BIENE-Award 2003: Und der Gewinner ist…

Die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen haben gestern in Berlin die besten deutschsprachigen, barrierefreien Websites mit dem BIENE-Award ausgezeichnet. Die einzige goldene BIENE ging an die Polizei Nordrhein Westfalen, die mit ihrem Internetauftritt in der Kategorie E-Government siegte.

Foto: Die Sieger des BIENE-Awards
Bernd Müller (Vorsorgungsamt Heidelberg), Anke Glasmacher (SGB IX umsetzen), Astrid Hassenbach (Bremische Bürgerschaft), Sabine Dolderer (Denic eG), Petra Groß (Netzwerk People First), Guido Karl (Polizei NRW), Dr. Michael Charlier, Milka (viva).

Bundeswirtschaftminister Wolfgang Clement dankte Veranstaltern und Preisträgern. »Sie zeigen in beispielhafter Weise, dass man ansprechendes Design und behindertengerechte Bedienbarkeit gut miteinander verknüpfen kann. Sie setzen damit neue Qualitätsstandards und sind Vorbild für alle Anbieter.« Denn nur eine uneingeschränkte und barrierefreie Nutzung der neuen Kommunikationstechnologien garantiere, dass Menschen in einer modernen, zukunftsorientierten Gesellschaft, am sozialen, beruflichen und kulturellen Leben teilnehmen können, unterstrich Clement.

Weitere Preisträger in der Kategorie E-Government sind die Webangebote des Versorgungsamtes Heidelberg (Archivlink) und die Website der Bremischen Bürgerschaft, die mit einer silbernen BIENE geehrt wurden. Die Internetseite »SGB IX umsetzen« des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen erhielt eine BIENE in Bronze. In der Kategorie Wissenschaft und Forschung zeichnete die Jury die Websites des Studienganges Molekulare Biotechnologie der TU Dresden mit einer silbernen BIENE und das Schülerportal der Fachhochschule Frankfurt am Main mit einer bronzenen BIENE aus. Von den Wettbewerbsbeiträgen aus dem Bereich Kultur und Gesellschaft erhielt die Website der Initiative neue Soziale Marktwirtschaft eine BIENE in Bronze.

Einziger Preisträger in der Kategorie Medien ist der Nachrichtendienst des BIZEPS - Zentrum für Selbstbestimmtes Leben aus Wien, der eine bronzene BIENE bekam. Sonderpreise gingen an das Projekt »Lebenshilfe angesagt«, das sich speziell an Menschen mit Lernschwierigkeiten richtet und an zwei Angebote für gehörlose Menschen: das Gebärdensprach-Web-TV Focus 5 aus Zürich und die Webpublikation einer Diplomarbeit zu Zielvereinbarungen nach § 5 des Bundesgleichstellungsgesetzes.

Dieter Gutschick, Geschäftsführer der Aktion Mensch, hofft, dass der Wettbewerb dazu beiträgt, die Unternehmen der Internetbranche zu ermutigen, die Vorteile barrierefreien Webdesigns zu erkennen: »Für barrierefreie Angebote sprechen handfeste wirtschaftliche Gründe. Unternehmen erzielen mit barrierefreien Websites eine höhere Reichweite bei geringeren Kosten. Gleichzeitig ermöglichen sie damit allen Menschen neue Wege zur Teilhabe am sozialen, beruflichen und politischen Leben.«

Insgesamt hatten sich mehr als 170 Betreiber von Internetangeboten um den BIENE-Award beworben. BIENE steht dabei für »Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten». Nach einem Prüfverfahren auf Grundlage der »Barrierefreie Informationstechnik Verordnung» (BITV) hatten sich 23 Websites für Praxistests durch betroffene Nutzer qualifiziert. Die nun ausgezeichneten Websites bestanden auch diesen Test und wurden durch eine prominente Jury nach allgemeinen Kriterien wie Design und Inhalten bewertet. Barbara Hamm, Sprecherin der Jury und Chefredakteurin von stern.de, sieht die Preisträger auf einem guten Weg: »Die prämierten Angebote zeigen mit ihrer großen thematischen und inhaltlichen Bandbreite, dass sich barrierefreie Gestaltung und gutes Design nicht ausschließen. Leider war die Beteiligung in der Kategorie Medien sehr gering. Ich hoffe, dass der BIENE-Award auch in diesem Bereich noch für Impulse sorgen wird.«

Ziel der aufwändigen Bewertung war es, Angebote zu identifizieren, die für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen interessant und nutzbar sind. Herbert Kubicek, Professor für angewandte Informatik an der Universität Bremen und Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Digitale Chancen sieht in der gründlichen Evaluation einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einheitlichen Qualitätsstandards für barrierefreie Angebote im Web: »Im fachlichen Beirat des Wettbewerbs konnten wir die Kompetenz von Vertretern fast aller Organisationen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und -selbsthilfe versammeln, die sich für ein barrierefreies Web einsetzen. Gemeinsam haben wir Grundlagen erarbeitet, die den Anbietern und Gestaltern von Webangeboten in Zukunft helfen, die Barrieren im Web abzubauen.«

Dass barrierefreie Websites dabei oft die Spitze der technischen Möglichkeiten bilden, betont Iris Cornelssen, Projektleiterin für den Wettbewerb bei der Aktion Mensch: »Dem gesamten Wettbewerb liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass Menschen mit Behinderungen Vorreiter der Umsetzung technischer Standards im Internet sind. Immer mehr User nutzen andere Ausgabegeräte als Monitor und Tastatur. Barrierefreie Angebote sichern dabei Zugänglichkeit für alle. Denn Web-Präsenzen, die zum Beispiel für Braillezeile und Screenreader zugänglich sind, sind auch über Handy, PDA oder Auto-Bordcomputer zu erreichen. Davon profitieren alle - vor allem die Anbieter, weil barrierefreies Webdesign damit tatsächlich Kosten spart.«

»Durch den Biene-Award sind wir der Digitalen Integration von Menschen mit Behinderungen ein gutes Stück näher gekommen«, unterstreicht Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, die Signalwirkung des Wettbewerbs. »Nicht nur die Preisträger, sondern auch allen anderen 170 Teilnehmer haben gezeigt, dass sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Wir erwarten, dass in Zukunft nicht nur die Mindestanforderungen an Barrierefreiheit, sondern auch höhere Qualitätsstandards von vielen Betreibern eingehalten werden, damit alle Menschen gleichermaßen von den Chancen des Internet profitieren.«

Für Bundesinnenminister Otto Schily erfüllt die rege Teilnahme am BIENE-Award die Erwartungen der Bundesregierung an das Behindertengleichstellungsgesetz. Darüber hinaus verbindet Schily mit dem Wettbewerb auch Hoffnungen für die Zukunft: »Ich kann die Stiftung Digitale Chancen, die Aktion Mensch und die anderen Initiatoren des Wettbewerbs nur bitten, weiterzumachen.«

Weitere Informationen zur Verleihung:

Grußworte:

Reden:

Statements aus der Pressekonferenz: