News mit tag »Barrieren«

19 Mai 2010

Das Web 2.0 ist eine Einladung zum Mitmachen: Leser werden zu Schreibern, Hinschauer werden zu Fotografen, Menschen schließen sich zu Communities zusammen.

Große Teile des Mitmach-Web sind textbasiert. Für das Blogging und Mikro-Blogging gibt es netzbasierte Lösungen wie Wordpress oder AccessibleTwitter. Der blinde Heiko Kunert benutzt einige der Web-2.0-Tools wie Wordpress, Twitter oder Friendfeed, um unter anderem über die alltäglichen Schwierigkeiten Blinder zu berichten. Der ebenfalls blinde Programm-Entwickler Marco Zehe berichtet in seinem Weblog über seine Beteiligung an der Entwicklung des Firefox-Browsers und Aspekte der Barrierefreiheit. Der blinde Hörfunk-Journalist Marko Schlichting produziert »Markos Medienpodcast«, in dem er kritisch über die Medienkultur berichtet.

Mapping für Blinde

Die Routenplanungen für Fußgänger von GoogleMaps oder BingMaps erlauben Blinden, eine zu laufende Route bezüglich Entfernung und Namen der Straßen abzuschätzen und leistet damit einen Beitrag zur selbstständigen Mobilität. Noch weiter geht das freie Karten-Projekt OpenStreetMap. Hier haben alle Beteiligten die Möglichkeit, mit einem GPS-Tracker Material zu freien Karten beizusteuern. Die Nutzer werden auch dazu angehalten, für Blinde wichtige Punkte wie Haltestellen exakt zu kennzeichnen. Auch Blinde sind dazu eingeladen, Tracks zu spenden, schließlich wissen sie am besten, welche Orte für sie wichtig sind.

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Soziale Netzwerke

Die großen sozialen Netzwerke gelten bisher als eher unzugänglich. Die Websites sind sehr komplex aufgebaut. Außerdem werden oft CAPTCHAs verwendet, das sind in Bildern versteckte Zeichen, die der menschliche Leser eingeben muss, um zum Beispiel Freunde oder Anwendungen zu seinem Profil hinzuzufügen. Die im ersten Beitrag erwähnten Mailinglisten können ähnliche Aufgaben wie die sozialen Netzwerke Erfüllen.

Offen und zugänglich – ein Web für Alle

Die Beiträge zeigen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten und Anwendungen im Internet. Blinde Programmierer sind unter anderem an der Entwicklung der im ersten Teil genannten freien Screenreader oder an der freien Handy-Navigation Loadstone GPS beteiligt und verwenden dazu Anwendungen zur Zusammenarbeit im Netz wie Wikis.

Jeder Blinde im Besonderen und Behinderte im Allgemeinen entwickelt seine eigenen Strategien, um mit dem Netz zurecht zu kommen. Ein häufiges Argument, Anwendungen nicht barrierefrei zu machen lautet, dass diese sowieso nicht von Behinderten verwendet würden. Eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Barrierefreiheit ist nicht nur für Blinde und Sehbehinderte wichtig. Auch Menschen mit Lernschwäche, motorischen Einschränkungen oder ältere Menschen stoßen auf mehr oder weniger große Schwierigkeiten bei der Nutzung des Web. Deswegen gehören selbstverständlich auch Bilder, Videos oder Animationen zur barrierefreien Webgestaltung.

Im Mitmach-Web muss Barrierefreiheit weiter gedacht werden:

