem Blinden Schwierigkeiten, wenn sie mitten im Fließtext platziert werden: sie stören den Lesefluss und lenken vom Inhalt ab. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie überhaupt von Blinden wahrgenommen werden können, was auf die meisten anderen Werbeformen im Internet nicht zutrifft.

Vor allem animierte Banner sind nicht nur für Menschen mit Behinderung störend. Die permanente Änderung lenkt die Augen unwillkürlich vom Text ab und stört die Konzentration.

Ein großes Problem sind Layer Ads, das sind Elemente, die sich über den eigentlichen Inhalt der Webseite legen. Viele Menschen erkennen nicht, wie sich diese Fenster ausblenden lassen. Sehbehinderte benutzen häufig die Vergrößerungsfunktionen des Browsers. Dadurch rücken die Mechanismen zum Ausblenden des Layers aus dem sichtbaren Bereich des Browsers. Für die Nutzer von Bildschirmvergrößerungssoftware sind tatsächlich alle nicht zum eigentlichen Inhalt der Seite gehörenden Elemente störend.

Popups sind hingegen ein eher geringes Problem, sie werden zumeist unbeachtet im Hintergrund des Browsers geöffnet und am Ende des Besuches unbeachtet geschlossen.

Der verlorene Focus

Für viele nichtbehinderte Menschen ist Werbung ein Ärgernis, mit dem sie aber noch zurecht kommen. Für Tastaturnutzer stellen sie aber große Probleme dar. Wer via Tastatur von Element zu Element tabbt, für den wirkt jedes zusätzliche Hindernis störend. Vor allem animierte Werbung bildet häufig eine Tastatursackgasse, dass heißt, der Tastaturfokus bleibt hängen und die unter dem Werbeblock liegenden Elemente können nicht erreicht werden.

Bei vielen Websites findet sich der erste Werbeblock bereits oberhalb der Navigation. Der zweite Block – meistens eine GIF- oder Flash-Animation ist mitten im Text. Der dritte Block ist dann zwischen dem Ende des Artikels und den Kommentaren oder was dem Artikel auch immer folgt. Weitere Werbung ist dann auf dem Rest der Seite bunt gestreut. Für die Tastaturnutzer bedeutet das, dass sie diese Hindernisse irgendwie umschiffen müssen, wenn sie die Funktionen der Seite nutzen möchten.

Blinde werden vor allem im Lesefluss gestört. Es tauchen mitten in einen Artikel wildfremde Elemente auf, die den Leser verwirren und ihn seiner Konzentration berauben. Schwierig sind zum Beispiel Animationen oder Grafiken ohne Alternativtext. Der Screenreader liest häufig den Dateinamen der Grafik oder den Link des Frames vor, zumeist eine ellenlange kryptische Zeichenkette. Der oft eingesetzte Alternativtext »Hier klicken« ist auch nicht sehr hilfreich. Schließlich könnte es sich bei dieser Grafik um ein inhaltliches Bild handeln, bei dem der Redakteur vergessen hat, einen Alternativtext zu vergeben.

Für Menschen mit kognitiver Behinderung sind starke Reize oft unangenehm. Dazu gehören etwa grelle Farben oder blinkende Animationen.

Die Botschaft kommt nicht an

In der Regel werden Werbeblöcke über Frames eingebunden, so dass die Seitenbetreiber keinen Einfluss auf deren Ausgestaltung haben. Es fehlen Alternativtexte oder überhaupt lesbare Texte , so dass Blinde und Sehbehinderte gar nicht erkennen, wofür eigentlich geworben wird.

Auch für die Betroffenen ist es durchaus verständlich, dass die Inhalteanbieter ihre Angebote finanzieren müssen. Sie sehen sich dennoch häufig gezwungen, Werbung zu blockieren, um die betreffenden Webseiten einigermaßen komfortabel bedien zu können.

Streng genommen kann eine Seite nicht als barrierefrei gelten, wenn die Werbung nicht barrierefrei ist. Es liegt also im Interesse des Webseitenbetreibers, entsprechende Anforderungen an die Werbeanbieter zu stellen. Hier einige Tipps, wie Sie Werbung barrierefreier machen können:

  • Geben Sie der Werbung einen Alternativ- und Titeltext.
  • Animationen sollten nach zwei bis drei Abläufen automatisch stoppen. Wer sie die ersten zehn Sekunden nicht beachtet hat, wird dies auch für die restliche Zeit nicht tun.
  • Bieten Sie Möglichkeiten, Animationen per Maus und Tastatur zu stoppen.
  • Platzieren Sie keine Werbeblöcke in die Artikel.
  • Verzichten Sie auf Layer Ads. Wenn Sie Layer Ads einsetzen, sorgen sie für einfache Mechanismen, um diese per Maus und Tastatur auszublenden.
  • Auch für Blinde muss immer erkennbar sein, dass es sich um Werbung handelt. Dazu muss ein deutlicher Hinweis in Textform, etwa »Werbung« oder »Anzeige« dem entsprechenden Element vorangestellt sein. Die eindeutige Kennzeichnung von Werbung ist unabhängig von der Barrierefreiheit in § 6 Telemediengesetz vorgeschrieben.

