03 Mai 2013
Zahlen und Fakten rund um digitale Mobilität und Barrierefreiheit
Wie viele Menschen mit Behinderung haben eigentlich Smartphones? Wie viel Zeit verbringen sie im Internet? Wir haben mal einige spannende Zahlen und Fakten zusammengefasst.
Zahlen und Fakten rund um digitale Mobilität und Barrierefreiheit …
Fast jeder siebte Mensch hat eine Behinderung
Rund eine Milliarde Menschen haben eine Form von Behinderung, rund 110 Millionen Menschen haben große Schwierigkeiten bei der Nutzung von Technologien. Die zugängliche Gestaltung von Smartphones kann ihre Lebensqualität oft wesentlich verbessern und Zugänge und Mitgestaltung in wichtigen Lebensbereichen unterstützen.
Quelle: guardian.co.uk
Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich stark im Web aktiv
Nach einer Online-Umfrage der Aktion Mensch unter mehr als 600 Menschen mit Behinderung ist diese Gruppe von Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich stark im Web aktiv. Demnach sind Menschen ohne Behinderung an etwa 5,1 Tagen pro Woche im Internet, bei Menschen mit einer Behinderung sind es rund 6,5 Tage pro Woche.
Quelle: einfach-fuer-alle.de/studie
2013 erstmals mehr Smartphones als Handys verkauft
Nach den Marktforschern des IDC (International Data Corporation) wurden im ersten Quartal 2013 weltweit erstmals mehr Smartphones als einfache Handys verkauft. Insgesamt konnten in den ersten drei Monaten 2013 über 216 Millionen Smartphones abgesetzt werden. Dies entspricht im Segment der Mobiltelefone einem Marktanteil von 51,6 Prozent.
Quelle: zdnet.de
Mobile Internet-Nutzung wächst rasant
Der mobile Zugriff auf das Internet nimmt stetig zu. Im Dezember 2012 haben 16 Millionen Deutsche mit ihren Smartphones auf soziale Netzwerke zugegriffen, so das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens ComScore.
Quelle: smo14.de
Jeder zweite Mensch mit einer Behinderung hat ein Smartphone
Zumindest in Kanada. Das Wireless RERC (Rehabilitation Engineering Research Center) hat 452 Menschen mit Behinderung nach ihrer Nutzung mobiler Endgeräte befragt. 92 Prozent besaßen zumindest ein mobiles Endgerät. 53 Prozent haben ein Smartphone, 25 Prozent benutzen einen Tablet-Computer. Das überraschende Ergebnis ist, dass nur 45 Prozent der kanadischen Durchschnittsbevölkerung ein Smartphone besitzen, Menschen mit Behinderung also eher ein Smartphone nutzen als Menschen ohne Behinderung.
Quelle: zomigi.com
Zwei Drittel der EU-Bürger würden mehr für barrierefreie Produkte bezahlen
Eine Umfrage der Euopäischen Union zeigte, dass 66 Prozent der EU-Bürger bereit wären, mehr Geld für barrierefreie Produkte zu bezahlen. Für sie steht dabei die Inklusion von Menschen mit Behinderung und älteren Menschen in die Gesellschaft im Vordergrund.
Quelle: ec.europa.eu (PDF)
Apps für Menschen mit Behinderung
Es gibt bereits zahlreiche gute Beispiele für Apps, die vor allem für Menschen mit Behinderung im Alltag hilfreich sein können. Einige Best Practice Beispiele werden wir hier zukünftig näher vorstellen, die Liste wird dabei immer wieder erweitert. Den Anfang machen die »Klassiker«, wichtige Basis-Apps für bestimmte Behinderungen.
Apps für Menschen mit Behinderung …
Für Menschen mit Sehbehinderungen
Ariadne GPS
Mit Ariadne GPS können blinde Menschen durch ihnen bekannte oder auch fremde Umgebungen navigieren. Die App bietet die Möglichkeit, Karten zu nutzen, um damit die eigene Wohngegend neu kennen zu lernen oder neue Orte zu finden.
Sie kann den aktuellen Standort einer Person über den eingebauten GPS-Empfänger oder über das Handy-Signal ermitteln oder sagt bei Berührung an, welche Straßen vor oder hinter der Person liegen.
Dadurch wird das Smartphone zu einem Navigationssystem für Blinde. In vielen Fällen ist die Navigation sogar genauer als bei einem einfachen Navigationssystem, weil die Standortinformationen aus mehreren Quellen wie GPS und dem Handysignal ermittelt werden können. Für Blinde ist das wichtig, weil sie nicht ohne weiteres den Namen der Straße oder die Hausnummer herausfinden können. Aktuell gibt es die App nur für das iPhone.
Für Menschen mit Hörbehinderungen
VerbaVoice
Bei VerbaVoice handelt es sich um einen mobilen Text-Dolmetschdienst. Gehörlose oder schwerhörige Menschen können den Dienst bei Bedarf zuschalten, um sich das vom Gesprächspartner Gesagte in Text übersetzen zu lassen. Das ist praktisch, da es oft schwierig und teuerer ist, in jeder Situation einen Textdolmetscher zu organisieren.
