Zett Punkt Bee Punkt

Die Forderung aus der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV), Abkürzungen und Akronyme mit (X)HTML-Elementen auszuzeichnen, stellt viele Webentwickler vor echte Probleme. Für das erste Auftreten einer Abkürzung wird in der BITV deren Auflösung gefordert.

Tags: , , , ,

Stand: 14.09.2005, Autor: jeh

Wortwörtlich heißt es:

Abkürzungen und Akronyme sind an der Stelle ihres ersten Auftretens im Inhalt zu erläutern und durch die hierfür vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache kenntlich zu machen

In (X)HTML kann diese »Kenntlichmachung«, also die Auszeichnung, mit den Elementen ACRONYM und ABBR erfolgen.

Es geht bei diesem Thema in erster Linie um Verständlichkeit und die Notwendigkeit der Erläuterung von Abkürzungen, die von vielen Nutzern mit Sicherheit nicht verstanden werden. Das Spannungsfeld liegt hier zwischen »Das versteht doch jeder« und »Kein Mensch weiß, was das heißt«. Je mehr Sie sich mit dem Thema befassen, desto deutlicher wird Ihnen sicher auch, dass der Nutzen nicht immer klar abzugrenzen ist. Gleichzeitig ist der Aufwand für eine befriedigende Lösung nur mit automatisierten Verfahren in Grenzen zu halten. In diesem Beitrag werden viele Fragen, die bei der Umsetzung dieser Anforderung entstehen, angesprochen und Lösungen diskutiert.

Was sind Abkürzungen und Akronyme?

Um die Auszeichnung von Abkürzungen und Akronymen in (X)HTML-Dokumenten sinnvoll umzusetzen, könnten Sie im Duden nachschauen, was genau der Unterschied zwischen diesen Begriffen ist.

Nach dem Deutschen Universalwörterbuch, 5. Auflage (Mannheim 2003) ist:

Abkürzung:
… 3. abgekürztes Wort; Abk.: Abk.
Akronym:
aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort (z. B. EDV aus elektronische Datenverarbeitung).

Zugegebenermaßen ist die Abgrenzung zwischen beiden Begriffen nicht eindeutig. Auch ist bei der Definition von »Akronym« offensichtlich, dass das angegebene Beispiel nur aus zwei Wörtern besteht. Hingegen enthält das Akronym im selben Beispiel drei Buchstaben.

Um die Abgrenzung etwas zu vereinfachen gehen wir davon aus, dass Akronyme in der gesprochenen Sprache auch in der abgekürzten Form benutzt werden; »HTML« heißt zwar »HyperText Markup Language«, aber fast jeder spricht von »HTML« und deshalb ist »HTML« in diesem Sinne ein Akronym.

Kommt Ihnen die Abgrenzung zu einfach vor? Lesen Sie trotzdem bis zum Ende weiter, um den praktischen Nutzen dieser Abgrenzung und eine technisch realisierbare Lösung für diese Anforderung aus der BITV zu erfahren.

Erfordernis nach Erläuterung

Vermittlung der Inhalte an den Nutzer

Bei der Auszeichnung von Akronymen und Abkürzungen geht es sicher nicht alleine darum, Standardkonformität durch semantische Auszeichnung zu erzielen. Beispielsweise wird durch die Auszeichnung von »ÖPNV« als acronym>ÖPNV</acronym> keine zusätzliche Information an den Leser vermittelt, außer eben dass es sich um ein Akronym handelt. Das wiederum dürfte dem Nutzer bereits klar sein. In manchen Browsern wird der Text durch eine gepunktete Unterstreichung oder ähnliches gekennzeichnet und der Nutzer fragt sich eventuell, warum das so ist.

Die Auszeichnung eines Akronyms oder einer Abkürzung ohne das title-Attribut kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein, etwa wenn Sie mit Hilfe von Skripten und einer Datenbank die title-Attribute zu einem späteren Zeitpunkt einpflegen wollen.

Vielmehr – und das obwohl man davon ausgehen kann, dass Leser diesen Begriff kennen müssten - könnte sich ein Leser fragen, was »ÖPNV« heißt. In (X)HTML kann die Erläuterung durch das title-Attribut kenntlich gemacht werden: acronym title="Öffentlicher Personennahverkehr">ÖPNV</acronym>. Das hat zur Folge, dass in den meisten grafischen Desktop-Browsern die Erläuterung »Öffentlicher Personennahverkehr« als Sprechblasentext (neudeutsch: Tooltip) angezeigt wird, wenn ein Nutzer mit der Maus über »ÖPNV« fährt.

Screenshot: Firefox: Das Akronym 'ÖPNV' wird im Fließtext hervorgehoben, und bei Mausberührung erscheint die Erläuterung als Sprechblasentext

Nutzer von Screenreadern haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich die Erläuterung anstatt des Akronyms ausgeben zu lassen. Das title-Attribut ersetzt das Akronym beziehungsweise die Abkürzung.

Screenshot: JAWS 6.1: In den HTML-Optionen kann im Screenreader JAWS das Ausgabeverhalten für Akronyme und Abkürzungen einzeln gesteuert werden. In der dargestellten Einstellung werden Abkürzungen aufgelöst (sofern title für ABBR vorliegt) und Akronyme nicht.

Ähnlich wie bei JAWS bieten andere Hilfsmittel solche Funktionen. Der IBM Home Page Reader ab der Version 3.04 bietet eine vergleichbare Funktion »Abkürzungen und Akronyme erweitern«, die wie in JAWS zum Ersetzen einer Abkürzung durch das title-Attribut führt. Im Gegensatz zu JAWS erlaubt der Home Page Reader nur die Auflösung entweder beider oder keiner der (X)HTML-Elemente.

Der Screenreader Window Eyes differenziert wie der Home Page Reader nicht zwischen ACRONYM und ABBR, erlaubt aber weitere Einstellungen. In den Versionen 4.05 und 5 können folgende Einstellungen vorgenommen werden:

Type einbeziehen:
Gelesen wird die Abkürzung und der Typ, also ob es sich um ein Akronym oder eine Abkürzung handelt.
Erweitern:
Es werden sowohl Abkürzung als auch Erläuterung ausgegeben. Der Typ wird ebenfalls angegeben.
Ersetzen:
Es wird nur die Erläuterung (title-Attribut) einer Abkürzung ausgegeben. Der Typ wird nicht ausgegeben.
Keine Interpretation:
Die Auszeichnung im (X)HTML-Dokument wird ignoriert und Abkürzungen werden so ausgegeben, wie sie ohne Auszeichnung ausgegeben werden würden.

Andere Anwendungen wie der Webformator 2.2 oder Lynx unterstützen weder ACRONYM noch ABBR. Entsprechend sind Screenreader, die auf solche Software aufsetzen, auch nicht in der Lage, das title-Attribut als Ersatz für eine Abkürzung voreinzustellen.

Zwei grundlegende Aspekte bei der Auszeichnung von Abkürzungen

Bei der Auszeichnung von Abkürzungen geht es in aller Regel um die Verständlichkeit, aber es gibt auch weitere Aspekte, die bei der Auszeichnung zu berücksichtigen sind.

Verständlichkeit

Im Zweifel sind Abkürzungen dem Nutzer unbekannt, entweder weil die Abkürzungen nicht allgemein bekannt sind oder weil dem Nutzer die deutsche Sprache oder das Thema des Textes nicht so geläufig ist. Hier können sicher auch Abstufungen vorgenommen werden, etwa:

Akronyme, die allgemein als Abkürzungen gesprochen und genutzt werden (»EU«, »DFB«, »UKW« …). Es wird davon ausgegangen, dass die meisten Leser deren Bedeutungen kennen: »Europäische Union«, »Deutscher Fußballbund« und »Ultrakurzwelle«. Im deutschen Sprachraum haben diese Akronyme einen hohen Bekanntheitsgrad.

Akronyme, die allgemein als Abkürzungen gesprochen und genutzt werden, aber deren Auflösung weniger bekannt sind wie beispielsweise »ISDN« und »Radar«. Obwohl sich zwar die meisten Leser unter diesen Begriffen etwas vorstellen können, so werden doch die wenigsten spontan deren Auflösungen nennen können: »Integrated Services Digital Network« und »Radio Detection And Ranging«. Zu dieser Gruppe gehören auch Akronyme, die längst Eingang in die Umgangssprache gefunden haben. Ein Beispiel ist das Akronym »Azubi« (Auszubildender), das mit »Azubine« sogar eine weibliche Form hat.

Akronyme, die nicht geläufig sind, weil in der Regel nicht von allgemeinem Interesse, sind zum Beispiel »A12« und »CWS«. Dies sind Abkürzungen, die zwar einer bestimmte Zielgruppe bekannt sind, aber nicht der Allgemeinheit, und deswegen verwechselt werden können. Hier sind der Ausschuss 12 des Landtags Nordrhein-Westfalen und die Christian-Wirth-Schule in Usingen gemeint. Zu dieser Gruppe von Begriffen zählen auch (bekannte) Abkürzungen wie »IR«, das dem häufigen Bahnfahrer »InterRegio« sagt, aber dem Unternehmensberater »Investor Relations« und dem CSS-Coder »Image Replacement«.

Ob eine Abstufung wirklich Sinn macht, ist zu bezweifeln. Vielmehr sollte davon ausgegangen werden, dass ein Nutzer im Zweifel die Bedeutung eines Akronyms nicht kennt und dass die Erklärung zugänglich gemacht werden sollte. Spätestens, wenn Sie den Acronym Finder oder www.abkuerzungen.de nutzen, sehen Sie, warum die Erklärung wichtig ist: Die meisten Akronyme haben mehrere Bedeutungen.

Aussprache

In Screenreadern und Sprachausgaben hilft es dem Lesefluss, wenn Abkürzungen, die sonst immer ausgesprochen werden, ebenfalls durch Auszeichnung im HTML aufgelöst werden. Abkürzungen, die oft in der Schriftform abgekürzt werden, aber in der gesprochenen Sprache ausgesprochen werden sind zett punkt bee punkt »z. B.«, »Abb.« (Abbildung) oder »Dr.« (Doktor).

Solche Abkürzungen können auch unverständlich sein, wenn Sie bedenken, dass nicht jeder Leser im Web die deutsche Sprache gut beherrscht.