14 Jun 2011

Eintippen, Knopf drücken, fertig: Diskussionen in Foren und Kommentare in Blogs, soziale Interaktion in Communities, das Hochladen eigener Inhalte in Videoportalen, Jobangebote und -gesuche in Stellenbörsen, Fahrplanauskünfte und Tickets bei der Bahn oder Bestellungen und Bezahlung in Online-Shops, ja sogar das Einstellen von Inhalten in Redaktionssystemen und Weblogs – all das funktioniert nur mit Formularen. In Zeiten des Mitmach-Webs werden Formulare immer wichtiger. Formulare sind die technische Basis interaktiver Angebote und die Grundlage der Kommunikation zwischen Anbietern und Nutzern einer Webseite.

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Gerade bei Formularen gelten die POUR-Prinzipien der WCAG 2.0 in Reinform: Formulare müssen wahrnehmbar (im Englischen: perceivable), bedienbar (engl. operable), verständlich (understandable) und robust (robust) sein. In den Richtlinien finden sich nur wenige direkte Vorgaben zu Formularen, aber fast alle Punkte der WCAG sind anwendbar – von HTML über CSS und WAI-ARIA bis zu JavaScript und der serverseitigen Verarbeitung der eingegebenen Daten. Obwohl HTML seit Jahren viele Elemente für barrierefreie und damit bedienerfreundliche Formulare enthält, setzen Webdesigner sie zu wenig ein.

Die technischen Grundfunktionen eines Formulars – erfassen, ausfüllen und abschicken – müssen mit allen möglichen Mitteln der Ein- und Ausgabe gelingen. Konkret heisst das, Anbieter von Webseiten müssen assistierende Techniken wie z.B. Screenreader, Sprachsteuerung oder Spezialtastaturen berücksichtigen. Für öffentliche Anbieter, die den Vorgaben der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) unterliegen, ist der Einsatz dieser Mittel klar geregelt: die Verordnung verlangt die Verwendung der korrekten HTML-Elemente und den Einsatz von CSS für die Gestaltung, das gilt auch für Formulare. Alle anderen Anbieter profitieren ebenfalls von einer einfachen und barrierefreien Nutzbarkeit ihrer Formulare.

Die Konzeption der Formulare oder der Anwendung steht vor der technischen Umsetzung. Der Webentwickler Timo Wirth hat die Perspektive der Nutzer in einer Präsentation einmal so formuliert: »Ein Formular ist kein Datenbankprozess, es ist der Anfang eines Gesprächs«. Damit ein gelungener Dialog entsteht, gibt diese Serie Hinweise zur barrierefreien Umsetzung von Formularen.

Die Serie ist in fünf Teile gegliedert:
Im ersten Teil »Toleranz und Rücksicht« geht es um Grundlagen und Konzeption von Formularen. Der zweite Teil – »Formulardesign: der wichtige erste Eindruck« – dreht sich um die Gestaltung, Nutzerführung und Usability. Das technische Grundgerüst und damit die Markup-Grundlage von Formularen und das Layout per CSS ist Inhalt des dritten Teils »HTML & CSS für Formulare«.

Neben den für die Struktur benötigten HTML-Elementen und CSS für die Gestaltung kommt in vielen Formularen JavaScript für das Verhalten zum Einsatz. In Teil 4 geht es um »Dynamik in Formularen – JavaScript & AJAX«.

Im letzten Teil zeigen wir, wie Sie eine erste Qualitätssicherung vornehmen können und geben Tipps für Tests mit echten Nutzern: »Testen von Formularen und web-basierten Anwendungen«.

29 Sep 2010

Ein neuer Online-Dienst will Menschen mit Behinderungen helfen, Probleme bei der Nutzung von Websites gemeinsam mit Experten zu beheben. Das Konzept von »Fix the Web!« basiert auf der Idee des Crowdsourcing – einem Kunstwort aus Crowd (Menschenmenge) und Outsourcing (Auslagerung).
Der Dienst soll Nutzern die Möglichkeit geben, mit Freiwilligen in Kontakt zu treten – diese helfen dann, die Barrieren zu dokumentieren, die richtigen Ansprechpartner bei den betroffenen Anbietern zu finden und entsprechende Beschwerden zu formulieren.

Eine erste Testversion wurde in der vergangenen Woche auf der Web Accessibility London Unconference 2010 vorgestellt. Dr. Gail Bradbrook von der Stiftung Citizens Online, die das Projekt erdacht hat, hofft, dass bis zu 10.000 Freiwillige sich um 250.000 Websites pro Jahr kümmern. Nach ihrer Erfahrung treffen Menschen mit Behinderungen auch online auf viele Hürden, die wenigsten würden aber aktiv dagegen angehen.

