Barrierefreieres Multimedia – Flash und die WCAG-Richtlinien

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Übersetzung: tc

Teil 1: WCAG Checkpunkte und Richtlinien 1-5

Die Web Content Accessibility Guidelines 1 wurden hauptsächlich entwickelt, um die Barrierefreiheit im Netz zu fördern. Obgleich die WCAG 1 als ein »reference document for accessibility principles and design ideas« ( Chisholm et al, 1999) gedacht waren, so sind sie doch sehr HTML-zentriert. Dennoch sind diese Richtlinien in den meisten Ländern immer noch der Standard für Barrierefreiheit. In den folgenden Abschnitten betrachten wir anwendbare WCAG Checkpunkte oder Richtlinien, was diese für Flash MX bedeuten und welche Techniken den Flash-Entwicklern zur Verfügung stehen, um die entsprechende Problematik anzugehen.

Checkpunkt 1.1

Stellen Sie ein Textäquivalent für jedes Nicht-Text-Element bereit (z.B. über "alt", "longdesc" oder im Inhalt des Elements). Dies umfasst: Bilder, grafisch dargestellten Text (einschließlich Symbole), Regionen von Imagemaps, Animationen (z. B. animierte GIFs), Applets und programmierte Objekte, ASCII-Zeichnungen, Frames, Scripts, Bilder, die als Punkte in Listen verwendet werden, Platzhalter-Grafiken, grafische Buttons, Töne (abgespielt mit oder ohne Einwirkung des Benutzers), Audio-Dateien, die für sich allein stehen, Tonspuren von Videos und Videos.

Jedes Element, das für das Verständnis des Flash-Inhaltes und zur Navigation im Flash-Film wichtig ist, muss für eine Sprachausgabe zugänglich sein. Generell werden Fließtext, Texte in Buttons und Formularelemente von Sprachausgaben vorgelesen. Andere Elemente, die für eine Sprachausgabe zugänglich sein müssen, müssen ein explizit zugewiesenes Textäquivalent haben.

Die meisten Elemente können den Zugriff verhindern und man sollte sorgfältig überlegen, auf welche Elemente zugegriffen werden darf und auf welche nicht. Objekte, die aus mehreren Elementen bestehen, können in diesem Zusammenhang wichtig sein und die Barrierefreiheit des Objektes als Ganzes und des einzelnen Elementes muss betrachtet werden. Wichtig ist, dass nicht alle Elemente für eine Sprachausgabe zugänglich sein sollten.

Auch Fließtext selber kann zu der Liste der Flash-Elemente gehören, die ein Textäquivalent benötigen. Flash unterstützt die direkte Auszeichnung von Textbestandteilen wie Zitaten, Listen und Überschriften nicht, die der Sprachausgabe zusätzliche Informationen übergeben. Solche Informationen können durch ein Textäquivalent zur Verfügung gestellt werden.

Anmerkung: Flash MX Elemente, denen keine zugänglichen Textäquivalente zugewiesen werden können, sind unsichtbare Buttons und einige vorgefertigte Formularelemente, wie Combo Boxen, List Boxen und Scrollbalken.

Die Bereitstellung von Textäquivalenten für Animationen kann komplizierter sein. Einer Animation, die in einem kurzen Textäquivalent zusammengefasst werden kann, würde dieser Text als Textäquivalent für das Objekt als ganzes zugewiesen. Andere Animationen können nicht so einfach zusammengefasst werden und das Textäquivalent muß möglicherweise während der Animation geändert werden.

Bei Animationsschleifen wird nur einmal die Ankündigung durch ein Textäquivalent benötigt. Hier sollte man aber genau überlegen, wann und wie diese Textäquivalente zur Verfügung gestellt werden.

Techniken für 1.1:

Screenshot: Fenster 'Eingabehilfen' in Flash MXBei Flash MX-Elementen, denen man standardmäßig keine Textäquivalente zuweisen kann (wie grafische Gestaltungselemente) oder bei denen man den Zugriff durch eine Sprachausgabe nicht verbieten kann (wie statische Textfelder), kann man das Standardverhalten ändern, indem man diese als Movieclip-Symbol oder als Schaltflächensymbol speichert. Instanzen dieser Objekte kann man dann in Folge ein Textäquivalent zuweisen oder den Zugriff durch eine Sprachausgabe über das Fenster 'Eingabehilfen' verhindern. Die Checkbox 'Objekt mit Eingabehilfen versehen' im Fenster 'Eingabehilfen' kontrolliert den Zugriff der Sprachausgabe auf das Objekt und auf alle damit verbundene Textäquivalente.

