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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

05 Sep 2011

Im ersten Teil sind wir auf die Navigation und die Kategorisierung über Tags und Rubriken als Formen der Nutzerführung eingegangen. Im zweiten Teil wird es um die Nutzerführung über verschiedene Verlinkungsformen gehen.

Hin und zurück – der Brotkrumenpfad

Der Brotkrumenpfad oder der sog. Breadcrumb-Trail gehört bei vielen Seiten zu einer unauffälligen, aber wichtigen Funktion. Er verrät kurz und anschaulich, wo man sich gerade befindet und was die übergeordnete Ebene der aktuellen Seite ist. Damit ist eine wichtige Regel der Usability erfüllt: Die Breadcrumbs verraten jederzeit, wo man ist, was die nächst höhere Ebene ist und wie man auf diese Ebene gelangt. Wenn die Navigation schlüssig aufgebaut ist, lässt der Brotkrumenpfad auch die Zuordnung eines Objekts innerhalb einer Hierarchie zu. Ich befinde mich auf Seite X, X ist ein Unterelement von Y, Y ist ein Unterelement von Z und so weiter. Je tiefer eine Ebene in der Navigation liegt, desto spezifischer wird die Information. Folgerichtig sollte die Information allgemeiner werden, wenn man eine Ebene höher steigt. Ein Brotkrumenpfad wird deshalb um so wichtiger, je mehr Ebenen eine Navigation hat.

Eine ähnliche Funktion kann im übrigen auch der URL erfüllen, wenn er lesbar ist. Bei einem Dateimanager ist das ein wenig augenfälliger: hier können wir anhand des Pfades erkennen, welche Ordner und Unterordner zu einer Datei führen und bekommen ein Gefühl dafür, wie Strukturen in diesem Ordnungssystem aufgebaut sind. Weil die meisten Webseiten heute auf Redaktionssystemen basieren, spielt die klassische Ordnerstruktur im Web keine große Rolle mehr.

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Inhaltliche Links

Natürlich gehören auch die Links im Inhaltsbereich zur Benutzerführung – ein Punkt, der häufig vernachlässigt wird. Bei Wikipedia spielen zum Beispiel die Links neben der Suche die eigentliche Hauptrolle. Bei längeren Artikeln folgt nach einem einleitenden Absatz ein Inhaltsverzeichnis, welches einen schnellen Überblick über Inhalt und Aufbau des Artikels liefert und einzelne Abschnitte des Artikels anspringbar macht. Innerhalb der Artikel werden Stichworte verlinkt, zu denen Artikel in der Wikipedia existieren. Außerdem gibt es in Form von Sprungankern die Möglichkeit, zur Quellenangabe der jeweiligen Information zu springen und anschließend wieder zur Ursprungsstelle zurückzukehren. Man kann also durch die Wikipedia navigieren, ohne die Hauptnavigation zu benutzen – die eigentliche Idee hinter dem Konzept »Hypertext«.

Online-Publikationen und Online-Bücher verwenden gerne eine Blätterfunktion. Online-Publikationen wollen vor allem die Klickrate steigern, weil bestimmte Werbeformen nach der Zahl der Seitenaufrufe bezahlt werden (sog. Ad Impressions). Oder sie glauben an die irrige Annahme, dass Nutzer auf längeren Webseiten nicht scrollen.

Bei Büchern hingegen macht es Sinn, die Texte abschnittsweise bereit zu stellen, weil sich die Kapitel als natürliche Abschnitte anbieten. Ein schönes Beispiel dafür sind die kostenlos zugänglichen EDV-Bücher des Galileo-Verlages. Ein ganzes Buch samt Grafiken auf einer Seite darzustellen würde die Ladezeit unnötig verlängern und brächte nur wenige Vorteile.