  • Die Websites vieler freier Redaktionssysteme sind oft schon barrierefrei. Behinderte sind aber nicht nur Konsumenten von Inhalten, sondern wollen selbst Inhalte bereit stellen. Deshalb sollte auch das Backend von Redaktionssystemen barrierefrei zugänglich sein.
  • Die Frage sollte nicht lauten, ob Behinderte eine bestimmte Anwendung einsetzen werden. Eine Anwendung sollte möglichst für alle zugänglich sein. Im Rahmen des E-Goverment und von Open Data wird das Web nicht nur gesellschaftlich, sondern auch für die politische Teilnahme entscheidend an Bedeutung gewinnen. Das E-Goverment soll Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung online bereit stellen, im Rahmen von Open Data sollen Daten öffentlicher und wissenschaftlicher Einrichtungen bereit gestellt werden.
  • Entscheidend für Anwendungen wie Easy YouTube oder AccessibleTwitter sind die Programmschnittstellen, die viele der großen Web-2.0-Anwendungen anbieten. Diese Application Programming Interfaces (APIs) erlauben den Zugriff auf Daten und Funktionen der Webanwendungen. APIs sind allerdings kein Ersatz, sondern eine Ergänzung barrierefreier Angebote. Sie erlauben alternative Zugriffswege und Darstellungsformen.
  • Zu einem guten Web-Angebot gehören auch multimediale Inhalte und auch diese Inhalte müssen möglichst für alle zugänglich sein.

Das Internet macht es zum ersten Mal möglich, dass sich Behinderte und Nicht-Behinderte ohne große Berührungsängste untereinander austauschen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen und die Zugänglichkeit der Plattformen ist die wichtigste Voraussetzung.

17 Mai 2010

Obwohl das Web nach wie vor ein textbasiertes Medium ist, kommt kaum eine Website heute ohne multimediale Angebote aus. Vor allem im Bildungsbereich spielen Podcasts, Videos und Präsentationen eine immer größere Rolle.

Podcasts – hören statt sehen

Podcasts können mit geringem Aufwand produziert und angeboten werden und erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie problemlos mobil genutzt werden können. Für Blinde liegt der Vorteil von Podcasts darin, dass sie rein akkustisch sind, zumeist als Download angeboten werden und problemlos auf dem PC oder anderen Geräten angehört werden können.

Auch Blinde schauen Videos

Viele Leute scheinen zu glauben, Blinde würden sich keine Videos anschauen. Allerdings dürfte es kaum jemanden überraschen, dass auch Blinde oft einen Fernseher zuhause stehen haben. Videos haben einen sehr hohen sprachlichen Anteil. Viele Vorträge, Vorlesungen, Interviews oder Ausschnitte aus aktuellen Fernsehsendungen werden als Video bereit gestellt. Das Einbinden und Verweisen auf Videos gehört zum Alltag im Web 2.0.

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Flash als Barriere

Das Kernproblem bei der Zugänglichkeit der Videos besteht im verbreiteten Einsatz des Flash-Player. Videos auf YouTube lassen sich über Tastatur weder starten noch stoppen. Für Blinde wäre es besonders wichtig, die Lautstärke von Videos zu steuern, da sie bei zu lauten Videos ihre Sprachausgabe nicht mehr verstehen können.

Wie es anders geht, zeigen die Anwendungen EasyYouTube oder Accessible Interface to YouTube. Diese Anwendungen sind über den Screenreader steuerbar. Für den Browser Firefox gibt es verschiedene Erweiterungen, die das Herunterladen und bequeme Steuern der Videos zulassen. Der Online-Dienst Video2mp3 erlaubt das Konvertieren von Videos in mp3. Die Nachteile solcher Anwendungen sind aber offensichtlich:

  • Es ist nicht klar, ob diese Anwendungen mit den Benutzungsbedingungen der Anbieter und dem Urheberrecht harmonieren.
  • Diese Anwendungen sind oft auf bestimmte Plattformen zugeschnitten. Wenn man zum Beispiel Videostreams der eigenen Universität ansehen möchte, dann funktionieren auf YouTube zugeschnittene Programme nicht. Die Website Podcampus bietet Vorträge verschiedener Universitäten im Flash-Format an, ist aber von Haus aus nicht zugänglich.
  • Zudem entgehen dem Nutzer viele Informationen und Funktionen der Ursprungs-Website, mehr oder weniger nützliche Kommentare und Anmerkungen, die Anzeige verwandter Inhalte oder erweiterte Suchfunktionen mit Filtermöglichkeiten.

Bedenklich ist auch die Tendenz, Präsentationen als Flash-Animation wie auf SlideShare bereit zu stellen. Präsentationen enthalten normalerweise keine Audio-Kommentierung und die Texte der Präsentationen sind für den Screenreader nicht lesbar. Besser sind die Screencasts, dabei werden Präsentationen und Vorlesungstext parallel aufgesprochen. Davon können auch Sehbehinderte profitieren, die an ihrem eigenen Bildschirm der Präsentation wesentlich besser folgen können als einer Leinwand-Projektion. Die Screencasts werden aber zumeist ebenfalls im Flash-Format angeboten und sind damit für Blinde nicht zugänglich.