Objekte, die aus mehr als einem Objekt bestehen, können den Zugriff von Sprachausgaben auf Child-Elemente durch die Checkbox 'Child-Objekte mit Eingabehilfen versehen' im Fenster 'Eingabehilfen' kontrollieren.

Elemente oder Objekte, die ein Textäquivalent benötigen, können dies durch die Felder 'Name' und 'Beschreibung' im Fenster 'Eingabehilfen' zur Verfügung stellen. Eines oder beide der Textfelder können genutzt werden, um das Textäquivalent anzubieten. Ein Objekt oder Element mit einem kurzen Textäquivalent sollte das Feld 'Name' im Fenster 'Eingabehilfen' nutzen, Objekte oder Elemente mit längeren Textäquivalenten das Feld 'Beschreibung'.

Die Hierarchie von Komponenten ist wichtig, um passende Textäquivalente für ein Objekt, das aus mehreren Komponenten besteht, zu bestimmen. Welche Komponenten und Unter-Komponenten werden zuerst angekündigt? Hat das einen Einfluss auf das Textäquivalent, das benutzt werden sollte?

Bei Buttons mit Grafiken (einschließlich Text, der als Grafik gespeichert wurde) muss ein Textäquivalent zur Verfügung gestellt werden.

Formularelemente können auch manuell erstellt werden, ähnlich den vorgefertigten in Flash MX, wobei eigene Textäquivalente zu den Unter-Komponenten hinzugefügt werden.

Checkpunkt 1.2

Stellen Sie redundante Textlinks für jede aktive Region einer Server-seitigen Imagemap bereit.

Checkpunkt 1.5

Bis Benutzeragenten Textäquivalente für Client-seitige Imagemaps darstellen, stellen Sie für jede aktive Region einer Client-seitigen Imagemap einen redundanten Textlink bereit.

Obwohl Flash nicht per se Imagemaps benutzt, so ist der Gebrauch der unsichtbaren Schaltflächen vergleichbar mit dem Gebrauch der Imagemaps in HTML. Unsichtbare Schaltflächen werden benutzt, um "hot-spots" zu kennzeichnen, die auf eine Interaktion durch den Benutzer reagieren. Obwohl Flash MX es erlaubt, den Eingabehilfen-Feldern für diese Buttons Werte zuzuordnen, so werden diese dennoch nicht vorgelesen. Darüber hinaus sind unsichtbare Schaltflächen vom Gebrauch eines Zeigewerkzeugs wie einer Maus abhängig. Wenn diese benutzt werden müssen, so stellen Sie redundante barrierefreie Links, wie Buttons, zur Verfügung.

Weiterhin sollten alle Funktionalitäten vermieden werden, die den Transfer von Informationen über die Koordinaten der Mausposition zur Weiterverarbeitung an den Server benötigen, da diese Informationen für assistive Technologien nicht zugänglich sind.

Checkpunkt 1.4

Synchronisieren Sie für jede zeitgesteuerte Multimedia-Präsentation (z. B. Film oder Animation) äquivalente Alternativen (z. B. Untertitel oder Audio-Beschreibungen der Videospur) mit der Präsentation.

Techniken für 1.4:

Es gibt mindestens vier Wege, um Untertitel hinzuzufügen:

  • Manuell – hinzufügen von Text zur Zeitleiste;
  • via RealPlayer und QuickTime Player – wenn diese das Zielformat sind, dann fügen Sie Untertitel entsprechend dem Format des Players hinzu;
  • Import eines mit Untertiteln versehenen QuickTime-Films – importiert als "overall visual format";
  • XML caption data – importieren Sie eine XML-Datei mit zeitgesteuerten Untertiteln über die Captioner-Erweiterung.

Die Optionen unterscheiden sich in der Qualität des Textrenderings und der Einfachheit der Implementierung. Derzeit gibt es keinen Konsens in Bezug auf die beste Vorgehensweise. Es sollte immer die Option ausgewählt werden, die dem Benutzer so viel Kontrolle über die Darstellung wie möglich erlaubt, ohne dabei einen Qualitätsverlust zu erleiden. Beispiele finden Sie in den Referenzen.

