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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

31 Mär 2009

Einfach für Alle übersetzt die neuen, internationalen Richtlinien für barrierefreie Internetangebote / BITV 2.0 wird auf Richtlinien verweisen / Mitstreiter gesucht

Einfach für Alle, die Initiative der Aktion Mensch für ein barrierefreies Internet, wird die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 auf Deutsch übersetzen. Bislang gibt es die neuen, internationalen Richtlinien für barrierefreie Internetangebote des World Wide Web Consortiums (W3C) auf Englisch, Portugiesisch und Ungarisch. »Die WCAG 2.0 sind der Standard der Zukunft. Eine autorisierte Übersetzung hilft nicht nur, diese Standards im deutschsprachigen Raum weiter bekannt zu machen, sondern versetzt Agenturen und Anbieter konkret in die Lage, Webangebote auf Grundlage der Richtlinien zu testen und den Bedürfnissen von behinderten und älteren Nutzern entsprechend weiterzuentwickeln«, erklärt Iris Cornelssen, Projektleiterin ›Einfach für Alle‹ bei der Aktion Mensch.

Das W3C – das oberste Gremium des World Wide Web – hatte seine neuen Richtlinien am 11. Dezember 2008 nach jahrelangen Vorarbeiten veröffentlicht. Die WCAG 2.0 basieren auf den vier Prinzipien Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Sie sind von Bedeutung, weil die nationalen und europäischen Gesetzgebungen mehr und mehr auf diesen Richtlinien fußen. Auch die kurz vor der Vollendung stehende ›Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0‹ des Bundes wird auf die WCAG 2.0 verweisen, gab das federführende Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) kürzlich bekannt.

»Wir freuen uns, dass das W3C unsere Anfrage schnell positiv beschieden hat«, so Cornelssen weiter, »und suchen jetzt im deutschsprachigen Raum sogenannte Stakeholder, Unterstützer aus den Bereichen Wissenschaft, Praxis und Organisationen der Menschen mit Behinderungen, die uns auf diesem Weg begleiten wollen.« Die Schweizer Initiative access4all und die österreichische Plattform accessible media haben bereits zugesagt.

Weitere Infos bei der Pressestelle der Aktion Mensch, Iris Cornelssen und Christian Schmitz, Telefon: 02 28/20 92 -377 oder -364, iris.cornelssen@aktion-mensch.de, christian.schmitz@aktion-mensch.de.

Kommentare zu dieser Meldung: 14

Permalink Martin Ladstätter meinte am 31.03.2009:

Ergänzung: Die offizielle Bekanntgabe fand beim Europäischen Accessibility Forum am 27. März 2009 in Frankfurt statt.

Permalink Max meinte am 31.03.2009:

Und wo finde ich jetzt die WCAG auf deutsch?

Permalink David meinte am 31.03.2009:

@Max: Es wird erst übersetzt werden.
Ich finde die Idee gut, dass es auch in die BITV einfließen soll, auch wenn für einige nichts neues in drin stehen wird, wenn man diesem Artikel Glauben schenkt:
To Hell with WCAG 2.

Wenn es hilft, dass mehr Webmaster ein Auge auf die Zugänglichkeit werfen, lohnt es allemal.

Permalink Der Caspers meinte am 31.03.2009:

> dass es auch in die BITV einfließen soll

Ist nicht ganz richtig. Die BITV wird von den beteiligten (Bundes-)Ministerien erarbeitet, wird aber dem Vernehmen nach die für Web-Entwickler eigentlich interessanten Teile (Erfolgskriterien, Techniken etc.) nicht beinhalten, da diese nicht normativ sind, sondern nur auf diese verweisen. Was zu dem Problem führt, dass die Vorgaben, was zu tun ist, auf Deutsch sind und die Bedienungsanleitung wie man das macht, auf Englisch. Daher u.a. die Übersetzung.

Weitere Gründe für die Übersetzung sind, dass die BITV nur für den Bund gilt und es wohl auch keinerlei Anreize für die Privatwirtschaft geben soll (Zitat aus der Präsentation des BMAS am Freitag auf der EAFra: »Wirtschaft regelt Accessibility eigenverantwortlich«).

> To Hell with WCAG 2.

Der Artikel ist jetzt bald drei Jahre alt und bezieht sich ausschließlich auf den damaligen Entwicklungsstand der WCAG 2.0 – und der war wirklich nicht optimal (übrigens aus historischen Gründen auch hier auf Deutsch).

In der Zeit bis zur Veröffentlichung der Richtlinien Ende letzten Jahres hat sich aber so dermaßen viel an der Qualität der Richtlinien getan, dass der Artikel nur noch als obsolet zu bezeichnen ist. So hat das W3C das damalige monolithische Riesen-Dokument nun so strukturiert und mit zusätzlichen Infos ergänzt, dass es für den durchschnittlich guten Web-Profi wirklich zu bewältigen ist; insbesondere How to Meet WCAG 2.0 und Understanding WCAG 2.0 helfen da ungemein.

