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07 Sep 2007
Wochenendbeilage: die große HTML-Debatte
Wir hatten ja in der letzten Woche schon die vage Vermutung geäussert, dass der gegenwärtige Entwicklungsstand von HTML 5 sicher eine Massenhysterie einige Kontroversen verursachen wird. Zur Auffrischung: man diskutiert, ob die alt- und longdesc-Attribute wirklich zwingend vorgeschrieben werden können, oder ob die Zuordnung von Bildunterschriften nicht tatsächlich die bessere Alternative wäre (wir berichteten).
Oberflächlich betrachtet scheint es auch wirklich keine besonders brilliante Idee zu sein, Alternativtexte nur deswegen nicht mehr vorzuschreiben, weil sie eh kaum jemand einsetzt. Andererseits ist auch die Gegenseite zu verstehen: Alternativtexte sind versteckte Daten und somit nicht wirklich für alle Nutzer zugänglich – ein System, das automatisch Bildunterschriften oder ähnliches zuordnet wäre sicher die bessere Alternative (zumal Screenreader ja bereits ähnliche Methoden anwenden – nur endet dies meistens darin, dass in Ermangelung eines Alternativtextes der Dateiname vorgelesen wird).
- Roger Johansson mit einem Überblick und einigen Lösungsansätzen: »Can the alt attribute be omitted without hurting accessibility?«
- Steve Faulkner mit einer ganzen Reihe Testszenarien und den Ergebnissen in aktuellen Screenreadern: »Investigating the proposed alt attribute recommendations in HTML 5«
Das war aber alles noch nichts gegen das Theater um (Daten-)Tabellen, wo eine Diskussion über simple Attribute (id/headers vs. scope) im Verlauf der Woche so degenerierte, dass man sich schon fragen darf, ob man es mit erwachsenen Menschen zu tun hat.
Die Verantwortung für den gegenwärtigen Zustand der Web-Standards im allgemeinen und der Accessibility im Speziellen wird mal wieder (wie üblich) im Kreis herumgereicht: die Standardisten beschweren sich über technische Mängel in Screenreadern, die Hersteller von Screenreadern machen die Web-Entwickler verantwortlich, und die Web-Entwickler schieben alles auf mangelnde Standards.
Dass die Beteiligten an diesen Diskussionen noch nicht mal in der Lage sind, sich bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen richtig zu zitieren (oder im Ernstfall noch nicht mal wissen wen sie eigentlich zitieren) zeigt, wie weit die Communities der Web-Entwickler, der Browser- und Hilfsmittel-Hersteller und der Standardisierungs-Gremien noch auseinander liegen. Dabei geht es doch eigentlich nur um Tables in HTML …
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