Checkpunkt 3.3

Verwenden Sie Stylesheets, um Layout und Präsentation zu beeinflussen.

Benutzeragenten haben derzeit nicht die Fähigkeit, auf die Darstellung von Inhalten in Flash zuzugreifen und diese zu ändern. Der Flash-Film selbst muss dem Benutzer diese Fähigkeit anbieten.

Erlauben Sie es den Benutzern insbesondere, die folgenden Dinge zu ändern:

  • Schriftgrad,
  • Zeichensatz,
  • Kombinationen von Vordergrund (Zeichensatz) und Hintergrundfarbe.

Techniken für 3.3:

Das ActionScript Color-Objekt kann benutzt werden, um Farben auf Flash-Inhalte anzuwenden oder diese zu modifizieren und das ActionScript TextFormat-Objekt kann benutzt werden, um Texteigenschaften zu modifizieren. Autoren sollten Buttons mit diesen Funktionalitäten hinzufügen, um es dem Benutzer zu erlauben, diese Merkmale des Flash-Films zu kontrollieren.

Checkpunkt 3.4

Verwenden Sie relative anstelle von absoluten Einheiten in den Attributwerten der Auszeichnung-Sprache und Stylesheet-Property-Werten.

HTML ermöglicht durch die Benutzung von relativen Einheiten eine Skalierung, um den vorhandenen Platz innerhalb des Browserfensters auszunutzen und einfach die Schriftgrößen zu verändern. Bis Benutzeragenten Zugriff auf Inhalte von Flash haben, um dem Benutzer die gleiche Kontrolle zu erlauben muss der Flash-Film selbst diese Fähigkeiten anbieten.

Techniken für 3.4:

Der Flash-Film sollte so eingebunden werden, dass er die zur Verfügung stehende Bildschirmfläche ausnutzt. Alternativ können dem Benutzer Skalierungsoptionen angeboten werden.

Darüber hinaus sollte die Zoom-Möglichkeit nicht ausgeschaltet werden, die über die rechte Maustaste im Kontextmenü als Option einer Flash-Anwendung unter Windows erreichbar ist. Ein Zugriff auf dieses Feature ist über eine Tastatur unmöglich. Daher sollte man dem Flash-Film selbst Buttons hinzufügen, um dem Benutzer die Änderung der Zoom-Einstellungen zu ermöglichen.

In einigen Filmen kann das Zoom-Feature unpassend sein. Bieten Sie für diese Fälle oder auch generell eine Methode an, um die Schriftgröße zu verändern. Das ActionScript-Objekt TextFormat kann benutzt werden, um die Textgröße zu verändern. Beispiele finden Sie in den Referenzen.

Checkpunkt 3.5

Verwenden Sie Überschriften-Elemente, um die Struktur eines Dokuments darzustellen und verwenden Sie sie gemäß der Spezifikation.

Flash unterstützt derzeit keine strukturelle Auszeichnung von Überschriften. Das bedeutet, dass Browser oder assistive Technologien die Auszeichnung der Überschriften nicht zur Navigation benutzen können. Es können aber Textalternativen und Beschreibungen benutzt werden, um die Identifikation einer Überschrift durch eine Sprachausgabe zu imitieren.

Techniken für 3.5:

Benutzen Sie ein dynamisches Textfeld für die Überschrift. Stellen Sie sicher, dass die Checkbox 'Objekt mit Eingabehilfen versehen' ausgewählt ist und fügen Sie den Zusatz "Überschrift" im Feld 'Beschreibung' des Fensters 'Eingabehilfen' ein. Der Wert des Feldes 'Beschreibung' wird in diesem Fall vor dem Inhalt des dynamischen Textfeldes ausgegeben.

Checkpunkt 3.6

Verwenden Sie korrekten Auszeichnung für Listen und Listenelemente.

Flash unterstützt derzeit keine strukturelle Auszeichnung von Listen. Es können aber Textalternativen und Beschreibungen benutzt werden, um die zusätzlichen Informationen einer entsprechenden Auszeichnung zu imitieren.