Die vorgesehenen Elemente in (X)HTML

Die möglichen Elemente

Von HTML 4 aufwärts sind die vorgesehenen Elemente zur Auszeichnung von Akronymen und Abkürzungen die Elemente ABBR (abbreviation = Abkürzung) und ACRONYM.

Mitte der 90er Jahre, als die Spezifikation für HTML 4 noch entwickelt wurde, war die Situation übrigens genau umgekehrt zum jetzigen Entwurf von XHTML 2: ACRONYM wurde spezifiziert, ABBR zunächst nicht. Auf dieser Grundlage wurde der Microsoft Internet Explorer 4 entwickelt und freigegeben. Trotz Berücksichtigung des ABBR-Elements in der endgültigen Spezifikation von HTML 4 und vieler neuer Versionen des Browsers bleibt dieser Fehler bis heute bestehen.

Im Arbeitsentwurf von XHTML 2 ist das ACRONYM-Element allerdings nicht mehr vorgesehen, sondern nur noch ABBR. Sie könnten also direkt auf ABBR setzen, aber es gibt hier noch ein kleines Problem: Der heute maßgebliche Browser Microsoft Internet Explorer (einschließlich Version 6) unterstützt nur ACRONYM.

Da es in erster Linie um Verständlichkeit für den Nutzer geht, kann im Sinne des Nutzers zurzeit nicht auf ACRONYM zugunsten von ABBR verzichtet werden.

Damit ein Akronym oder eine Abkürzung verständlicher wird, benötigen diese Sprachelemente Erläuterungen. Die Erläuterungen für ACRONYM und ABBR gehören in das title-Attribut des jeweiligen (X)HTML-Elements. Es gibt hier zwei Einschränkungen:

  1. Das Anzeigen der vollständigen Schreibweise wird in den meisten Browsern nur durch Mausberührung ausgelöst. Dee punkt ha punkt, die Verwendung von (X)HTML-Elementen zur Erläuterung einer Abkürzung ist im höchsten Maße mausabhängig, da sie bei Tastaturbedienung nicht angezeigt werden. Diese Technik ist somit nicht zugänglich für Tastaturnutzer.
  2. ABBR wird vom Microsoft Internet Explorer bisher nicht unterstützt, so dass alle Erläuterungen zu Abkürzungen vielen Nutzern nur dann zur Verfügung stehen, wenn diese mit ACRONYM ausgezeichnet werden.

Der semantische Missbrauch

Aber weil es zwei (X)HTML-Elemente gibt, können diese verschiedentlich eingesetzt werden. Technisch sieht es so aus, dass ACRONYM und ABBR die selbe Funktionalität in der Zugangssoftware bieten.

Eine Differenzierung nach linguistischen Maßstäben ist sicher auch weder Aufgabe von (X)HTML noch eines Webentwicklers. Dafür ist die Abgrenzung beider Begriffe nicht eindeutig genug und vermutlich von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Kleine Besonderheiten in jeder Sprache werden mit zwei (X)HTML-Elementen nicht abgebildet werden können.

Der gezielte Einsatz von

  • ACRONYM sollte zur Förderung der Verständlichkeit
  • ABBR kann für den Lesefluss in Sprachausgaben

genutzt werden. Diese Empfehlung gilt solange, bis alle Browser XHTML 2 unterstützen.

Das ist semantischer Missbrauch, das sind aber nicht die vorgesehenen Elemente, das ist schlichtweg falsch? Aus linguistischer Sicht haben Sie sicher Recht, dennoch drei gute Gründe:

  1. HTML ist eine Auszeichnungssprache, die die Komplexität einer Sprache semantisch nicht abbilden kann.
  2. ACRONYM und ABBR funktionieren auf einer Webseite in identischer Weise. Es würde ein einziges (X)HTML-Element für diese Funktion ausreichen, ob es ACRONYM, ABBR, RUBY oder SONSTWAS heißen würde.
  3. Es geht darum, die Verständlichkeit für Ihre Leser zu fördern und ACRONYM ist derzeit die standardkonforme Alternative, von der die meisten Nutzer profitieren.

(X)HTML und die Semantik einer Sprache

Es gibt viele Beispiele über den Sinn und Unsinn der Abgrenzung von Abkürzungen und Akronymen. Die Diskussion wird immer wieder geführt und ein abschließendes Ergebnis ist weder für die deutsche Sprache noch auf internationaler Ebene zu erwarten. In Bezug auf die (X)HTML-Elemente soll ein einziges Beispiel für die Banalität der Diskussion reichen.

Es gibt Akronyme wie »DV« (Datenverarbeitung), die auch in zusammengesetzten Wörtern genutzt werden, etwa »DV-Kauffrau«. Weil in der deutschen Sprache bei solchen zusammengesetzten Begriffen oft ein »s« hinzukommt, also »Datenverarbeitungskauffrau«, stellt sich die Frage, was in das title-Attribut für »DV« hineingehört:

acronym title="Datenverarbeitung">DV</acronym>-Kauffrau
oder
acronym title="Datenverarbeitungs">DV</acronym>-Kauffrau

Die Antwort hängt von den späteren Akteuren ab. Zur Förderung der Verständlichkeit ist sicher die erste Variante besser und richtiger. In alternativer Zugangssoftware, in der das title-Attribut das Akronym ersetzt, ist die zweite Alternative Variante besser. Wenn Sie ein Werkzeug einsetzen, das anhand der ausgezeichneten Akronyme und Abkürzungen automatisch ein Abkürzungsverzeichnis erzeugt, werden Sie sich wieder für die erste Variante entscheiden. Diese, wie viele andere, Besonderheiten einer Sprache können mit (X)HTML nicht abgefangen werden.

