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19 Mai 2009

Beim Browser-Hersteller Opera läuft seit längerem eine Studie namens MAMA (Metadata Analysis and Mining Application). Untersucht werden versteckte Qualitäten von Webseiten wie deren Aufbau und die Verwendung (oder Nicht-Verwendung) von HTML-Tags und -Attributen – gemeinhin Dinge, die man kaum mit einer herkömmlichen Suchmaschine herausfinden wird. Interessant ist sowas vor allem für Browser-Hersteller wie eben Opera, aber auch für die Weiterentwicklung von HTML (zum Beispiel zur Version 5).

Untersucht wurden mittlerweile 4,2 Mio. URLs, die Ergebnisse werden nach und nach veröffentlicht (mehr zur Methodik und eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte). Heute fanden wir im Opera Developer Network einen Artikel von Henni Swan über einige gerade aus Sicht der Barrierefreiheit interessante Teilaspekte – die Verwendung von Überschriften-Strukturen, Bildern und Datentabellen: »Opera MAMA - a sneak peek at headings, images and summary«. Hier ein paar der wichtigsten Ergebnisse:

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Es gibt kein Bier auf h3 …

  • 58,5% der untersuchten Webseiten benutzen keinerlei Überschriften-Elemente,
  • 7,9% haben hingegen gleich mehrere <h1>,
  • 16,1% fangen ihre Überschriften-Struktur nicht mit der Ebene <h1> an, sondern mit <h2>, <h3>, etc.,
  • 11,3% der Seiten überspringen Überschriften-Ebenen, und bei
  • 7,1% der Seiten sind die Überschriften-Ebenen in keiner logischen Reihenfolge.

Über die Punkte 2-5 kann man geteilter Meinung sein (und wie bei Opera vermerkt gibt es mittlerweile sogar eine Seite www.h1debate.com, wo man sich per Twitter an dieser Endlos-Debatte beteilgen kann). Was aber ganz sicher gar nicht geht ist Überschriften ganz wegzulassen, da diese gerade für Screenreader-Nutzer eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Orientierungshilfe sind.

Es gibt nichts zu sehen, gehen Sie bitte weiter …

Ganz bitter auch das Bild bei Bildern, Grafiken und deren Alternativ-Texten:

  • 75,1% der untersuchten Seiten benutzen zumindest alt-Attribute für Bilder. Was aber im Umkehrschluss leider bedeutet, dass
  • 24,9% gar keine alt-Attribute verwenden. Abgesehen davon, dass hier oftmals relevante Informationen und Funktionen für Screenreader-Nutzer verborgen bleiben heisst das auch, dass bei diesen Seiten in gängigen Screenreadern unter Umständen der Pfad der Bilddatei vorgelesen wird – der Benutzer darf dann anhand des Dateinamens selbst herausfinden, was ihm da wohl verborgen bleibt.

Auch bei Datentabellen sieht es nicht besser aus:

  • 2,4% der Seiten benutzen überhaupt das summary-Attribut, allerdings bei
  • 1,7% der Seiten fehlerhaft, nämlich in der Form von summary="layout table"

Weitere Werte, die gefunden wurden waren "layout", "layout table", "header", "navigation", "content", "banner", "main", "main table", "breadcrumb", "category" etc. Das deckt sich weitestgehend mit unseren Erfahrungen – uns sind auch schon Websites mit hunderten summary="Zusammenfassung" (wörtlich!) untergekommen. Wenn schon immer noch Layout-Tabellen eingesetzt werden, dann wenigstens so richtig falsch!

Es gibt noch viel zu tun …

Kommentare zu dieser Meldung: 5

Permalink Peter Rozek meinte am 20.05.2009:

Bei dem Alt-Attribut stellt sich noch die Frage, mit welchem Content wird das Attribut befühlt, wird es überhaupt befühlt, oder bleibt es einfach nur leer. Einfach nur alt="Foto" zu schreiben ist Witzlos, und auch nicht wirklich hilfreich.

So wie es ausschaut werden immer noch die Grundlegendsten Fehler gemacht: Fehlende Überschriften Hierarchie, fehlendes oder falsch befühltes Alt-Attribut, Tabellen und wahrscheinlich kommt noch die Baustelle Formulare hinzu.

Permalink Sebastian Höhne meinte am 25.05.2009:

@Peter Rozek

Eine gute Übersicht über die richtige Befüllung von Alt-Attributen findet sich auf den Seiten des BITV-Test.

Dort steht u.a., dass bei Fotos der abgebildete Gegenstand bezeichnet werden soll, bei Symbolen oder Logos dagegen deren Bedeutung.

Permalink Marc meinte am 27.05.2009:

Spannender wäre ja eine Untersuchung, wie viele Besucher solche Seiten zu sehen bekommen. Also sind diese Unzulänglichkeiten nur bei den privaten Geocities-Homepages oder auch bei Platzhirschen wie SpOn zu finden?

Permalink Siegfried meinte am 06.07.2009:

Alt bei Bildern ist eigentlich ganz einfach:
1. Wenn Bild Inhalt ist, dann kommt eine textuelle Beschreibung des Bildinhalts in das alt Attribut. Ist ja auch irgendwie logisch.
2. Bei Logos kommt stattdessen ein geeigneter Text rein, der als Ersatz für das graphische Logo herhalten kann. Also als Beispiel für das Quelle-Logo eben das Wort "Quelle".
3. Bei graphischen Links kommt in das alt Attribut eine kurzbeschreibung des Link-Ziels rein. Bei graphischen Navigationsbuttons wäre das z.B. der Text, der auch auf dem Button steht.
4. Bei reiner Dekoration kommt eigentlich gar kein alt Text rein, da solche Bilder theoretisch im html Nix zu suchen haben, sondern ins css gehören. Und da gibt es kein alt Attribut. Für die real existierenden Abweichungen davon wird stattdessen ein leeres alt Attribut hinzugefügt, sozusagen als Notlösung.

Permalink Alex meinte am 12.10.2009:

@Siegfried:

Stimme dir im Punkt 4 zu aber genau damit hat der Opera "Probleme". Einfach ein Html-Element definieren und diesem per Hover in der CSS eine Grafik zuweisen. Nur der Opera zeigt erst beim zweiten "Überfliegen mit der Maus" die Grafik an :)

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