Multimedia dient nicht nur der Unterhaltung, sondern wird zunehmend auch in den Bereichen Bildung und E-Learning eingesetzt. Daher wird es für Blinde immer wichtiger, dass auch solche Angebote zugänglich sind.

12 Mai 2010

Wie klingt eigentlich eine Website? Das ist eine Frage, die vor allem Blinde beantworten können. Blinde und Sehgeschädigte gehören zu den intensivsten Nutzern des Internet. Wie sie das Netz nutzen, erfahren Sie in dieser dreiteiligen Artikelserie.

Am Beispiel von Texten wollen wir zunächst zeigen, wie Blinde eine optische Oberfläche für sich zugänglich machen. Im zweiten Teil wird es um die Nutzung multimedialer Angebote gehen. Wie Blinde selbst Inhalte im Web bereit stellen, erfahren die Leser im dritten Teil.

Die graphische Benutzeroberfläche und der Screenreader

Um einen Computer nutzen zu können, verwenden Blinde einen Screenreader. Dieses Programm gibt visuelle Inhalte wie Menüs oder Texte als Sprache oder als Blindenschrift auf einem Braille-Display aus. Die Steuerung erfolgt vollständig über die Tastatur. Die Zugänglichkeit der Programme ist sehr unterschiedlich, manche Programme lassen sich sehr gut über Tastatur und Screenreader bedienen, andere gar nicht.

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Das Internet gehört zu den wichtigsten Bereichen der Computernutzung und ist über Screenreader generell gut zu erreichen. Der Screenreader orientiert sich nicht am optischen Erscheinungsbild, sondern an der Struktur einer Website. Elemente, die für den sehenden Nutzer parallel erscheinen, sind für den Nutzer von Screenreadern linear angeordnet.

Während der Sehende mit einem Blick wichtige Elemente wie die Navigation und Text von Schmuckelementen wie Bannern oder Werbung unterscheiden kann, gilt es für den Blinden, zunächst alle Elemente der Website einmal zu erfassen, um sich auf der Website zurecht finden zu können. Der Inhalt von Bildern, Graphiken und Animationen bleibt für Blinde unsichtbar.

Texte und Foren

Normale Fließtexte stellen in der Regel kein Problem dar. Die kleine Anwendung RSS hat dabei zu einer wesentlichen Verbesserung geführt. Die Feeds erlauben das bequeme Lesen der Artikel, ohne die jeweiligen Seiten durchnavigieren zu müssen. Schwieriger sieht es bei komplexen Angeboten aus, wir wollen das hier am Beispiel von Foren deutlich machen.

Die klassischen Foren basieren auf der sogenannten Baumstruktur. Die Baumstruktur erlaubt das Erkennen von Diskussionssträngen. Der Nutzer sieht auf den ersten Blick, wer auf wen geantwortet hat. Für den Blinden ist das allerdings nicht erkennbar. Ebenfalls problematisch ist, dass Beiträge nur einzeln angezeigt werden. Der Screenreader muss bei jedem Aufruf die Seite neu einlesen und beginnt am Anfang der Seite. Der Blinde muss bei jedem Seitenaufruf nach dem Anfang des Beitrags suchen, ohne zu wissen, ob tatsächlich etwas lesenswertes in dem Beitrag steht. Manche Diskussionsfäden ziehen sich über Dutzende von Beiträgen, so dass selbst Normal-Sehende hier nicht alle Beiträge lesen würden.

Günstiger sind die Newsboards, wo die Antworten untereinander angeordnet werden, hier ist zumeist auch für den Sehenden nicht erkennbar, wer auf wen geantwortet hat. Das Projekt selfHTML hat das in seinem Forum elegant gelöst: Oben auf der Website wird der Forenbaum angezeigt, darunter werden alle Beiträge untereinander eingeblendet.