Die linguistische Diskussion kann aus diesem und vielen anderen Gründen nicht mit (X)HTML-Spezifikationen argumentiert werden. (X)HTML kann lediglich zur Strukturierung von Inhalten eingesetzt werden.

Alternative ohne (X)HTML

Guter Schreibstil ist zum Beispiel, Akronyme beim ersten Auftreten in einem Dokument auszuschreiben und die Abkürzung in Klammern dahinter zu setzen, etwa »Web Accessibility Initiative (WAI)«. Da es in der Anforderung der BITV zunächst nur um das erste Vorkommen einer Abkürzung bzw. eines Akronyms geht, dürfte diese Vorgehensweise hinreichend zur Erfüllung der Bedingung 4.2 sein, auch wenn weder ACRONYM noch ABBR verwendet werden.

Es geht darum, dass ein Nutzer die erforderlichen Informationen bekommt, einen Text zu verstehen. Dadurch, dass das erste Vorkommen ausgeschrieben wird, hat der Nutzer zumindest die Chance, die Bedeutung des Akronyms zu verstehen. Und hier ist schon die erste Falle der BITV-Bedingung. Es wird verlangt, dass die Erklärung eines Akronyms oder einer Abkürzung mit der verwendeten Markup-Sprache kenntlich gemacht wird. Aber wenn der Text von sich aus verständlich geschrieben ist und Akronyme ausgeschrieben werden, dann ist die Verwendung von ACRONYM und ABBR unnütz oder gar an den vermeintlichen Nutznießern vorbei gezielt.

Beispielsweise hat
Web Accessibility Initiative (<acronym>WAI</acronym>)
keinen besonderen Nutzen für einen Leser, wie weiter oben schon beschrieben. Dies liegt unter anderem daran, dass aurale CSS-Eigenschaften wie speak:spell-out; von Sprachausgaben nicht unterstützt werden. Wenn die Unterstützung gegeben wäre, so könnte das Buchstabieren des Akronyms über CSS gesteuert werden

Vielmehr wird die Ausgabe einer bestimmten Abkürzung der Zugangssoftware überlassen. Die meisten Screenreader haben die Möglichkeit, mit einem benutzerdefinierten Wörterbuch die Aussprache bestimmter Begriffe, also auch Abkürzungen, selbst zu bestimmen.

Screenshot: JAWS 6.1: Mit dem Wörterbuchmanager kann die Aussprache eines bestimmten Begriffs bestimmt werden. Hier wird beim Vorkommnis bei 'BITV' anstatt des standardmäßigen Buchstabierens des Begriffs die Ausgabe 'Bitt V' gewählt.

Solche Voreinstellungen können auch systemweit vorgenommen werden. In der Sprachausgabe von MacOS X sehen diese Einstellungen wie folgt aus:

Screenshot: VoiceOver Utility: Das 'Buchstabieren' oder 'Ersetzen' von Akronymen kann für einzelne Anwendungen oder systemweit vorgenommen werden.

Auch die Schreibweise
Web Accessibility Initiative (<acronym title="Web Accessibility Initiative">WAI</acronym>)
hat einen Nachteil: Nutzer alternativer Zugangssoftware wie Sprachausgaben, die sich die vollständige Erläuterung anstatt des Akronyms ausgeben lassen, erhalten redundante Informationen:
Web Accessibility Initiative (Web Accessibility Initiative)

Screenshot: Die 1:1-Übernahme der Anforderung der BITV kann zu Redundanzen führen. Hier wird der Begriff 'Web Accessibility Initiative' zweimal hintereinander ausgegeben.

So geht möglicherweise auch die Zuordnung der Auflösung zum Akronym gänzlich verloren, etwa wenn einige Absätze später »WAI« wieder auftaucht und der Nutzer dieses Akronym nicht kennt.

Das Ausschreiben von Akronymen und Abkürzungen wie in den klassischen Medien (Erläuterung und in Klammern gesetzte Abkürzung beim ersten Auftreten) dürfte die Anforderungen der BITV erfüllen. Die Anforderung, Abkürzungen mit (X)HTML-Elementen auszuzeichnen, ergibt sich nur dann, wenn eine Abkürzung nicht im Fließtext erläutert wird.

Allerdings hat diese Schreibweise ihre Grenzen: Viele Abkürzungen »u. E.« (unseres Erachtens) würden nicht zuerst ausgeschrieben werden und dann in Klammern als Abkürzung gesetzt werden.

