Status (26.04.2010): Dieses Dokument ist der zweite überarbeitete Entwurf einer Übersetzung des englischen Originals bei http://www.w3.org/WAI/users/involving.html und kann Fehler enthalten; Kommentare zur Übersetzung bitte im Blog von ›Einfach für Alle‹. Im Falle von Abweichungen ist das offizielle englische Dokument die maßgebende Version.

Benutzer in Webprojekte einbeziehen für eine bessere und einfachere Barrierefreiheit

Seiteninhalt

Einleitung

Die Einbeziehung von Benutzern in frühen Stadien des Projektes hilft Ihnen, die Probleme bei der Barrierefreiheit in der echten Welt zu verstehen, beispielsweise wie Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen das Web mit adaptiven Strategien und assistierenden Techniken benutzen.

Die frühe Einbeziehung von Benutzern hilft Ihnen, effektivere Lösungen zur Barrierefreiheit zu implementieren. Es erweitert darüber hinaus Ihre Sichtweise auf eine Art, die dazu führen kann, dass Sie eine neue Art über Ihr Produkt nachzudenken, entdecken; das führt dazu, dass es für mehr Menschen in mehr Situationen besser funktioniert.

Dies trifft zu beim Design und der Entwicklung von:

Durch diese Seite werden Sie beginnen, den Nutzen zu ziehen aus der Einbeziehung von Benutzern — im Besonderen von Menschen mit Behinderungen und von älteren Menschen mit altersbedingten Bedürfnissen im Bereich der Barrierefreiheit — zu einem frühen Zeitpunkt und durchgängig bei unterschiedlichen Arten von Projekten.. <!1/> Eine separate Seite konzentriert sich auf die Einbeziehung von Benutzern bei der Evaluation von Projekten der Webentwicklung.

Wie die frühe Einbeziehung von Benutzern hilft

Die frühe Einbeziehung von Benutzern in Webprojekte führt zu besseren Produkten für Benutzer, einer effizienteren Entwicklung und anderen Nutzen für Projekt-Stakeholder.

Bessere Barrierefreiheit und bessere Usability für alle Benutzer

Wenn Entwickler Probleme der Barrierefreiheit verstehen, können Sie effektivere Lösungen zur Barrierefreiheit implementieren; so wird Ihre Website zum Beispiel besser für Menschen mit Behinderungen, ältere Benutzer und andere Zielgruppen funktionieren und benutzbarer sein. Websites und Webwerkzeuge benutzbarer für Menschen mit einer Auswahl an Behinderungen zu machen, verbessert die allgemeine Usability für jeden, einschließlich Menschen ohne Behinderungen. (Man könnte sagen, dass die Einbeziehung von Benutzern mit Behinderungen in ihrem Entwicklungsprojekt Ihnen kostenlos eine verbesserte Usability gibt.)

Dies nutzt nicht nur den Benutzern, sondern auch den Stakeholdern; wenn Websites zum Beispiel vermehrt genutzt werden und andere Vorteile für das Geschäft durch eine erhöhte Barrierefreiheit erhalten.

Effizientere Entwicklung

Die Einbeziehung von Benutzern in den Entwicklungsprozess hilft Ihnen dabei, barrierefreie Produkte, die für echte Nutzer in realen Situationen gut funktionieren, effizienter zu entwickeln und damit Ihr Return on Investment (ROI) bei der Barrierefreiheit zu maximieren.

Wenn Sie verstehen, wie Menschen das Web und Ihr spezielles Produkt benutzen, können Sie:

Von all diesem profitieren Entwickler, Projektleiter und andere Stakeholder.

Motivation

Wenn Designer und Entwickler sehen, wie Menschen mit Behinderungen Produkte wie das ihre benutzen, dann sind die meisten durch ein neues Verständnis der Barrierefreiheit hoch motiviert. Statt die Barrierefreiheit nur als Punkt auf einer Checkliste zu sehen, zeigt die Erfahrung aus dem wirklichen Leben die menschliche Seite der Barrierefreiheit. Designer und Entwickler erreichen einen neuen Grad des Verständnisses in Bezug auf die Möglichkeiten dazu, welche Auswirkungen ihre Arbeit auf das Leben haben kann.

Wenn Manager und Stakeholder solche Erfahrungen, wie Menschen mit Behinderungen ihr Produkt benutzen, teilen, dann hilft das oft dabei, finanzielle und zeitliche Ressourcen zu erhalten, um auch die Barrierefreiheit gut abzuhandeln.