Permalink Ansgar Hein meinte am 01.04.2009:

Ein großes Lob und Dankeschön an die Aktion Mensch / Einfach für Alle. Das ist wieder ein absoluter Meilenstein auf dem Weg zu einem zugänglicheren Internet im deutschsprachigen Raum - kein Wunder also, dass dieser Schritt zuerst von Einfach für Alle gegangen wird. Muss man einfach mal so sagen.

Permalink Clive K. Lavery meinte am 03.04.2009:

Als interessierter Beobachter vor Ort bei der eafra stellte sich mir die Frage, ob bei der Suche nach Stakeholdern bzgl. der Übersetzung auch Privatpersonen gemeint sind, oder lediglich Firmen/Agenturen/Institutionen? Würde mich grundsätzlich gerne in den Prozess einbringen, falls dieses möglich/erwünscht ist.

Permalink Heiko M. meinte am 07.04.2009:

> Würde mich grundsätzlich gerne in den Prozess einbringen, falls dieses möglich/erwünscht ist.

Würde mich auch sehr interessieren. Tolle Sache!

Permalink [Dosenfleisch] meinte am 15.04.2009:

Gibt's denn eigentlich ne Statistik darüber welche Websites tatsächlich barrierefrei sind. Würdet ihr sagen, dass es schwierig ist eine bestehende Website umzustellen...

Permalink Chris Jung meinte am 22.04.2009:

Dosenfleisch: Solange "Barrierefrei" nicht eindeutig testbar definiert ist (was lt. meinen Informationen bei der WCAG 2.0 der Fall sein wird) kann man auch keine Statistik anfertigen. Von der Tatsache abgesehen, dass ein vollständig automatisierter Test nicht möglich ist, ist der Testprozess wohl auch so nicht ganz so schnell machbar wie eine Validitätsprüfung.

Permalink Wolfgang Egger meinte am 29.07.2009:

Offenbar war die Teilnahme von Privatpersonen/-firmen an der Übersetzung nicht erwünscht? (Zumindest lässt mich dies die Ankündigung und der Teilnehmerkreis vermuten).

Sehr sehr schade!

Ich hätte mir einen offenen Übersetzungsprozess gewünscht. Das Korrekturlesen hätte man dann ja den "offiziellen Verbänden" überlassen können ....

.... auch eine Form (selbstgeschaffener) von Barriere ...... und scheinbar eben doch nicht einfach für alle, zumindest nicht *von* allen .....

Permalink Iris Cornelssen meinte am 29.07.2009:

Hallo Herr Egger,
bisher habe ich von Ihnen keine Nachricht bekommen, mit der Sie mir Ihre Bereitschaft zur Mithilfe bei der Übersetzung mitteilen. Wir nehmen Sie gerne in den Kreis der freiwilligen Übersetzer auf, da es immer noch viel Arbeit gibt und wir Unterstützung brauchen. Sagen Sie mir nur kurz, ob wir mit Ihrer Mitarbeit rechnen können.
Die öffentliche Kommentierungsphase steht ja noch aus, da ist die Beteiligung von Privatpersonen möglich und erwünscht. Dazu wird es dann sicher auch eine Meldung im Blog geben.

Permalink Wolfgang Egger meinte am 30.07.2009:

Hallo Frau Conelssen,
ich hab das auch gestern zum ersten mal gelesen und dabei den beschriebenen Eindruck gewonnen.

Ich bin sehr gerne bereit, an der Übrsetzung mitzuhelfen, kann das allerdings nur nebenbei machen, also ca. ein bis zwei Stunden am Tag dafür aufbringen.

Wäre das für Sie hilfreich?

Derzeit bin ich im Urlaub, daher ist meine Kommunikationsfähigkeit etwas eingeschränkt. Ich lese meine mail ab und zu - wenn gerade ein Internet-Kaffee greifbar ist - im Web, daher kannn es ggf. Verzögerungen bei der Beantwortung geben.

Vielen Dank für Ihre schnelle und positive Antwort.

p.s. leider hab ich mich bei der Angabe meiner URL beim letzten Posting vertippt, da fehlt ein g.
Netbooks haben auch ihr Nachteile ;-) .......

Permalink Chris Jung meinte am 30.07.2009:

Ich hatte am 22.4.2009 übrigens auch eine Mail geschrieben, auf die ich bis heute keine Reaktion bekommen habe. Nicht einmal eine Absage. Schade.

Permalink Tomas Caspers meinte am 17.08.2009:

@Chris Jung:
Der Entwurf der Übersetzung ist seit Anfang diesen Monats als sog. Candidate Authorized Translation veröffentlicht, siehe eine Tür weiter unter einfach-fuer-alle.de/blog/id/2520 - dort steht auch eine genaue Anleitung, wie sich interessierte Fachleute am weiteren Prozess beteiligen können.
Wenn die Richtlinien den gesamten Prozess durchlaufen haben und als normatives Dokument veröffentlicht sein werden, gibt es noch viele weitere Gelegenheiten sich zu beteiligen, da dann noch die Techniques und weitere Dokumente übersetzt werden sollen.
Wie dies dann genau organisiert wird ist noch nicht raus, es wird aber sicher weniger formellen Charakter haben, da es sich ja nicht um normative Dokumente handelt.