Die Hürden zum Mitmachen sind denkbar niedrig: Nutzer können ein gefundenes Problem einfach twittern – dann sollte man die Schlagworte #fixtheweb und #fail verwenden. Alternativ kann man das Problem auch per E-Mail an post@fixtheweb.net beschreiben oder ein Formular benutzen.
(via E-Access Bulletin)

19 Mai 2010

Das Web 2.0 ist eine Einladung zum Mitmachen: Leser werden zu Schreibern, Hinschauer werden zu Fotografen, Menschen schließen sich zu Communities zusammen.

Große Teile des Mitmach-Web sind textbasiert. Für das Blogging und Mikro-Blogging gibt es netzbasierte Lösungen wie Wordpress oder AccessibleTwitter. Der blinde Heiko Kunert benutzt einige der Web-2.0-Tools wie Wordpress, Twitter oder Friendfeed, um unter anderem über die alltäglichen Schwierigkeiten Blinder zu berichten. Der ebenfalls blinde Programm-Entwickler Marco Zehe berichtet in seinem Weblog über seine Beteiligung an der Entwicklung des Firefox-Browsers und Aspekte der Barrierefreiheit. Der blinde Hörfunk-Journalist Marko Schlichting produziert »Markos Medienpodcast«, in dem er kritisch über die Medienkultur berichtet.

Mapping für Blinde

Die Routenplanungen für Fußgänger von GoogleMaps oder BingMaps erlauben Blinden, eine zu laufende Route bezüglich Entfernung und Namen der Straßen abzuschätzen und leistet damit einen Beitrag zur selbstständigen Mobilität. Noch weiter geht das freie Karten-Projekt OpenStreetMap. Hier haben alle Beteiligten die Möglichkeit, mit einem GPS-Tracker Material zu freien Karten beizusteuern. Die Nutzer werden auch dazu angehalten, für Blinde wichtige Punkte wie Haltestellen exakt zu kennzeichnen. Auch Blinde sind dazu eingeladen, Tracks zu spenden, schließlich wissen sie am besten, welche Orte für sie wichtig sind.

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Soziale Netzwerke

Die großen sozialen Netzwerke gelten bisher als eher unzugänglich. Die Websites sind sehr komplex aufgebaut. Außerdem werden oft CAPTCHAs verwendet, das sind in Bildern versteckte Zeichen, die der menschliche Leser eingeben muss, um zum Beispiel Freunde oder Anwendungen zu seinem Profil hinzuzufügen. Die im ersten Beitrag erwähnten Mailinglisten können ähnliche Aufgaben wie die sozialen Netzwerke Erfüllen.

Offen und zugänglich – ein Web für Alle

Die Beiträge zeigen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten und Anwendungen im Internet. Blinde Programmierer sind unter anderem an der Entwicklung der im ersten Teil genannten freien Screenreader oder an der freien Handy-Navigation Loadstone GPS beteiligt und verwenden dazu Anwendungen zur Zusammenarbeit im Netz wie Wikis.

Jeder Blinde im Besonderen und Behinderte im Allgemeinen entwickelt seine eigenen Strategien, um mit dem Netz zurecht zu kommen. Ein häufiges Argument, Anwendungen nicht barrierefrei zu machen lautet, dass diese sowieso nicht von Behinderten verwendet würden. Eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Barrierefreiheit ist nicht nur für Blinde und Sehbehinderte wichtig. Auch Menschen mit Lernschwäche, motorischen Einschränkungen oder ältere Menschen stoßen auf mehr oder weniger große Schwierigkeiten bei der Nutzung des Web. Deswegen gehören selbstverständlich auch Bilder, Videos oder Animationen zur barrierefreien Webgestaltung.

Im Mitmach-Web muss Barrierefreiheit weiter gedacht werden:

  • Die Websites vieler freier Redaktionssysteme sind oft schon barrierefrei. Behinderte sind aber nicht nur Konsumenten von Inhalten, sondern wollen selbst Inhalte bereit stellen. Deshalb sollte auch das Backend von Redaktionssystemen barrierefrei zugänglich sein.
  • Die Frage sollte nicht lauten, ob Behinderte eine bestimmte Anwendung einsetzen werden. Eine Anwendung sollte möglichst für alle zugänglich sein. Im Rahmen des E-Goverment und von Open Data wird das Web nicht nur gesellschaftlich, sondern auch für die politische Teilnahme entscheidend an Bedeutung gewinnen. Das E-Goverment soll Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung online bereit stellen, im Rahmen von Open Data sollen Daten öffentlicher und wissenschaftlicher Einrichtungen bereit gestellt werden.
  • Entscheidend für Anwendungen wie Easy YouTube oder AccessibleTwitter sind die Programmschnittstellen, die viele der großen Web-2.0-Anwendungen anbieten. Diese Application Programming Interfaces (APIs) erlauben den Zugriff auf Daten und Funktionen der Webanwendungen. APIs sind allerdings kein Ersatz, sondern eine Ergänzung barrierefreier Angebote. Sie erlauben alternative Zugriffswege und Darstellungsformen.
  • Zu einem guten Web-Angebot gehören auch multimediale Inhalte und auch diese Inhalte müssen möglichst für alle zugänglich sein.