E-Mails als Austauschmedium

Viele Blinde bevorzugen für Austausch und Diskussionen E-Mails. Auf der Plattform Blindzeln gibt es über 70 Mailinglisten zu so verschiedenen Themen wie Kochen, Lesen oder Blindenhunden.

Das Mailprogramm bietet ein einheitliches Erscheinungsbild und hat viele Funktionen, die Foren und Newsboards entweder gar nicht bieten oder die für Blinde nur schwer oder gar nicht zugänglich sind:

  • die Absender sind leicht erkennbar
  • die Nachrichten lassen sich einfach nach Absender, Datum oder Thema sortieren
  • die Diskussionsstränge lassen sich anhand der Betreffzeile erkennen

Der größte Vorteil besteht darin, dass alle Funktionen des Mailprogramms per Tastatur zugänglich sind.

Der Nachteil dieser Mailinglisten ist allerdings ebenso offensichtlich: Obwohl auch Menschen ohne Sehschädigung bei Blindzeln willkommen sind, bevorzugen die meisten Sehenden für sie attraktivere Austauschmedien. Was für den Blinden übersichtlich und einfach ist, wirkt auf den Sehenden unübersichtlich und textlastig.

Die Kommunikation verlagert sich zunehmend von E-Mails hin zu Statusmeldungen über Twitter oder zum Nachrichtenaustausch innerhalb der sozialen Netzwerke.

Zudem entgehen den Blinden wichtige Informationen und Hilfsmöglichkeiten, wenn sie gezielt Foren ausweichen. Foren werden gern zur Selbsthilfe genutzt und oftmals sind die hier gegebenen Antworten hilfreicher als die Hilfeseiten professioneller Anbieter.

Komplexe Anwendungen und Interaktion

Komplexe Websites erfordern einen hohen Lernaufwand des blinden Nutzers und sind daher oft nicht attraktiv. Schwierig sind zum Beispiel Shopping-Angebote und Online-Auktionen. Grundlegende Informationen wie Preise, Artikelbeschreibung oder allgemeine Geschäftsbedingungen sind zumeist noch erschließbar. Schwierig ist vor allem die Interaktion mit der Website, wenn es um die Eingabe von Daten und die Zahlungsmodalitäten geht. Die Shop-Betreiber setzen zumeist auf Technologien, die vom Screenreader nicht unterstützt werden, die nicht mit der Tastatur bedienbar sind und deren Rückmeldungen oft nicht verständlich sind.

Die Folgen können hier sehr schwerwiegend sein, wenn etwa aus Versehen falsche Artikel bestellt werden. Deswegen bleiben viele Blinde lieber bei den Webseiten, die sie gut genug kennen, um sie bedienen und überschauen zu können.

Screenreader testen

Mittlerweile hat jeder die Möglichkeit, selbst mit Screenreadern zu experimentieren: Unter Windows gibt es die freien Screenreader NVDA und Thunder, die Linux-Distributionen Ubuntu und Knoppix haben von Haus aus die Screenreader Orca und ADRIANE an Bord. Die Apple-Betriebsysteme werden mit dem Screenreader VoiceOver ausgeliefert. Die professionelle Nutzung eines Screenreaders erfordert allerdings viel Erfahrung und Übung.

19 Nov 2009

Für Hörende ist es ganz selbstverständlich, über eine Schriftsprache zu verfügen, die ihnen die mühelose Nutzung von Informationen und der Kommunikation im Internet erlaubt. Für Menschen jedoch, die von Geburt an gehörlos oder schon sehr früh ertaubt sind, gestaltet sich diese Nutzung des Internets aufgrund ihrer geringeren Beherrschung der Lautschriftsprache oft schwierig.

Könnte die Gebärdenschrift zur Lösung dieses Problems beitragen? Hierüber gehen die Meinungen derzeit auseinander. Lesen Sie dazu einen Artikel von Kathrin Brede über Kommunikation in Gebärdenschrift.

