BIENE-Award 2003
Grußwort von Karl Hermann Haack, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Aktion Mensch hat mit ihrem Projekt ›Einfach für Alle‹ als eine der ersten das Thema barrierefreies Internet in das Bewusstsein der Menschen geholt. Sie hat damit aber nicht nur den berechtigten Wünschen der Menschen mit Handicap Ausdruck verliehen, die das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium seit Jahren intensiv nutzen. Sie hat insbesondere zur Aufklärung innerhalb der Computerfachwelt beigetragen, welche Barrieren im Internet vorhanden sind. Und: Welche im Grunde einfachen Lösungsmöglichkeiten es gibt, diese Barrieren zu beseitigen.
Es freut mich, dass sich mittlerweile zahlreiche Anbieter von Internetangeboten bei mir melden und von sich aus nachfragen, welche Standards und Kriterien sie berücksichtigen müssen, um ihre Internetseiten barrierefrei aufzubauen. Es melden sich Privatunternehmen, die Wert auf die Kundenfreundlichkeit Ihres Unternehmens legen. Es melden sich Webanbieter, die einen berechtigten Wettbewerbsvorteil darin sehen, entsprechende Zusatzqualifikation vorweisen zu können. Es melden sich vor allen Dingen zahlreiche Firmen und Behörden, die vom Gesetz noch gar nicht dazu verpflichtet werden, und wollen von sich aus barrierefrei werden. Das zeigt mir, dass Barrierefreiheit im Internet nicht als notwendiges Übel sondern eben längst als Wettbewerbsvorteil angesehen wird.
Die Vorteile liegen auf der Hand: kurze Ladezeiten, eine übersichtliche Navigation, ansprechendes Layout und Informationen griffbereit auf einen Klick. Weniger Schnickschnack auf den Seiten bedeutet auch weniger benötigter Speicherplatz und somit mittelfristig eine Senkung der Kosten.
Damit wird Barrierefreiheit im Internet nicht nur zu einer notwendigen Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft, sondern sie wird für jeden relevant, der das Internet nutzt. Es geht bei barrierefreiem Internet nicht um Sonderregelungen für Sondergruppen. Das Internet ist das Informationsmedium Nr. 1 geworden. Seine Bedeutung wird in den kommenden Jahren stetig weiter wachsen. Bank- und Kaufgeschäfte via Internet sind längst etabliert. Aber auch immer mehr öffentliche Verwaltungen bieten online-Formulare an, um zeitaufwändige ämtergänge am Ende ganz überflüssig zu machen. Wir leben in einer digitalisierten Welt.
Mit der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik (BITV) hat der Gesetzgeber ein erstes wirksames Standardisierungsinstrument geschaffen. Eine von mir im Frühjahr gestartete Umfrage unter den Bundesministerien zeigte, dass es ein großes Interesse an Lösungen gibt. Die Umfrage zeigte aber auch, dass viele noch unsicher sind über den Weg. Auch bei denen, die vom Gesetzgeber aufgefordert sind, bis Ende 2003 bzw. Ende 2005 ihren Internetauftritt barrierefrei zu haben, gibt es unterschiedliche Interpretationen darüber, was denn eigentlich darunter zu verstehen ist. Das endet damit, dass das Internet barrierefrei ist, an das Intranet aber wieder niemand gedacht hat.
Die Verbände und Netzwerke behinderter Menschen, die Computerbranche, die Wissenschaft und vor allen Dingen Sie alle arbeiten täglich weiter an neuen Lösungen für ein wirklich umfassend barrierefreies Web. Dazu gehört sicher, dass wir nach Inkrafttreten der BITV über eine einheitliche Zertifizierung nachdenken müssen.
Es passiert eine Menge auf dem Gebiet. Und so freue ich mich, dass die Aktion Mensch den BIENE-AWARD ins Leben gerufen hat. Der AWARD ist eine Auszeichnung für die engagierten Vorkämpfer in Sachen Barrierefreiheit und eine wirkliche Qualitätsauszeichnung für die prämierten Seiten. Ich hoffe, dass der BIENE-AWARD in Zukunft einen neuen guten Anreiz bietet, den eigenen Internetauftritt barrierefrei zu gestalten.
Vielen Dank!
Ihr
Karl Hermann Haack






