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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

19 Sep 2011

PDF-Dokumente sind der Quasi-Standard für plattformunabhängige, digitale Dokumente. Vor allem für Blinde und Sehbehinderte sind sie aber eher schwierig zu benutzen. PDF-Dateien sind so gut wie nie barrierefrei. Das liegt daran, dass die meisten kostenlosen oder kostenpflichtigen Programme zur Erzeugung von PDF-Dateien die Barrierefreiheit nicht unterstützen. Broschüren oder Bücher nachträglich barrierefrei zu machen ist ein aufwendiger Prozess.

Die Grundlage für barrierefreie PDFs sind Tags. Ähnlich wie in HTML wird durch Tags eine Struktur über das Dokument gelegt, so dass es wie eine Webseite navigiert werden kann.

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Barrierefreiheit versus Benutzbarkeit

Viele PDF-Dateien sind grundsätzlich benutzbar, auch wenn sie nicht barrierefrei sind. Für Blinde erscheint dann der Text als Fließtext ohne Überschriften, Listen oder sonstige Strukturen. Doch es gibt auch genügend Dokumente, die gar nicht benutzbar sind. Die häufigsten Probleme sind:

  • Das Dokument besteht aus einer Rastergrafik und nicht aus Text.
  • Das Dokument ist gegen die Entnahme von Text kopiergeschützt.
  • Das Dokument ist mehrspaltig oder enthält einen unbekannten Zeichensatz.

Beim Lesen solcher PDFs können die seltsamsten Störungen auftreten. Bei einem PDF wird nach jedem Wort ein Punkt statt einem Leerzeichen eingefügt, bei einem mehrspaltigen Text werden die Zeilen falsch zusammengesetzt, bei einem anderen Dokument steht jedes Wort in einer eigenen Zeile. Bei geschützten Dokumenten oder Rastergrafiken hingegen hat der Screenreader schlicht keine Möglichkeit, auf den Inhalt zuzugreifen.

Ob ihr nicht-barrierefreies PDF problematisch ist können Sie ganz leicht selber testen: Versuchen Sie, Ihr PDF-Dokument als Text zu speichern. In den meisten Leseprogrammen finden Sie eine entsprechende Möglichkeit im Datei-Menü. Wenn die Option ausgegraut oder nicht aufrufbar ist, ist Ihre Datei geschützt. Wenn die resultierende Text-Datei leer ist, handelt es sich vermutlich um eine Rastergrafik. Und wenn Sie einen unlesbaren Text erhalten stimmt etwas mit Ihrem Spalten- oder Zeichensatz nicht.

Unstrukturierter Text ist kein Ersatz für PDF, sondern ein schlechtes Provisorium. Eine Tabelle zum Beispiel ist in einer Textdatei vollkommen unbrauchbar.

An welcher Stelle sollte man ein PDF einsetzen?

PDF ist tatsächlich sinnvoll, wenn es um große Mengen an Informationen geht, die gestaltet sein sollen. Die aktuellen Webstandards erlauben nur eingeschränkten Einfluss auf Farbgestaltung oder Typographie, vor allem, wenn das Dokument mit allen Browsern auf allen Plattformen gleich aussehen soll. Oftmals werden PDF aber eingesetzt, weil es für den Redakteur gerade bequemer ist.

Wenn ein Text viele Seiten umfasst, keine unmittelbar wichtigen Informationen enthält, das Layout wichtig ist und der Text nicht ständig aktualisiert werden muss, kann man ihn als PDF anbieten. In allen anderen Fällen sollte immer eine HTML-Version bevorzugt werden.

Wenn Sie einige Regeln beachten, können Sie die Nutzung von PDF-Dokumenten wesentlich erleichtern.

Das PDF soll zugänglich sein

Die kostenlosen Produktivitätsprogramme OpenOffice bzw. LibreOffice können von Haus aus barrierefreie PDF erstellen. Auch Microsoft Office kann ab der Version 2007 getaggte PDF erstellen. Dazu müssen die in der Textverarbeitung vorhandenen Formatvorlagen für Überschriften und Listen verwendet werden; es können auch Alternativtexte für Bilder vergeben werden.

Für komplexere Dokumente wie etwa Flyer oder Broschüren müssen allerdings die Produkte von Adobe eingesetzt werden. Wenn es aus finanziellen oder technischen Gründen nicht möglich ist, ein strukturiertes PDF bereit zu stellen, sollten Sie zumindest – wie oben beschrieben – auf die Benutzbarkeit achten.

Das PDF soll sprechend benannt werden

Viele Nutzer sammeln PDF-Dokumente zur späteren Lektüre. Wenn die Dokumente nicht sprechend benannt sind, müssen sie geöffnet werden, um zu erfahren, um welches Dokument es sich handelt.

Vor allem Blinde mögen es nicht, PDF-Dateien im Browser zu öffnen. Die Browseranzeige ist nicht barrierefrei, zudem kann die komplette Tastatursteuerung über den Browser verloren gehen, so dass der Browser neu gestartet werden muss. Blinde ziehen es deshalb vor, PDFs zu speichern und mit dem Leseprogramm zu öffnen.

Aus diesem Grund sollten Sie auch immer ankündigen, wenn sich hinter einem Link ein PDF verbirgt. Überraschungen dieser Art sind nicht nur bei Blinden unbeliebt.

Das PDF soll klein sein

Die 50 MB große PDF-Datei ist, DSL hin, DSL her, sehr langsam beim Download. Das mag bei Druckvorlagen angemessen sein, die eine hohe Auflösung und Bildqualität von 300 dpi oder höher haben sollen. Für das Internet ist diese Datei zu groß, es dauert lange, sie zu öffnen und mit ihr zu arbeiten. Achten Sie vor allem darauf, die Bilder internetgerecht zu komprimieren.

Das PDF soll keine Informationen enthalten, die nicht auf der Website stehen

Aus der Sicht der Benutzerfreundlichkeit ist es sinnvoll, wichtige Informationen immer so einfach wie möglich zugänglich zu machen. Das heißt, die Informationen sollen auf der Webseite stehen, wenn sie wichtig sind. Es spricht nichts dagegen, sie ergänzend in ein PDF zu packen, aber das sollte keine Priorität haben.

Der große Vorteil von Webseiten besteht darin, dass sie leichter barrierefrei zu machen sind als PDF. HTML wird von den meisten Hilfstechniken gut unterstützt, was man von PDF nicht behaupten kann.

Das PDF soll nicht geschützt sein

Wenn das PDF nicht barrierefrei gemacht werden kann, sollte es zumindest nicht vor dem Kopieren von Text geschützt werden. Für Blinde ist es ansonsten nicht möglich, auf den Text zuzugreifen. Aber auch andere Nutzer werden dadurch gestört, wenn sie etwa Text für ein Zitat kopieren möchten.

Denken Sie an mobile Endgeräte

Immer mehr Menschen sind überwiegend mit kleinen und nicht sehr leistungsfähigen Endgeräten im Internet unterwegs. PDFs werden von diesen Geräten nur eingeschränkt dargestellt, weil die Grafik nicht leistungsfähig genug ist. PDF ist ein Format für große Displays. Die wenigsten Menschen werden ein mehrseitiges PDF auf ihrem Smartphone lesen. Das ist ein weiterer Grund, wichtige Informationen direkt auf der Webseite bereit zu stellen.

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