Wie man Benutzer während des gesamten Projektes einbezieht

Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die Einbeziehung realer Menschen in den Prozess. Beachten Sie, dass Überlegungen zur Barrierefreiheit noch früher in dem Projekt thematisiert werden sollten; und zwar tatsächlich ab Projektstart, so dass die Barrierefreiheit früh bei der Projektplanung, der Budget- und Zeitplanung usw. berücksichtigt wird. Die Barrierefreiheit sollte auch in Ihren benutzer-bezogenen Designprozess (UCD) oder in eine andere Designmethodik und andere Designtechniken eingeschlossen werden; stellen Sie beispielsweise sicher, dass die Use Cases, die Benutzeranalyse, Personas, Szenarien, Workflows, Design-Walkthroughs usw. Menschen mit Behinderungen und ältere Benutzer beinhalten.

Unten sind die Grundzüge dessen, was Sie selber machen können, um Benutzer in ihre Projekte einzubeziehen. Wenn Sie die Ressourcen haben, dann ziehen Sie es in Betracht, Hilfe von Spezialisten aus dem Bereich der Barrierefreiheit, der Behinderungen und des benutzer-bezogenen Designs einzuholen.

Einbeziehung von Benutzern, um die Probleme zu verstehen

So früh wie möglich in Ihrem Projekt:

  1. Lernen Sie die Grundlagen, wie Menschen mit Behinderungen, das Web benutzen, indem Sie Online-Ressourcen lesen und Videos ansehen.
  2. Finden Sie Menschen mit Behinderungen - mit einer Bandbreite an Charakteristika. Lesen Sie unten Eine Auswahl an Benutzern bekommen und Mit Benutzern arbeiten.
  3. Lernen Sie früh etwas über die allgemeinen Probleme in Bezug auf das, was Sie entwickeln, z.B. Websites, Webwerkzeuge, Standards oder andere Produkte. Bitten Sie andere darum, Ihnen Websites oder ähnliche Produkte zu zeigen, die gut für sie funktionieren. Dann bitten Sie darum, dass sie Ihnen Probleme bei den Produkten, die nicht gut funktionieren, zeigen. Stellen Sie viele Fragen, die Ihnen helfen, die Probleme bei der Barrierefreiheit zu verstehen.

Einbeziehung von Benutzern bei der Implementation

Zum Beispiel für Websites, Webanwendungen und Webwerkzeuge:

  1. Wenn Sie einen bestimmten Designaspekt in Erwägung ziehen wie zum Beispiel eine aus-/einklappende Navigation, dann finden Sie andere Produkte, die dies bereits machen und untersuchen Sie gemeinsam mit Benutzern, was funktioniert und was nicht.
  2. Bitten Sie während der gesamten Design- und Entwicklungsphase Benutzer darum, Prototypen kritisch durchzusehen. Geben Sie ihnen bestimmte zu erledigende Aufgaben und sehen Sie, wie die verschiedenen Aspekte des Designs und der Programmierung verbessert werden könnten. Stellen Sie jede Menge Fragen.

Für mehr Informationen dazu lesen Sie Benutzer in die Evaluation der Barrierefreiheit im Web einbeziehen, besonders die Abschnitte über Analyse von Problemen bei der Barrierefreiheit und Schlussfolgerungen ziehen und Berichterstellung.

Input sorgfältig berücksichtigen

Achtung: Berücksichtigen Sie sämtlichen Input sorgfältig und vermeiden Sie es anzunehmen, dass der Input von einer Person mit einer Behinderungen auf alle Menschen mit Behinderungen zutrifft. Eine Person mit Behinderungen weiß nicht notwendigerweise, wie andere Menschen mit der gleichen Behinderung mit dem Web interagieren; noch weiß diese Person genug über andere Behinderungen, um eine gültige Handlungsempfehlung zu anderen Problemen der Barrierefreiheit zu geben. Input von einer Reihe von Benutzern zu erhalten ist am Besten.

Eine Auswahl an Benutzern bekommen

Menschen mit Behinderungen sind so verschieden wie alle Menschen. Sie haben unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Präferenzen. Sie benutzen unterschiedliche Interaktionstechniken, adaptive Strategien und Konfigurationen ihrer assistierenden Techniken. Menschen haben verschiedene Behinderungen: auditive, kognitive, neurologische, körperliche, Sprach- und Sehbehinderungen— und einige haben mehrfache Behinderungen. Sogar innerhalb einer Kategorie gibt es extreme Unterschiede; zum Beispiel beinhaltet "Sehbehinderung" Menschen, die seit Geburt komplett blind sind; Menschen, die aufgrund einer altersbedingten Degeneration eine Verzerrung in ihrem zentralen Sehbereich haben; und Menschen, die vorübergehend verletzungs- oder krankheitsbedingt ein unscharfes Sehvermögen haben.

