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21 Jul 2006

In der Versuchsküche von Google gibt es eine neue Version der Suchmaschine, die dem Vernehmen nach die Barrierefreiheit der gefundenen Seiten mit in Betracht zieht und entsprechend sortiert zurückliefert: Google Accessible Search. Dabei werden durch Untersuchung des Markups ausschließlich Aspekte abgeprüft, die den rein technischen Zugang betreffen, wie man in den Accessible Search FAQ nachlesen kann.

Philipp Lenssen hat ein handliches kleines Tool gebaut, mit dem man die Suchergebnisse aus der regulären Suche mit denen der Accessible Search vergleichen kann.

Weitere Links zum Thema:

Kommentare zu dieser Meldung: 4

Permalink Jan Eric Hellbusch meinte am 25.07.2006:

Eine Zusammenfassung in deutscher Sprache zu Google Accessible Search findet sich unter:

http://www.dvbs-online.de/news199.htm

In den Links zur Meldung wird ausserdem Kritik an die Beschränkung der Barrierefreiheit für Blinde und Sehbehinderte geübt. Zum Trotz:

- Google ist eine Maschine und wertet Internetseiten maschinell aus
- Es werden Aspekte der Standardkonformität geprüft, wobei das Vorhandensein von Alternativtexten ein Teil der Standardkonformität ist.
- Es wird nicht nach der Barrierefreiheit geprüft, oder wie sollte das Vorhandensein eines Alternativtextes auf Sinnhaftigkeit geprüft werden? Vielmehr wird nach programmatisch determinierbaren Eigenschaften eine zusätzliche Bewertung der Inhalte vorgenommen.

Die Bezeichnung "Google Accessible Search" lässt sich nicht mit "mit Google barrierefreie Seiten finden" übersetzen. Es wäre ja zu schön, wenn das möglich wäre. Nein, an der Entwicklung eines solchen Bewertungsverfahrens arbeiten sehr viele Leute in Deutschland seit vielen Jahren und es wurde immer noch nichts veröffentlicht. Das auf den BIK-Test aufbauende Zertifizierungsverfahren soll aber (wieder) fast soweit sein. Wenn die Prüfschritte des BIK-Tests angeschaut werden, so wird deutlich, dass die Prüfung der Barrierefreiheit in weiten Teilen manuell erfolgt und nicht von einer Maschine geleistet werden kann.

Zurück zu Google Accessible Search: Die Idee, standardkonforme und - zumindest nach der Form - übersichtliche Seiten besser zu bewerten, finde ich gut. Es ist zumindest ein Anreiz, sich grundlegende Aspekte des Webdesigns anzueignen. Und oft ist die Trennung von Inhalt und Layout ja der erste Einstieg in die Barrierefreiheit. Man entdecke die Möglichkeiten für die Darstellung in einem PDA und ... einem Screenreader.

Standardkonformität ist aber nicht mit Barrierefreiheit zu verweckseln. Standardkonformität ist ein Aspekt der Barrierefreiheit, der vor allem für die Darstellung in alternativen Ausgabemedien vorteilhaft ist und deshalb könnten Screenreader-Nutzer tatsächlich von Google Accessible Search profitieren. Und es werden andere auch profitieren, die von der Standardkonformität profitieren. Aber die Standardkonformität sagt beispielsweise nichts über die Nutzbarkeit aus.

Fazit: Der Name des Werkzeuges greift ein wenig zu hoch. Es handelt sich um die bessere Bewertung von standardkonformen, aber nicht unbedingt barrierefreien Webinhalten. Gleichzeitig ist aber möglich, dass standardkonforme (und damit ordentlich gemachte) Seiten doch weniger Barrieren enthalten und dass vielleicht eine größere Nutzergruppe als die Blinden oder Sehbehinderten von der weiterentwickelten Suchmaschine profitieren - aber nur vielleicht.

Permalink Jürg Stuker meinte am 25.07.2006:

Einverstanden mit Herrn Hellbusch, dass der Namen der Suche von Google ein bisschen zu hoch greift. So auch die darum gemachte Kommunikation.

Was wirklich spannend wäre ist, wenn Google die (zusätzlichen) Bewertungskriterien offenlegen würde. Hoffentlich haben sie sich nicht auf den Teil der WCAG beschränkt, der sich automatisiert prüfen lässt. Von Google würde ich da schon ein bisschen mehr erwarten bspw. Berücksichtigung der Verlinkung von Sites, welche für Menschen mit Behinderungen relevant sind und/oder Verweise von spezialisierten Verzeichnissen oder Komplexitätsmetriken wie Anzahl clickbare Links oder HTML Tabellen u.s.w.

Ich mag den "geheimen" Ansatz nicht, aber standardkonforme Seite gehören auf jeden Fall besser rangiert!

Permalink Tomas Caspers meinte am 26.07.2006:

Weitestgehende Übereinstimmung mit den Vorrednern - wirklich barrierefrei ist das nicht, weder die Suchergebnisse (die sich, wenn überhaupt, nur marginal von den herkömmlichen Ergebnissen unterscheiden), noch die Aufbereitung der Suchergebnisse. Mag ja sein, daß verschachtelte Layouttabellen und font-tags in manchen Screenreadern wunderbar zu gebrauchen sind. Was aber höchstens daran liegt, daß Screenreader darauf getrimmt sind, mit Schrottcode wie diesem umzugehen.

Was mich aber am meisten ärgert ist der Wind, der um die Sache gemacht wird - die Konkurrenz liefert die Suchtreffer seit Jahren als OL aus ohne daß es irgendwer bemerkt hätte. Spaßig auch, dass der Entwickler selbst in den HTML- und XForms-Arbeitsgruppen des W3C sitzt...

Permalink Tomas Caspers meinte am 26.07.2006:

Gerade im Register gefunden:
»Raman said: "We don't test against WCAG. We think in the spirit of those guidelines, but we don't test against them verbatim.«
Beim Testen hätte eigentlich was auffallen müssen...

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