BITV Reloaded – Anforderung 3

Stand: 26.02.2007

Bedingung 3.4: Maßangaben variabel (Prio. 1)

»Es sind relative anstelle von absoluten Einheiten in den Attributwerten der verwendeten Markup-Sprache und den Stylesheet-Property-Werten zu verwenden.«

  • BIENE
  • BIENE
  • BIENE
  • BIENE
  • WCAG 1
  • WCAG 2

Was heißt das?

Kontrovers

Wenn Sie diese Frage im Jahr 2006 gestellt hätten, dann hätten wir eine eindeutige Antwort gewusst: alles was dem Benutzer dabei hilft, ein Dokument oder eine Anwendung an seine Bedürfnisse anzupassen, sollte flexibel bemaßt werden. Dazu zählen Schriftgrößen, die sich nach den Voreinstellungen der Nutzer richten sollen und Spaltenbreiten in mehrspaltigen Layouts, die sich per CSS ebenfalls flexibel anlegen lassen.

Übrigens: hierbei handelt es sich um eine fehlerhafte Formulierung der BITV bzw. der WCAG 1.0. Formaljuristisch betrachtet bedeutet diese Bedingung, dass Sie weiterhin alles in der Einheit px (Pixel) bemaßen dürfen: px ist laut der CSS-Spezifikation eine relative Einheit, da die Größe der Pixel abhängig von der Bildschirmgröße und -auflösung ist. Wir können uns aber denken was gemeint ist und ignorieren diesen Fehler.

Sämtlichen Inhalte einer HTML-Seite können via CSS nicht nur Informationen über ihr Aussehen, sondern auch über ihre Größe und Position mitgegeben werden. Für Datentabellen können Sie natürlich weiterhin die Bemaßungen im HTML-Code angeben und trotzdem die BITV erfüllen. Sie sollten nur darauf achten, dass diese Bemaßungen nicht in starren Einheiten (also Pixel, Punkt, cm, mm oder Zoll), sondern flexibel (also em, ex oder %) gesetzt werden. Nur so passen sich Spalten oder Tabellen an die Größe des Browserfensters an.

Eingebettete Rasterbilder haben generell Pixeldimensionen; allerdings gibt es auch Methoden, die Breite von Bildern in em oder % anzugeben, so daß diese bei Größenänderungen ›gezoomt‹ werden – wenn auch bei starker Vergrößerung mit nicht immer optimalen Ergebnissen. Wenn es Ihre Gestaltung und die Inhalte zulassen können Sie auch andere eingebettete Inhalte wie z. B. Flash relativ bemaßen.

Ausnahmen kann und sollte es auch hier geben:

  • Größenangaben für Gestaltungselemente wie Ränder, Linien etc. können Sie natürlich weiterhin in Pixel angeben.
  • Im Style Sheet für die Druckausgabe ist es sinnvoller, die Angaben für Dimensionierung und Platzierung in cm oder mm zu setzen und die Angaben für Schriftgrade in typografischen Punkten (pt).

Aaaaber…

Screenshot: Funktion zur Änderung der Schriftröße im Internet Explorer So einfach ist die Antwort aber in 2007 nicht mehr. Mit dem Erscheinen des Internet Explorer 7 hat sich die Grundlage für diese Bedingung in Luft aufgelöst. Sie war ursprünglich dazu gedacht Browsern auf die Sprünge zu helfen, die in px bemaßte Elemente (insbesondere Texte) nicht skalieren konnten. Hierzu gehörten insbesondere die Vorgänger des IE7 bis einschließlich zur Version 6. Streng genommen konnten auch diese schon jegliche Texte skalieren, die Option hierfür war nur a. werksseitig ausgeschaltet und b. nicht unmittelbar zu finden.

Mit dem Erscheinen des IE7 zieht Microsoft mit Opera gleich und bietet eine echte Zoom-Funktion, mit der sich ganze Seiten skalieren lassen. Eine ähnliche Funktion ist dem Vernehmen nach für die kommende Firefox-Version 3.0 in Planung, sie lässt sich aber auch jetzt schon mit der Erweiterung PageZoom nachrüsten. Zudem skaliert der Internet Explorer 7 auch in px bemaßte Texte, wie dies bisher schon sämtliche anderen Browser wie Mozilla, Firefox und Safari getan haben.

Welche Auswirkungen dies auf die verschiedenen Ansätze zur flexiblem Bemaßung haben wird, lässt sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht sagen – dafür sind die Konzepte noch zu neu und mögliche Lösungen noch zu wenig erprobt.