26 Aug 2009

Für blinde und sehbe­hinder­te Men­schen ist das In­ternet ei­ne wichtige In­formati­ons­quel­le. Mit­hilfe von Screenre­ader, Sprach­ausgabe und Braillezeile ist das Surfen möglich. Aber auch die Websei­ten müs­sen einige Vor­aus­setzun­gen mitbrin­gen. Das Stich­wort hierfür ist Barrie­refreiheit. Wie sieht es in Sa­chen Zugänglichkeit bei den Kampagnen-Sei­ten der Partei­en aus? Auch blin­de und sehbehinder­te Men­schen möch­ten sich vor der Bun­destagswahl über Personen, Pro­gramme und Themen in­formie­ren. Ist das möglich? Ha­ben die Partei­en an behinder­te Bür­ger gedacht?

Zusammen mit dem Accessibility-Exper­ten Thomas Mayer hat Heiko Ku­nert, Spre­cher des Blin­den- und Seh­behin­derten­ver­eins Ham­burg, die Start­sei­ten der Partei­en ge­testet:
»Parteien im Web: Barrieren für Behinderte«.

19 Mai 2009

Beim Browser-Hersteller Opera läuft seit längerem eine Studie namens MAMA (Metadata Analysis and Mining Application). Untersucht werden versteckte Qualitäten von Webseiten wie deren Aufbau und die Verwendung (oder Nicht-Verwendung) von HTML-Tags und -Attributen – gemeinhin Dinge, die man kaum mit einer herkömmlichen Suchmaschine herausfinden wird. Interessant ist sowas vor allem für Browser-Hersteller wie eben Opera, aber auch für die Weiterentwicklung von HTML (zum Beispiel zur Version 5).

Untersucht wurden mittlerweile 4,2 Mio. URLs, die Ergebnisse werden nach und nach veröffentlicht (mehr zur Methodik und eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte). Heute fanden wir im Opera Developer Network einen Artikel von Henni Swan über einige gerade aus Sicht der Barrierefreiheit interessante Teilaspekte – die Verwendung von Überschriften-Strukturen, Bildern und Datentabellen: »Opera MAMA - a sneak peek at headings, images and summary«. Hier ein paar der wichtigsten Ergebnisse:

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Es gibt kein Bier auf h3 …

  • 58,5% der untersuchten Webseiten benutzen keinerlei Überschriften-Elemente,
  • 7,9% haben hingegen gleich mehrere <h1>,
  • 16,1% fangen ihre Überschriften-Struktur nicht mit der Ebene <h1> an, sondern mit <h2>, <h3>, etc.,
  • 11,3% der Seiten überspringen Überschriften-Ebenen, und bei
  • 7,1% der Seiten sind die Überschriften-Ebenen in keiner logischen Reihenfolge.

Über die Punkte 2-5 kann man geteilter Meinung sein (und wie bei Opera vermerkt gibt es mittlerweile sogar eine Seite www.h1debate.com, wo man sich per Twitter an dieser Endlos-Debatte beteilgen kann). Was aber ganz sicher gar nicht geht ist Überschriften ganz wegzulassen, da diese gerade für Screenreader-Nutzer eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Orientierungshilfe sind.

Es gibt nichts zu sehen, gehen Sie bitte weiter …

Ganz bitter auch das Bild bei Bildern, Grafiken und deren Alternativ-Texten:

  • 75,1% der untersuchten Seiten benutzen zumindest alt-Attribute für Bilder. Was aber im Umkehrschluss leider bedeutet, dass
  • 24,9% gar keine alt-Attribute verwenden. Abgesehen davon, dass hier oftmals relevante Informationen und Funktionen für Screenreader-Nutzer verborgen bleiben heisst das auch, dass bei diesen Seiten in gängigen Screenreadern unter Umständen der Pfad der Bilddatei vorgelesen wird – der Benutzer darf dann anhand des Dateinamens selbst herausfinden, was ihm da wohl verborgen bleibt.

Auch bei Datentabellen sieht es nicht besser aus:

  • 2,4% der Seiten benutzen überhaupt das summary-Attribut, allerdings bei
  • 1,7% der Seiten fehlerhaft, nämlich in der Form von summary="layout table"

Weitere Werte, die gefunden wurden waren "layout", "layout table", "header", "navigation", "content", "banner", "main", "main table", "breadcrumb", "category" etc. Das deckt sich weitestgehend mit unseren Erfahrungen – uns sind auch schon Websites mit hunderten summary="Zusammenfassung" (wörtlich!) untergekommen. Wenn schon immer noch Layout-Tabellen eingesetzt werden, dann wenigstens so richtig falsch!