Der Dolmetsch-Dienst kann zum Beispiel in einer Vorlesung genutzt werden, um das vom Dozenten Gesagte live in Text übertragen zu lassen. Gehörlose und schwerhörige Menschen können dadurch leichter dem Vortragenden folgen. Wenn der Dozent besonders schnell spricht, kann der Schriftdolmetscher auch eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte anfertigen. Man kann außerdem eine Mitschrift des Gesprochenen bestellen, um Informationen nachzulesen, die in der konkreten Situation nicht verstanden wurden.
VerbaVoice gibt es für PCs, für das iPhone und Android.
Für Menschen mit sprachlichen Einschränkungen
Grace-App
Die Entwicklung der Grace-App wurde von der Mutter eines Kindes mit Autismus angestoßen. Das Kind erhielt dadurch die Möglichkeit, über Bilder zu kommunizieren und seinen Gefühlszustand auszudrücken. Zugleich dient die App zur Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes.
Ursprünglich hatte die Tochter der Entwicklerin ein Bilderbuch. Wenn sie Hunger hatte oder sich unwohl fühlte, zeigte sie auf ein bestimmtes Bild, um diesen Zustand auszudrücken. Das Buch war aber zu groß, um es überall hin mitzunehmen. Die App ist überall verfügbar und kann bei Bedarf auch um neue Bilder erweitert werden.
Die Entwicklerin hat bewusst auf eine Sprachausgabe verzichtet, die in vielen Apps zur Unterstützten Kommunikation eingebaut ist, um die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Tochter zu fördern. Der Benutzer kann dazu angehalten werden, auch auszusprechen, was er mitteilen möchte, wenn er auf ein bestimmtes Bild zeigt. Die angesprochene Person kann ihm helfen, indem sie das Gesagte wiederholt oder korrigiert.
Die App gibt es aktuell nur für das iPhone.
Für Menschen mit motorischer Behinderung
Wheelmap
Wheelmap ermöglicht es Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, barrierefreie Orte zu finden. Das erleichtert ihnen sowohl die Planung von Reisen als auch das spontane Aufsuchen beispielsweise von Cafés oder Restaurants. Die Orte auf WheelMap werden von vielen Freiwilligen eingetragen und auf ihre Barrierefreiheit bewertet. Die Anwendung ist auch für Menschen mit Gehbehinderung oder Eltern mit Kinderwagen nützlich.
Twitpicdescription – ein Tool, das Twitter-Nutzern mit Sehbehinderung Bilder zugänglich machen kann
Der Social-Media-Dienst Twitter wird auch von blinden und sehbehinderten Menschen gerne genutzt. Für schnellen, mehr oder weniger tiefsinnigen Gedankenaustausch, aber immer knapp formuliert in maximal 140 Zeichen.
Neulich in meiner Timeline (so nennt man die Nachrichtenübersicht bei Twitter): Eine blinde Twitter-Nutzerin bittet einen Bekannten in ihrer Timeline um die Beschreibung eines Bildes, das er soeben getwittert hatte. Sie wollte einfach die Diskussion verstehen, die sich auf das Bild bezog, das sie ja nicht sehen konnte. Nach einigem Hin und Her kamen Aussagen wie »Das geht nicht bei verlinkten Bildern«. Und noch etwas später: »Ich frage mich jedoch, ob ich wirklich aus Solidarität auf meine visuellen Scherze verzichten sollte.«
Der Hintergrund dieser Konversation: Auf Twitter kann man auch Bilder veröffentlichen. Dem Charakter von Twitter entsprechend handelt es sich dabei oft um lustige oder provozierende, häufig zu Kommentaren oder Diskussionen anregende Bilder. Man kann den Frust der blinden Frau verstehen, die die Diskussionsbeiträge zwar lesen, aber nicht verstehen konnte, weil die Diskussionsgrundlage, das Bild, für sie nicht zugänglich war. Aber auch die Reaktion »… auf meine visuellen Scherze will ich nicht verzichten [… nur weil auch blinde Menschen meine Tweets lesen]« ist verständlich. Es gibt Bilder, die für sich sprechen, die man nicht kommentieren darf, ohne die Pointe vorwegzunehmen. Wissen sollte man in diesem Zusammenhang auch, dass blinde Menschen häufig eine erstaunliche Fähigkeit entwickelt haben, sich aus wenigen Hinweisen »ein Bild zu machen«. Aber ganz ohne Hinweise – in diesem Fall ohne eine Beschreibung des Bildes – kann das nicht gelingen.
Da Twitter selbst keine entsprechende Möglichkeit bietet und ich mich mit der Aussage »Das geht nicht« nur ungern zufrieden gebe, habe ich ein Online-Tool geschrieben, das genau den beschriebenen Fall abdeckt: www.twitpicdescription.de oder w7t.de Das Tool ist kostenlos online verfügbar und weitgehend selbsterklärend. Es erfordert allerdings vom Anwender, vom Ersteller der Bildbeschreibung, etwas Mühe, und vor allem Problembewusstsein.