Das Internet macht es zum ersten Mal möglich, dass sich Behinderte und Nicht-Behinderte ohne große Berührungsängste untereinander austauschen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen und die Zugänglichkeit der Plattformen ist die wichtigste Voraussetzung.

17 Mai 2010

Obwohl das Web nach wie vor ein textbasiertes Medium ist, kommt kaum eine Website heute ohne multimediale Angebote aus. Vor allem im Bildungsbereich spielen Podcasts, Videos und Präsentationen eine immer größere Rolle.

Podcasts – hören statt sehen

Podcasts können mit geringem Aufwand produziert und angeboten werden und erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie problemlos mobil genutzt werden können. Für Blinde liegt der Vorteil von Podcasts darin, dass sie rein akkustisch sind, zumeist als Download angeboten werden und problemlos auf dem PC oder anderen Geräten angehört werden können.

Auch Blinde schauen Videos

Viele Leute scheinen zu glauben, Blinde würden sich keine Videos anschauen. Allerdings dürfte es kaum jemanden überraschen, dass auch Blinde oft einen Fernseher zuhause stehen haben. Videos haben einen sehr hohen sprachlichen Anteil. Viele Vorträge, Vorlesungen, Interviews oder Ausschnitte aus aktuellen Fernsehsendungen werden als Video bereit gestellt. Das Einbinden und Verweisen auf Videos gehört zum Alltag im Web 2.0.

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Flash als Barriere

Das Kernproblem bei der Zugänglichkeit der Videos besteht im verbreiteten Einsatz des Flash-Player. Videos auf YouTube lassen sich über Tastatur weder starten noch stoppen. Für Blinde wäre es besonders wichtig, die Lautstärke von Videos zu steuern, da sie bei zu lauten Videos ihre Sprachausgabe nicht mehr verstehen können.

Wie es anders geht, zeigen die Anwendungen EasyYouTube oder Accessible Interface to YouTube. Diese Anwendungen sind über den Screenreader steuerbar. Für den Browser Firefox gibt es verschiedene Erweiterungen, die das Herunterladen und bequeme Steuern der Videos zulassen. Der Online-Dienst Video2mp3 erlaubt das Konvertieren von Videos in mp3. Die Nachteile solcher Anwendungen sind aber offensichtlich:

  • Es ist nicht klar, ob diese Anwendungen mit den Benutzungsbedingungen der Anbieter und dem Urheberrecht harmonieren.
  • Diese Anwendungen sind oft auf bestimmte Plattformen zugeschnitten. Wenn man zum Beispiel Videostreams der eigenen Universität ansehen möchte, dann funktionieren auf YouTube zugeschnittene Programme nicht. Die Website Podcampus bietet Vorträge verschiedener Universitäten im Flash-Format an, ist aber von Haus aus nicht zugänglich.
  • Zudem entgehen dem Nutzer viele Informationen und Funktionen der Ursprungs-Website, mehr oder weniger nützliche Kommentare und Anmerkungen, die Anzeige verwandter Inhalte oder erweiterte Suchfunktionen mit Filtermöglichkeiten.

Bedenklich ist auch die Tendenz, Präsentationen als Flash-Animation wie auf SlideShare bereit zu stellen. Präsentationen enthalten normalerweise keine Audio-Kommentierung und die Texte der Präsentationen sind für den Screenreader nicht lesbar. Besser sind die Screencasts, dabei werden Präsentationen und Vorlesungstext parallel aufgesprochen. Davon können auch Sehbehinderte profitieren, die an ihrem eigenen Bildschirm der Präsentation wesentlich besser folgen können als einer Leinwand-Projektion. Die Screencasts werden aber zumeist ebenfalls im Flash-Format angeboten und sind damit für Blinde nicht zugänglich.

Multimedia dient nicht nur der Unterhaltung, sondern wird zunehmend auch in den Bereichen Bildung und E-Learning eingesetzt. Daher wird es für Blinde immer wichtiger, dass auch solche Angebote zugänglich sind.

12 Mai 2010

Wie klingt eigentlich eine Website? Das ist eine Frage, die vor allem Blinde beantworten können. Blinde und Sehgeschädigte gehören zu den intensivsten Nutzern des Internet. Wie sie das Netz nutzen, erfahren Sie in dieser dreiteiligen Artikelserie.

Am Beispiel von Texten wollen wir zunächst zeigen, wie Blinde eine optische Oberfläche für sich zugänglich machen. Im zweiten Teil wird es um die Nutzung multimedialer Angebote gehen. Wie Blinde selbst Inhalte im Web bereit stellen, erfahren die Leser im dritten Teil.

Die graphische Benutzeroberfläche und der Screenreader

Um einen Computer nutzen zu können, verwenden Blinde einen Screenreader. Dieses Programm gibt visuelle Inhalte wie Menüs oder Texte als Sprache oder als Blindenschrift auf einem Braille-Display aus. Die Steuerung erfolgt vollständig über die Tastatur. Die Zugänglichkeit der Programme ist sehr unterschiedlich, manche Programme lassen sich sehr gut über Tastatur und Screenreader bedienen, andere gar nicht.