Sie könnten dazu übergehen, bestimmte Abkürzungen im Text stets auszuschreiben, etwa »beziehungsweise« statt »bzw.«. Jedoch ist das nicht immer möglich, weil die Texte in einer anderen Abteilung verfasst wurden und sofort online gestellt werden sollen. Es muss also im Rahmen einer Entwicklung gesehen werden, dass Texte auch in Bezug auf Akronymen und Abkürzungen bereits bei ihrer Verfassung verständlicher werden.

Alternativ müssen Skripte entwickelt werden, die beim Einstellen oder Abrufen der Texte automatische Ersetzungen vornehmen; dieser Aspekt wird am Ende des Beitrags diskutiert.

Das Ausschreiben von vielen Abkürzungen wie »und so weiter«, »gegebenenfalls« oder »das heißt« kann zur Verständlichkeit beitragen.

Weitere Hinweise zur Verwendung von ACRONYM und ABBR finden Sie in dem Beitrag von Jasper Tverskov »Abbr and Acronym are for user agents not for end users«. Ein interessanter Beitrag über Sinn und Unsinn von ABBR und ACRONYM, wo allerdings die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen nicht weit genug berücksichtigt werden.

Weitere Tipps für die Auszeichnung von Abkürzungen

Hervorhebung

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass mit title-Attributen versehene Akronyme und Abkürzungen vom restlichen Text optisch abgehoben sein müssen. Ist dies nicht der Fall, weiß auch die Mausnutzerin nicht, wohin sie den Mauszeiger halten kann oder soll, um zusätzliche, Verständnis fördernde Informationen zu erhalten.

Sinnvoll ist eine browserübergreifende Hervorhebung eines Akronyms. Einige Browser zeigen eine Unterstreichung bei ausgezeichneten Akronymen und Abkürzungen an, die Standardeinstellung des Microsoft Internet Explorer jedoch hebt ACRONYM nicht hervor. Wenn Sie die Hervorhebung mit einer Hintergrundfarbe umsetzen, so sollte aufgrund von Bedingung 2.1 der BITV mindestens eine andere Eigenschaft hinzukommen:

  1. acronym {
  2. border-bottom : 1px dotted #EAF3FE;
  3. background : #EAF3FE;
  4. }

Screenshot: Hervorhebung von Akronymen mit Hintergrundfarbe. Die Unterstreichung ist hier nicht sichtbar.

Der Rand (border-bottom) wird gesetzt, damit auch bei benutzerdefinierten Farben für sehbehinderte Nutzer die Hervorhebung erkennbar ist:

Screenshot: Auch bei benutzerdefinierten Farben, bei der (oft) sehbehinderte Nutzer z. B. ihre Farben invertieren, ist die Hervorhebung durch die Unterstreichung noch gut erkennbar.

Der Nachteil einer Hervorhebung, etwa durch eine Hintergrundfarbe, ist, dass der Text – vor allem bei vielen Auszeichnungen – unruhig wirken kann.

Screenshot: Beispiel für die Hervorhebung vieler Abkürzungen mit der Folge eines unruhigen Leseflusses.

Dennoch ist eine Hervorhebung zu empfehlen, damit der Nutzer auch was von Ihrer Arbeit hat. Eventuell sollte auf Seiten mit vielen Akronymen die Auszeichnung tatsächlich auf das erste Vorkommnis beschränkt werden, wie in der BITV verlangt.

Die obigen CSS-Eigenschaften würden – je nach Browser – auf alle mit ACRONYM ausgezeichneten Texte angewendet, auch solche ohne title-Attribut. Die CSS-Spezifikation sieht zwar die Deklaration

  1. acronym[title] {
  2. border-bottom : 1px dotted #EAF3FE;
  3. background : #EAF3FE;
  4. }

für Akronyme vor, die ein title-Attribut haben; Akronyme ohne ein title-Attribut sollten dann keine Hervorhebung bekommen. Aber leider unterstützen nicht alle Browser diese kontextsensitive Zuweisung von CSS.

Wann ABBR sinnvoll ist

Anmerkung: Screenreader haben grundsätzlich drei Möglichkeiten, Informationen einer Anwendung auszulesen:

  1. die MSAA-Schnittstelle
  2. das Off-Screen-Model
  3. Windows Messaging

Nur die erste Möglichkeit ist abhängig von der genutzten Anwendung (z. B. Microsoft Internet Explorer). Screenreader können bei Webseiten auch auf das DOM zugreifen.

Screenreader können - auch bei der Verwendung des Microsoft Internet Explorer - auf das ABBR-Element zugreifen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2004 über den Nutzen der Auszeichnung von Inhalten mit verschiedenen (X)HTML-Elementen für Screenreader-Nutzer finden Sie in einer Veröffentlichung von Mary Frances Theofanos: Guidelines for Accessible and Usable Web Sites: Observing Users Who Work With Screen Readers.

Abkürzungen, die meist in geschriebenen Texten abgekürzt, aber in mündlicher Sprache vollständig ausgesprochen werden, können mit folgender Schreibweise ausgezeichnet werden:
abbr title="zum Beispiel">z.B.</abbr>

Dieses Beispiel mit »z. B.« wird in einer Sprachausgabe zunächst als »zett punkt bee punkt« ausgelesen, egal ob das ABBR-Element vorhanden ist oder nicht. Sofern der Nutzer die Sprachausgabe so eingestellt hat, dass sie Abkürzungen auflöst, wird ersatzweise das title-Attribut der Abkürzung, also »zum Beispiel« ausgegeben.

