BIENE-Award 2004 - Bewertungskriterien

Die Stiftung Digitale Chancen und die Aktion Mensch haben auf der Grundlage der Barrierefreie Informationstechnik Verordnung (BITV) ein Bewertungsverfahren entwickelt, um Internetangebote auf Barrierefreiheit zu überprüfen.

Die Wettbewerbsbeiträge werden zunächst durch Fachleute und Betroffene geprüft und bewertet. Ein fachlicher Beirat begleitet diesen Prozess. Eine Jury aus Menschen des öffentlichen Lebens bewertet anschließend die Wettbewerbsbeiträge nach allgemeinen Kriterien und verleiht die Preise. Dieses Verfahren stellt sicher, dass sowohl die »harten« Kriterien erfüllt werden als auch eine breite Akzeptanz für die eingereichten Arbeiten zu erwarten ist.

Die Kriterien orientieren sich an den folgenden Prinzipien:

Wahrnehmbarkeit

Alle in der Website enthaltenen Informationen und Funktionen müssen so dargestellt werden, dass sie von jeder Nutzerin und jedem Nutzer wahrgenommen werden können. So müssen für Blinde die eingesetzten Bilder und für Hörgeschädigte die verwendeten Töne durch beschreibende Texte ergänzt werden. Individuell einstellbare Schriftgröße und -farbe sowie Kontraste erleichtern Sehbehinderten die Nutzung.

Bedienbarkeit

Alle Elemente, die benötigt werden, um sich die Inhalte der Website zu erschließen, wie beispielsweise Schaltflächen, Menüleisten und Eingabefelder, müssen von jeder Nutzerin und jedem Nutzer bedienbar sein. Menschen mit bestimmten motorischen Beeinträchtigungen und blinde Menschen können die Computermaus nicht benutzen und sind daher auf eine vollständige Bedienbarkeit der Site über die Tastatur angewiesen. Die Website sollte die Nutzung in der eigenen individuellen Geschwindigkeit der NutzerInnen erlauben, ohne dass es durch Zeitbeschränkungen zum automatischen Abbruch von Vorgängen kommt.

Orientierung

Jede Nutzerin und jeder Nutzer möchte sich schnell und einfach innerhalb der Website orientieren und effizient bewegen können. Voraussetzung dafür ist die strikte Trennung von Inhalt, Funktion und Oberflächen-Design und eine wiederkehrende, sinnvolle Struktur für Seitenaufbau, Navigation und Inhalte.

Verständlichkeit

Eine klare und leicht verständliche Sprache kommt allen Besucherinnen und Besuchern einer Website zugute. Die Darstellung der Inhalte und die Beschreibung der Bedienelemente müssen daher leicht verständlich formuliert sein. Texte sollen so kurz und einfach wie möglich sein. Hierauf sind auch gehörlose Menschen sehr stark angewiesen, die mit Gebärden kommunizieren und für die die deutsche Sprache nicht die Muttersprache ist. Daneben können graphische Elemente die schriftlichen Informationen sinnvoll ergänzen.

Nachhaltige Nutzbarkeit

Menschen mit Behinderungen nutzen zum Teil Zugangstechnologien wie Vergrößerungssoftware, Screenreader-Software oder Spracheingaben. Die verwendeten Webtechniken sollen es daher erlauben, dass man mit aktuellen und zukunftsweisenden Technologien auf die Website zugreifen kann.

Inhaltliche Relevanz und Integration

Um das Ziel der digitalen Integration zu erreichen, sollten Webangebote für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen interessant und nutzbar sein. Websites, die sich an einen ganz speziellen Nutzerkreis richten, sollten so gestaltet sein, dass sie in Grundzügen auch allen anderen Nutzern inhaltlich zugänglich sind. Das Kriterium der Integration bedeutet auch, dass Websites, denen parallel ein vermeintlich barrierefreies Angebot zur Seite gestellt wird – beispielsweise Nur-Text-Versionen – prinzipiell nicht preiswürdig im Sinne des Biene-Awards sind.

Design

Barrierefreiheit schließt eine gute Gestaltung nicht aus und steht auch nicht im Widerspruch zu umfassenden Gestaltungskonzepten von Unternehmen und Organisationen. Im Gegenteil: Gerade gut gestaltete Websites erleichtern Nutzern die Orientierung. Deshalb berücksichtigt der Biene-Award auch ästhetische und ergonomische Kriterien.

Komplexität

Um die Vergleichbarkeit der Wettbewerbsbeiträge zu gewährleisten spielt neben den vorher genannten Aspekten auch die Komplexität des Angebotes eine Rolle. Damit stellt die Komplexität gewissermaßen ein übergeordnetes Prinzip dar, dessen Bewertung quer zu den anderen verläuft. Dabei können das Vorhandensein und die Funktionalität verschiedener der folgenden Aspekte bei der Evaluation betrachtet werden:

  • Orientierungsunterstützung
  • Fehlerhandling, Hilfe und Support
  • Komplexe Formulare
  • Komplexe Transaktionen
  • Shop mit Warenkorb- und Bezahlfunktion
  • Datenschutz
  • Werbung
  • Downloads und Formularserver
  • Newsletter / Antwortmails
  • Statistiken / Datentabellen
  • Komplexe Dokumente
  • Multimedia / Spiele / Videos / Animationen
  • Gebärdensprachfilme
  • Ergänzungen oder Zusatzangebote in Leichter Sprache

Die Liste der Kriterien, die bei der Teilnahme am Biene-Award 2004 anhand verschiedener Prüfschritte untersucht werden, ist unter www.einfach-fuer-alle.de/award2004/pruefkriterien/ verfügbar.