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Das Internet gehört zu den wichtigsten Bereichen der Computernutzung und ist über Screenreader generell gut zu erreichen. Der Screenreader orientiert sich nicht am optischen Erscheinungsbild, sondern an der Struktur einer Website. Elemente, die für den sehenden Nutzer parallel erscheinen, sind für den Nutzer von Screenreadern linear angeordnet.

Während der Sehende mit einem Blick wichtige Elemente wie die Navigation und Text von Schmuckelementen wie Bannern oder Werbung unterscheiden kann, gilt es für den Blinden, zunächst alle Elemente der Website einmal zu erfassen, um sich auf der Website zurecht finden zu können. Der Inhalt von Bildern, Graphiken und Animationen bleibt für Blinde unsichtbar.

Texte und Foren

Normale Fließtexte stellen in der Regel kein Problem dar. Die kleine Anwendung RSS hat dabei zu einer wesentlichen Verbesserung geführt. Die Feeds erlauben das bequeme Lesen der Artikel, ohne die jeweiligen Seiten durchnavigieren zu müssen. Schwieriger sieht es bei komplexen Angeboten aus, wir wollen das hier am Beispiel von Foren deutlich machen.

Die klassischen Foren basieren auf der sogenannten Baumstruktur. Die Baumstruktur erlaubt das Erkennen von Diskussionssträngen. Der Nutzer sieht auf den ersten Blick, wer auf wen geantwortet hat. Für den Blinden ist das allerdings nicht erkennbar. Ebenfalls problematisch ist, dass Beiträge nur einzeln angezeigt werden. Der Screenreader muss bei jedem Aufruf die Seite neu einlesen und beginnt am Anfang der Seite. Der Blinde muss bei jedem Seitenaufruf nach dem Anfang des Beitrags suchen, ohne zu wissen, ob tatsächlich etwas lesenswertes in dem Beitrag steht. Manche Diskussionsfäden ziehen sich über Dutzende von Beiträgen, so dass selbst Normal-Sehende hier nicht alle Beiträge lesen würden.

Günstiger sind die Newsboards, wo die Antworten untereinander angeordnet werden, hier ist zumeist auch für den Sehenden nicht erkennbar, wer auf wen geantwortet hat. Das Projekt selfHTML hat das in seinem Forum elegant gelöst: Oben auf der Website wird der Forenbaum angezeigt, darunter werden alle Beiträge untereinander eingeblendet.

E-Mails als Austauschmedium

Viele Blinde bevorzugen für Austausch und Diskussionen E-Mails. Auf der Plattform Blindzeln gibt es über 70 Mailinglisten zu so verschiedenen Themen wie Kochen, Lesen oder Blindenhunden.

Das Mailprogramm bietet ein einheitliches Erscheinungsbild und hat viele Funktionen, die Foren und Newsboards entweder gar nicht bieten oder die für Blinde nur schwer oder gar nicht zugänglich sind:

  • die Absender sind leicht erkennbar
  • die Nachrichten lassen sich einfach nach Absender, Datum oder Thema sortieren
  • die Diskussionsstränge lassen sich anhand der Betreffzeile erkennen

Der größte Vorteil besteht darin, dass alle Funktionen des Mailprogramms per Tastatur zugänglich sind.

Der Nachteil dieser Mailinglisten ist allerdings ebenso offensichtlich: Obwohl auch Menschen ohne Sehschädigung bei Blindzeln willkommen sind, bevorzugen die meisten Sehenden für sie attraktivere Austauschmedien. Was für den Blinden übersichtlich und einfach ist, wirkt auf den Sehenden unübersichtlich und textlastig.

Die Kommunikation verlagert sich zunehmend von E-Mails hin zu Statusmeldungen über Twitter oder zum Nachrichtenaustausch innerhalb der sozialen Netzwerke.

Zudem entgehen den Blinden wichtige Informationen und Hilfsmöglichkeiten, wenn sie gezielt Foren ausweichen. Foren werden gern zur Selbsthilfe genutzt und oftmals sind die hier gegebenen Antworten hilfreicher als die Hilfeseiten professioneller Anbieter.

Komplexe Anwendungen und Interaktion

Komplexe Websites erfordern einen hohen Lernaufwand des blinden Nutzers und sind daher oft nicht attraktiv. Schwierig sind zum Beispiel Shopping-Angebote und Online-Auktionen. Grundlegende Informationen wie Preise, Artikelbeschreibung oder allgemeine Geschäftsbedingungen sind zumeist noch erschließbar. Schwierig ist vor allem die Interaktion mit der Website, wenn es um die Eingabe von Daten und die Zahlungsmodalitäten geht. Die Shop-Betreiber setzen zumeist auf Technologien, die vom Screenreader nicht unterstützt werden, die nicht mit der Tastatur bedienbar sind und deren Rückmeldungen oft nicht verständlich sind.

