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17 Jun 2009

Die ganz frisch veröffentlichten Kriterien und Prüfschritte sind die Grundlage für den BIENE-Wettbewerb im Jahr 2009. Der Fachliche Beirat des Wettbewerbs und die Veranstalter haben das Testverfahren nach Abschluss des Wettbewerbs 2008 vollständig überarbeitet. Insbesondere Kriterien und Prüfschritte, die nicht mehr dem aktuellen Stand der technischen Entwicklung entsprachen, wurden entweder aktualisiert oder aus dem Kriterienkatalog entfernt. Um auch Anwendungen prüfen zu können, die auf neueren Webentwicklungen basieren, wurden vorhandene Kriterien neu formuliert und es wurden – wo erforderlich – neue Kriterien und Prüfschritte entwickelt.

Prüfverfahren des BIENE-Wettbewerbs 2009

Mit einer BIENE zeichnen die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen die besten deutschsprachigen barrierefreien Webseiten aus. Die Wettbewerbsbeiträge durchlaufen ein mehrstufiges Verfahren und werden anschließend von einer Jury gekürt.

Die erste Stufe des Testverfahrens bildet ein Vortest, in dem Basisanforderungen der Barrierefreiheit geprüft werden. Wettbewerbsbeiträge, die diese Anforderungen erfüllen, werden anschließend in einem umfassenden Feintest detailliert weiter untersucht. Ein Praxistest mit Betroffenen bildet die letzte Stufe des Verfahrens.

Im Rahmen des Testverfahrens werden alle Kriterien anhand verschiedener Prüfschritte untersucht. Die Prüfschritte werden gemäß einer Skala bewertet und dabei unterschiedlich gewichtet. Prüfschritte, die für einen Beitrag nicht relevant und nicht anwendbar sind, gehen nicht in die Bewertung ein.

Bei der Beschreibung der Prüfschritte wird in 2009 unter Standardansicht eine Testumgebung auf Windows XP, IE 7, 1024×768 verstanden. Darüber hinaus wird auch mit anderen Betriebssystemen und Browsern getestet. Geprüft wird bis auf einige Ausnahmen im mittleren Schriftgrad.

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Anpassbare Liste der Kriterien

Sie können in der Liste bestimmte Techniken abwählen und somit Prüfschritte ausfiltern, die für Ihr Webangebot nicht anwendbar sind. Diese werden dann nicht mehr angezeigt.

Kommentare zu dieser Meldung: 8

Permalink Thomas Scholz meinte am 17.06.2009:

»5.10 Verwendung von leicht lesbaren Schrifttypen

Prüfen Sie, ob für die Darstellung am Bildschirm deutliche Schrifttypen verwendet werden, die in der Standardansicht leicht lesbar sind.«

Da fände ich einen weiterführenden Link hilfreich, ja sogar nötig. In der Mailingliste InfoD-Cafe gab es letzten Monat eine kurze Diskussion dazu, die eigentlich nur zeigte, wie schwierig die Frage nach einer »zugänglichen« Schrift zu beantworten ist.

»14.2 Skalierbarkeit der Schriftgröße innerhalb der Anwendung
Prüfen Sie, ob eine innerhalb der Anwendung leicht auffindbare Option zur Skalierung angeboten wird.«

Heißt das: Wer so etwas anbietet, bekommt einen Punkt mehr als jemand, der darauf (bewußt) verzichtet?

»16.2 Verwendung von LABEL bei Kontroll- und Eingabefeldern in Formularen«

Auch bei einer einfachen Suchmaske? Ich benutze da nur das Attribut title und einen vernünftig beschrifteten Button, weil ein Label meiner Ansicht nach keine zusätzliche Information mehr geben kann, aber das »informationelle Rauschen« erhöht.

