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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

03 Dez 2008

Widgets ade

Fast täglich erreichen uns in der EfA-Redaktion Mails mit der Frage nach dem Verbleib des EfA-Fontsize-Skriptes, das den letzten Relaunch nicht überlebt hat. Die kurze Antwort: es war weg, ist weg und wird auch weg bleiben. Die lange Version der Antwort wollen wir unseren Lesern aber auch nicht vorenthalten:

Eine fiktive aber durchaus realistische Diskussion zwischen einem Frontend-Entwickler (im folgenden F. genannt) und einem Projektmanager (im folgenden P. genannt; eventuelle Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen sind rein zufällig und unbeabsichtigt).

Projektmanager (P.): »Die Website muss ganz dringend barrierefrei sein. Deswegen brauchen wir da noch unbedingt so ein Ding, womit man die Schriftgröße ändern kann.«

Entwickler (F.): »Aber warum? Wir haben doch ganz andere Probleme mit der Website!«

P.: »Egal, wir brauchen so ein Ding, damit endlich diese Mails und Anrufe aufhören, wo sich Besucher über die Unzugänglichkeit der Website beschweren.«

F.: »Das wäre aber doch nur an den Symptomen rumgedoktert und würde nicht die Ursachen kurieren. Und ausserdem kann das doch jeder Browser…«

P.: »Aber unsere Statistiken sagen, dass immer noch 20% aller Besucher den IE6 benutzen. Und ich habe gehört dass der keine Schriften vergrößern kann.«

F.: »Kann er wohl…«

P.: »Egal, der Kunde will das so und basta…«

An dieser Stelle endet unsere Aufzeichnung des Gesprächs, weil F. mit dem Kopf auf die Tischplatte aufgeschlagen ist.

Weiterlesen …

Der Häufigkeit nach zu urteilen, mit der man diese »Widgets« zur Schriftskalierung oder Kontrastverstärkung auf Web-Seiten findet, muss es solche Gespräche in der ein oder anderen Form wohl häufig gegeben haben.

Zugegeben, wir sind daran nicht ganz unschuldig, denn viele davon basieren auf einem Skript, dass wir in den Anfangstagen von ›Einfach für Alle‹ veröffentlicht und auf diesen Seiten eingesetzt haben. Nun ist es aber weg und unsere Redaktion erreichen fast täglich Mails und Anrufe, wo denn das Skript geblieben sei. Es ist weg, und es wird auch nicht wiederkommen.

Warum war das Skript früher mal gut und jetzt auf einmal nicht mehr?

Machen wir einen kleinen Ausflug in die Zeit, in der das Skript entstanden ist. Damals, d.h. so um die Jahrtausendwende, waren Web-Standards nur eine nette Idee, die sich aber in den Browsern der vierten Generation nur von Spezialisten in mühsamer Handarbeit umsetzen liessen (und auch das nur höchst lückenhaft). Modernere Browser wie Firefox, Opera, Safari & Co. waren teils noch gar nicht auf dem Markt oder ausgesprochene Exoten; Microsoft hatte gerade die Weiterentwicklung des marktführenden IE 6 effektiv eingestellt. Ein »Page Zoom« war noch nicht erfunden, und damalige CSS-Layouts waren noch relativ instabil und gingen bei der kleinsten Änderung kaputt.

Menüeintrag im IE6 zur Schriftskalierung Dazu kam, dass (ausser dem IE/Mac) kein Browser in der Werkseinstellung über Knöpfe verfügte, mit denen Benutzer die Schriftgröße mit einem Klick verändern konnte. In den meisten Browsern waren die entsprechenden Optionen sehr gut vor dem Nutzer versteckt – so gut versteckt dass sich der Mythos festsetzen konnte, der IE könne keine in px bemaßten Schriften skalieren. Und damals wie heute galt, dass man es bei der Wahl der Schriftgröße nicht immer allen Recht machen kann: Für manche Nutzer ist die gewählte Schrift zu klein, für manche zu groß. Wie Sie sehen hatte das Skript also zur damaligen Zeit durchaus seine Berechtigung.

Allerdings bieten mittlerweile sämtliche aktuellen Browser die Möglichkeit, Seiten komplett zu skalieren, d.h. das gesamte Layout zoomt und bleibt intakt (und der kommende IE 8 korrigiert hierbei einige Fehler der Vorgängerversion und zieht so mit Firefox, Opera, Safari & Co. gleich). Mittlerweile sind moderne Browser wie der Firefox 3 sogar in der Lage, sich die vom Nutzer eingestellten Schriftgrade für jede Website einzeln zu merken. Zudem lässt sich in vielen Browsern eine Mindestschriftgröße angeben, die vom Ersteller der Seiten durch nichts überschreiben werden kann.

Solange Microsoft den Vista-Nachfolger nicht wieder mit dem IE 6 oder IE 7 ausliefert, wird die Zahl der Nutzer der problematischen Browser weiterhin stetig abnehmen; die Zahl der Nutzer mit moderneren Browsern nimmt jedoch täglich zu (relativ und absolut) – warum also Ressourcen für ein vermeintliches Problem aufwenden, wenn sich das Problem mittelfristig in Luft auflöst?

Ähnlich sieht dies übrigens auch das W3C, dass in den User Agent Accessibility Guidelines (UAAG 1.0 Checkpoint 4.1) die Verantwortung für solche Funktionalitäten eindeutig den Browser-Herstellern zuschiebt. Von den Erstellern einer Seite kann man lediglich verlangen, dass der Web-Inhalt weiterhin benutzbar bleibt, wenn der Nutzer eine entsprechende Funktion betätigt – mehr nicht.