Die Folgen können hier sehr schwerwiegend sein, wenn etwa aus Versehen falsche Artikel bestellt werden. Deswegen bleiben viele Blinde lieber bei den Webseiten, die sie gut genug kennen, um sie bedienen und überschauen zu können.

Screenreader testen

Mittlerweile hat jeder die Möglichkeit, selbst mit Screenreadern zu experimentieren: Unter Windows gibt es die freien Screenreader NVDA und Thunder, die Linux-Distributionen Ubuntu und Knoppix haben von Haus aus die Screenreader Orca und ADRIANE an Bord. Die Apple-Betriebsysteme werden mit dem Screenreader VoiceOver ausgeliefert. Die professionelle Nutzung eines Screenreaders erfordert allerdings viel Erfahrung und Übung.

19 Nov 2009

Für Hörende ist es ganz selbstverständlich, über eine Schriftsprache zu verfügen, die ihnen die mühelose Nutzung von Informationen und der Kommunikation im Internet erlaubt. Für Menschen jedoch, die von Geburt an gehörlos oder schon sehr früh ertaubt sind, gestaltet sich diese Nutzung des Internets aufgrund ihrer geringeren Beherrschung der Lautschriftsprache oft schwierig.

Könnte die Gebärdenschrift zur Lösung dieses Problems beitragen? Hierüber gehen die Meinungen derzeit auseinander. Lesen Sie dazu einen Artikel von Kathrin Brede über Kommunikation in Gebärdenschrift.

26 Aug 2009

Für blinde und sehbe­hinder­te Men­schen ist das In­ternet ei­ne wichtige In­formati­ons­quel­le. Mit­hilfe von Screenre­ader, Sprach­ausgabe und Braillezeile ist das Surfen möglich. Aber auch die Websei­ten müs­sen einige Vor­aus­setzun­gen mitbrin­gen. Das Stich­wort hierfür ist Barrie­refreiheit. Wie sieht es in Sa­chen Zugänglichkeit bei den Kampagnen-Sei­ten der Partei­en aus? Auch blin­de und sehbehinder­te Men­schen möch­ten sich vor der Bun­destagswahl über Personen, Pro­gramme und Themen in­formie­ren. Ist das möglich? Ha­ben die Partei­en an behinder­te Bür­ger gedacht?

Zusammen mit dem Accessibility-Exper­ten Thomas Mayer hat Heiko Ku­nert, Spre­cher des Blin­den- und Seh­behin­derten­ver­eins Ham­burg, die Start­sei­ten der Partei­en ge­testet:
»Parteien im Web: Barrieren für Behinderte«.

19 Mai 2009

Beim Browser-Hersteller Opera läuft seit längerem eine Studie namens MAMA (Metadata Analysis and Mining Application). Untersucht werden versteckte Qualitäten von Webseiten wie deren Aufbau und die Verwendung (oder Nicht-Verwendung) von HTML-Tags und -Attributen – gemeinhin Dinge, die man kaum mit einer herkömmlichen Suchmaschine herausfinden wird. Interessant ist sowas vor allem für Browser-Hersteller wie eben Opera, aber auch für die Weiterentwicklung von HTML (zum Beispiel zur Version 5).

Untersucht wurden mittlerweile 4,2 Mio. URLs, die Ergebnisse werden nach und nach veröffentlicht (mehr zur Methodik und eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte). Heute fanden wir im Opera Developer Network einen Artikel von Henni Swan über einige gerade aus Sicht der Barrierefreiheit interessante Teilaspekte – die Verwendung von Überschriften-Strukturen, Bildern und Datentabellen: »Opera MAMA - a sneak peek at headings, images and summary«. Hier ein paar der wichtigsten Ergebnisse:

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Es gibt kein Bier auf h3 …

  • 58,5% der untersuchten Webseiten benutzen keinerlei Überschriften-Elemente,
  • 7,9% haben hingegen gleich mehrere <h1>,
  • 16,1% fangen ihre Überschriften-Struktur nicht mit der Ebene <h1> an, sondern mit <h2>, <h3>, etc.,
  • 11,3% der Seiten überspringen Überschriften-Ebenen, und bei
  • 7,1% der Seiten sind die Überschriften-Ebenen in keiner logischen Reihenfolge.

Über die Punkte 2-5 kann man geteilter Meinung sein (und wie bei Opera vermerkt gibt es mittlerweile sogar eine Seite www.h1debate.com, wo man sich per Twitter an dieser Endlos-Debatte beteilgen kann). Was aber ganz sicher gar nicht geht ist Überschriften ganz wegzulassen, da diese gerade für Screenreader-Nutzer eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Orientierungshilfe sind.

Es gibt nichts zu sehen, gehen Sie bitte weiter …

Ganz bitter auch das Bild bei Bildern, Grafiken und deren Alternativ-Texten:

  • 75,1% der untersuchten Seiten benutzen zumindest alt-Attribute für Bilder. Was aber im Umkehrschluss leider bedeutet, dass
  • 24,9% gar keine alt-Attribute verwenden. Abgesehen davon, dass hier oftmals relevante Informationen und Funktionen für Screenreader-Nutzer verborgen bleiben heisst das auch, dass bei diesen Seiten in gängigen Screenreadern unter Umständen der Pfad der Bilddatei vorgelesen wird – der Benutzer darf dann anhand des Dateinamens selbst herausfinden, was ihm da wohl verborgen bleibt.