»22.2 Bread-Crumb-Navigation
Prüfen Sie, ob eine Bread-Crumb-Navigation vorhanden ist oder ob eine ähnliche Navigation angeboten wird, die den Pfad aufzeigt.«

Welchen Pfad? Den der zuletzt besuchten Seiten, der URL oder der thematischen Zuordnung (Schlagworte oder Kategorien)?
Resultiert der Verzicht auf diese zweite Navigation in einem Wettbewerbsnachteil?

»31. Inhalt und Layout sind getrennt.«

Im Text wird glücklicherweise indirekt deutlich, daß man Struktur und Präsentation trennen soll. Denn natürlich ist Layout auch Inhalt; es transportiert ja (nichtsprachliche) Informationen.

»35. Eine Validierung von Dokumenten, die durch Markup-Sprachen erstellt sind, ist gegen veröffentlichte formale W3C-Grammatiken möglich.«

Wie sieht das denn mit WAI-ARIA aus?

Und warum der Punkt 35.3 »CSS Prüfung auf Einhaltung der W3C-Spezifikation«? Die meisten Stylesheets bestehen die Prüfung des Checkers (ein Validator ist es nicht) schon längst nicht mehr – zum Nutzen ihrer Leser.



Warum gibt es etliche Prüfpunkte zu sprachlichen Details – aber keinen für korrekte Orthographie und Grammatik?
Die Liste illustriert doch selbst, wieviel ein Text verliert, wenn jeder zweite Genitiv ins Korsett eines Dativs gezwängt wird.

Insgesamt finde ich die Liste jedoch jetzt schon sehr nützlich. Auch wenn man nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann man sich da einige Inspiration holen. Danke für die Mühe.

Permalink Der Caspers meinte am 17.06.2009:

> Wie sieht das denn mit WAI-ARIA aus?

Ich denke die Frage beantwortet sich auf einer Seite wie dieser hier von ganz alleine, oder?

Permalink Thomas Scholz meinte am 17.06.2009:

Naja, diese Seite nimmt ja nicht am Wettbewerb teil. ;)

Ich habe das so gelesen, als *müßten* die Seiten der Teilnehmer validieren.

Permalink Heribert Wettels meinte am 17.06.2009:

Bei Betrachtung der überarbeiteten Kriterien und dem Feedback aus dem Feintest zur BIENE 2009 stellen sich mir folgende Fragen:

»5.6 Vermeidung überlanger Zeilen

Da sind sie also nun, die maximal 80 Zeichen pro Zeile statt liquid. Den entsprechenden Punkt der WCAG 2.0 hatte ich hier bereits kommentiert:
http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2461/#kommentare
Interessanterweise hält sich EfA auch nicht an diese Regel. Offenbar hatte damals niemand eine Meinung dazu. Vielleicht ja jetzt.

»22.4 [...] Wenn die Auswahlliste zu lang wird, sollte die Menüstruktur ebenfalls vermieden werden.

Ab wann ist sie denn zu lang? Konkreter gefragt: Eine Auswahlliste der deutschen und österreichischen Bundeländer sowie der schweizerischen Kantone (natürlich in Optgroups gegliedert) scheint zu lang zu sein? Eine dynamische Anpassung, also Kürzung je nach Auswahl des Landes per JavaScript scheint auch nicht ideal zu sein.
Wie könnte hierzu eine Lösung aussehen?

»23.8 Verzicht auf rekursive Links

Der Menüpunkt, der der aktuellen Seite entspricht (natürlich besonders gekennzeichnet) darf also kein aktiver Link mehr sein? Ist bei EfA aber doch auch der Fall ("02 News" lässt sich auch klicken, wenn man gerade auf der Startseite von "News" ist), und ich sehe überhaupt kein Problem dabei.