Traditionelle Textskalierung ist damit also eindeutig ein Ding der Vergangenheit.

Ok, aber was ist mit den Nutzern?

Ganz einfach:

  • Bei blinden Nutzern ist der gewählte Schriftgrad egal. Per gesetzlicher Definition verfügt ein blinder Nutzer höchstens über einen Sehrest, der nicht wirklich nutzbar ist. Die Frage nach der richtigen Größe für Schrift stellt sich hier also erst garnicht.
  • Bei stark sehbehinderten Nutzern kann man in der Regel davon ausgehen, dass der Computer an die individuellen Bedürfnisse angepasst ist und Hilfsmittel benutzt werden, mit denen diese Diskussion ebenso irrelevant wird.
  • Dann wäre da die große Grauzone von Nutzern, die zwar die ein oder andere Form der Behinderung haben, jedoch (noch) keine speziellen Hilfsmittel benutzen. Dies sind nicht nur leicht sehbehinderte Nutzer, sondern auch Menschen mit Lernbehinderungen oder anderen kognitiven Behinderungen, die unter Umständen von größerer Schrift profitieren würden. Aber auch bei dieser Gruppe stellt sich die Frage, ob solch ein Schriftskalierungs-Widget irgendwem wirklich nachhaltig hilft – und das nicht nur weil es letztendlich nur eine Funktionalität dupliziert, die der verwendete Browser bereits von sich aus anbietet. Diese Benutzer werden immer und immer wieder auf das gleiche Problem stoßen und über kurz oder lang mehr Zeit mit der Nachjustierung von Schrift verbringen als mit der Aufnahme von Informationen.
  • Bleibt noch die den unerfahrenen Nutzern nachgesagte Angst vor dem Computer und davor »etwas kaputtzumachen«. Nutzer, die oftmals nicht wissen welchen Browser sie benutzen, geschweige denn was ein Browser ist. Ob ausgerechnet diese Nutzer auf (fremden) Webseiten auf einmal alle möglichen Knöpfe drücken, wenn sie schon Angst haben auf Ihrem (eigenen) Computer irgendwelche Knöpfe zu betätigen? Daran wird man wohl zweifeln dürfen. Sind dies die Nutzer, die einen 20"-Monitor auf 800×600 stellen weil dann die Schrift so schön groß ist? Und was ist wenn die Sehkraft weiter nachlässt? Stellen die Nutzer den Monitor dann auf 640×480? Wenn die Nutzer Probleme mit zu kleinen Schriften haben – wie sind sie dann auf die Seiten gekommen? Wie kommen sie mit dem Rest des Computers zurecht?

Sie sehen: solche Widgets lösen das Problem nur temporär, denn spätestens auf der nächsten Web-Seite steht der Benutzer wieder vor dem selben Problem. Die Widgets helfen also nicht bei der Lösung des Problems, sondern führen den Nutzer effektiv weiter von einer echten Problemlösung fort, indem sie an den Symptomen herumdoktern, statt die Ursachen zu beheben. Streng genommen erweist man seinen Benutzern sogar einen Bärendienst, da man eine Erwartungshaltung schürt, die nur von den wenigsten Websites erfüllt wird.

Wesentlich sinnvoller und von nachhaltigerem Effekt sind hier Ansätze wie bei der BBC-Seite »My Web My Way - Making text larger in Internet Explorer«, wo Nutzern erklärt wird wie sie das Problem dauerhaft beheben können. Wenn man also schon Ressourcen in diese Thematik steckt, dann doch wohl besser so, dass dem Nutzer wirklich geholfen wird.

Darüber hinaus stellt sich an diesem Punkt auch eine philosophische Frage: können wir einerseits verlangen, dass Webdesigner möglichst viel Kontrolle über das Erscheinungsbild aufgeben und dann wiederum das genau Gegenteil fordern? Standard-konforme Webdesigner machen nur Vorschläge - das C in CSS steht für die Kaskade (engl.: Cascading), und die endet beim Nutzer – dieser hat das letzte Wort über die Größe der Schrift.

Merke: wenn Browser oder Hilfsmittel in der Lage sind, ein Accessibility-Problem zu lösen, dann müssen Sie als Anbieter einer Seite dies nicht mehr machen. Und deswegen ist das fontsize-Skript weg.

Kommentare zu dieser Meldung: 34

Permalink Gerhard meinte am 04.12.2008:

Danke. Dieses vermeintlich unumgängliche Hilfsmittel hat uns in der Vergangenheit die Arbeit nicht gerade leichter gemacht. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass sich die bereits totgeglaubte Aktion EfA noch einmal zurückmeldet. Hoffentlich bleibt ihr diesmal am Ball und lasst euch nicht wieder von den Webautoren abhängen. Obwohl ihr längst eure frühere Vorreiterrolle verloren habt, sind eure Inhalte sicher noch immer für viele Webautoren interessant.

Permalink Siegfried meinte am 05.12.2008:

Da mein Kommentar dazu zu lang wäre, habe ich ihn "ausgelagert": http://www.rorkvell.de/news/2008/Schriftskalierung

Permalink Peter meinte am 05.12.2008:

Besten Dank für diesen Beitrag. Er trifft den Nagel meiner Meinung nach genau auf den Kopf!