Die Folgen sind:

  • Screenreader-Nutzer können sich die Auflösungen von Abkürzungen ausgeben lassen.
  • Sonstigen Nutzern des Microsoft Internet Explorer fallen die Auszeichnungen mangels Unterstützung durch den Browser gar nicht auf.
  • Nutzer anderer Browser (EOMB) sehen einen Sprechblasentext bei Mausberührung und gegebenenfalls unterstrichene Abkürzungen.

Es empfiehlt sich, die Darstellung des ABBR-Elements dem umgebenden Text im CSS anzupassen, etwa mit

  1. abbr {
  2. border : none;
  3. color : /*Farbe des Fließtextes*/;
  4. background-color : /*Fließtexthintergrund*/;
  5. }

Sprachwechsel

Selbstverständlich müssen auch bei Abkürzungen Sprachwechsel nach Bedingung 4.1 der BITV berücksichtigt werden, etwa
acronym lang="en" title="World Wide Web Consortium"><span lang="de">W3C</span></acronym>

Grund für die komplexere Schreibweise mit SPAN: das Attribut lang in ACRONYM wirkt sich sowohl auf das title-Attribut als auch auf den umschlossenen Text aus. Das Akronym würde auch in englisch ausgesprochen werden, wenn der Nutzer einer Sprachausgabe Abkürzungen nicht vorlesen lässt. Das Beispiel zeigt aber eine Abkürzung, die in deutscher Sprache auch deutsch ausgesprochen würde.

Der Sprachwechsel von Englisch für die Erläuterung nach Deutsch für das Akronym hat aber auch eine Grauzone. Wie würden Sie das Akronym »AFN« (American Forces Network) in der verkürzten Form aussprechen? Die meisten Leute sprechen dieses Akronym auf englisch aus. In (X)HTML übertragen ist die Schreibweise wie folgt:
acronym lang="en" title="American Forces Network">AFN</acronym>

Anmerkung: Die Sprachangabe dient nicht ausschließlich der Aussprache in Sprachausgaben, sondern auch semantischen und anderen Zwecken. Also auch wenn »AFN« in der abgekürzten Form auf Deutsch ausgesprochen würde, ist der Zweifel, ob die Kennzeichnung mit SPAN semantisch korrekt ist, nachvollziehbar. Da der Zweck der Auszeichnung im Sinne der Verständlichkeit und weniger des semantischen Perfektionismus zu sehen ist, ist eine Kennzeichnung der natürlichen Sprache für die bessere Verständlichkeit in Sprachausgaben legitim.

Die Zuweisung der Sprache kann aber auch Konflikte verursachen. Es ist nur die Zuweisung einer einzigen Sprache zum title-Attribut möglich. Wenn Sie also mehrsprachige Titel haben, müssen Sie sich an der Zielgruppe orientieren, um eine geeignete Sprachangabe anzugeben.

Textbausteine

Es gibt Situationen, in denen der Leser das »erste Vorkommen« eines Akronyms oder einer Abkürzung nicht angezeigt bekommt, zum Beispiel weil der Link zu der Seite auf einen Anker mitten im Text verweist. In solchen Fällen ist es sinnvoller, die Erläuterung nicht beim ersten Vorkommen auf der Seite, sondern beim ersten Vorkommen in einem Abschnitt oder gar Absatz vorzunehmen. Gerade in langen Dokumenten, wo der Nutzer nicht unbedingt den Text überfliegen kann, um die Auflösung eines Akronyms zu finden, bieten ACRONYM und ABBR eine hilfreiche Möglichkeit zur Förderung der Verständlichkeit.

Die Erfordernis nach Auszeichnung von Akronymen und Abkürzungen auf Abschnittsebene hängt auch eng mit dynamischen Systemen, etwa Blogs, zusammen. Einzelne Blogeinträge, die für einen bestimmten Zeitraum den ersten (oder letzten) Textbaustein darstellen, können später in ganz anderen Zusammenstellungen angezeigt werden. Es läuft also darauf hinaus, dass die Auszeichnung von Akronymen und Abkürzungen in jedem Textbaustein vorgenommen wird.

Je länger Dokumente sind und je komplexer die Informationsarchitektur ist, desto eher sollen alle Akronyme und Abkürzungen mit ACRONYM und ABBR sowie entsprechenden title-Attributen ausgezeichnet werden.

