Ein Paradies für die mobile Webentwicklung – das Open Device Lab

Das Testen von Webprojekten und mobilen Apps ist eine neue Herausforderung im täglichen Arbeitsalltag eines jeden Entwicklers. Die große Vielfalt der Geräte und Betriebssysteme, die in den letzten Jahren erschienen sind, macht dies noch schwieriger. Weil man kein Vermögen für zahlreiche unterschiedliche Testgeräte ausgeben möchte, eröffnen seit einiger Zeit immer mehr »Open Device Labs« ihre Pforten.
Sven Wolfermann erläutert, was das bedeutet und welche Vorteile dies vor allem auch für diejenigen bringt, die sich mit App- und Webentwicklung beschäftigen.

Stand: 06.05.2013, Autor: sw
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Hinter der Idee für das erste »Open Device Lab« steht der Gedanke eines »offenen Testlabors« für mobile Geräte. Sie entstand vor ca. einem Jahr in den Agenturräumen von Clearleft in Brighton (UK). Jeremy Keith, der Gründer von Clearleft, wollte die Geräte, die sich in seiner Agentur befanden, nicht nur für die eigene Mitarbeiterschaft, sondern auch für andere Entwickler zum Testen von Webanwendungen und Apps offen zugänglich machen. Was Jeremy Keith anfangs nicht gedacht hätte war, wie viele Entwickler dieser Idee folgten und ihm aus eigenen älteren Beständen Geräte spendeten, so dass die Geräteanzahl schnell wuchs und eine Bandbreite an unterschiedlichsten Herstellermarken und Versionen zur Verfügung stand.

Warum ist das Testen auf echten Geräten überhaupt notwendig?

Für jedes mobile Betriebssystem gibt es sogenannte Emulatoren, um die Entwicklung und Programmierung einer Anwendung zu testen. Um die responsive Website oder mobile Webapp im Desktop-Browser zu testen, gibt es für die Webentwicklung mittlerweile sehr gute Entwicklertools. Allerdings lassen sich Eigenschaften wie Multi-Touch-Gesten, hohe Pixeldichten (Retina-Displays von Apple), oder Prozessorleistung nicht simulieren und müssen zwingend auf echten Geräten getestet werden, um Fehler erkennen zu können. Viele Besonderheiten von Browser/Betriebssystemkombinationen, gerade auf Android-Betriebssystemen, lassen sich ebenfalls nicht zweifelsfrei simulieren und müssen unter realen Bedingungen ausprobiert werden. Dabei sollten speziell auch Größen von Buttons oder Links überprüfen, da die Bedienbarkeit und Performance auf mobilen Geräten eine große Rolle spielt. Außerdem können die Apps oder Websites dann auch mit den Eingabehilfen für Menschen mit Behinderung getestet werden. Dazu gehören etwa die Sprachausgabe, Sprachsteuerung oder Bildschirmvergrößerung.

Weiterhin sollte man unbedingt die Lesbarkeit der Texte überprüfen. Das iPad mini beispielsweise stellt die gleiche Anzahl an Pixeln viel kleiner dar als sein großer 10-Zoll-Bruder. Leider ist es auch durch die Abfrage der Geräteparameter nicht möglich, das iPad mini zu identifizieren, so dass man auch für diese »klein gezoomte« Ansicht eine gute Lesbarkeit vorhalten sollte. Dies kann man nicht am Desktop-Browser simulieren.

Speziell bei der Vielzahl der Smartphones gibt es teilweise große Unterschiede. Hier reicht die Pixeldichte mittlerweile von 0.75 bis 3.0 (Full HD). Gerade bei der Verwendung von Medien (Bilder, Videos) stellt das ein Problem dar, und eine akzeptable Lösung für das Projekt und die Zielgruppe muss gefunden werden.

Am Ende kommt man aber an Tests auf den einzelnen Geräten nicht vorbei, die meisten Emulatoren sind für diesen Zweck nicht ausreichend.

Der Mehrwert eines »Open Device Labs« liegt insofern auf der Hand. In einer Zeit steigender Verbreitung mobiler Endgeräte und wachsender Zugriffe über Smartphones und Tablets ist es enorm wichtig, seine Projekte auf unterschiedlichen Geräten sorgfältig zu testen. Dass der Bedarf da ist, zeigt die Nachfrage nach solchen Angeboten. Der Idee des »Open Device Labs« folgen seither schon über 50 andere Labs weltweit.

Wo finde ich Open Device Labs?

Ob es in der Nähe schon ein Open Device Lab gibt, kann man auf der Webseite opendevicelab.com überprüfen. Deutsche Open Device Labs gibt es mittlerweile in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Dortmund und Nürnberg.

Ist die eigene Stadt noch nicht vertreten und möchte man ein eigenes ODL anbieten, sollte man sich zuerst Gedanken über den Standort machen. Er sollte für alle frei zugänglich sein, möglichst an einem zentralen Ort liegen und genug Platz für die Testgeräte bereithalten. Ein unbenutzter Büroraum oder eine Bürogemeinschaften sind dafür ideal. Durch eine Initiative von Andre Jay Meissner und Bruce Bowman gibt es zudem eine Anlaufstelle für begeisterte Firmen, um ein eigenes ODL zu starten. Auf der Webseite lab-up.org kann man sich informieren, welche Schritte notwendig und sinnvoll sind, um ein Open Device Lab anzubieten. Zudem kann Lab-Up auch Kontakte zu Herstellern knüpfen, die manchmal auch Geräte sponsern.

Da es für einige Firmen aus vielen Gründen nicht möglich ist, Ihre Projekte außer Haus zu testen, gibt es jetzt auch ein mobiles ODL, bei dem man einen Gerätepark mieten kann. Informationen dazu findet man unter odl.maddesigns.de.