Beim Lesen kam mir gerade der Gedanke, dass es enorm hilfreich wäre, wenn es einen frei verwendbaren Text in Deutsch gäbe, der eine ähnliche Benutzeraufklärung betreibt, wie die verlinkte Seite der BBC. Dann könnte man anstelle eines Scripts zur Skalierung der Schrift einfach einen Link zu einer Seite anbringen, auf der dem Benutzer erklärt wird, wie er die Textgrößen seinen Bedürfnissen anpasst.

Gibt es eine solche Ressource schon, oder würde es sich rentieren, etwas in der Art auf die Beine zu stellen?

Herzliche Grüße
Peter

Permalink Patrick H. Lauke meinte am 05.12.2008:

Yes! Diese Diskussion von wegen Widgets ist ja mein Leid seit ein paar Jahren schon...

Permalink Pressspanplatte meinte am 07.12.2008:

Aber ist die "Druckansicht" kein unsinniges Widget? Sie stammt doch ebenfalls aus Zeiten, als Browser nicht mit verschiedenen CSS umgehen konnten. Um sauber drucken zu können, mußte man daher die Seite neu anfodern mit einem Print-CSS (statt eines Screen-CSS). Moderne Browser haben aber keine Probleme mit mehreren CSS. Öffnet man z.B. die Druckansicht im Browser, wird automatisch das Print-CSS genommen. Die Druckansicht ist auch gut zugänglich im Browser. Jeder kennt sie. Was soll also dieses Druckansichts-Widget? Wenn da ein Create-PDF-Widget wäre, kein Problem. Sonst aber nicht (finde ich)

Oder?

Permalink André meinte am 08.12.2008:

Du sprichst mir aus der Seele. Danke. Sollte bloß noch beim Kunden ankommen!

Permalink Siegfried meinte am 08.12.2008:

Wie viele Tage dauert das eigentlich, bis hier ein Kommentar freigeschaltet wird?

Permalink Pressspanplatte meinte am 08.12.2008:

> Du sprichst mir aus der Seele. Danke. Sollte bloß noch beim Kunden ankommen!

Wie heißt es so schön im obigen Artikel: Da kann man wunderbar eine extra Seite machen, auf der man erklärt, wie man Schriften zoomt und: die Druckansicht bekommt... ;-)

Apropos PDF: Das wäre mal ein tolles Feature, serverseitig getaggte (einigermaßen barrierefreie) PDFs zum Download zu bekommen. Leider gibt's da auf dem Markt noch nix, glaube ich. Adobe Acrobat kannst Du serverseitig vergessen. Ich deshab hab mal vor Jahren bei HMTLDOC einen Featurerequest gemacht, siehe http://www.htmldoc.org/str.php?L143+P0+S-2+C0+I10+E0+Q. Bisher hat sich leider nichts getan... No chance also für serverseitige, barrierefreie PDFs.

Permalink Nelly meinte am 08.12.2008:

Zitat: "Merke: wenn Browser oder Hilfsmittel in der Lage sind, ein Accessibility-Problem zu lösen, dann müssen Sie als Anbieter einer Seite dies nicht mehr machen."

Mein Browser - auch mein IE6 - ist u.a. in der Lage, eine Druckansicht darzustellen. Also: warum einen "Druckansicht"-Link bereitstellen? Womöglich noch eine extra "Druckansicht"-Seite schreiben? Ein print-Stylesheet ist (bei Euch zumindest) schließlich vorhanden und funktioniert wunderbar.

liebe Grüße
Nelly

btw: danke für diese Site - ich lerne hier allerhand

Permalink Christian meinte am 10.12.2008:

@Nelly: Die Diskussion mit den Druckbuttons haben wir auch laufend mit unseren Kunden. Auch wenn ich persönlich diesen Link auch lieber außen vor lassen würde, gibt es durchaus einen Grund, ihn drin zu lassen, sofern er eine *Voransicht* der Druckversion und nicht direkt den Drucken-Dialog aufruft.

Wie soll ein Nutzer sonst im Vorhinein wissen, welche Site ein optimiertes Print-CSS rauswirft und welche Site den Drucker mit einem großen Haufen Mist füttert (geschweige denn dass Nutzer von der Möglichkeit druckoptimierter CSS überhaupt wissen)? Vor diesem Hintergrudn halte ich das für sinnvoll, auch wenn es rein technisch natürlich nicht notwendig wäre.

Permalink mike meinte am 10.12.2008:

christian: wo Du schon den Beitrag von Nelly zitierst, dann lies ihn doch auch ;)
Eine Druckvoransicht gibt es bereits im Browser, dazu braucht man keinen Button im HTML.

Permalink Christian meinte am 15.12.2008:

Na, lieber Mike, ich hab hier mal zwei Browser, die zwar einen Drucken-Befehl haben, aber die Druckvoransicht erst im eigentlichen Druckdialog versteckt ist.

Ich selber weiß natürlich, wie ich die Voransicht bekomme, aber mach mal einen Test, wieviele Normalnutzer das gebacken bekommen. Mein Vater würde diese Option garantiert niemals von sich aus finden bzw. nutzen.

Ich dachte, das wäre auch ein Teil von Zugänglichkeit ;)

Permalink Tiffany meinte am 17.12.2008:

Pressspanplatte: man kann schon serverseitig getaggte und weitgehend barrierefreie PDFs aus ordentlich strukturierten HTML-Seiten erstellen - da muss man sich allerdings selbst was zusammenbasteln mit PDFlib. So was ist z.B. bei bik-online.info im Einsatz.

