accessBlog

Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

In Deutschland ist die dem Bund per Verordnung vorgeschriebene Barrierefreiheit ja bekanntlich in der BITV geregelt, die wiederum auf den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) der W3C WAI basiert. Weniger bekannt ist der Umstand, daß diese WCAG nur ein knappes Drittel der WAI-Richtlinien ausmachen. Ebenso wichtig zur Erreichung eines barriereärmeren Netzes sind die Richtlinien für Autorenwerkzeuge, die Authoring Tools Accessibility Guidelines (ATAG) und die Richtlinien für die Zugangssoftware (vulgo: Browser), die User Agent Accessibility Guidelines, kurz UAAG.

Die deutsche Internetbranche ist aber bisher aus unerfindlichen Gründen von zwei Dritteln der Richtlinien verschont geblieben. Engagierte Webentwickler werden dadurch von zwei Seiten in die Zange genommen: einerseits müssen sie mit unzureichenden Werkzeugen dafür sorgen, daß das Ergebnis BITV-konform ist. Obwohl die Anwendungen sich ihrerseits an keinen erkennbaren Standard halten, sondern so tun, als ob Netscape 3 immer noch 70% Marktanteil hätte. Andererseits müssen sie sich mit Fehlern in den User Agents, und hier insbesondere den assistiven Werkzeugen, herumschlagen, die nicht in der Lage sind den HTML4-Standard von 1997 korrekt umzusetzen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Barrierekompass mit seiner Nachberichterstattung der soeben abgelaufenen Contentmanager.days in Leipzig: »ATAG, WCAG und weiter«.

Andere Länder sind da fortschrittlicher: so reguliert die Section 508 des amerikanischen Rehabilitation Act nicht nur das fertig gerenderte Ergebnis im Browser, sondern eine Fülle weiterer Qualitätsmaßstäbe. Vergleichbares findet sich hierzulande nur in einem Wust weiterer Verordnungen mit so komischen Abkürzungen wie BildSchArbV oder Gesetzen wie dem SGB IX.

Theoretisch liesse sich aus der in letzterem enthaltenen Verpflichtung zur barrierefreien Ausstattung von Arbeitsplätzen durchaus ein Anspruch an die Software-Industrie ableiten, nur scheint diese Möglichkeit bisher nicht genutzt zu werden. Anders in USA: durch den Druck des Gesetzgebers ist es mittlerweile sogar möglich, mit dem lange geschmähten MS Frontpage halbwegs barrierearme Ergebnisse zu generieren. Nicht weil die WCAG dies erfordern würden (das tun sie nämlich nicht), sondern weil die amerikanische Bundesregierung ansonsten das Programm nicht mehr kaufen dürfte.