BIENE-Award 2005 – Experten-Statements

Experten und Erfahrung – Statements zu Wettbewerb und Webentwicklung:

22.07.2005

Arbeitswelt
»Verkaufsgespräche per E-Mail« – Für Martina Schimbach ist das Internet ein ideales Medium, weil sie nicht telefonieren muss
Assistive Technologien
»Die Freiheit wächst«Dr. Karl-Heinz Weirich schätzt Barrierefreiheit – und bringt sie voran.
E-Business
»Barrierefreiheit – Vorteil im Wettbewerb« – Jürgen Ebert von der Online-Redaktion der Postbank ist überzeugt davon, dass sich Barrierefreiheit durchsetzen wird.
Web-Standards
»Flexibel nach Standard« – Webexperte Michael Charlier arbeitet nach W3C-Richtlinien.
Programmierung
»Barrierefreiheit als Prozess« – Jörn Hofer, Webentwickler bei den Internet-Agenturen Xplain und code*horizons: In drei Jahren arbeiten alle barrierefrei.
Zukunftsfähigkeit
»Eingang für alle«Webdesigner Markus Angermeier setzt auf Barrierefreiheit, weil sie zukunftssicher ist.

Testverfahren

Bevor eine Webseite eine BIENE bekommt, beschäftigen sich viele unterschiedliche Menschen damit: Ein Testteam von 15 Studentinnen und Studenten stellt sicher, dass die Webseite alle Kriterien des Ausschlusstests und des Feintests erfüllt. Danach prüfen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen die Beiträge in intensiven Praxistests. Nur die Besten nominiert der Fachliche Beirat für die BIENE, bevor dann eine Jury die Preisträger kürt. Wir machen es den Teilnehmern nicht leicht, aber nur so können wir sicher sein, dass die eingereichten Webangebote es den Nutzern leicht machen.

Ulrike Peter, Beate Schulte, Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) an der Universität Bremen

Bedienbarkeit

Wir haben im Internet mehrere Sprünge erlebt, vom reinen und guten Hypertext über eine Phase des Experimentierens bis zum Erscheinen der so genannten »Killerwebseiten« – laut, bunt, bewegt, aber häufig nicht wirklich gut zu nutzen. Jetzt wird das Internet erwachsen, und Funktion und Anwenderorientierung sind dabei, die »Killer« zu verdrängen. Der leise Druck der Barrierefreiheit im Internet hat allen Beteiligten den Anlass gegeben, ihre Modelle und Konzepte zu überdenken und zum Nutzen aller Beteiligten zu verbessern.

Arno Karrasch, Mitglied des German Chapter (GC) der internationalen Usability Professionals' Association (UPA) und Jurymitglied des BIENE-Award 2005

Verständlichkeit

Die beste Technik, einen Netzauftritt zugänglich zu machen, ist für die Katz, wenn der Inhalt die Mühe nicht lohnt. Mit dem Herzen merkt der Leser nämlich nach wenigen Sätzen, ob ihm Sand in die Augen gestreut oder etwas Wahres, Gutes, Schönes angeboten wird; mit etwas Übung erkennt es auch der Verstand, denn in der Sprache wohnt die Glaubwürdigkeit des Sprechers. Mag sein, dass nicht jeder von dieser Erkenntnis Gebrauch macht, und wenn er es tut, der Erfolg sich nicht sofort einstellt. Aber die Tür steht offen für alle. »Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache«, sagte Schiller. Dabei hat er das Internet noch nicht einmal erahnt…

Oliver Baer, Experte für sprachstarkes Marketing und Leiter der Arbeitsgruppe Sprache und Marketing im Verein Deutsche Sprache e.V.

Inhalte

Das World Wide Web wurde einst geschaffen, um den Austausch von Wissen zu fördern. Zeitweise schien dieses Ziel in Vergessenheit geraten zu sein und das Netz drohte an blinkenden Grafiken und inhaltsleeren Buchstabenansammlungen zu ersticken. Verhindert haben dies die Internet-Nutzer: Sie verlangen nach Inhalten und schaffen sie im Zweifelsfalle einfach selbst.

Arne Klempert, 2. Vorsitzender der Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. und Jurymitglied des BIENE-Award 2005

Nachhaltigkeit

Das Internet ist das weltweit umfangreichste Informationsarchiv. Seine nachhaltige Nutzung ist eine Aufgabe, die sich den Nutzern stellt, nicht dem Medium. Nachhaltige Nutzung setzt aber nachhaltige Nutzbarkeit voraus. Das bedeutet, allen Nutzern, den Weg zur Information zu ebnen. Das muss das Ziel der Medienentwickler sein.

Sabine Fischer, Geschäftsführerin der Collective Intelligence GmbH und Jurymitglied des BIENE-Award 2004

Design

Design soll helfen. Es soll Orientierung schaffen, Werte transportieren, Identität spiegeln. Formen allein sind funktionslos. Dieser Anspruch zeigt auch: Design ist nicht statisch. Es ist vielmehr ein Prozess, der ergebnis- und funktionsorientiert zu steuern ist. Nur, wenn das Design in einem Gesamtzusammenhang und System funktioniert, ist es gutes Design.

Ulrike Damm, Grafik-Designerin, Geschäftsführerin Damm und Lindlar Markenentwicklung und Corporate Design sowie Mitglied der Allianz deutscher Designer e.V.

Integration

Der Alltag behinderter Menschen ist mit vielfältigen Barrieren gespickt, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden. Im Internet haben wir die große Chance, keine neuen Barrieren zu errichten. Für Menschen mit und ohne Behinderung gilt dabei: Relevant ist das, was sie interessiert. Es gibt also keine »hochwertigen« Informationsangebote oder E-Government-Anwendungen und »minderwertige« Marketingwebseiten. Im Gegenteil: Auch und gerade Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf »Quatsch«

Ottmar Miles-Paul, Vorsitzender der Kooperation Behinderter im Internet – kobinet e.V.