Permalink Stefan meinte am 19.12.2008:

Ganz aus der Welt ist Skript zwar nicht, schließlich kann man es noch auf etlichen anderen Websites herunterladen, aber die Aufklärung finde ich sehr gut. Und der Dialog scheint mit sehr nah an die Realität zu kommen. Irgendwie erinnert es mich ein wenig an die Seiten, die irgendwo im Navigationframe einen Link "Barrierefreie Version" als Javascript PopUp zu einer Nur-Textseite haben ;)

Permalink Michael meinte am 22.01.2009:

Man sollte es dem User so einfach wie möglich machen. Wenn er die Browser-Funktion nicht kennt, warum soll man ihm dann den Knopf für die Schriftgröße direkt über die gerade angesehene Seite verwehren? Für viele unerfahrene User ist das ein Rückschritt.

Permalink Mark meinte am 24.01.2009:

Ich schließe mich der Meinung vom Michael an. Es gibt sehr viele Seiten, die Schriftvergrößerung per Skript anbieten. Und gerade wenn es sich um öffentliche Websites (damit meine ich Seiten, die sehr wahrscheinlich Ziel von Unerfahrenen sind, bzw. wo sich jeder tummelt, wie Seiten des Bundes oder große Portale) handelt, empfinde ich die Funktion nur als Plus an Service.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass alle wissen, welche Funktionen ein Browser kann oder nicht kann. Was ist ein Browser? Das doch das Gleiche, wie wenn Leute nicht die Adresszeile des Browsers nutzen sondern das Eingabefeld von Google, weil der Browser als Startseite Google eingerichtet hat)... also ich finde sowohl Druckbutton als auch Schriftvergrößerung sinnvoll. Ist ja nicht so, als wäre es schädlich.

Permalink Der Caspers meinte am 24.01.2009:

Mark meinte am 24.01.2009:
> Ist ja nicht so, als wäre es schädlich.

Doch, ist es. Weil es den Nutzer von einer nachhaltigen Lösung seines Problems wegführt.

Mal abgesehen davon: wenn man der obigen Argumentation folgt (»Nutzer machen ganz komische Sachen im Internet und Anbieter müssen das alles irgendwie abfangen«), und sie konsequent zu Ende denkt, dann müsste Jede. Einzelne. Website:

- erklären, " welche Funktionen ein Browser kann oder nicht kann",
- erklären, was ein Browser überhaupt ist,
- erklären, was Google ist und wie man es richtig benutzt,
- usw. ...

Wenn man das dann noch unter dem Deckmäntelchen »Barrierefreiheit« als absolutes Muß verkauft, dann ist das ein todsicheres Mittel, um das Thema endgültig der Lächerlichkeit preiszugeben.

Websites, deren Aufgabe es ist, Anfängern den Computer und das Internet zu erklären, können das gerne machen. Websites, deren Aufgabe es ist, Bücher, Autos oder Lebensmittel zu verkaufen, müssen Bücher, Autos oder Lebensmittel verkaufen und *nicht* dem Nutzer den Computer (immerhin *sein* Arbeitsgerät) erklären.

Permalink Mark meinte am 25.01.2009:

Das ist ja schön und gut, dass man damit dem User auf lange Sicht helfen will, indem man ihm erklärt, wie er *überall* seine Seite skaliert. Aber für mich, und wie auch oben im Artikel beschrieben, stellt es eine reine Duplizierung der Funktion dar - was ist daran schlimm? Ist doch dem Nutzer egal, wie er auf die Funktion gekommen ist. Möglicherweise gibt ers einfach auf, wenn ihm die Browser gegebene Skalierungsfunktion nicht bekannt war ...

Weiterhin kann auch das Skript verbessert werden, indem es dafür sorgt, dass nur Teile (Artikeltext?) vergrößert wird und nicht das Menu und umliegende Marginalien. Also für mich gibt es immernoch genug Gründe ein derartiges Skript einzusetzen - in jedem Einzelfall zu entscheiden.

Permalink Mark meinte am 25.01.2009:

> Doch, ist es. Weil es den Nutzer von einer nachhaltigen Lösung seines Problems wegführt.

Dann sollte auch jeder Link auf einer Seite verschwinden, der auf die vorherige Seite führt - weil dafür ist der BackButton des Browsers da.

Das Skript einfach zu entfernen halte ich im übrigen für Bevormundung. Es hätte doch gereicht, das Skript für die, die entscheiden es weiter einzusetzen, verfügbar zu lassen und die Diskussion über das Für und Wider zu verlinken - also eine Warnung auszugeben.

Das zig Leute schreiben und sogar anrufen, wäre für mich das Zeichen gewesen, dass das Entfernen keine so gute Idee war.

Permalink Chris meinte am 25.01.2009:

Ich unterscheide hier zwischen dem Duplikat einer Browserfunktion zur schnelleren Bedienung (Druckbutton, Backbutton,...) und denen, die der Überwindung von Barrieren dienen.

Auch wenn es viele Seiten gibt, die diese Vergrößerung anbieten, so kann es doch nicht die Zukunft sein, dass jede Seite diese Funktion lokal (!) zu bieten hat. Ganz zu schweigen davon, dass die optische Umsetzung und die Position der Funktion nirgens einheitlich ist. Wenn ein unerfahrener User auf großen Portalen unterwegs ist... wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er diese Funktion überhaupt entdeckt (er hat doch ein Problem mit den Augen!), die Funktion korrekt deutet und sie anwendet?