Der URL – die Adresse des Bildes im Web, z. B. bei Twitter – muss ausfindig gemacht und zwischengespeichert werden (in der Regel reicht dazu ein Mausklick rechts). Und – das dürfte vielen Menschen tatsächlich Mühe bereiten – es muss eine Bildbeschreibung formuliert werden. Knapp, aber so aussagefähig, dass der blinde Leser sich daraus ein zutreffendes Bild machen kann.
Zum Thema Problembewusstsein: Nicht jedes Foto auf Twitter verlangt nach einer Beschreibung. Bestimmt nicht die vielen Reisefotos, und noch weniger das Foto von der Pizza des Tages. Aber ein Foto der Tageszeitung mit der aktuellen Schlagzeile, ein geistreicher Cartoon oder ein Foto mit einer speziellen Aussage könnten lohnende Objekte sein. Glücklicherweise tragen gerade solche Bilder oft ihre eigene Bildbeschreibung in sich. Man denke an die Sprechblasen in Cartoons oder die lustige Beschriftung eines Plakats. Aber Bilder bleiben Bilder, ob mit oder ohne Text, und Bilder können auch von modernen Screenreadern (Bildschirmlesegeräten) nicht ausgelesen werden, bleiben blinden und sehbehinderten Menschen also unzugänglich. Als Beispiel für die vom Tools erzeugte Ausgabe eine mit twitpicdescription.de beschriebene Grafik: Web-Adresse: w7t.de/a/50fdad8ea81bc.php Die Bildbeschreibung in obigem Beispiel wurde im Tool als »Beschreibung unsichtbar, nur für Screen Reader lesbar« markiert. Sehende Betrachter lesen nur den knappen Hinweis auf eine existierende Bildbeschreibung, nicht aber die Beschreibung selbst. Sie lautet in Klarschrift: »Probleme intellektueller Paare: Sie: Lass uns doch mal wieder ausgehen. Er: Wovon?« – So einfach kann es sein!
Kommentare: 0, Permalink
: -
18 Okt 2012
Seminare zur Erstellung barrierefreier PDF
Im August 2012 ist der ISO-Standard PDF/UA verabschiedet worden. Aus diesem Anlass veranstaltet die PDF Association eine Reihe von Seminaren rund um barrierefreie PDFs.
Themen der Seminare sind unter anderem die geltenden Regelungen für barrierefreie PDF-Dokumente, deren Erstellung sowie die Formulierung von Anforderungen und die Qualitätssicherung. Die Seminare richten sich an Mitarbeiter aus Behörden, an Dienstleister und andere Interessierte.
Die Seminare finden im Herbst 2012 sowie im Frühjahr 2013 an wechselnden Orten und mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt. Nach Information der Veranstalter beträgt der reguläre Teilnehmer-Beitrag 299 Euro, für Mitglieder gemeinnütziger Organisationen 99 Euro und für Studenten 29 Euro.
Weitere Informationen zu den einzelnen Terminen und Seminarinhalten finden Sie auf den Seiten der PDF Association unter www.pdfa.org.
Beachten Sie zu diesem Thema auch die bei ›Einfach für Alle‹ übersetzten Techniken für barrierefreies PDF.
05 Jun 2012
PDF-Techniken, Teil 23
Eher für fortgeschrittene Anwender ist die Erstellung komplexer Formulare mit spezialisierten Tools. Was es hier zu beachten gibt beschreibt die Technik PDF23: Bereitstellung von interaktiven Formular-Steuerelementen PDF-Dokumenten.
04 Jun 2012
PDF-Techniken, Teil 22
Wenn Formularfelder nur bestimmte Eingaben erlauben, dann sollten Sie den Anwender auf eventuelle Fehleingaben hinweisen: PDF22: Kennzeichnung von Eingaben des Benutzers, die außerhalb der verlangten Formate oder Werte in PDF-Formularen liegen.
01 Jun 2012
PDF-Techniken, Teil 21
Listen werden bei der Generierung von PDFs schon mal gerne falsch aufgebaut, sodaß oftmals manuelle Korrekturen nötig sind: PDF21: Benutzung von List-Tags bei Listen in PDF-Dokumenten.
31 Mai 2012
PDF-Techniken, Teil 20
Weil die automatische Erkennung von Tabellen komplexe Zusammenhänge nicht erkennen kann, ist hier oftmals manuelle Nacharbeit angesagt. Die nötigen Schritte beschreibt die Technik PDF20: Benutzung des Table Editors von Adobe Acrobat Pro, um falsch ausgezeichnete Tabellen zu reparieren.
30 Mai 2012
PDF-Techniken, Teil 19
Falls Sie Abschnitte in ihrem Dokument haben, die von der ansonsten vorherrschenden Sprache abweichen, sollten Sie diese entsprechend auszeichnen: PDF19: Festlegung der Sprache für einen Abschnitt oder eine Phrase mit dem Lang-Eintrag in PDF-Dokumenten.
29 Mai 2012
PDF-Techniken, Teil 18
Damit die Leserin weiss was sie vor sich hat: PDF18: Festlegung des Dokument-Titels, indem man den Titel-Eintrag im Document Information Dictionary eines PDF-Dokumentes benutzt.