Auch bei Datentabellen sieht es nicht besser aus:

  • 2,4% der Seiten benutzen überhaupt das summary-Attribut, allerdings bei
  • 1,7% der Seiten fehlerhaft, nämlich in der Form von summary="layout table"

Weitere Werte, die gefunden wurden waren "layout", "layout table", "header", "navigation", "content", "banner", "main", "main table", "breadcrumb", "category" etc. Das deckt sich weitestgehend mit unseren Erfahrungen – uns sind auch schon Websites mit hunderten summary="Zusammenfassung" (wörtlich!) untergekommen. Wenn schon immer noch Layout-Tabellen eingesetzt werden, dann wenigstens so richtig falsch!

Es gibt noch viel zu tun …

16 Jun 2008

… aber CAPTCHAs sind noch viel dööfer.

Wie die meisten Blogs mit Kommentar-Funktion haben auch wir hier immer wieder mit Angriffen von Spambots zu kämpfen, die ihren ungebetenen Werbe­müll hinterlassen. Die dauernde Notwendigkeit zur Kontrolle und Löschung knabbert ganz ordentlich an den begrenzten Ressourcen, die für diese Initiative zur Verfügung stehen – zumal die bisher ganz zuver­lässig funktio­nierenden Gegen­maß­nahmen wie Akismet, Zwangs-Vorschauen oder Honeypots von Spambots der neuesten Generation ohne weiteres überwunden werden. Ausserdem würden wir uns lieber auf die Er­stellung von echten Inhal­ten konzen­trieren, statt dauernd Kommentar­formulare an- und abzuschalten. Zumal die markt­führende Such­maschine zurzeit die große Keule gegen zugespammte Seiten schwingt und diese ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Index entfernt.

Andererseits möchten wir aber auch nicht gänzlich auf die Kommentar­funktion verzichten, weil dort immer wieder mal wertvoller Input von aussen kommt, der das im-eigenen-Saft-kochen verhindert. Die Ein­führung von CAPTCHAs ist aber auch nicht der Weis­heit letzter Schluss, zumal die CAPTCHAs von großen E-Mail-An­bietern wie Windows Live Hotmail und Google Mail bereits mit schöner Regel­mäßig­keit von ent­sprechenden Pro­grammen geknackt werden können. Und zwar unter 60 Sekunden, was mittler­weile schneller ist als die Zeit, die ein sehender Mensch für so manchen Fehl­versuch braucht.

Mal ganz abgesehen von dem Problem, dass grafische CAPTCHAs für blinde und sehbehinderte Nutzer prinzipiell nicht zugänglich sind, wie man auch sehr schön in diesem Video der American Foundation for the Blind sehen und vor allem hören kann: »CAPTCHAs on Social Networking Sites Shut Out Blind Users«.

Bei vermeintlich zugänglicheren Alter­nativen wie Audio-CAPTCHAs, Rechen­auf­gaben etc. sind wir ebenfalls skep­tisch: auch hier wird es nicht allzu lange dauern, bis Schad­software diese bewältigt, zumal Sprach­er­kennung mittler­weile ja nun wirklich kein Problem mehr darstellt. Tools wie CAPTCHA Killer wiederum lösen nicht das eigentliche Problem, sondern verlagern nur noch mehr Arbeit auf den Besucher.

Bei der anstehenden Über­arbeitung dieser Seiten werden wir also ange­strengt darüber nach­denken, ob Kommentare komplett moderiert werden und / oder für die Abgabe von Senf z.B. eine OpenID nötig sein wird. Bis es soweit ist wird die Kommentarfunktion in unserem kleinen Weblog nur noch für ausgewählte Beiträge freigeschaltet.

Nachtrag: ›Spam vs. Accessibility‹

09 Jun 2008

»Ohne Hilfsmittel und mit etwas Empathie können wir als Webgestalter, Texter und Site-Betreiber schnell ausprobieren, wie andere mit unserer Website zurechtkommen. Es gibt nur einen Grund, warum das nicht oft getan wird: Inkompetente Entwickler oder ignorante Auftraggeber!

In diesem Beitrag geht es nicht um Checklisten, Richtlinien und Verordnungen. Auch nicht um Toolbars und Prüfprogramme. Ich schreibe vom einfachen Menschenverstand.«

Gerald Brozek: »Zugänglichkeit von Websites mit Empathie testen«

14 Feb 2008

Den Bad Usability Calendar hatten wir in den Vorjahren schon öfters verlinkt, jetzt gibt es die neueste Version für das aktuelle Jahr in verschiedenen Größen und Sprachen: Bad usability calendar – wie immer zum Brüllen.

