BIENE-Award 2003
Pressekonferenz BIENE-Award, 03. Dezember 2003, 17.30 Uhr, Museum für Kommunikation, Berlin:
Statement von Iris Cornelssen, Projektleiterin ›Einfach für Alle‹ der Aktion Mensch
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
›Einfach für Alle‹ ist der Titel der Initiative der Aktion Mensch zum Thema barrierefreies Webdesign. Ziel der von der Aktion Mensch 2000 gestarteten Initiative ist es, Anbieter, Designer und Programmierer zu überzeugen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, die unterschiedlichen Erfordernisse der User zu berücksichtigen.
Denn zum einen eröffnet das Internet Menschen mit Behinderung nicht nur vielfältige Möglichkeiten für Alltag und Freizeit, sondern auch neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bei entsprechender Programmierung gibt es im Web keine Stufen, die für Rollstühle unpassierbar wären, keine unverständlichen Ansagen für Schwerhörige oder Gehörlose. Technische Hilfsmittel können auch Blinden die Contents der Websites erschließen. Es könnte so schön sein – wenn einfach alle an alle dächten.
Denn – auch das eine Erfahrung aus mittlerweile drei Jahren Einfach für Alle – es ist in der Regel kein böser Wille, der Anbieter und Webdesigner davon abhält, Web-Präsenzen barrierefrei zu gestalten. In der Regel ist es vielmehr Gedankenlosigkeit oder das allzu menschliche – augenscheinlich auch bei Anbietern und Webdesignern verbreitete – Bestreben, einmal eingefahrene Gleise nur ungern zu verlassen.
Zum anderen hilft barrierefreies Webdesign den Anbietern tatsächlich, Kosten zu sparen. ESPN.com, ein US–Sportnachrichten-Portal mit mehr als einer Milliarde Seitenaufrufen im Monat, begann 2003, barrierefrei umzugestalten. Die Trennung von Inhalt und Layout spart ESPN rund 50 KB pro Seite. Das macht bei 40.000.000 Aufrufen pro Tag 2 Terabyte Übertragungsrate weniger pro Tag. Das verringert die Serverlast, vereinfacht die Pflege der Seiten, führt zu schnelleren Ladezeiten und einer größeren Reichweite im Hinblick auf alternative Ausgabegeräte – bei gleich bleibender Optik.
Dass modernes Design und barrierefreie Gestaltung von Webpräsenzen keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten ein und derselben Medaille, beweist zum Beispiel auch das Ende 2001 online gegangene E–Commerce–Modul der Aktion Mensch-Lotterie. Durch den barrierefreien Zugang kann das Kundenpotenzial besser ausgeschöpft werden. Der Erfolg uns Recht: Mehr als 280.000 Lose im Gesamtwert von 5,1 Millionen Euro wurden 2002 via Internet bestellt.
›Einfach für Alle‹ bietet Usern, Designern und Anbietern eine Plattform, Bedürfnisse zu formulieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dazu wird auf allen Sites der Aktion Mensch innovativen Ansätzen Raum gegeben – zum Beispiel der Umsetzungen wichtiger Kerninformationen in Videos in Deutscher Gebärdensprache und in Texte in sogenannter »Leichter Spache« für Menschen mit geistiger Behinderung und Lernbehinderung. Aufgrund dieser Beispiele können Sie sicher, warum sich ›Einfach für Alle‹ in den letzten zwei Jahren zu einer wichtigen Internetpräsenz zum Thema barrierefreies Internet mit respektablen Zugriffszahlen entwickelt hat.
Auf der anderen Seite – Herr Gutschick hat es eingangs erwähnt – ist ›Einfach für Alle‹ ein Aufklärungsprojekt der Aktion Mensch. Das bedeutet, dass das Hauptaugenmerk auf der Information, der Überzeugungsarbeit liegt. Aus diesem Grund lag es nahe, dass die Aktion Mensch, als sie gemeinsam mit der Stiftung Digitale Chancen den BIENE-Award aus der Taufe hob, als Schwerpunkt des Wettbewerbs für sich den aufklärerischen Aspekt reklamierte.
So übernahm die Aktion Mensch nicht nur die komplette Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern gewann mit den Zeitschriften »Stern«, »Page« und »c`t« Medienpartner, die nicht nur den gesamten Wettbewerb begleitet haben, sondern zum Teil auch der Jury angehören. Diese Maßnahmen haben mit dazu beigetragen, dass der Wettbewerb nach der Ausschreibung am 5. Mai 2003 ein sehr gutes Medienecho gehabt hat.
Vor diesem Hintergrund hat der BIENE-Award aus Sicht der Aktion Mensch nicht nur das Ziel erreicht, die besten barrierefreien Angebote im Internet zu identifizieren und als Vorbild bekannt zu machen. Durch den Award wurde zudem das Thema barrierefreies Internet bzw. Zugänglichkeit in die Gesellschaft getragen.
Dies führte zu einer positiven Wahrnehmung des Themas bei allen Beteiligten - der medial vermittelten Öffentlichkeit, den Entscheidern in Agenturen und Unternehmen, der Politik und führte letztlich zu einer sehr hohen Bewerberzahl, die selbst unsere optimistischen Erwartungen weit übertroffen hat.