Techniken für 3.6:

Benutzen Sie ein dynamisches Textfeld für die Liste. Abhängig von der Art der Liste benutzen Sie entweder das Feld 'Beschreibung' alleine oder in Kombination mit dem Inhalt des Textfeldes, um die Informationen zu vermitteln. Die Auswahl der Checkbox 'Objekt mit Eingabehilfen versehen' kontrolliert den Zugriff auf den Inhalt des Textfeldes. Zum Bespiel ist nur ein 'Beschreibung' mit dem Wert "Liste" oder "Liste mit x Einträgen" notwendig, wenn die Listeneinträge durch den Inhalt des Textfeldes nachvollziehbar für eine Sprachausgabe darstellt werden. In anderen Fällen kann es sein, dass eine Sprachausgabe Zeichen nicht ansagt, die Listeneinträge kennzeichnen, wie zum Beispiel das Zeichen "* ". Hier muss das Feld 'Beschreibung' benutzt werden, um die entsprechende Identifikation zu gewährleisten.

Zum Beispiel könnte eine Liste wie:
"Benötigte Materialien:

  • Füller
  • Bleistift
  • Radiergummi
  • Papier."

diese Textalternative haben: "Liste der benötigten Materialien: Füller; Bleistift; Radiergummi; Papier; Ende der Liste." Das Semikolon wird von einer Sprachausgabe angesagt und trennt die Listeneinträge klar voneinander ab.

Gruppierte Textfelder können zu Movieclips konvertiert werden, um einen Zugriff auf die Felder des Fensters 'Eingabehilfen' zu ermöglichen.

Checkpunkt 3.7

Verwenden Sie Markup für Zitate. Verwenden Sie keinen Markup, der für Zitate gedacht ist, um visuelle Effekte wie Einrückung zu erzielen.

Flash unterstützt derzeit keine strukturelle Auszeichnung von Zitaten. Es können allerdings Textalternativen oder Beschreibungen benutzt werden, um die zusätzlichen Informationen einer entsprechenden Auszeichnung zu imitieren.

Techniken für 3.7:

Benutzen Sie ein dynamisches Textfeld für das Zitat. Stellen Sie sicher, dass die Checkbox 'Objekt mit Eingabehilfen versehen' ausgewählt ist und fügen Sie den Zusatz "Zitat" im Feld 'Beschreibung' des Fenster 'Eingabehilfen' ein. Der Wert des Feldes 'Beschreibung' wird in diesem Fall vor dem Inhalt des dynamischen Textfeldes ausgegeben.

Checkpunkt 4.2

Spezifizieren Sie die Ausschreibung jeder Abkürzung und jedes Akronyms an der Stelle des ersten Auftretens.

Flash unterstützt derzeit noch nicht die strukturelle Auszeichnung von Abkürzungen und Akronymen. Daher sollten Sie sicherzustellen, dass Abkürzungen und Akronyme beim ersten Gebrauch innerhalb der Flash Anwendung ausgeschrieben oder erklärt werden.

Techniken für 4.2:

Wenn Abkürzungen und Akronyme nicht im Text ausgeschrieben werden können, dann stellen Sie die ausgeschriebene Version über eine Textalternative des Akronyms oder der Abkürzung zur Verfügung, indem Sie die Eingabehilfen-Felder 'Name' und 'Beschreibung' benutzen.

Um Sprachausgaben bei der nicht-visuellen Identifikation und der korrekten Aussprache zu unterstützen, rücken Sie die Buchstaben durch Leerzeichen auseinander (sperren) um sicherzustellen, dass jedes Zeichen ausgesprochen wird. Dies kann im Text selbst oder in der Textalternative geschehen.

Richtlinie 5

Erstellen Sie Tabellen, die geschmeidig transformieren.

Flash MX hat nicht die Fähigkeit, tabellarische Daten wie in HTML auszuzeichnen. Stellen Sie sicher, dass die visuellen Darstellungen von tabellarischen Daten in einzelne Elemente mit ausreichend detaillierten zugänglichen Textäquivalenten gruppiert werden. Das Textäquivalent sollte eine kurze Überschrift, eine Zusammenfassung und eine Beschreibung der Daten in einem Format enthalten, damit jemand, der die Informationen nur hört, den Sinn versteht. Bei komplexen oder großen Tabellen ist es notwendig, einen Link zu einer HTML-Seite anzugeben, in der die Datentabelle mit zugänglichem HTML ausgezeichnet ist.