»25.5 Unterscheidbarkeit von nicht besuchten und besuchten Links

Allgemein üblich ist es, hierzu eine andere Farbe zu wählen. Aber das ist gemäß Feedback zum Feintest nicht ausreichend. Was soll man also noch tun? Unterstreichung weglassen? Dann sind besuchte Links aber gar nicht mehr als solche zu erkennen. Ein Icon davor setzen oder es im besuchten Zustand weglassen? Ich glaube nicht, dass wir nun auch bei internen Links noch Icons brauchen. Irgendwelche anderen Vorschläge?
Ach ja, bei EfA und auf der Kriterienseite gibt es übrigens (natürlich) gar keine Unterscheidung von besuchten und nicht besuchten Links.

»27.2 Nummerierte Listen
[...] Bei der Auflistung von Begriffen vorzugsweise arabische Ziffern (statt z.B. Buchstaben oder römische Zahlen) als Ordnungsbegriff [...]

Was ist an 1., 2., 3. barrierefreier als an a), b), c)? Sowohl Ziffern als auch Buchstabenfolgen sind in unserem Kulturkreis als Aufzählunsgzeichen absolut gebräuchlich. Tut mir leid, das verstehe ich nicht.

Ich will damit nicht behaupten, dass die von mir betreute Website perfekt und absolut fehlerfrei ist. Ganz im Gegenteil: Den Großteil der kritisierten Punkte habe ich inzwischen nachgebessert (zugegeben: noch nicht alle). Ich suche aber auf meiner Website immer noch nach den komplexen Datentabellen, die dringend mit HEADERS und SCOPE ausgezeichnet werden müssen. In vielen Fällen waren es jedoch schlicht und ergreifend Nachlässigkeiten, die zurecht bemängelt wurden.

Aber gerade bei den oben genannten Punkten kam mir doch öfters mal das böse Wort "Korinthenk..." in den Sinn. Vielleicht sollte man denjenigen, die sich ernsthaft um den Abbau von Barrieren bemühen, die Hürden (=Barrieren) nicht ganz so hoch setzen, dies auch zufriedenstellend zu erreichen. (Bitte jetzt keine Antwort "Barrierearm ist ein ziemlich armer Begriff.")

Permalink Der Caspers meinte am 18.06.2009:

Heribert Wettels meinte am 17.06.2009:
> Wie könnte hierzu eine Lösung aussehen?

Keine Ahnung.

Nochmal zum besseren Verständnis: das BIENE-Prüfverfahren ist KEINE Bedienungsanleitung zur Erstellung barrierefreier Webangebote, sondern nur die Dokumentation des Prüfverfahrens. Und streng genommen ist es auch nur die Dokumentation eines Teilaspekts des gesamten Prüfverfahrens, das aus Vortest, mehreren Feintest-Phasen, Benutzertests und einer abschließenden Bewertung durch ein Jury besteht. Und in den verschiedenen Phasen kuckt auch immer wieder der Fachliche Beirat des Wettbewerbs über die Zwischenergebnisse drüber und validiert die Testergebnisse der einzelnen Phasen.
Da gibt es also noch viel mehr Gelegenheiten, bei denen ein Beitrag aussortiert werden kann als nur durch das Reissen des einen oder anderen Prüfkriteriums.

Und – auch ganz wichtig: dies ist KEINE Bedienungsanleitung zum Gewinn dieses Wettbewerbs. Selbst wenn man alle formalen Kriterien erfüllt, hat man damit noch lange nicht automatisch eine BIENE in Gold abonniert.

Es geht bei diesem Wettbewerb auch darum, Innovation im Bereich der Accessibility zu fördern. Deswegen sind viele Kriterien von vorneherein so angelegt, dass man den Prüfschritt auch mit kreativen Lösungen erfüllen kann, auf die noch nie jemand vorher gekommen ist. Was sich im übrigen auch 1:1 mit den WCAG 2.0 und ihrer Konstruktion aus Prinzipien, Richtlinien, Erfolgskriterien und beliebigen Techniken deckt – solange der Nachweis möglich ist, dass eine bestimmte Technik barrierefrei nutzbar ist, ist das ok und niemand schreibt die ausschließliche Nutzung bestimmter Techniken vor.