Es gibt noch viel zu tun …

26 Jun 2008

Einer aus der Serie ›Knapp daneben ist auch vorbei‹: Selamet Aydogdu über »Alternativtexte - Zuviel des Guten«.

16 Jun 2008

… aber CAPTCHAs sind noch viel dööfer.

Wie die meisten Blogs mit Kommentar-Funktion haben auch wir hier immer wieder mit Angriffen von Spambots zu kämpfen, die ihren ungebetenen Werbe­müll hinterlassen. Die dauernde Notwendigkeit zur Kontrolle und Löschung knabbert ganz ordentlich an den begrenzten Ressourcen, die für diese Initiative zur Verfügung stehen – zumal die bisher ganz zuver­lässig funktio­nierenden Gegen­maß­nahmen wie Akismet, Zwangs-Vorschauen oder Honeypots von Spambots der neuesten Generation ohne weiteres überwunden werden. Ausserdem würden wir uns lieber auf die Er­stellung von echten Inhal­ten konzen­trieren, statt dauernd Kommentar­formulare an- und abzuschalten. Zumal die markt­führende Such­maschine zurzeit die große Keule gegen zugespammte Seiten schwingt und diese ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Index entfernt.

Andererseits möchten wir aber auch nicht gänzlich auf die Kommentar­funktion verzichten, weil dort immer wieder mal wertvoller Input von aussen kommt, der das im-eigenen-Saft-kochen verhindert. Die Ein­führung von CAPTCHAs ist aber auch nicht der Weis­heit letzter Schluss, zumal die CAPTCHAs von großen E-Mail-An­bietern wie Windows Live Hotmail und Google Mail bereits mit schöner Regel­mäßig­keit von ent­sprechenden Pro­grammen geknackt werden können. Und zwar unter 60 Sekunden, was mittler­weile schneller ist als die Zeit, die ein sehender Mensch für so manchen Fehl­versuch braucht.

Mal ganz abgesehen von dem Problem, dass grafische CAPTCHAs für blinde und sehbehinderte Nutzer prinzipiell nicht zugänglich sind, wie man auch sehr schön in diesem Video der American Foundation for the Blind sehen und vor allem hören kann: »CAPTCHAs on Social Networking Sites Shut Out Blind Users«.

Bei vermeintlich zugänglicheren Alter­nativen wie Audio-CAPTCHAs, Rechen­auf­gaben etc. sind wir ebenfalls skep­tisch: auch hier wird es nicht allzu lange dauern, bis Schad­software diese bewältigt, zumal Sprach­er­kennung mittler­weile ja nun wirklich kein Problem mehr darstellt. Tools wie CAPTCHA Killer wiederum lösen nicht das eigentliche Problem, sondern verlagern nur noch mehr Arbeit auf den Besucher.

Bei der anstehenden Über­arbeitung dieser Seiten werden wir also ange­strengt darüber nach­denken, ob Kommentare komplett moderiert werden und / oder für die Abgabe von Senf z.B. eine OpenID nötig sein wird. Bis es soweit ist wird die Kommentarfunktion in unserem kleinen Weblog nur noch für ausgewählte Beiträge freigeschaltet.

Nachtrag: ›Spam vs. Accessibility‹

09 Jun 2008

»Ohne Hilfsmittel und mit etwas Empathie können wir als Webgestalter, Texter und Site-Betreiber schnell ausprobieren, wie andere mit unserer Website zurechtkommen. Es gibt nur einen Grund, warum das nicht oft getan wird: Inkompetente Entwickler oder ignorante Auftraggeber!

In diesem Beitrag geht es nicht um Checklisten, Richtlinien und Verordnungen. Auch nicht um Toolbars und Prüfprogramme. Ich schreibe vom einfachen Menschenverstand.«

Gerald Brozek: »Zugänglichkeit von Websites mit Empathie testen«

11 Mär 2008

Eines der brauchbarsten Testwerkzeuge ist nun wie angekündigt als Erweiterung für Firefox erhältlich (Download, Packungsbeilage).