Beziehen Sie Benutzer mit unterschiedlichen Behinderungen und Benutzercharakteristika mit ein. Die meisten Projekte sind zeitlich und finanziell begrenzt und können nicht viele verschiedene Benutzer einbeziehen. Die Auswahl der optimalen Anzahl an Benutzern mit den am besten passenden Charakteristika kann schwierig sein. Im Web gibt es Ressourcen, die eine Anleitung zur Verfügung stellen, wie man Teilnehmer mit Behinderungen auswählt; zum Beispiel die Bestimmung der Teilnehmer-CharakteristikaLinks von der WAI-Website aus und Finden von Teilnehmern mit BehinderungenLinks von der WAI-Website aus.

Erfahrung der Benutzer bei der Interaktion mit dem Web

Eine primäre Überlegung bei der Auswahl der Benutzer ist deren Erfahrung bei der Interaktion mit dem Web. So sind beispielsweise einige assistierenden Techniken (AT) kompliziert und schwer zu erlernen. Ein Benutzer mit unzureichender Erfahrung weiß eventuell nicht, wie man die assistierende Technik effektiv nutzt. Auf der anderen Seite kann ein sehr fortgeschrittener Benutzer ungewöhnliche Workarounds kennen, um Probleme auf einer Website zu bewältigen, mit denen der "durchschnittliche" Benutzer nicht umgehen könnte.

In den frühen Phasen, wenn Sie zunächst lernen, wie Menschen mit Behinderungen mit dem Web interagieren, ist es meistens am Besten, Menschen mir einem relativ hohen Grad an Erfahrungen zu nehmen. (Benutzer in die Evaluation der Barrierefreiheit im Web einbeziehen sagt mehr zu den unterschiedlichen Graden an Erfahrungen in späteren Phasen der Evaluation.)

Mit Benutzern arbeiten

Folgen Sie den gängigen Praktiken für die informelle und formelle Arbeit mit Menschen, zum Beispiel:

Es gibt Ressourcen im Web, die eine detaillierte Anleitung für die Arbeit mit Benutzern zur Verfügung stellen; zum Beispiel Interacting with People with DisabilitiesLinks von der WAI-Website aus, Assistive Technology and LocationLinks von der WAI-Website aus und The RESPECT Code of PracticeLinks von der WAI-Website aus.

Die Einbeziehung von Benutzern mit Standards kombinieren

Während der Schlüssel zur effektiveren und effizienteren Gestaltung Ihrer Bemühungen im Bereich der Barrierefreiheit ist, Menschen mit Behinderungen und ältere Benutzer mit Bedürfnissen im Bereich der Barrierefreiheit einzubeziehen, so kann dies alleine nicht alle Probleme adressieren. Auch große Projekte können die Vielfalt an Behinderungen, adaptiven Strategien und assistierenden Techniken nicht abdecken. Das ist die Rolle der Standards zur Barrierefreiheit.

Weitere Informationen und Orientierungshilfen

Dieses Dokument behandelt in wenigen Worten einige Punkte eines sehr komplexen Themas. Es gibt im Web viele Ressourcen zu anderen Aspekten der Einbeziehung von Benutzern während eines gesamten Projektes wie zum Beispiel:

Terminologie

Adaptive Strategien
Adaptive Strategien und Techniken, die Benutzer mit Behinderungen benutzen, um die Interaktion mit dem Web zu verbessern wie zum Beispiel die Vergrößerung der Schriftgröße in einem normalen Browser. Adaptive Strategien beinhalten Techniken mit regulären Browsern oder mit assistierenden Techniken.
Assistierende Techniken
Assistierende Techniken sind Software oder Geräte, die Menschen mit Behinderungen benutzen, um ihre Interaktion mit dem Web zu verbessern, wie zum Beispiel Screenreader, die Webseiten für Mensche, die keinen Text lesen können, laut vorlesen; Vergrößerungssoftware für Menschen mit einigen Arten von geringer Sehkraft; und Spracherkennungssoftware und Auswahlschalter für Menschen, die keine Tastatur oder Maus benutzen können.
Benutzercharakteristika
Benutzercharakteristika beinhalten typischerweise Dinge wie Alter, Beruf, Verantwortlichkeiten, Software, Hardware, Umgebung (zum Beispiel zu Hause, gemeinsam genutztes Büro, allein genutztes Büro, gemeinsam genutzter öffentlicher Terminal), Computererfahrung und Weberfahrung. Benutzercharakteristika können außerdem die Art der Behinderung, benutzte adaptive Strategien und Erfahrung mit speziellen assistierenden Techniken beinhalten.
Webinhalt
Web"inhalt" bezieht sich im Allgemeinen auf die Informationen auf einer Webseite oder Webanwendung einschließlich Text, Bilder, Formulare, Geräusche usw. Konkretere Definitionen gibt es in den WCAG-Dokumenten, die von der Übersicht zu den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) aus verlinkt sind.