Zitat aus der Ausschreibung:
»Gesucht werden deshalb innovative und kreative Lösungen, die nicht nur die gesetzlichen und technischen Mindestanforderungen an Barrierefreiheit erfüllen und den Bewertungskriterien des Wettbewerbs entsprechen, sondern darüber hinausgehen.«

Und Angebote, die zwar die Kriterien erfüllen, aber z.B. keine inhaltliche Relevanz haben und offensichtlich nur erstellt wurden, um an diesem Wettbewerb teilzunehmen und eine BIENE mitzunehmen, fliegen auch raus.
Das unterscheidet die BIENE von anderen Wettbewerben, wo schonmal ganz gerne z.B. Werbespots ausgezeichnet werden, die einmal Nachts um Drei auf irgendwelchen Spartenkanälen gelaufen sind, die aber ansonsten ausschließlich zur Teilnahme an gewissen Wettbewerben produziert wurden.

Permalink Sebastian Höhne meinte am 18.06.2009:

Ich habe gerade mal die Prüfschritte von 2008 mit denen von 2009 direkt verglichen. Dabei musste ich feststellen, dass sich quasi nichts geändert hat? Sämtliche der hier diskutierten Kritieren sind auch im alten Katalog schon enthalten. Meiner ersten (groben) Zählung nach, sind 4 Unterkriterien neu hinzugekommen; alle anderen Unterschiede sind kleinere Änderungen der Formulierung oder des Satzbaus. Kein Kriterium wurde entfernt.

Ich bin ehrlichgesagt etwas ratlos... auf der BIENE-Webseite und auch hier im Artikel wird von einer "vollständigen Überarbeitung" gesprochen, von einer Aktualisierung und Entfernung technisch überholter Kriterien. Übersehe ich etwas? Oder ist die Überarbeitung wesentlich geringer ausgefallen als beschrieben?

Permalink Christian Ludwig meinte am 27.07.2009:

Unter Punkt 22.2 der BIENE Kriterienliste 2009 (http://www.einfach-fuer-alle.de/biene-2009/kriterien/#kriteriengruppe-3) werden Bread-Crumbs ausnahmslos als positives Element bewertet.

Unter Bedingung 13.4 der BITV, "Navigation schlüssig und nachvollziehbar" (http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/bitv-reloaded/anforderung-13/bedingung-13.4/#negative-beispiele), hingegen als Negativ-Beispiel genannt.

Ein Widerspruch!?

Permalink Der Caspers meinte am 27.07.2009:

> Ein Widerspruch!?

Ich sehe hier keinen Widerspruch. Der Punkt 22. der Biene-Prüfschritte testet ja nur ob es, abhängig von der Struktur des Angebotes, unterschiedliche Navigationsmöglichkeiten gibt. Breadcrumbs sind eine mögliche Variante, aber eben nur eine, und sie sind nicht zwingend vorgeschrieben. So wie viele Dinge im Prüfverfahren, die für sich genommen und je nach Angebot sinnvoll sein können oder eben nicht.
Wenn man alles, was irgendwo mal zum Thema Barrierefreiheit vorgeschlagen wurde, immer und überall in sämtliche Seiten einbauen müsste, dann wären wir sehr schnell bei Seiten, wo man vor lauter unterschiedlichen und konkurrierenden Navigationsansätzen und Konfigurationsknöpfchen kaum noch etwas vom eigentlichen Inhalt sähe.
Daher steht dieser Punkt auch nicht im Gegensatz zu der Erläuterung in der BITV-Serie - dort ist ja auch die Rede davon, dass Breadcrumbs an vielen Stellen nicht funktionieren, weil es keinen eindeutigen Pfad gibt. Konkretes Beispiel: amazon Marketplace, wo dutzende Händler versuchen, ein- und dasselbe Produkt an den Mann zu bringen – hier ist es nicht möglich, einen einmaligen Breadcrumb zu einem bestimmten Produkt zu definieren, weil es ihn ganz einfach nicht gibt.

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