Am Ende eines Artikels sollte dem Nutzer immer eine Möglichkeit angeboten werden, weiterzuklicken: das kann ein verwandter Artikel sein, ein Verweis auf Quellen oder auf interessante Artikel zum behandelten Thema auf anderen Webseiten. Viele Nutzer werden nicht wieder hoch scrollen, um nachzuschauen, ob es oben noch was Spannendes gibt. Es bietet sich immer an, einen Link zu allgemeineren und einen zu spezifischeren Informationen anzubieten, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Ein gutes Beispiel ist die HTML-Referenz selfHTML, wo etwa im Abschnitt über Verlinkung jeweils Links zu Grundlagenwissen und tiefer gehenden Informationen angeboten werden.

Blinde Nutzer verwenden gerne die Funktion, sich alle Links einer Seite anzeigen zu lassen. Das erlaubt einen sehr schnellen Überblick über den Inhalt des Dokuments. Wenn sie die Webseite gut genug kennen und die Links schlüssig benannt sind können Blinde unwahrscheinlich schnell durch die Webseite navigieren. Das ist übrigens der Grund, warum »weiter« oder »hier klicken« kein guter Ankertext für einen Link ist.


Anzeige der Links von ›Einfach für Alle‹ durch einen Screenreader

Sitemaps und Indizes

Sitemaps und Indizes spielen bisher in der Nutzerführung eine untergeordnete Rolle. Dabei sind Sitemaps eine interessante Alternative zu Navigationen, denn sie zeigen alle Ober- und Unternavigationspunkte, ohne dass man die einzelnen Navigationspunkte aufklappen muss. Wenn die Navigationspunkte auch verständlich benannt sind, kann man das Gesuchte sehr viel schneller finden, als wenn man die klassische Navigation verwenden würde. Wenn Sie eine grafische Sitemap anbieten, sollten Sie auch eine HTML-Version für Blinde und Sehbehinderte bereit stellen.

An der Sitemap sieht man auch, wie schon im ersten Beitrag geschrieben, dass es weniger wichtig ist, wie viele Haupt- und Unternavigationspunkte man unterbringt – entscheidend ist, dass die Links schlüssig dargestellt, gruppiert und benannt sind.

Eine Alternative zur Sitemap wäre ein Index oder Inhaltsverzeichnis. Ein Index basiert meistens auf einer alphabetischen Sortierung wichtiger Begriffe. Jedem Buchstaben sind bestimmte Begriffe zugeordnet, wodurch Nutzer sehr schnell die Gruppierung durchschauen können. Solche Indizes kennen wir aus Sachbüchern, sie können aber auch im Web sinnvoll sein: Viele Leute wissen, dass sie etwas bestimmtes auf einer Webseite finden können, haben aber keine Idee davon, wie es heißt oder es ist ihnen gerade entfallen. Oder sie wissen, dass sich eine bestimmte Information auf der Website befindet, aber nicht wo. In diesem Fall ist es einfacher, über Sitemaps oder Indizes zu gehen als über Suchmaschinen. Indizes bieten sich vor allem für komplexe Webseiten mit vielen unterschiedlichen Themen an. Sie sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn sie bei Aktualisierungen und Änderungen auf der Webseite regelmäßig gepflegt werden.

Besser statt mehr verlinken

Die Rolle der Links als Elemente der Nutzerführung wird kaum berücksichtigt. Bereiche, die zueinander in Verbindung stehen oder sich aufeinander beziehen, werden kaum miteinander verbunden. Der Hypertext ist ein hervorragendes Medium, um aufeinander aufbauende Informationen so miteinander zu verknüpfen, dass sie leichter aufgefunden werden können. Viele Webseiten sind aber eher wie Bücher aufgebaut. Wer auf einer speziellen Seite gelandet ist und nach allgemeineren Informationen sucht, darf sich erst einmal selber umschauen. Auf Behördenseiten wird sehr häufig gesagt, welches Formular man ausfüllen muss und wo es zu finden ist – wohlgemerkt anstatt es direkt zu verlinken. Wenn der entsprechende Bereich oder das Formular umbenannt wurde, hat der Nutzer keine Chance, es zu finden. Es geht also nicht darum, beliebig viele Links auf eine Webseite zu stellen. Der Anbieter muss vielmehr überlegen, welche Informationen für den Nutzer hilfreich sind. Der Autor muss also mehr nachdenken, damit der Besucher weniger nachdenken muss.

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