accessCast

Browser und Hilfsmittel

Hallo und herzlich willkommen beim Podcast von ›Einfach für Alle‹, der Aktion Mensch-Initiative für barrierefreies Webdesign. In der letzen Folge hatten wir uns die beiden neuen Browser IE7 und Firefox 2.0 angesehen. Heute geht's um die für viele unserer Hörer spannende Frage, ob und wie der IE mit assistiven Werkzeugen zusammenarbeitet.

Stand: 10.11.2006, Autor: tc

Am Mikrofon heute Manfred »majo« Heinze und Tomas Caspers, Links zum Selberdrücken gibt's wie immer in der Mitschrift.

Auch wenn die Open-Source-Alternativen in letzter Zeit mächtig aufgeholt haben, so laufen die meisten Hilfsmittel bei den Nutzern nach wie vor unter Windows. Beim Rumsurfen im Web bedeutet das im überwiegenden Fall: Internet Explorer. Windows Vista ist ja bekanntlich auch schon auf dem Weg ins Brennwerk und unbestätigten Gerüchten zufolge wird es keine, wir wiederholen, keine Version des IE6 für Vista geben. Da der Nachfolger IE7 über die automatischen Systemupdates verteilt wird, werden in nächster Zeit auch viele Nutzer von Hilfsmitteln wie Screenreadern und Lupenprogrammen mit dem neuen Browser in Berührung kommen.

Im Web gab es schon einige Diskussionen darüber, ob und wie die diversen Hilfsmittel mit dem IE7 reibungslos funktionieren. Deswegen haben wir bei den Hilfsmittelherstellern und auch bei Microsoft nachgelesen und nachgefragt und hier das wichtigste zusammengestellt.

Vielfach wurden auch Bedenken zum automatischen Update auf die neueste Version des Browsers laut. Wir können sie beruhigen: ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers wird erstmal gar nichts installiert. Der IE7 ist zwar ein empfohlenes Update, aber die regelmäßigen Sicherheitsupdates bekommen Sie auch weiterhin, ohne auf den IE7 umzusteigen.

Vor dem Update sollten Sie auf jeden Fall die Webseiten der jeweiligen Hilfsmittelhersteller konsultieren. Bei den meisten Herstellern erhalten Sie jetzt schon detaillierte Informationen, ob ihre Software kompatibel ist, oder wann mit einem Update zu rechnen ist. Wenn Sie die jeweils aktuellste Version oder sogar schon eine der vielfach bereits erhältlichen öffentlichen Beta-Versionen benutzen, dann steht einem Update auf die neueste Browsergeneration eigentlich nichts mehr im Wege.

Und damit zu den Screenreadern. Den Anfang macht

JAWS

In den USA ist bereits die Version 8 des verbreiteten Screenreaders im Beta-Test. Eine Veröffentlichung der finalen Version ist noch für den November geplant, mit der üblichen Zeitverzögerung für die nötige Lokalisierung wird das Programm dann spätestens Anfang 2007 auch in Deutschland erhältlich sein. In der zurzeit aktuellen Version JAWS 7.1 ist der IE7 schon weitestgehend nutzbar. Eine Einschränkung muss man bei Web-basierten Formularen machen: hier gibt es noch einen Bug beim Vorlesen des fokussierten Elementes in HTML-Auswahllisten vom Typ select. Der Hersteller Freedom Scientific hat jedoch schon einen kostenlosen Patch angekündigt, der diesen Fehler beheben wird. Nutzer von JAWS sollten also noch ein paar Tage mit dem Update auf IE7 warten.

JAWS hatte in früheren Versionen das Problem, dass tatsächlich vorhandene Inhalte einer Webseite nicht vorgelesen wurden, oder dass beim Eintippen in Textboxen einzelne Buchstaben »verschluckt« wurden - diese (und eine ganze Reihe anderer) Fehler sind in der aktuellen Version behoben.

Die kommende Version 8 von JAWS wird eine ganze Reihe weiterer Verbesserungen bringen: so werden die im IE7 erstmals unterstützten RSS-Feeds benutzbar, und im Bereich dynamisches HTML oder AJAX wird sich noch mal eine Menge tun.

