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05 Okt 2009

Viviane Reding, EU-Kommi­ssarin für Infor­mations­gesell­schaft und Medien fordert, die Rege­lungen zur Barriere­frei­heit europa­weit zu verein­heit­lichen. Nach einem Bericht von ZDNet sagte Sie in einer Rede vom 1. Oktober in Brüssel: »Jeder Mitglied­sstaat beschreitet beim barriere­freien Web seinen eigenen Weg. Wir müssen bedenken, dass das für die Unter­nehmen sehr teuer werden kann, weil sie sich an viele unter­schied­liche nationale Normen anpassen müssen. Außer­dem können sich die An­wender so nicht auf einen einheitlichen Qualitäts­standard bei den Webdiensten verlassen« (gefunden via @w3c).

Nach Auffassung von Reding sollte es einen gemeinsamen »European Disability Act« geben, der im Bereich des barriere­freien Internets die Web Content Accessi­bility Guidelines 2.0 des W3C (WCAG2.0) als verbindlichen Standard festlegt und damit einer weiteren Fragmentierung entgegenwirkt und zueinander nicht kompatible Regelungen der EU-Mitglieds­staaten verhindert.

In Deutschland regeln das Behinderten­gleich­stellungs­gesetz (BGG) und die allgemein als veraltet anerkannte Barriere­freie Infor­mations­technik-Ver­ordnung (BITV) den Aufbau von Websites des Bundes und der Länder, ohne dass sie Aus­wirkungen auf die Ange­bote der Privat­wirtschaft hätten. Wie Jens Grochtdreis in einem Blog-Beitrag zum Thema feststellt »… feiert die WCAG2 bald ihren ersten Geburts­tag und es sieht nicht danach aus, als bekämen wir vorher eine BITV2. Damit ist niemandem geholfen«. Dem können wir uns nur anschließen. Um nochmal Viviane Reding zu zitieren:

»Die Informations­gesellschaft ist eine entscheidende Voraus­setzung für die Verwirk­lichung des Lissabonner Ziels, ein wettbewerbs­fähiges, nach­haltiges und sozial inte­grierendes Europa zu schaffen, in dem jeder - unabhängig von seinem Gesund­heits­zustand, Einkommen oder Wohnort - sein Potenzial ausschöpfen kann …«

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Kommentare zu dieser Meldung: 1

Permalink sven meinte am 12.10.2009:

Barrierefrei und Webseiten der EU (oder gar der Bundesrepublik Deutschland) - dazu könnte man mit Sicherheit einiges zu schreiben. Das größte Problem ist dabei, dass Barrierefreiheit erst dann anfangen kann, wenn überhaupt ein logisches Konzept vorhanden ist. Derzeit scheitert man an vielen Stellen jedoch schon wenn man kein Handycap zu bewältigen hat, welches wirklich barrierefreie Webgestaltung voraussetzt.

Ich glaube das größte Problem besteht derzeit noch darin, dass Regierungsseiten derzeit eher darauf ausgelegt sind es allen beteiligten Behörden recht zu machen und zu wenig Augenmerk darauf gelegt wird eine sinnvolle Darstellung für den Bürger zu erstellen.

Aber man merkt auch, dass an einigen Stellen gearbeitet wird. Während Zolltarifnummern (für Exporte) bis vor kurzem nur unter kryptischen URLs zu finden waren, gibt es jetzt eine übersichtlichere Variante die auch ohne spezielle Lehrgänge bedient werden kann.

Während Unternehmen oft den barrierefreien Weg aufgrund von Zusatzkosten scheuen, erstellen die Behörden zwar barrierefreien Seiteninhalte, die jedoch oft nur nach langer Suche gefunden werden können. Für mich ist beides noch keine zufrieden stellende Lösung.

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