14 Feb 2008

Den Bad Usability Calendar hatten wir in den Vorjahren schon öfters verlinkt, jetzt gibt es die neueste Version für das aktuelle Jahr in verschiedenen Größen und Sprachen: Bad usability calendar – wie immer zum Brüllen.

Auch neu: der EfA-Kalender 2008

Ausser der Jahreszahl hat sich eigentlich nicht viel geändert beim ›Einfach für Alle‹-Wand­kalender für das Jahr 2008:

EfA-Kalender2008.pdf (4,8 MB, DIN A3, CMYK).

Wir wünschen viel Spaß damit. Für eventuell auftretende Fehl­funktionen des Kalenders übernehmen wir keinerlei Haftung und auch keinen Support. Weitere Goodies zum Mitnehmen bei Downloads.

13 Feb 2008

05 Feb 2008

Das Prüfwerkzeug Bobby ist seit dem 1. Februar nicht mehr öffentlich zugänglich. Falls Ihnen dass jetzt nichts sagt: Bobby ist dieser grinsende Polizist, mit dem unbedarfte Webmaster den Nachweis auf ihre Seiten kleben konnten, dass man eine barrierefreie Seite hat das Bobby-Prüfverfahren bestanden hat.

Das Programm war zunächst am amerikanischen Center for Applied Special Technology (CAST) entwickelt und in den letzten Jahren von der Firma Watchfire weiterentwickelt und kommerziell vertrieben worden. Letztere ist im vergangenen Jahr von IBM übernommen worden und das Programm soll dem Vernehmen nach als Teil der Rational Policy Tester Accessibility Edition weiter vertrieben werden.

31 Jan 2008

Online-Umfrage der Aktion Mensch zur Nutzung des Web 2.0 durch Menschen mit Behinderung endet am 6. Februar

Noch bis zum 6. Februar können Menschen mit Behinderung auf der Webseite der Initiative ›Einfach für Alle‹ an einer Online-Umfrage der Aktion Mensch teilnehmen. Ziel der Umfrage ist es, erstmals zu ermitteln, wie Menschen mit Behinderung das so genannte Web 2.0 nutzen. Bereits jetzt haben mehr als 500 Teilnehmer den Online-Fragebogen ausgefüllt.

Das ist ein sehr guter Zwischenstand, freut sich Iris Cornelssen von der Aktion Mensch aber wir wünschen uns noch mehr Beteiligung. Denn je mehr Menschen mit Behinderung unsere Fragen beantworten, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die Resultate der Umfrage stellt die Aktion Mensch im Mai im Rahmen eines Fachkongresses vor.

30 Jan 2008

Unsere anfängliche Begeisterung für Microformats ist schon vor einiger Zeit der Ernüchterung gewichen, nachdem wir uns verschiedene Muster mal im Screenreader angehört hatten. Trotz der vielen Möglichkeiten, Dokumente mit Bedeutung und Funktion anzureichern bleibt nach wie vor ein grundlegendes Problem: die Art wie das Element für Abkürzungen eingesetzt wird führt dazu, dass je nach Einstellungen im Screenreader ein vollkommen unverständlicher Zahlen- und Buchstabensalat vorgelesen wird.

Leider hat sich die Microformats-Community als weitestgehend therapieresistent gezeigt und sämtliche Verbesserungsvorschläge abgebügelt – trotz zahlloser Test Cases, in denen die Unbrauchbarkeit nachgewiesen wurde.

Ein Artikel, der die ganze Problematik aufzeigt (hAccessibility von Bruce Lawson und James Craig) ist nun von Michael Jendryschik ins Deutsche übersetzt worden: »hAccessibility« – bevor Sie Microformats unbedacht einsetzen empfiehlt sich die dringende Lektüre!

In die ähnliche Richtung geht ein neuer Artikel von Mike Davies im YUI-Blog, der sich der Problematik von leeren Links in Screenreadern annimmt: »Empty Links and Screen Readers«. Hier geht es um das include pattern, mit dem sich Daten in Seiten einfügen lassen, ohne dass diese als (unnötiges) Duplikat vorliegen.

