News mit tag »DGS«

19 Nov 2009

Für Hörende ist es ganz selbstverständlich, über eine Schriftsprache zu verfügen, die ihnen die mühelose Nutzung von Informationen und der Kommunikation im Internet erlaubt. Für Menschen jedoch, die von Geburt an gehörlos oder schon sehr früh ertaubt sind, gestaltet sich diese Nutzung des Internets aufgrund ihrer geringeren Beherrschung der Lautschriftsprache oft schwierig.

Könnte die Gebärdenschrift zur Lösung dieses Problems beitragen? Hierüber gehen die Meinungen derzeit auseinander. Lesen Sie dazu einen Artikel von Kathrin Brede über Kommunikation in Gebärdenschrift.

20 Jul 2009

Am 1. Juni 2009 ist der 12. Rund­funk­änderungs­staats­vertrag in Kraft getreten. In §3 Allge­meine Grund­sätze heisst es:

»(2) Die Anbieter nach Absatz 1 Satz 1 sollen über ihr bereits bestehendes Engagement hinaus im Rahmen ihrer tech­nischen und finanziellen Mög­lich­keiten barriere­freie Ange­bote ver­mehrt aufnehmen.«

Warum ›sollen‹? Sollte da nicht ›müssen‹ stehen? Die wahlweise hinzu­schalt­baren Video­text-Unter­titel gibt es in der aktuellen Form seit 1980. Die Selbst­ver­pflichtung wurde jedoch in den letzten 30 Jahren nicht ernst genommen: obwohl seit fast 30 Jahren ein Ausbau der Unter­titel­ung gefordert wird, liegt ihr Anteil bei nur 10,3% (Stand April 2009).

Da Rundfunk Ländersache ist, haben die Hör­geschädig­ten-Ver­bände Anfang Juni 2009 in allen Bundes­ländern entsprechende Peti­tions­anträge einge­reicht, mit denen eine 100%-ige Unter­titelungs­pflicht inner­halb von 10 Jahren gefor­dert wird. Die Mit­zeichnungs­frist endet in 6 Wochen am 31. August 2009.

Die Petition selbst steht unter www.untertitel-petition.de im Netz, weitere Hintergründe gibt es bei der Arbeitsgruppe im Deutschen Gehör­losen-Bund e.V. ›Sign-Dialog – Mehr Bildung durch Untertitel‹ unter www.sign-dialog.de und natürlich auch in Gebärden­sprache.

31 Okt 2007

Natürlich gibt es sie noch, die JavaScript-Abschalter, die das Web ausschließlich mit Lynx benutzen. Aber genauso gibt es ein Netz, in dem Inhalte eine wesentliche Rolle spielen, die weit über reinen Text hinausgehen. Und genau bei diesen multimedialen Inhalten müssen wir aufpassen, dass nicht wieder neue Barrieren aufgebaut werden:
ein gehörloser Nutzer kann mit einem Podcast herzlich wenig anfangen, wenn es keine Mitschrift gibt;
einem blinden Nutzer gehen unter Umständen wesentliche Informationen in einem Video verloren, wenn keine Audiodeskriptionen hinterlegt sind.

Und wie so oft liegt es nicht an den Werkzeugen, sondern am Problembewußtsein und am Willen des Anbieters. Die Tools ermöglichen es schon seit geraumer Zeit, multimediale Inhalte mit Text-Alternativen zu hinterlegen – man muss es halt nur machen. Deswegen haben wir mal ein paar empfehlenswerte Beispiele rausgekramt:

Der Online Subtitle Creator ist, wie der Name schon sagt, ein Online-Werkzeug, um vorhandene Flash Video-Dateien (FLV) mit Untertiteln zu versehen. Das gute daran: es lassen sich verschiedene vorhandene Formate importieren, Zwischenstände speichern und das Ergebnis lässt sich wieder in verschiedene Richtungen exportieren (u. a. Google Video, das schon seit geraumer Zeit untertitelte Videos unterstützt). Wie das Tool funktioniert lässt sich am besten in der Demo ansehen.

Falls Sie gute Beispiele für zugängliche Online-Videos suchen: Blinkx ist eine neue Suchmaschine für Video- und Audio-Inhalte. Das clevere daran: durchsucht werden auch die Untertitel. Ähnlich funktioniert auch Project readOn, aber wie üblich sind die Inhalte meist in Englisch.