Virgo, Blindows & Webformator

Die zum Baum-Konzern gehörende Firma Audiodata hat eine Beta-Version des Webformators veröffentlicht, mit der finalen Version ist nach telefonischer Auskunft des Herstellers zeitnah zu rechnen. Genauer wollte sich Produktmanager Günter Hanke nicht festlegen: »Er ist fertig, wenn er fertig ist« – das finden wir gut, weil gerade im Web2.0 fast jede Software im ewigen Beta-Stadium festgefroren ist. Der Webformator setzt sich zwischen das Betriebssystem bzw. den Webbrowser und den Screenreader und bereitet die Inhalte einer Webseite in linearisierter Form auf. Der Webformator, aktuell in der Version 2.2, kann schon seit geraumer Zeit Flash verarbeiten, erleichtert den Umgang mit Datentabellen und vieles mehr. Laut Hanke sollte man die Beta einfach über eine bereits vorhandene Version drüberinstallieren. Diese Version ermöglicht nun die Nutzung des Internet Explorers in vollem Umfang, die hauseigenen Screenreader wie Virgo sind damit also für den IE7 gerüstet.

Weil der WebFormator auch von vielen Webdesignern zu Accessibility-Tests eingesetzt hier noch ein paar Hinweise zur Bedienung von Günter Hanke und die wichtigsten Shortcuts.

Window-Eyes

GW Micro hat ebenfalls ein Pferd in Form einer Beta im Rennen: Window Eyes 6.0 Beta 2. Auch hier ist es die nächste Version, die erstmalig den IE7 offiziell unterstützen wird. Der grosse Unterschied zu den Vorgängern ist, dass die neue Version die eingebauten Sicherheitsmaßnahmen des IE7 unterstützen wird. Auch die Geschwindigkeit des Programms im Browse-Modus soll laut Hersteller verbessert werden. Laut Microsoft gibt es noch einige Fehler in den älteren Versionen, insbesondere im Bereich von HTML-Formularen. Anwender sollten also entweder auf die Beta-Version von Window Eyes 6.0 umsteigen, oder auf die finale Version warten wenn sie den IE7 nutzen wollen.

Hal & SuperNova

Der Hersteller Dolphin hat zeitgleich zur Veröffentlichung des IE7 sogenannte map files veröffentlicht, mit denen Anwender ihre Screenreader aktualisieren können. In Ausnahmefällen kann es zu Abstürzen auf Grund einer veralteten DLL kommen, die Lösung für dieses Problem ist in einem Artikel im Support-Bereich von Dolphin beschrieben.

So, damit wären wir schon fast am Schluss, fehlt noch das Vergrößerungsprogramm

ZoomText

Die Lupensoftware ZoomText 9.04 des amerikanischen Herstellers AI Squared ist die erste Version, die den IE7 offiziell unterstützt. Nutzer aller ZoomText 9.x-Versionen erhalten ein kostenloses Update auf die neueste Version über die eingebaute Update-Funktion des Programms. Nutzer von ZoomText 9.03 sollten unbedingt die Schriftglättung abschalten oder das dringend empfohlene Update wahrnehmen, wenn sie den IE7 nutzen wollen. Im IE7 ist diese Maßnahme zur Schriftverbesserung namens ClearType erstmals in der Werkseinstellung aktiviert. Sie finden diese im Dialog »Internet-Optionen« im Reiter »Erweitert« unter dem Punkt »Multimedia« – dort die Checkbox namens »Immer ClearType für HTML verwenden« deaktivieren.

So, das war mal wieder eine Ausgabe unseres accessCast. Wir haben hier natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus den möglichen Hilfsmitteln bringen können. Wenn Sie bereits Erfahrungen im Einsatz anderer Hilfsmittel mit dem IE7 haben können Sie diese gerne als Kommentar zu diesem Podcast posten. Auch eventuell auftretende Probleme, aber natürlich auch positive Berichte zu den behandelten Programmen können sie gerne dort abgeben. Weitere Meldungen zum Thema der heutigen Sendung finden Sie im Weblog von ›Einfach für Alle‹ unter den Tags , und .