Glossar / Abkürzungsverzeichnis

Alternativ zur Kennzeichnung von Abkürzungen mit (X)HTML ist die Bereitstellung eines Glossars. Auch hier gibt es verschiedene Erwägungen, die Sie vor der Umsetzung entsprechend der umzusetzenden Inhalte berücksichtigen können:

  • Wie wird das Glossar erstellt? Die Erzeugung und Erweiterung eines Glossars mit Abkürzungen erfordert entweder die manuelle Pflege des Glossars selbst, stets in Abhängigkeit der eingestellten Inhalte eines Webauftritts, oder die Kennzeichnung der Akronyme und Abkürzungen in den einzelnen Inhalten, damit ein Skript aus den ausgezeichneten Abkürzungen ein Glossar dynamisch erzeugen kann.
  • Soll das Glossar als Link am Anfang oder am Ende des Dokuments platziert werden? Der Vorteil einer solchen Lösung ist, dass Sie sich die Arbeit sparen könnten, in den Inhalten die Akronyme und Abkürzungen auszuzeichnen. Der Nachteil ist natürlich, dass der Link zum Glossar nicht dort auftaucht, wo die Wissensfrage entsteht. Gerade bei Tastaturnutzern kann das problematisch sein. Die Erreichbarkeit solcher Links mit einem Shortcut - so wie auf www.landtag.nrw.de - ist also sehr wichtig.
  • Alternativ könnten die Links zum Glossar direkt im Text aufgeführt werden. Im Sinne der Bedienbarkeit ist die Verlinkung einzelner Abkürzungen und Akronymen sicher besser als die Bereitstellung eines allgemeinen Links. Der allgemeine Link muss erst erreicht werden, die neue Seite muss aufgerufen werden und die Abkürzung gesucht werden und schließlich muss wieder zur Ausgangsseite zurückgefunden werden und die Stelle im Text wiedergefunden werden. Bei der Verlinkung im Text kann aber direkt zur Erläuterung verlinkt werden und auch eine »Zurück«-Funktion lässt sich so gestalten, dass ein Leser direkt dorthin zurückkommt, wo er die Seite beziehungsweise den Fließtext verlassen hat.

Lösungen, auf einer Seite Links zu einem Abkürzungsverzeichnis zu berücksichtigen, haben aber fast keine Vorteile, außer das Redakteure möglicherweise entlastet werden, indem sie keine Akronyme und Abkürzungen setzen müssen.

Eine neue Seite aufrufen zu müssen, wo im Prinzip genau das steht, was sonst im title-Attribut eines ACRONYM oder ABBR stehen würde, ist im Sinne der meisten Nutzer nur die zweitbeste Lösung. Die Information sollte gleich im title-Attribut berücksichtigt werden.

Ein Glossar ist vor allem als Alternative zu ACRONYM und ABBR zu sehen, damit Tastaturnutzer Zugriff auf die Informationen haben.

Hinweise für Ihre Leser

Auf Ihren Hilfeseiten sollten Sie auf die verschiedenen Möglichkeiten des Zugangs zu Informationen eingehen. Was hat es mit der Markierung der Abkürzungen im Text auf sich? Und wenn Sie ein Glossar anbieten, sollte insbesondere auch auf die Erreichbarkeit mit der Tastatur eingegangen werden. Auch für Screenreader-Nutzer sollten Informationen bereitgestellt werden.

Screenshot: Erläuterungen zur Ausgabe der Auflösungen in ACRONYM und ABBR; Quelle: http://atelier-hellbusch.de/hilfe/

Was haben wir gelernt?

Es gibt viele offene Fragen. Unter dem Strich müssen folgende Prämissen bedacht werden:

  • (X)HTML kann sich die Semantik einer komplexen Sprache nicht zu eigen machen
  • Die Bedürfnisse aller Nutzer nach Erklärungen für Abkürzungen können wahrscheinlich nie mit Sicherheit festgestellt werden

Zusammenfassung

  • Weil der Microsoft Internet Explorer (noch) der dominierende Browser ist, kann ABBR kaum zur Förderung der Verständlichkeit eingesetzt werden, denn die verständnisfördernden Maßnahmen kommen bei den meisten Nutzern gar nicht erst an. Es bleiben die Möglichkeiten,
  • die »Erklärung« von Abkürzungen jeder Art im Fließtext vorzunehmen, indem Akronyme beim ersten Auftreten und Abkürzungen immer ausgeschrieben werden und
  • das ACRONYM-Element zu verwenden, wenn das erste Auftreten eines Akronyms nicht ausgeschrieben wird.

Ein Akronym muss nur beim ersten Auftreten auf einer Seite erklärt werden, danach kann die Abkürzung für sich alleine verwendet werden – ohne die Erklärung und ohne das (X)HTML-Element ACRONYM.

Die Verwendung von ACRONYM mit entsprechendem title-Attribut sollte auf das erste oder auf jedes Vorkommen eines Akronyms angewendet werden, wenn sonst keine Erläuterungen im Text geboten werden. Je mehr Zugangsmöglichkeiten zu den Informationen es gibt, desto sinnvoller ist die durchgängige Auszeichnung von Akronymen mit ACRONYM.

Alternativen für die Auszeichnung mit diesen Elementen sollten im Hinblick auf die Geräteabhängigkeit von ACRONYM und ABBR geboten werden. Wenn Abkürzungen nicht im Fließtext ausgeschrieben werden, so sollte ein Abkürzungsverzeichnis auch für Tastaturnutzer bereitgestellt werden.

Des weiteren muss zwischen

  • Verständlichkeit (allgemein) und
  • Lesefluss (in Sprachausgaben)

unterschieden werden. Akronyme sollen erläutert werden, damit ein Nutzer, der mit einer bestimmten Abkürzung weniger anfangen kann, eine Unterstützung bekommt. Sonstige Abkürzungen, die beim Schreiben oft abgekürzt werden, aber beim (Vor-)Lesen aufgelöst werden, können mit ABBR ausgezeichnet werden, weil Vorlese-Software in der Regel die Abkürzung mit demdurch den Inhalt des title-Attribut ersetzen kann.