Passend zum Thema:

Nachtrag: »Screencast: Adding Closed Captioning to video using Silverlight, ASP.NET AJAX, WCF and an external data source«

18 Sep 2007

Multimediale Inhalte sollen, so steht es in den Richt­linien, mit alternativen In­halten wie Untertiteln und Audio­deskrip­tionen, aber auch mit Übersetzungen in Gebärden­sprache versehen werden, und wenn's geht, dann bitte­schön synchron. Dass dies oft nicht gemacht wird liegt nicht nur am mangelnden Problem­bewusstsein, sondern auch an den hohen technischen Hürden und dem damit zwangs­läufig verbundenen hohen Aufwand. Mittler­weile haben große Video-Portale aber die Zeichen der Zeit erkannt und bieten Ihren Nutzern die Möglich­keit, selbst Unter­titel zu hinterlegen. Wie hier: »Google Video with Multi-Lingual Closed Captions« zu lesen war sogar mehrsprachig und unter Web2.0-mäßiger reger Beteiligung durch die Nutzer. Sevenload et al., bitte nachmachen.

Die Werkzeuge dazu sind mittler­weile auch viel einfacher geworden und in der Regel kostenlos erhältlich. So zum Beispiel die Windows-Freeware Subtitle Workshop oder das Browser-basierte Overstream (ein schönes Anwendungs­beispiel für dringend benötigte Unter­titel ist der Trapattoni-Was-erlaube-Strunz-Klassiker). Nach wie vor gibt es natürlich noch MAGpie, für das Pat Ramsey eine gute Doku­mentation verfasst hat: »Captioning Multimedia with MAGpie 2«

Auch bei der Gebärdens­prache tut sich was: so ist bei der britischen BBC ein Online-Angebot namens iPlayer in den halb­öffentlichen Beta-Test gegangen, bei dem ein Gebärden­dol­metscher einge­blendet wird (wie im richtigen Fernseher, d.h. nur sofern vorhanden). In Groß­britannien gab es bisher das selbe Problem wie hierzulande: Sendungen mit Gebärden-Dolmi gibt es vorzugs­weise auf irgend­welchen obskuren Sende­plätzen mitten in der Nacht - das ändert sich nun (Breit­band­anschluß vorausgesetzt). Weitere Infos dazu im Access2.0-Blog der BBC: »BSL comes to the iPlayer«.

28 Jun 2007

Das hat nun wirklich gar nichts mit Web Accessibility zu tun, aber dieses Fundstück wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Was man alles für lustige Sachen mit Streichholzbriefchen machen kann: »Sign Language Matchbooks«. Wobei – damit könnte man zum Beispiel CAPTCHAs für Gehörlose bauen …

21 Jun 2007

»Für Blinde und Gehörlose ist Websurfen noch immer ein Hindernis-Parcours. An den Communitys [sic!] des Web 2.0 können sie fast gar nicht teilnehmen. Mehrere Anbieter arbeiten an Lösungen für Behinderten-gerechtes Surfen. Erste Ansätze werden in Darmstadt präsentiert.« Weiterlesen bei Spiegel Online: »Internet für Behinderte: Wege aus der Kommunikations-Kluft«.

02 Mär 2007

Die britische BBC experimentiert zurzeit mit untertitelten Online-Videokonserven. Den Anfang macht die Technik-Sendung Click und ausgwählte Werke aus der anspruchsvollen Ecke des BBC Film Network sowie einige regionale Programme z. B. in Gälisch. Mit dem Versuch will man die Methoden zur Erstellung und Auslieferung von untertitelten Multimedia-Inhalten testen, zur Auswahl stehen die Formate Windows Media Player und Real […zwischenspeichern…] Player. Wie das genau funktioniert wird in der Hilfe erklärt.

Ohne Untertitel, weil zielgruppenspezifisch, sind hingegen die Videos, die der Deutsche Gehörlosen-Bund neuerdings auf seinen Seiten anbietet: ab Anfang 2007 werden alle Nachrichten auch als Gebärdensprachfilme gezeigt. Die Hintergründe erläutert Alexander von Meyenn: Gehörlose und Schwerhörige ein Recht auf Kommunikation in DGS. Daher werden einmal pro Woche die News der jeweils vorangegangenen Woche in DGS-Filme übersetzt. Zu erreichen sind die Filme über die entsprechenden Symbole links neben den jeweiligen Nachrichten.

Übrigens: wenn Sie für Ihre Filme das Microsoft Media Server (MMS)-Protokoll benutzen: dieses wird seit dem Erscheinen der Version 11 des Windows Media Player offiziell nicht mehr unterstützt. Wie man Videos trotzdem sauber einbettet beschreibt Peter Murray in dem aktualisierten Artikel: »Update to ›Embedded Web Video in a Standards-Compliant, Accessible, and Successful Way‹«.

So was wie Google für gesprochene Wörter könnte ein Suchwerkzeug werden, dass wir im Web-Watcher-Blog fanden. Die Anwendung plugged.com ist zwar noch in der Web2.0-kompatiblen Betaphase, aber man kann mit ihr schon beliebige Podcasts nach Worten oder Phrasen durchsuchen und unmittelbar zu den Fundstellen springen.