Was ist ein unerfahrener User? Ist es konsequent Zielgruppe 50+, die sich eher auf spiegel.de rumtreibt, als auf thefwa.com? Die Schrift kann ich über die Website an beiden Stellen nicht anpassen.

Zudem ist die Anpassung der Größe ein kleiner Teil von Hilfssystemen, die, wenn man es schon drauf anlegt, alle in eine Seite gehören. Wo finde ich Links im Text? Eine simple Frage, die der Gewohnheit nach über das Unterstreichen von Worten zugeordnet wird. Tja... wird aber auf sehr vielen Seiten anders gemacht. Da können wir dann gleich die komplette Developer-Toolbar nachbauen, um diese Elemente zu identifizieren.

Warum nutzen wir Entwickler diese Software eigentlich? Weil der Browser die Funktionen von Haus aus nicht beherrscht. Es ist eine global verfügbare Toolbox, die auf jeder HTML-basierten Seite greift. Analog dazu sollte der eingeschränkte Internetnutzer die globalen Funktionen seines Browsers nutzen, um auf das gezeigte Angebot Einfluss zu nehmen. Ergänzungssoftware wie Screenreader mal aussen vor gelassen.

Und es wäre aus meiner Sicht viel eher Bevormundung, wenn man die Schublade nach Nachrichten- und Wanderportalen zuschiebt. Es gibt auch Design-affine Menschen mit Sehbehinderung. Die Schriftgrade auf Seiten dieser Rubrik sind oft viel problematischer. Und kennt jemand Flashseiten, die Schriftskalier-Button enthalten? Mit einem Browser, der die ganze Darstellung vergrößert ist man dann fein raus, richtig? Ist das aber dann der Einzelfall, wo man entscheiden muss, ob so ein Script Sinn macht? Es macht doch entweder überall Sinn oder nirgends.

Schon vor dem Auffinden dieses Artikels war in unserem aktuellen (verpflichtend barrierearmen, weil durch öffentliche Gelder finanzierten) Projekt eine Hilfsseite zur Website-übergreifenden Anpassung der Browsersettings fest eingeplant. Dort werden wir für entsprechende Hilfestellungen bereitstellen.

Wir werden Backlinks setzen, Druckfunktionen unterhalb von Artikeln anbieten, die eine Version des Inhalts ohne Navigation aber mit Signatur bieten. Schriftgrößen, Linkauszeichnungen, Bildgrößen und Kontraste sind von Haus aus so angelegt, dass Zugänglichkeit und Optik möglichst nah beieinander liegen.

Permalink Mark meinte am 25.01.2009:

Ich weiss jetzt nicht, ob das spitzfindig wird, aber wo ist denn der Unterschied zwischen einer Schriftvergrößerungsfunktion in der Seite und einem Druckbutton und einem Backbutton. Es sind doch alles nur Funktionen, die einem Shortcut per Tastatur oder einem Aufruf per Mausklick im Browsermenu entsprechen.

Sowohl ein Backlink, als auch ein Druckbutton sind selten gleich und an der selben Stelle auf unterschiedlichen Websites zu finden. Ich verstehe das Argument völlig, dass eine Funktion, die der Browser von Haus aus bietet nicht per Skript nachgebaut werden muss, oder besser gesagt nicht Bestandteil einer Liste für Barrierearmut sein sollte. Aber zusätzlich angeboten, genau wie der Drucken und Backbutton, sehe ich immernoch keinen Nachteil.

Wenn ich als Gelegenheits-User die Funktion auf der Seite nicht finde (sie vielleicht auch garnicht kenne), weiss ich nicht, ob ich dann so schlau bin und im Menu nach der Funktion suche. Lerne ich die Funktion dann aber irgendwann kennen und stoße auf eine Seite, wo es auch per Skript möglich ist, dann hab ich eben die Wahl - und bin damit doch dann nicht schlechter dran. Wie gesagt - eine weitere Möglichkeit.

>Ist das aber dann der Einzelfall, wo man entscheiden muss, ob so ein Script Sinn macht? Es macht doch entweder überall Sinn oder nirgends.

Ich kann mir schon vorstellen, das es Sinn macht, nur Teile einer Seite zu vergrößern - aber vielleicht gehört das hier auch garnicht hin.

>Schriftgrößen, Linkauszeichnungen, Bildgrößen und Kontraste sind von Haus aus so angelegt, dass >Zugänglichkeit und Optik möglichst nah beieinander liegen.

Also den will ich erklärt haben. Sollte die Zugänglichkeit schlecht ausfallen, wird auch die Optik schlecht und andersrum ? ;-)

Das Argument, dass man mit der Ganzseiten Zoomfunktion eines Browser fein raus ist, zieht aber auch nur bei den Browsern, die das beherschen. Firefox schonmal nicht...und damit sind wir wieder beim reinen Schrift vergrößern, was man im Beispiel mit Flash wohl auch nur über ein Skript lösen kann, ja.

Permalink Der Caspers meinte am 25.01.2009:

Mark meinte am 25.01.2009:
> Ich weiss jetzt nicht, ob das spitzfindig wird, aber wo ist denn
> der Unterschied zwischen einer Schriftvergrößerungsfunktion
> in der Seite und einem Druckbutton und einem Backbutton.

Ganz einfach:

- du kannst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ein Nutzer garantiert NICHT jede einzelne Webseite die er besucht, auch ausdrucken will.

