BIENE-Award 2004 - Mitmachen lohnt sich

Mit dem BIENE-Award für barrierefreie Internet-Gestaltung wollen Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen die besten deutschsprachigen Webseiten prämieren. Wer beim BIENE-Award mitmachen will, muss sich beeilen: Die Bewerbungsfrist endet am 1. August 2004. Bis jetzt haben mehr als 1500 Verbände, Unternehmen und Behörden die Wettbewerbsunterlagen bei der Aktion Mensch und der Stiftung Digitale Chancen abgerufen.

Autorin: mar

»Das sind weit mehr als im letzten Jahr«, freut sich Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen. BIENE steht für »Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten«. »Mit dem Wettbewerb wollen wir zeigen, dass es möglich ist, Webseiten für alle verständlich und zugänglich zu gestalten«, sagt Iris Cornelssen von der Aktion Mensch. Dass dies noch keine Selbstverständlichkeit ist, erleben Internet-Nutzer fast täglich.

Wer beispielsweise mit dem Handy im Internet surft, stößt immer wieder auf Webseiten, die nicht zugänglich sind. Schuld daran trägt jedoch nicht das Mobiltelefon, sondern die jeweilige Webseite. Sie ist nicht barrierefrei programmiert und kann daher nicht von allen Ausgabegeräten bedient werden. Gerade Menschen mit Behinderungen, die auf spezielle Techniken zur Internetnutzung am Computer angewiesen sind, schließt das von vielen Web-Angeboten aus. Auch eine komplizierte Sprache oder unzureichende Link-Beschriftungen können jede noch so liebevoll und aufwändig gestaltete Webseite für bestimmte Benutzergruppen unbrauchbar machen.

Diese Erfahrung haben auch die Teilnehmer des BIENE-Award gemacht. »Der BIENE-Award ist eine gute zusätzliche Möglichkeit, die eigenen Angebote auf ihre Nutzbarkeit hin zu überprüfen«, sagt Astrid Hassenbach von WebMen Internet. Die Bremer Agentur zeichnet für den Internet-Auftritt der Bremischen Bürgerschaft verantwortlich, die 2003 mit einer silbernen BIENE ausgezeichnet wurde. Alle Wettbewerbsbeiträge müssen nicht nur die Prüfverfahren auf Grundlage der »Barrierefreien Informations-Technik-Verordnung« (BITV) sowie anderer relevanter Zugänglichkeitskriterien bestehen, sondern auch Praxistests mit betroffenen Usern. Für die Teilnehmer hat das strenge Auswahlverfahren viele Vorteile. Das zeigen auch die Erfahrungen der anderen Preisträger aus dem vergangenen Jahr.

»Wir haben von der Jury wertvolle Hinweise erhalten, wie wir unsere Seite weiter gestalten können«, sagt Anke Glasmacher, Mitarbeiterin des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, dessen Webangebot »SGB IX umsetzen« im letzten Jahr prämiert wurde. »Beim Relaunch unserer Seite Anfang des Jahres konnten wir einiges davon bereits berücksichtigen.«

Auch für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Köln hat sich die Teilnahme gelohnt. Ihre Webseite »Chancen für alle« erhielt eine bronzene BIENE im Bereich Kultur und Gesellschaft. »Wir haben ein sehr positives Feedback auf den Preis erhalten«, freut sich Uwe Classen, Sprecher der von Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie getragenen Initiative. »Die Auszeichnung ist für uns ein Image-Gewinn, denn sie zeigt, dass wir ein modernes, allen zugängliches Internet-Angebot haben.«

Den Anstoß für die Bewerbung gab die Berliner Agentur Aperto, die die Webseite betreut. »Die Gestaltung und Programmierung von barrierefreien Websites hat bei Aperto schon sehr lange hohe Priorität«, sagt Projektleiter Jan Eissmann. »Preise wie der BIENE-Award sind eine Bestätigung unserer Kompetenz. Das hilft uns bei der Kundenansprache.« Im Fokus der Agentur stehen vor allem öffentliche Auftraggeber, denn bis Ende 2005 müssen die Webangebote von Bundesverwaltungen barrierefrei sein. Entsprechende Verordnungen auf kommunaler und Länderebene sind bereits in Vorbereitung.

Das Düsseldorfer Innenministerium wollte so lange nicht warten. Als erstes Bundesland richtete es bereits im letzten Jahr für die Polizei eine Webseite ein, die für alle zugänglich ist. Projektleiter Guido Karl reichte das Web-Angebot beim BIENE-Award ein - und gewann die einzige goldene BIENE. In diesem Jahr wird er als Titelverteidiger wieder antreten. »Es gibt ja immer noch etwas zu verbessern«, sagt der 34-Jährige Polizeibeamte.

Doch es ist nicht nur sportlicher Ehrgeiz, der ihn treibt. »Durch die Teilnahme am BIENE-Award habe ich sehr viele neue Kontakte zu Programmierern, Designern und Organisationen von Menschen mit Behinderungen gewonnen.« Daraus habe sich ein persönliches Kompetenz-Netzwerk entwickelt. »Wenn ich bei der Weiterentwicklung unserer Website auf ein Problem stoße, kann ich einfach anrufen. Wir helfen uns gegenseitig.« Sein Fazit: »Mitmachen lohnt sich.«