Das britische .net-Magazin (hat nichts mit der gleichnamigen Microsoft-Technologie zu tun) ist wirklich eines der besten Print-Produkte zum Thema Webdesign auf diesem Planeten, aber leider hierzulande nur sehr sporadisch und dann auch nur im sehr gut sortierten Bahnhofsbuchhandel erhältlich. In der Online-Ausgabe gibt es neuerdings auch einen Podcast von Paul Boag, der bereits als Sidekick von Marcus Lillington in dessen Podcast Lillingtonworld zu einiger Bekanntheit geraten war. In Folge №1 geht es um Jobs für Webentwickler, HTML-E-Mails und den IE7; in Folge №2 um Webdesign-Techniken, Konferenzen und Spam; in Folge №3 um Microformats, Accessibility und OpenID.

Ebenfalls hörenswert:

  • In der Technikwürze №61 geht es mal wieder um Webstandards und warum sich immer noch so viele Webentwickler – die es eigentlich wissen sollten – nicht daran halten. Woran das liegen könnte, versuchen David Maciejewski, Marcel Schwarzenberger, Jens Grochtdreis und Tomas Caspers zu erörtern.
  • Beim Web Axe-Podcast geht es um »CAPTCHA and Accessibility« und »The Definition of Web Accessibility«.
  • Leider ohne Untertitel und ohne Mitschriften, aber trotzdem ganz sehenswert (nur eben leider nicht für alle) sind die Videos der DevSource-Serie »Great Minds in Development«.

21 Aug 2006

Informationen und Hilfen zur Sicherung der Kommunikation gehörloser Menschen am Arbeitsplatz gibt es auf der neuen Website dgs-im-job.de. Die unterschiedlichen Formen der Arbeitsassistenz werden aufgezeigt und man erfährt, was man für eine Antragsstellung wissen muss. Alle Informationen werden in Gebärdensprache angeboten (via).

Was es bei der Erstellung von Filmen in Deutscher Gebärdensprache (DGS) alles zu beachten gibt kann man im »Leitfaden für den Einsatz von Gebärdensprach-Filmen« nachlesen.

01 Dez 2005

Podcasts von weit entfernten Konferenzen sind eigentlich ganz was feines (und unheimlich Web2.0). Nur für gehörlose oder schwerhörige Menschen, an Bürorechnern ohne Lautsprecher oder in Umgebungen wo es stören würde ist diese neue Trendsportart kaum zu gebrauchen. Gut dass es für solche Use Cases Alternativen gibt, mit denen man seine Inhalte wirklich zugänglich machen kann. Wie das geht zeigt Webkrauter Patrick Lauke, der eine SMIL-Version von Molly Holzschlags Vortrag »The State of the Web 2005« auf der we05-Konferenz gebaut hat, in der die Folien mit einer Mitschrift synchronisiert sind: »web essentials 05 - molly holzschlag keynote SMIL«.

11 Okt 2005

Eine Meldung in eigener Sache: vom 12. bis 15. Oktober (also ab morgen) berichten wir wie gewohnt live von der REHACARE in Düsseldorf. Wenn Sie uns besuchen wollen: Sie finden uns in Halle 3, Stand C59/C60. Falls Sie mit Kindern unterwegs sind und sich mal in Ruhe umschauen wollen: Die Aktion Mensch hat auch dieses Jahr wieder ihre traditonelle integrative Kinderbetreuung für Kinder mit und ohne Behinderung; angeschlossen an die Kids World ist ein barrierefreier Wickelraum für die Kleinsten. An allen Messetagen ist auch eine Dolmetscherin für Gebärdensprache am Stand der Aktion Mensch anwesend. Wir freuen uns auf interessante Diskussionen. Weitere Informationen zur Messe finden Sie im Presseportal der Aktion Mensch und unter www.rehacare.de.

02 Aug 2005

Podcasts, verkürzt gesagt Hörversionen von Weblogs, sind der neueste Hype im Web. Naturgemäß sind diese Audiodateien für gehörlose Menschen nicht zugänglich, also haben ein paar Schweizer Gehörlose zur Selbsthilfe gegriffen und produzieren nun jede Woche eine Folge des Podcast »Schlaflos in München« von Annik Rubens in Gebärdensprache. Reinkucken (via Mac Essentials).

11 Jul 2005

Der div der Woche geht diesmal nach Österreich: bei visualbrain.net »…erfahren Sie erstmals und exklusiv, wie die Tauben essen, sprechen, schweigen, gehen, einkaufen und was sie mit Kopfhörern so alles anstellen. Der Eintritt ist frei, die Inhalte frei erfunden und (fast) ohne jeden Bezug zur Realität. Nehmen Sie sich Zeit, Platz und haben Sie viel Spaß! In den Hauptrollen: Jürgen Brunner, Georg Marsh, die anderen Tauben & Gäste« (via Behindertenparkplatz).