Zum Lesefluss ist noch zu sagen, dass eine optische Hervorhebung des ACRONYM-Elements vorgenommen werden sollte. Bei durchgängiger Auszeichnung kann diese Visualisierung den Lesefluss stören. Je mehr Abkürzungen auf einer Seite mit ACRONYM ausgezeichnet werden, desto empfehlenswerter ist die Beschränkung der Auszeichnung auf das erste Vorkommnis einer Abkürzung.

Technische Realisierung

Es bleibt die Frage nach der technischen Realisierung. Ob Server-seitig oder Client-seitig, jede Lösung erfordert Nacharbeit, wenn es zu Abkürzungen und Akronymen kommt, die verschiedene Bedeutungen haben.

Eine automatisierte Suche nach »CD« (Corporate Design, Compact Disc), »AT« (Altes Testament, assistive Technologie) oder vielen anderen Akronymen erfordert eine eindeutige Zuweisung der richtigen Erklärung. Sicher kann mit verschiedenen, themenbezogenen Datensätzen gearbeitet werden, jedoch ist eine absolute Sicherheit bei der automatisierten Zuweisung von Erläuterungen oft nicht zu gewährleisten.

Auch Abkürzungen wie »sog.« und Akronyme wie »BITV« – also auch wenn Adjektive und Adverbien enthalten sind – verursachen Probleme in der Umsetzung. Diese Probleme entstehen auch gerade in der deutschen Sprache auch bei zusammengesetzten Wörtern wie »DV-Kauffrau« (siehe oben).

Eine weitere Motivation für Sie könnte der Beitrag von Ian Lloyd »Why you should use acronyms and abbreviations to increase Accessibility« sein. Dort wird nicht nur die Notwendigkeit für die Auszeichnung von Akronymen erläutert, sondern ein Werkzeug zur automatischen Umwandlung geboten.

Im Artikel »Explaining abbreviations, acronyms and symbols on Web pages« von Jukka Korpela finden Sie eine weitere Diskussion zur Thematik. Obwohl dort ähnliche Probleme erörtert werden wie in diesem Beitrag, wird dort der semantische Unterschied von ACRONYM und ABBR für eine Empfehlung genutzt. Wie oben beschrieben, kann es nicht Aufgabe von (X)HTML sein, die semantischen Feinheiten einer beliebigen Sprache zu übernehmen.

Sollten Sie einen Automatismus entwickelt haben, der Akronyme und Abkürzungen entsprechend auszeichnet, so sind wir gerne bereit, das Werkzeug hier aufzunehmen oder zu dokumentieren.

Ein solches Skript sollte

  • ein Dokument nach Abkürzungen durchsuchen,
  • bei Eindeutigkeit des Akronyms beziehungsweise der Abkürzung mit ACRONYM beziehungsweise ABBR auszeichnen mit der entsprechenden Erläuterung im title und bei Bedarf ergänzt um ein lang-Attribut,
  • bei Nicht-Eindeutigkeit den Redakteur fragen, welche der Möglichkeiten die Richtige ist
  • unabhängig von Plattform und Software sein

sowie natürlich

  • bei Zuweisung eines Akronyms oder einer Abkürzung muss eine Korrekturmöglichkeit durch den Redakteur gegeben sein
  • bei Nicht-Eindeutigkeit darf es nicht nur die Auswahlmöglichkeit geben, sondern auch die Möglichkeit, weitere Erläuterungen zur Datenbasis hinzuzufügen.

Wenn Sie bereits Akronyme und Abkürzungen in Ihren (X)HTML-Dokumenten auszeichnen, könnten Sie noch einen Schritt weitergehen. Auf den Seiten des Rechenzentrums der Uni Erlangen finden Sie ein Perlskript, das aus Ihren bereits erzeugten Akronymen ein Glossar erzeugt. Die Arbeitsweise ist recht simpel:

  1. Die Seiten werden regelmäßig nach ACRONYM und ABBR durchsucht.
  2. Die Erläuterungen und Sprachangaben werden erfasst und als Liste für ein Abkürzungsverzeichnis bereit gestellt.

Derartige und andere Werkzeuge finden sich immer wieder im Web. Ein anderes Beispiel ist der »Acronym Plug-In für Movable Type« mit einem Patch für ABBR. Solche Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Arbeit bei der täglichen Bereitstellung von Inhalten.

Wenn Sie solche technischen Möglichkeiten nicht haben, aber die Bedingung 4.2 der BITV erfüllen wollen, dann sollten Sie die Auszeichnung entweder ausschreiben (»… Auflösung (Abkürzung) …«) oder eben mindestens das erste Mal mit ACRONYM auszeichnen, wenn die Auflösung nicht aus dem Text hervorgeht. Sie sollten auch dazu übergehen, Abkürzungen wie »z. B.« auszuschreiben (»zum Beispiel«) und allgemein versuchen, verständliche Texte ins Web zu stellen.

Diskutieren Sie mit!

Wir würden gerne Ihre Meinung wissen: Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit und diskutieren Sie diesen Artikel mit anderen Experten.