- ein Nutzer, der z.B. eine Mindestschriftgröße von 24pt benötigt, wird diese garantiert auf jeder einzelnen Webseite benötigen, die er besucht.

Da aber nicht alle Seiten eine solche Funktion anbieten wäre dem Nutzer mehr damit geholfen, wenn er sich selbst hilft und ein für alle Male SEINEN Rechner an SEINE Bedürfnisse anpasst. Ansonsten bleibt für ihn ein großer Teil des Netzes unbenutzbar. Das ist der Grund warum es neben den WCAG/BITV noch weitere Richtlinien gibt (ATAG & insbes. UAAG)

> Firefox schonmal nicht...

Doch, neuere Versionen bieten jetzt auch einen echten Zoom.

Permalink Chris meinte am 26.01.2009:

> Wenn ich als Gelegenheits-User die Funktion auf der Seite nicht finde (sie vielleicht auch garnicht kenne), > weiss ich nicht, ob ich dann so schlau bin und im Menu nach der Funktion suche. Lerne ich die Funktion
> dann aber irgendwann kennen und stoße auf eine Seite, wo es auch per Skript möglich ist, dann hab ich
> eben die Wahl - und bin damit doch dann nicht schlechter dran. Wie gesagt - eine weitere Möglichkeit.

Es geht mir hier nicht um Gelegenheits-User, sondern um die Unterscheidung zwischen Elementen, die eine reine Kopie von Browser-Funktionen darstellen (Druck, Back) und denen, die ich aus Gründen der Barrierearmut einbaue...oder eben nicht. Also keine Frage der Spitzfindigkeit, sondern der Auslegung. Für mein Empfinden wäre (wie oben schon erwähnt) eine Browserfunktion, die Links bei Bedarf kräftiger auszeichnet, wünschenswert. Würde es diese Funktion im Browser geben...würdest Du es ebenfalls als sinnvoll erachten, sie in die Website per Script einzubetten? Ich nicht. Solche Dinge muss man global einstellen, da man auf JEDER neu besuchten Website davon ausgehen muss, Probleme mit den Auffinden von Links zu bekommen.

Es geht mir auch nicht um Herrn Meyer oder Frau Müller, die 5 Stunden/Jahr online sind und mit zitteriger Hand eine Website nutzen. Hier liegt mein Fokus ganz klar in der Frage, ob sich ein sinnvoller (!) Mehrnutzen für Menschen mit Sehrbehinderung einstellt. Und für mich heisst die Antwort hier: Kein lokales Schriftscaling, denn es ist nur eine Lösung für EINE Website, die man sehen, erkennen, verstehen und anwenden muss, damit sie überhaupt greift. Hat mal jemand Klickraten von diesen Dingern parat? Wäre interessant...

Ein anderes Beispiel aus meiner Arbeit:
Stelle ich in Mac OS X ein neues Finder-Fenster von der Symbolansicht über die Icons innerhalb des Fensters auf eine Listenansicht um und schließe es oder mache ein neues auf, dann habe ich gnadenlos immer wieder per default die Symbolansicht...bis ich mich bequeme das Setting für alle (auch neuen) Fenster in den Finder-Einstellungen zu definieren. Erst dann ist Ruhe. Es würde mich nichts helfen, wenn jedes dieser Fenster einen individuellen Ansatz anbieten würde, um mir eine Listenansicht zu ermöglichen.

>>Schriftgrößen, Linkauszeichnungen, Bildgrößen und Kontraste sind von Haus aus so angelegt, dass >>Zugänglichkeit und Optik möglichst nah beieinander liegen.

> Also den will ich erklärt haben. Sollte die Zugänglichkeit schlecht ausfallen, wird auch die Optik schlecht und andersrum ? ;-)

Das kann so sein, richtig. Ich kann mich in den CSS an allgemein und oft genutzte Größen für Schriften in Mengentexten halten und so den (oft unterschätzten) Gewohnheitsfaktor von Usern bedienen oder meinen das Rad komplett neu erfinden zu müssen. Das gleiche Spiel gilt auch für Bildgrößen oder Farbigkeiten/Kontraste. Stell Dir ein News-Portal vor, dass mit 9px Schriftgröße für den Mengentext, in 70% schwarz auf einem 50% schwarz Hintergrund daherkommt. Die Bilder in den Artikeln haben 40x30 Pixel.... Optisch schlecht, und ebenso schlecht zugänglich. Ich will damit nur verdeutlichen, dass man schon beim den Aufbau der Plattform die Notwendigkeit von solchen Scripten ein ganzes Stück drosseln kann. Wer hier schon als Entwickler den Bedarf an einer Schriftvergrößerung sieht, sollte sich mal Gedanken darüber machen, warum die Schrift nicht gleich einen Tick größer kommen darf.

Letztes Jahr ein Gespräch mit einem Kunden (Fotograf, SEHR aktiv am Rechner):
"Können Sie die Schrift der Website bitte ein paar Millimeter größer machen, ich kann das trotz Brille kaum lesen" - "Kein Problem. Sind aktuell 11 Pixel, ich stelle mal auf 12 um, bitte F5 drücken" - "Ein Pixel mehr? Das wird doch sicher kaum etwas bringen. Wenn ich meine Fotos bearbeite ist doch ein Pixel kaum zu sehen" - "Schauen Sie es sich bitte an, es sind immerhin knapp 10% mehr inder Höhe" - "Sie haben Recht! Jetzt passt's..."