17 Mai 2005

Heute wieder mal gehobene Kost für die Zielgruppe der Konzepter und Informationsarchitekten:

29 Apr 2005

15 Apr 2005

Das amerikanische National Center on Disability and Access to Education (NCDAE) veranstaltet am kommenden Mittwoch, den 20. April einen Webcast zum Thema Computer-based Assessment and Testing: Access or Accommodation. Ein Panel von Experten diskutiert über die Verläßlichkeit von Prüfmethoden zur Barrierefreiheit. Transportiert wird das ganze per QuickTime oder Windows Media Player, eine Mitschrift für gehörlose Menschen wird es ebenfalls geben.

08 Apr 2005

Das war uns auch neu: es gibt tatsächlich bei der IANA ein internationales Kürzel für DGS "sgn-DE", ebenso wie eine Vielzahl anderer Gebärdensprachen: »RFC 3066 Language code assignments«. Und für Reform-Unwillige gibt es sogar noch eine Möglichkeit zur Sprachauszeichnung nach alter Rechtschreibung (lang="de-1901").

18 Mär 2005

Der angekündigte Relaunch der Website des Royal National Institute for the Deaf (wir berichteten) ist seit gestern online. Wie viele Relaunches der letzten Zeit ist auch dieser handwerklich sehr ordentlich gemacht mit einer durchgängige Qualität über die ganze Site hinweg. Die einzelnen Seiten selbst sind sehr gut strukturiert und mit den gängigen Zusatzhilfen versehen. Die wenigen Syntaxfehler und die vereinzelt verbliebenen Layouttabellen sehen aus wie die typischen Altlasten, die man bei komplexen Angeboten mit historisch gewachsenem Content auch nicht so einfach herausbekommt.

21 Feb 2005

Via kobinet: Das Hamburger Unternehmen Gebärdenwerk hat den Multimedia-Nachwuchspreis des Hochschulwettbewerbs Multimedia Transfer gewonnen. Gebärdenwerk erstellt Filme in Deutscher Gebärdensprache, um gehörlosen Menschen textbasierte Informationen verständlich zu machen. Darüber hinaus beraten die Gründer Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, um den Zugang zu hörgeschädigten Menschen sicher zu stellen und die Zielgruppe bedarfsgerecht zu erreichen.

18 Feb 2005

Via accessify: Das britische Royal National Institute for the Deaf (RNID) arbeitet gerade an einem Relaunch seiner Website. Wohltuend liest sich die Ankündigung, daß nicht nur die Belange gehörloser oder schwerhöriger Menschen mit in die Konzeption, Gestaltung und Umsetzung eingeflossen sind, sondern dass auf ein ganz breites Spektrum Rücksicht genommen wird: RNID tested prototypes of the site with people with a wide range of disabilities - including hearing and sight loss, dyslexia, colour blindness, wheelchair users and people with limited dexterity – to ensure the site reflected how people intuitively search for information.

Ein echtes Novum ist der Teaser zur angekündigten neuen Website unter rnidteaser.co.uk – ein Konzept, das man bisher nur von Kinofilmen kennt. Auch scheint man begriffen zu haben, daß ein wirklich zugängliches Web mehr braucht als nur das Abhaken von Checklisten: Simply meeting the guidelines doesn't mean your site is accessible. The guidelines are intended to help – they're not an end in themselves. The guidelines are… well, just guidelines. Dem haben wir nichts hinzuzufügen und freuen uns schonmal auf den Relaunch, der für den 17. März geplant ist.

26 Jan 2005

Via Herrn K. aus B.: Nach den Vorgaben der BITV 1.4 müssen Filme oder Animationen mit, wie es heisst äquivalenten Alternativen synchronisiert werden. Der Grund für diese Richtlinie ist, daß damit hörbehinderten oder blinden Menschen die Inhalte überhaupt erst zugänglich gemacht werden. Diese Zielgruppen kann man demnächst um einen weiteren Eintrag ergänzen: wie die Netzeitung berichtet hat Google die Beta-Version einer neuen Suchtechnologie namens »Video Search« vorgestellt, mit der erstmalig auch Untertitel in multimedialen Formaten durchsucht werden können. Zunächst werden nur amerikanische Fernsehsender indiziert, die schon seit langem beinahe ihr gesamtes Programm mit Untertiteln versehen. Aus der Perspektive der gleichberechtigten Teilhabe am e-Government besonders interessant ist die Einbeziehung des Parlamentssenders C-SPAN (vergleichbar in etwa mit Phoenix), Fox News hingegen kann man sich auch schenken.