Auch neu: der EfA-Kalender 2008

Ausser der Jahreszahl hat sich eigentlich nicht viel geändert beim ›Einfach für Alle‹-Wand­kalender für das Jahr 2008:

EfA-Kalender2008.pdf (4,8 MB, DIN A3, CMYK).

Wir wünschen viel Spaß damit. Für eventuell auftretende Fehl­funktionen des Kalenders übernehmen wir keinerlei Haftung und auch keinen Support. Weitere Goodies zum Mitnehmen bei Downloads.

13 Feb 2008

05 Feb 2008

Das Prüfwerkzeug Bobby ist seit dem 1. Februar nicht mehr öffentlich zugänglich. Falls Ihnen dass jetzt nichts sagt: Bobby ist dieser grinsende Polizist, mit dem unbedarfte Webmaster den Nachweis auf ihre Seiten kleben konnten, dass man eine barrierefreie Seite hat das Bobby-Prüfverfahren bestanden hat.

Das Programm war zunächst am amerikanischen Center for Applied Special Technology (CAST) entwickelt und in den letzten Jahren von der Firma Watchfire weiterentwickelt und kommerziell vertrieben worden. Letztere ist im vergangenen Jahr von IBM übernommen worden und das Programm soll dem Vernehmen nach als Teil der Rational Policy Tester Accessibility Edition weiter vertrieben werden.

31 Jan 2008

Online-Umfrage der Aktion Mensch zur Nutzung des Web 2.0 durch Menschen mit Behinderung endet am 6. Februar

Noch bis zum 6. Februar können Menschen mit Behinderung auf der Webseite der Initiative ›Einfach für Alle‹ an einer Online-Umfrage der Aktion Mensch teilnehmen. Ziel der Umfrage ist es, erstmals zu ermitteln, wie Menschen mit Behinderung das so genannte Web 2.0 nutzen. Bereits jetzt haben mehr als 500 Teilnehmer den Online-Fragebogen ausgefüllt.

Das ist ein sehr guter Zwischenstand, freut sich Iris Cornelssen von der Aktion Mensch aber wir wünschen uns noch mehr Beteiligung. Denn je mehr Menschen mit Behinderung unsere Fragen beantworten, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die Resultate der Umfrage stellt die Aktion Mensch im Mai im Rahmen eines Fachkongresses vor.

30 Jan 2008

Unsere anfängliche Begeisterung für Microformats ist schon vor einiger Zeit der Ernüchterung gewichen, nachdem wir uns verschiedene Muster mal im Screenreader angehört hatten. Trotz der vielen Möglichkeiten, Dokumente mit Bedeutung und Funktion anzureichern bleibt nach wie vor ein grundlegendes Problem: die Art wie das Element für Abkürzungen eingesetzt wird führt dazu, dass je nach Einstellungen im Screenreader ein vollkommen unverständlicher Zahlen- und Buchstabensalat vorgelesen wird.

Leider hat sich die Microformats-Community als weitestgehend therapieresistent gezeigt und sämtliche Verbesserungsvorschläge abgebügelt – trotz zahlloser Test Cases, in denen die Unbrauchbarkeit nachgewiesen wurde.

Ein Artikel, der die ganze Problematik aufzeigt (hAccessibility von Bruce Lawson und James Craig) ist nun von Michael Jendryschik ins Deutsche übersetzt worden: »hAccessibility« – bevor Sie Microformats unbedacht einsetzen empfiehlt sich die dringende Lektüre!

In die ähnliche Richtung geht ein neuer Artikel von Mike Davies im YUI-Blog, der sich der Problematik von leeren Links in Screenreadern annimmt: »Empty Links and Screen Readers«. Hier geht es um das include pattern, mit dem sich Daten in Seiten einfügen lassen, ohne dass diese als (unnötiges) Duplikat vorliegen.

Auch hier zeigt sich wieder das gleiche Problem: in Ermangelung von Inhalten oder Alternativen machen sich die getesteten Screeenreader wie üblich von alleine auf die Suche nach irgendwas zum Vorlesen und geben im Ernstfall den kompletten URL des leeren Links aus. Daher empfiehlt sich auch hier ganz dringend, die Empfehlungen am Ende des genannten Artikels beim Einbau von Microformats zu beherzigen.

24 Jan 2008

Unser Lieblings-Testwerkzeug liegt in einer neuen Version vor: WAVE 4.0 (beta). Das schöne an WAVE ist, dass man nicht mit einer seitenlangen Tabelle von Fehlern (oder vermeintlichen Fehlern) konfrontiert wird, sondern die problematischen Dinge im optischen Kontext der getesteten Seite sieht. Mehr dazu und zu den Änderungen und Neuerungen vom Mit-Entwickler Jared Smith im WebAIM-Blog: »Introducing WAVE 4.0«.

Eine Toolbar für Firefox ist noch in der Mache und soll in Bälde folgen. Mit dieser lassen sich dann auch Seiten im Intranet bzw. in Passwort-geschützten Bereichen testen, oder wenn sensitive Daten nicht über's Netz verschickt werden sollen.