Ich hätte ihm jetzt auch das Script andrehen können... hab ich aber nicht :-)

Permalink Chris meinte am 26.01.2009:

> Ich kann mir schon vorstellen, das es Sinn macht, nur Teile einer Seite zu vergrößern - aber vielleicht gehört das hier auch garnicht hin.

Wobei der Mengentext noch mit der größte sein wird. Es sind eher die Randspalten, Bildunterschriften oder Meta-Navigationen, die kleiner ausfallen. Diese würden sich dann aber gar nicht skalieren. Also dann das Script auf links krempeln, dass sich nur die Schriftgrößen < 12 Pixel ändern? Ok, wäre ein Ansatz aber rafft den einer? Könnte als Fehler aufgefasst werden, wenn sich nicht alle Texte vergrößern.

Permalink Michael Schwenck meinte am 16.02.2009:

Vielen, vielen Dank für dieses Statement! Volltreffer! Endlich aus berufenem Munde eine gut verständliche Erläuterung einer völlig überflüssigen Webseiten-"Verzierung", die uns Entwicklern nur das Leben unnötig schwer macht, aber von vielen Kunden aus Unsicherheit, etwas falsch zu machen, gefordert wird. Ich werde diesen Beitrag jedem vorlegen, der nach einem solchen Script fragt.
Michael Schwenck, Webentwickler.

Permalink Andreas Oettinger meinte am 17.02.2009:

Hab eben eine interessante Studie gefunden, die diese Diskussion sicher bereichert:
http://eresult.de/studien_artikel/forschungsbeitraege/textgroessen_anpassung.html

Permalink Frank meinte am 16.03.2009:

Mein Vater findet diese Fontsize-Skript-Buttons auf den Webseiten eh nicht. Die sind Ihm immer zu klein.

Wollte ich mal sagen ;-)

Permalink Henning meinte am 02.05.2009:

Strg + und Strg - kennen diejenigen, die von Berufs wegen Webseiten erstellen. Eine große Menge Webbenutzer wissen nichts über die Fähigkeiten ihres Browsers und nutzen sie daher nicht. Insofern ist ein SICHTBARER Knopf für die Vergrößerung oder Verkleinerung der Schrift (der dann die gesamte Seite skaliert) im Sinne der Barrierefreiheit. Er erspart dem benutzer das Erlernen der Details seines Browsers.

Gleiches gilt für Druckansichten. Es gehört sich einfach ein ordentliches Druck-Stylesheet mitzuliefern, aber Nutzer zögern beim Ausdruck weil sie nicht erstmal 5 Seiten Sidebar mit sinnlosen Links gedruckt haben wollen. Gebe ich ein Link zur Druckansicht, dann ist für den Nutzer erkennbar, dass er sich die Seite vorab ansehen kann, und ich erspare ihm nach dem Menüpunkt Druckvoransicht zu suchen. Für mich gehört auch das zur Barrierefreiheit.

Permalink Kay meinte am 05.05.2009:

Hm..
Das ganze kommt mir vor wie eine Diskussion ums füttern mit Fischen oder Angeln lehren.

Problem dabei,denk ich :
Viele werden dem Medium "Kompiuter" nie so trauen,und sich auch nicht an ihm trauen,und wollen sich nicht reinlesen.

Opa Heinrich hat ne Lesebrille...die setzt er nur ungern auf.Er will also ,weil ist ja digital und super,gemuetlich am Rechner mal die zeitung lesen.Sein Enkel sagte ihm,das man das kann.

Er öffnet den Browser,tippt die URL vom Aufkleber ab,den er noch vom Staedtemarathon hatte,und.... braucht ne Lesebrille.

Er steht auf,geht zum Schrank,holt die Brille,sieht nen "Leselupe" Button,und Voila,kann endlich ohne Lesebrille lesen.

Klar..sein Enkel hätte ihm sagen können wie man zoomt.Wenn sein Rechner man nur nicht so kompliziert wäre...und er nicht jeden morgen nach dem Aufstehen das Unwichtige eh wieder vergessen haette.

Für mich ist FAKT das es mir als Anbieter von Informationen,die ich loswerden will, alles tu,um dem Kunden das Surfen auf meiner Seite so angenehm wie moeglich zu machen.

Und wenn ich dafuer an 2 Stellen (Links oben und in der Fussleiste zb) einen Druckansichtbutton mache,oder/und einen Zoombutton,dann tut mir das nicht weh,sondern "peppt" meine Seite für den Interessenten sogar auf.

Ich bin kein Internet-Beibringer (noch nicht), und will mich auch gar nicht in der Verantwortung sehen,den Nutzern des Inhaltes vorschreiben zu wollen,was sie zu lernen haben und was nicht.

just my 50 cents

MfG

Permalink Unio meinte am 10.06.2009:

Das Theme verdeutlicht sehr gut den Unterschied:
Barrierefreiheit vs. Ergonomie.

Man mag diskutieren, was technisch notwendig ist und was Browser können oder leisten sollten.

Fakt ist:

- Weder der aktuelle IE noch der Firefox ermöglichen unmittelbar die Änderung der Schriftgröße per Mausklick (es müssen Unter-Menüpunkte oder zusätzliche Symbole in die Symbolleist hinzugefügt werden).

- Man muss die Behauptung nicht erst evaluieren, aber die Mehrzahl ist schon nicht einmal dazu in der Lage.