Auch hier zeigt sich wieder das gleiche Problem: in Ermangelung von Inhalten oder Alternativen machen sich die getesteten Screeenreader wie üblich von alleine auf die Suche nach irgendwas zum Vorlesen und geben im Ernstfall den kompletten URL des leeren Links aus. Daher empfiehlt sich auch hier ganz dringend, die Empfehlungen am Ende des genannten Artikels beim Einbau von Microformats zu beherzigen.

24 Jan 2008

Unser Lieblings-Testwerkzeug liegt in einer neuen Version vor: WAVE 4.0 (beta). Das schöne an WAVE ist, dass man nicht mit einer seitenlangen Tabelle von Fehlern (oder vermeintlichen Fehlern) konfrontiert wird, sondern die problematischen Dinge im optischen Kontext der getesteten Seite sieht. Mehr dazu und zu den Änderungen und Neuerungen vom Mit-Entwickler Jared Smith im WebAIM-Blog: »Introducing WAVE 4.0«.

Eine Toolbar für Firefox ist noch in der Mache und soll in Bälde folgen. Mit dieser lassen sich dann auch Seiten im Intranet bzw. in Passwort-geschützten Bereichen testen, oder wenn sensitive Daten nicht über's Netz verschickt werden sollen.

30 Nov 2007

Bis zum 10. Dezember läuft eine Umfrage der britischen Organisation AbilityNet, in der die Nutzung von sozialen Online-Netzwerken (was ist das?) durch Menschen mit Behinderungen untersucht werden: »Your views on Social Networking websites«. Abgefragt werden Barrieren bei der Registrierung und Nutzung von webzweinulligen Angeboten, auf die Ergebnisse sind wir also aus den bekannten Gründen mehr als gespannt.

12 Okt 2007

In den letzten Folgen hatten wir viel über die theoretischen Grundlagen und die Verteilung der Zuständigkeiten gesprochen und wie man die Ideen der Barrierefreiheit in die Abläufe von Projektteams integriert. Heute schauen wir uns an, wie man die Qualität in solchen Projekten sicherstellt und geben ein paar Tipps zum Testen von Websites

Zum Mithören:

Podcast vom 12. Okt.
(.mp3, 21′16″, 19,6 MB)

Zum Mitlesen:

Die Mitschrift des Podcasts

Zum Abonnieren:

Der Podcast im iTunes Music Store

11 Okt 2007

Wir hätten da eine Idee für die Accessibility Blog Parade: John Allsopp schlägt vor, mal einen Tag lang das Web ohne Tastatur zu benutzen – wir würden gerne den umgedrehten Vorschlag machen:
Klemmen Sie die Maus ab.
Einen ganzen Tag lang. Versuchen Sie nun, alle anfallenden Arbeiten nur mit der Tastatur zu erledigen. Berichten Sie über Ihre Erfahrungen in Ihrem Blog (oder hier in den Kommentaren). Und nein, Trackpad benutzen gilt nicht und Arbeiten auf Morgen verschieben auch nicht.

Nachtrag: »Maus raus« – ernüchternde Testergebnisse von Maria Putzhuber im MAIN_web-Blog.

08 Okt 2007

Im Februar des vergangenen Jahres hatte der amerikanische Blindenverband (NFB) Klage gegen den Einzelhändler Target wegen diskriminierender Praktiken auf deren Website eingereicht. Nachdem diese Klage auf Basis des Americans with Disabilities Act (ADA) für einiges Aufsehen gesorgt hatte (wir berichteten) war es in letzter Zeit sehr ruhig um das Thema geworden. Nun hat eine Richterin in Kalifornien die Sammelklage zugelassen, der sich alle blinden Amerikaner anschließen können.

Target hatte nun über ein Jahr Zeit, um das eigene Web-Angebot zu verbessern – dem Vernehmen nach aber nichts weiter in Richtung Accessibility unternommen. Die Vorwürfe sind wie so oft die typischen Barrieren für blinde Nutzer: keine alt-Attribute bei Bildern (inklusive Sonderangeboten), der Bestellprozeß funktioniert nicht bei reiner Tastaturbedienung, Überschriften und ähnliche Strukturelemente zur Orientierung sind nicht vorhanden etc. pp. (via)