BIENE-Award 2003
Pressekonferenz BIENE-Award, 03. Dezember 2003, 17.30 Uhr, Museum für Kommunikation, Berlin:
Statement von Jutta Croll, Geschäftsführerin Stiftung Digitale Chancen
Wer ist die Stiftung Digitale Chancen und warum ein Wettbewerb zum barrierefreien Internet?
Mit der Durchführung des Wettbewerbs für barrierefrei gestaltete Websites erfüllt die Stiftung im klassischen Sinne ihre Aufgabe, einen Beitrag zu leisten zur Digitalen Integration der Gesellschaft.
Die Stiftung Digitale Chancen wurde im Januar 2002 von den Stiftern AOL Deutschland und der Universität Bremen gegründet, als Zustifter konnte die Unternehmensberatung Accenture gewonnen werden. Die Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.
Als Ziel hat sich die Stiftung gesetzt, Menschen für die Möglichkeiten des Internet zu interessieren und sie bei den ersten Schritten im Netz zu unterstützen.
Das Internet bietet Chancen für alle. Doch nicht alle können diese Vorteile nutzen. Diese sog. digitale Spaltung der Gesellschaft zu überwinden, ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die die Stiftung unterstützt.
Viele Menschen wissen noch nicht, welche Möglichkeiten ihnen das Internet bietet oder sie haben keinen Zugang, um es zu nutzen. Hier leisten wir Informations- und Unterstützungsarbeit: In unserer Datenbank haben wir inzwischen rund 7.000 Einrichtungen in Deutschland verzeichnet, in denen man das Internet öffentlich nutzen kann – einige davon sind bereits barrierefrei eingerichtet. Auskunft erteilt eine telefonische Hotline unter 01805-38 37 25 oder das Internet unter www.digitale-chancen.de/einsteiger.
Menschen mit Behinderungen haben längst den Nutzen des Internet für sich erkannt: Blinde oder hörgeschädigte Menschen profitieren ebenso wie mobilitätseingeschränkte User von E‑Commerce und online zu erledigenden Behördengängen sowie selbstbestimmter Informationsbeschaffung. Doch die Gestaltung vieler Webseiten schließt sie von der Nutzung aus. Umso wichtiger ist es, Anbieter und Webdesigner für dieses Problem zu sensibilisieren und ihnen den besonderen Nutzen z. B. von barrierefrei gestalteten Online-Transaktionen zu verdeutlichen. Deshalb haben wir uns entschieden, gemeinsam mit der Aktion Mensch den Biene-Award auszuschreiben.
Diese Form der Zusammenarbeit entspricht dem Charakter, mit dem die Stiftung ihre Aktivitäten durchführt: Sie vernetzt Organisationen und Institutionen, die gemeinsam daran arbeiten, die Internetnutzung in der Gesellschaft zu fördern.
Im Falle des Biene-Awards hat die Aktion Mensch Fachkompetenz und Finanzierung zur Verfügung gestellt und in hervorragender Weise die PR- und Öffentlichkeitsarbeit für das Thema der Barrierefreiheit geleistet, während die Stiftung Digitale Chancen die Wettbewerbsorganisation mit fachlichem Know-how und Vernetzungskompetenz übernommen hat. Im fachlichen Beirat zum Biene-Award ist es gelungen die Vertreter verschiedenen Betroffenenorganisationen zusammenzubringen mit Expertinnen und Experten für barrierefreies Internet. Gemeinsam haben wir die Wettbewerbskategorien festgelegt und das Evaluationsverfahren entwickelt. Dabei war es insbesondere die Aufgabe des fachlichen Beirats, darauf zu achten, dass alle Behinderungsarten gleichermaßen Berücksichtigung finden.
Auf die Ausschreibung im Mai gab es überwältigende Resonanz, und schließlich war mit der Bewertung der 173 eingereichten Beiträge ein beachtliches Arbeitspensum zu bewältigen, bis wir der Jury in der vergangenen Woche die zur Prämierung empfohlenen Websites vorlegen konnten. In einem Ausschlussverfahren wurden zunächst an allen Beiträgen 16 Kriterien in 29 Prüfschritten geprüft. 63 Kandidaten haben alle diese Kriterien ausreichend erfüllt und das Ausschlussverfahren bestanden. Bei diesen Kandidaten wurden danach in einem sog. Feintestverfahren 80 Kriterien in 205 Prüfschritten untersucht. Aus den Ergebnissen wurden unter Berücksichtigung der Komplexität der Angebote insgesamt die 16 Kandidaten mit den besten Ergebnissen ausgewählt, hinzu kamen sieben Vorschläge für die Vergabe der Sonderpreise. Diese hatten anschließend Praxistests durch Menschen mit verschiedenen Behinderungen zu bestehen.
Die Ergebnisse dieser drei Evaluationsschritte hat schließlich der fachliche Beirat noch einmal begutachtet und eine Empfehlungsliste für die Jury erarbeitet. Die Entscheidung der Jury wird Ihnen im Laufe dieser Pressekonferenz präsentiert.
In vielen Kategorien mussten wir Abstriche machen, ein großer Teil der eingereichten Beiträge hat die Kriterien der Barrierefreiheit nur unzureichend erfüllt. Aber unabhängig davon, wen und wieviele Preisträger wir heute Abend prämieren, ist die Nutzung des Internet durch Menschen mit Behinderungen durch die weitreichenden Bemühungen um Barrierefreiheit, die der Wettbewerb im Laufe dieses Jahres angestoßen hat, vorangekommen.
Für die Zukunft ist vorrangig darauf zu achten, dass im Hinblick auf Barrierefreiheit nicht nur Mindestanforderungen, sondern auch höhere Qualitätsstandards eingehalten werden. Zurzeit ist im Web noch nicht überall Barrierefreiheit drin, wo barrierefrei drauf steht. Das wollen wir ändern, denn es gilt: Erst wenn die Chancen des Internet allen Menschen gleichermaßen offen stehen, kann die digitale Spaltung überwunden und digitale Integration erreicht werden. Daran arbeiten wir weiter – gemeinsam mit unseren Partnern.