- Und noch weniger "Normalnutzer" wissen um die Möglichkeiten der Tasturbedienung.

Der Fontsizer ist zwar nicht unbedingt notwendig, aber ist komfortabel und nutzerfreundlich. Das ist der Unterschied. Und das spielt in der Barrierefreiheit keine Rolle.

Permalink Paul meinte am 09.08.2009:

Warum nicht? Meine Aufgabe ist es nicht "normalen" usern die Funktionen ihrer Browser zu lernen, sondern ich möchte den Webauftritten meiner Kunden zu möglichst vielen Hits verhelfen.
Und wenn Widgets wie Fontsizer oder Druckansichten positiv dazu beitragen, dann sind alle glücklich.

außer der Autor dieses Blogs vielleicht :) Diesem wäre es lieber das ganze web wäre widget-steril und beim Aufruf jeder Startseite käme eine Lightbox mit der Erklärung aller möglichen Browserfunktionen. Unten ne Checkbox "Sind Sie mit der Zoomfunktion Ihres Browsers einverstanden" Ach Ja, geht ja garnicht, ist ja viel zu klein für brillenlose Brillenträger...

Permalink Bernhard meinte am 04.11.2009:

Ich hätte ja nicht gedacht dass die Diskussion so lange lebt..
Ich stimme der prinzipiellen Einschätzung zu, dass Nutzer tatsächlich nachhaltig lernen sollten wie sie die Schriftgröße verändern.

Da ich mich derzeit intensiv mit Web-Usability beschäftige stand ich auch vor der Frage, dieses Widget für ein Projekt umzusetzen oder nicht. Je mehr Links auf einer Webseite sind desto schlechter die usability da zuviel Ablenkung vorhanden ist.
Dann aber wieder Empfehlungen von Nielsen, dass die Schriftgrößen per "A"s in verschiedenen Größen verändert können werden soll.
Oder sowas:
"It was frequently mentioned by the older (100%) and the learning disabled (100%) test participants that they need a big font size to support readability of text. [They] were asked by the test conductor whether they know how to customise the font size in the user agent.
None of them knew how." (Gappa/Nordbrock: Applying Web accessability to Internet portals)

Jedoch stammt dieses Zitat aus einem Paper aus 2004, das neueste Nielsenbuch das ich habe ist von 2006. Seitdem hat sich viel getan aber:
Wieviele älteren Menschen nutzen in Word mehr als die Buttons "öffnen, speichern, drucken, fett,kursiv,farbe"? Ich will nicht sagen dass niemand es tut. Aber in vielen Browsern gibt es eben keinen Button "hier die Schriftgröße verändern".
Im FF läuft das so: Menü Ansicht => Hilfe, so viele Sachen: Was? Irgendwas ein/ausblenden? Was wenns dann weg is? Neuladen? Seitenquelltext? Ich will weg! Zoom => Was ist das ? Google Zoom? Ich suche Schriftgröße.... (vgl. Unio von oben)

Und jetzt nicht mit "STRG++" oder STRG+Mausrad kommen... wisst ihr wie meine freundin im FF ne Googlesuche startet? in die Adresszeile gehen, www.google.de eintippen (die autocomplete-einträge des browsers ignorierend) und dann auf der seite den suchbegriff eingeben. Und zwar mit Anfang 20 und nicht 80.

Im Endeffekt ist es vielleicht tatsächlich von Vorteil, wenn keine Seite solch ein Schriftgrößen-Feature mehr anbietet. Dann sind Nutzer gezwungen sich darüber Informationen zu beschaffen. Auf der anderen Seite, wenn man alte Menschen als Besucher hat möchte man darauf verzichten? Muss jemand erst in den Browseroptionen rumspielen um meine Seite zu betrachten?

Ich habe das Feature realisiert, bin mir aber immer noch nicht sicher ob es drin bleibt. Bisher hab ich jedoch noch keine wissenschaftliche Arbeit gesehen die explizit solch ein Widget als störend, kontraproduktiv oder überflüssig bezeichnet hat. Aber einige die den Nutzen bestätigt haben. Vielleicht führ ich dann selber mal ne Studie durch...
Bis es soweit ist behaupte ich, dass solch ein Feature manchen Leuten helfen kann und diese dankbar drum sind.

Permalink Bernhard meinte am 04.11.2009:

Oh, ganz übersehen und Dank an Andreas Oettinger: Die Studie der e-result-group belegt meine Meinung von gerade eben nochmal.

Die Studie kurz zusammengefasst: 60% der Über-50-Jährigen haben schon mal die Schriftgröße für eine Webseite verändert, von diesen kennen jedoch lediglich 33% die Browser-Funktion.

Es handelte sich dabei um eine repräsentative Studie unter 600 deutschen Internet-Benutzern, veröffentlicht im Februar 2009.

Also: Nur weil ein Problem technisch lösbar ist weiß das der Nutzer nicht unbedingt...
Auch wenn diese Fragestellung unter Umständen tatsächlich in den Bereich Web-Usability gehört und nicht in den Bereich barrierefreies Webdesign...
Zum Nachlesen noch mal der Link:
http://eresult.de/studien_artikel/forschungsbeitraege/textgroessen_anpassung.html

Permalink Günter meinte am 06.12.2011:

Wir haben ein Typo3 System auf Version 4.5 upgradet und da war das Einloggen in Fontend ein Problem. Schade das dies in Typo3 Community nicht bekannt ist, dass hätte uns die Fehlersuche erspart. so long, Gü.